TEST: Clint Digital Asgard Odin – Attraktiver, großer Wireless-Speaker für 400 EUR

Clint Odin Front Seitlich1

Man lernt nie aus:“Clint“ ist beileibe nicht nur Vorname einer Schauspieler- und Regisseurs-Legende, sondern heißt auf skandinavisch so viel wie „Felsformation“ oder „Klippe“. „Clint“ heißt auch der dänische Hersteller des Wireless-Multiroom-Lautsprechers Odin aus der Asgard-Serie, der für einen Stückpreis von 400 EUR wahlweise in schwarzer oder weißer Variante angeboten wird. Wir haben nun untersucht, ob der große Wireless-Lautsprecher im Test- und Praxisbetrieb überzeugen kann. Schließlich macht er optisch einiges her, und mit hochwertiger Verarbeitungs- und Materialqualität sieht er nach deutlich mehr aus als nach den 400 EUR, die investiert werden müssen. 

Odin ist kompatibel zu denn Wi-Fi 802.11 b/g-Standards, die neuen, schnelleren Versionen n und ac werden laut Spezifikationen nicht unterstützt. Natürlich kann man auch mit einem n- oder ac-Router arbeiten, aber die enorme Schnelligkeit dieser Devices kann nicht vom Odin-Speaker umgesetzt werden. An Sicherheitsstandards werden WEP, WPA sowie WPA2 unterstützt. Es gibt drei Möglichkeiten, den Odin ins Netzwerk einzubinden:

Clint App 12

Verschiedene Wege zur Einbindung ins Heimnetzwerk auf drahtlosem Wege

1. Mittels Router und WPS. Hier drückt man am Router (bei Push Button-Prinzip) den WPS/WLAN-Knopf, bis dieser blinkt und sozusagen „aufnahmebereit“ ist. Am Odin muss der weiße Knopf auf der Rückseite gedrückt werden,  und zwar so lange, bis nur die eine obere LED violett-blau leuchtet. Dann ist alles ok und Odin ist schnell verbunden. Leider klappte dies in unseren Versuchen oft erst beim dritten oder vierten Mal.

2. Mittels WiFi-Sharing über den Anschluss des Smartphones über das USB-Interface auf der Rückseite ist die zweite Möglichkeit zur Einbindung. 

3. Mittels Web-Interface am PC kann die Einbindung ebenfalls erfolgen

Was unpraktisch ist: Wenn man eine Komponente eingebunden hat, wird nicht gefragt, so wie z.B. bei Raumfeld by Teufel, ob man weitere Komponenten hinzufügen möchte, sondern jede Komponente muss separat hinzugefügt werden bei aktueller Firmware. Das geht praktischer. Und da wir gerade bei der Kritik sind: Wir mussten eine neue Firmware aufspielen, die seit kurzem erhältlich ist. Kein Problem, denkt man sich, schließlich ist in der App das Aktualisieren der Firmware ebenfalls vorgesehen, so wird es komfortabel über die App gehen. Mitnichten. Es erscheint auf dem Display des Smartphones eine Meldung, dass die erste Firmware-Aktualisierung manuell erfolgen muss, warum auch immer.

Und das Procedere ist dann deutlich komplexer, als wir uns das vorstellen würden: Man muss auf www.clintdigital.com  und dort die neueste Firmware, derzeit Version v42, auf den PC herunterladen. Die ca. 7,58 MB große Datei wird anschließend vom Download-Ordner auf dem PC auf einen komplett freien, formatierten USB-Stick übertragen. Der USB-Stick wird dann ins USB-Terminal des eingeschalteten Odin-Speakers gesteckt. Ist Odin nicht eingeschaltet, erledigt man dies durch Drücken des Play-/Pause-Buttons.  Durch Drücken von Mute- und Volume + (gleichzeitig 4 Sekunden lang) wird das Update dann gestartet. Alle fünf LEDs blinken danach jede Sekunde, das zeigt, dass das Update gerade durchgeführt wird. Wenn das Update beendet ist, rebootet der Lautsprecher (die vier weißen LEDs blinken schnell). Soweit, so gut, das ist alles noch machbar.

Ärgerlich ist allerdings, dass danach ein kompletter Reset des Speakers erforderlich ist. Nach dem reinen Update ist Odin noch mit dem Heimnetzwerk verbunden, aber so kann man die neue Firmware nicht einsetzen. Vielmehr muss dann der Volume + und der Volume – Knopf für 4 Sekunden gleichzeitig gedrückt werden, um ein Rest durchzuführen. Anschließend findet ein weiterer Neustart statt, und man muss Odin erneut mit dem Heimnetzwerk verbinden – das ist zu kompliziert und es besteht die Gefahr, dass sich hier Fehler einschleichen.

Clint Odin Bassreflexoeffnungen

Bassreflex-Öffnung

Clint Odin Bedienelemente Oberseite

 Bedienelemente oben auf Odin, sie nehmen die Grundform des Lautsprechers gekonnt auf und bieten einen guten Druckpunkt

Wenden wir uns den weiteren Features zu. Der USB-Port ist, wie wir es eben schon erwähnten, für das Software-Update vorhanden, ebenso kann man daran Smartphones aufladen (max. 500 mA). Music-Playback über USB ist nur von iOS-Devices möglich. Das sollte flexibler gestaltet werden. An Formaten werden MP3, LPMC, AIFF, ALAC, WMA, AAC, AAC+ und FLAC unterstützt. Sehr gut – maximal sind Samplingraten von bis zu 192 kHz/24-Bit möglich. Somit steht auch der Wiedergabe von HiRes-Audiodateien nichts im Wege. Im Inneren sorgt ein Class D-Verstärker mit 2 x 25 Watt für den nötigen Antrieb. Damit der Klang stets ausgewogen ist, steuert ein internes DSP den Signalverarbeitungs-Prozess. 

Clint Odin Rueckseite Seitlich1

Rückseite komplett

Bis zu vier Speaker, das ist recht wenig, können im Party Mode zusammen betrieben werden. Clint schweigt sich auf der Website und im Prospekt leider darüber aus, wie viele Lautsprecher der Asgard-Serie – außer dem Odin gibt es noch die kleinere „Freia“, wahlweise als Bluetooth- oder auch als BT/DLAN-Aktivlautsprecher –  maximal in einem Heimnetzwerk betrieben werden und über die App gesteuert werden können.

Clint Odin Standfuss2

Füße, optional erhältlich, aus Aluminium

6,78 kg wiegt Odin, als Zubehör gibt es Alu-Füße, in der Speaker sozusagen „hineingelegt“ wird. Sie sehen gut aus und sorgen für eine passende Anwinklung (8 Grad) hin zum Zuhörer. Odin hat 240 mm Durchmesser und ist 390 mm hoch. Odin ist, daher gibt es auch die Ständer, für die Aufstellung auf dem Boden ausgelegt. 

Screenshots der App:

Clint App 1

Auswahl der gewünschten Quelle

Clint App 3

Spotify Connect-Wiedergabe 

Clint App 2

 Auswahl bei Spotify Connect – Asgard Multiroom ist die richtige Wahl für uns

Clint App 9

Übersicht der Odin-Lautsprecher, Regelung der Lautstärke, Wiedergabe eines Titels vom Home Server

Clint App 6

Einstellungsmenü

Clint App 11

Spärliche Sound-Einstellungen

Clint App 10

Alphabetische Ordnung der Songs auf dem Home Server

Clint App 7

Umbenennung der Lautsprecher

Clint App 8

Jeder Lautsprecher verfügt über ein eigenes Einstellungsmenü 

Klang

Bei „Cream“ von Blank&Jones macht der Odin ordentlich Druck und ist um eine natürliche Tonalität bemüht. Er gibt den Aufbau der elektronischen Effekte akkurat wieder und zeigt sich auch erhöhten Lautstärken gegenüber nicht abgeneigt. Wer den Bassregler in den Toneinstellungen etwas weiter aufdreht, wird auch eine Verbesserung der Basswiedergabe feststellen. In der Mittelstellung ist die Bassintensität eher zurückhaltend. Dass Odin durchaus mehr Bass kann, wird dann deutlich, wenn man den Bassregler aufzieht. Der Bass selber ist recht trocken und präzise. Eine ehrliche, direkte Auslegung, die uns gefällt.

Und wir bleiben bei Trance-Hymnen, zu denen man „Raptor“ von Digital X durchaus auch zählen kann. Es gibt wenig Probleme mit dem ziemlich harten Bass, der Tiefgang, den Odin schafft, ist als gut, aber nicht als extrem zu bezeichnen. Hier wäre mit dem großen Gehäuse vielleicht noch mehr möglich gewesen. Im Hochtonbereich spielt Odin frei auf und distanziert sich gekonnt von vielen Wireless-Multiroom-Audio-Kollegen, die die etwas matt und emotionslos bei der Wiedergabe hoher Frequenzen daherkommen. Wie schon bei „Cream“ bemüht sich Odin erfolgreich, den Aufbau des Tracks inklusive der ganzen dynamischen Differenzen akkurat herauszustellen.

Lebendig und natürlich klingt das Ergebnis, die Räumlichkeit ist so gut, dass man durchaus auch etwas weiter weg sitzen kann, und man fühlt sich noch vom Klang umschlossen. Gern gibt Odin auch höhere Pegel wieder. Unterschiedliche DSP-Programme fehlen, es gibt nur Bass- und Höhen-Regler, aber keine dedizierten DSPs, z.B. für Rock, Pop oder Klassik. 

Nun wenden wir uns den 80er Jahren zu – Bonnie Tylers „Holding Out For A Hero“ ist hier unser erster Kandidat. Die Räumlichkeit ist erneut tadellos, was uns positiv auffällt: Das leicht Schneidende im oberen Mittelton- und Hochtonbereich, das wir schon auf verschiedenen Devices und Lautsprechern praktisch aller Preisklassen teilweise herausgehört haben, fehlt hier. Die Darstellung ist natürlich und lebendig, mit einer angenehmen Klarheit, die auch bei erhöhtem Pegel erhalten bleibt.

„Juliet“ von Robin Gibb beweist uns ein weiteres Mal die gute Sound-Abstimmung von Odin. Nur dass der Bass minimal hohl klingt (auf der Aufnahme), kann auch der nordische Wireless-Lautsprecher nicht ganz im Verborgenen halten. Der Aufbau des Songs mit allen dynamischen Differenzen wird gut herausgestellt. Bei Bon Jovis „Living On A Prayer“ gibt Odin richtig Gas und bietet eine respektable Dynamik und eine gute Trennung von Stimmen und Instrumenten. Die Räumlichkeit ist gut, die E-Gitarre kommt versiert und fetzig heraus.

„Take My Breath Away“ von Berlin, bekannt aus dem 80er Jahre-Film mit Tom Cruise, wird auch sehr gelungen wiedergegeben. Die weibliche Gesangsstimme insbesondere gefällt uns praktisch ohne Einschränkungen: Charismatisch, mit guter Betonung auch kleiner dynamischer Differenzen – das ist richtig ordentlich, was Odin hier leistet. Insgesamt, so stellen wir fest, ist der Wireless-Lautsprecher konsequent auf Natürlichkeit ausgelegt, der Klang wirkt erwachsen und kultiviert, aber nie langweilig. Eine authentische, ehrliche Auslegung, die sich wohltuend abhebt von vielen Mitwettbewerbern, die auf eine „dicke“ Basswiedergabe setzen, was dann nicht selten die Folge hat, dass sich bei höheren Pegeln Verzerrungen dazugesellen. Hinzu kommt, dass ein zu prägnanter Bassbereich andere Klanganteile überdecken kann. Odin hat einen präzisen Bass mit ausgezeichneter Impulstreue – für denjenigen, der HiFi-gemäßen Klang bei einem Wireless-Lautsprecher sucht, genau das richtige Produkt.

Bei a-has Klassiker „Take On Me“ – ebenfalls „nordischen“ Ursprungs – wächst Odin dann richtig über sich hinaus und bietet ein vielschichtiges, mitreißendes Klangerlebnis, das schlichtweg begeistert. Der Bass ist hier überragend, straff, stets spürbar, aber nie unpassend im Vordergrund. Die vokalen Elemente werden gelungen fokussiert, ohne dass die instrumentalen Parts zu weit in den Hintergrund rücken. 

Wie sieht es bei „Love In Portofino“ von Andrea Bocelli aus? Hier schöpft der Odin-Lautsprecher sein erstaunliches Potential nahezu voll aus. Er liefert einen vollen, gleichzeitig natürlichen Klang mit einer überragenden Räumlichkeit bei der Stimmwiedergabe. Das Klavier und die Streicher werden mit sehr guter Transparenz eingearbeitet. Hier sind wir überrascht, wie sorgfältig Odin im Audiobereich offensichtlich abgestimmt wurde. 

HiRes-Audio-Dateien werden in sehr guter Qualität wiedergegeben, so „California Dreamin'“ von Diana Krall. Mit klarer Stimmpräsenz und einem tadellosen Aufbau können wir hier sehr gute Zensuren verteilen. Der Bass ist solide, bietet ein glaubwürdiges Fundament und sorgt für einen souveränen Klang-Gesamteindruck. „Beyond“ von Daft Punkt trumpft auch mit ordentlichem Volumen und dem schon bekannten natürlichen Klang auf. Das Ganze klingt wirklich hochwertig und kultiviert, so stellt sich das der Freunde einer tadellosen Audio-Wiedergabe vor. Das war 48 kHz/24-Bit – wie sieht es mit Dateien mit höherer Samplingrate aus? Angeblich sollte ja bis 192 kHz/24-Bit wiedergegeben werden können. Bei unserem Testsample funktionierte dies allerdings bei FLAC-Dateien nicht. Hier wurde bis 48 kHz, aber nicht darüber wiedergegeben. Bei einem 400 EUR Wireless-Lautsprecher ist das aber auch kein „Beinbruch“. 

Prinzipiell ist es auch möglich, zwei Clint-Lautsprecher zu einem Stereopaar zusammen zu fügen. Bislang funktioniert dies allerdings noch nicht. Der Party Mode geht, aber die echte Stereowiedergabe ist nicht möglich, obwohl im entsprechenden Setup ein Lautsprecher als linker und einer als rechter Speaker definiert werden können. Der gewünschte akustische Effekt kommt aber nicht zustande. Wir sind uns aber sicher, dass Clint hier entsprechende Abhilfe mittels neuer Firmwareversion schaffen wird. 

Fazit

Clint Odin Gruppenbild1

Verheißungsvolle Botschaften aus dem hohen Norden – die Dänen greifen nun auch auf dem Wireless-Audio-Markt verstärkt an. Mit einem bildschönen und hervorragend verarbeiteten Aktivlautsprecher wie dem Clint Digital Asgard Odin – der Redakteur glaubt, keinen der wohlklingenden Namen in diesem Konstrukt vergessen zu haben – stehen die Chancen auch sehr gut, den Markt aufzumischen. Die kultivierte, lebendige, räumlich authentische und erstaunlich detailreiche Akustik trägt auch dazu bei. Die App überzeugt mit sinnvollem Funktionsumfang und attraktiver Optik. Zu verbessern sind kleinere, für den Anfang typische Bugs. So funktioniert die Stereo-Pairing-Funktion noch nicht richtig, und HiRes-Flac-Dateien mit einer Samplingrate von mehr als 48 kHz wollte Odin derzeit trotz anders lautender Angaben im Datenblatt nicht wiedergeben. Auch das Aufspielen des ersten Firmware-Updates ist noch nicht ausgereift, hier sollte das Device selber automatisch alle Schritte durchführen. Wir sind uns aber sicher, dass Clint Digital all diese Probleme noch in den Griff bekommt – die Ansätze sind ohne Zweifel sehr vielversprechend. 

„Nordlichter“ im tollen Design, die zum fairen Preis eine rundherum überzeugende Akustik bieten
ausgezeichnet
Wireless-Lautsprecher bis 400 EUR
Test 17. April 2015

+ Sehr schicke Optik
+ Hochwertige Material- und Verarbeitungsqualität
+ Kultivierter, natürlicher und lebendiger Klang
+ Fairer Kaufpreis
+ Einfach zu bedienende App
+ Charging-Funktion für Smartphones

– Stereo-Pairing funktioniert derzeit nicht
– Umständliches erstes Firmware-Update

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 17. April 2015




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