DVB-T2 HD: So gut ist das neue HDTV-Fernsehen via Antenne

DVB-T FMT Nuernberg

Bis 2019 soll DVB-T2 HD in Deutschland das bisherige DVB-T-Fernsehen ablösen und bietet damit endlich auch HDTV-Programme über die normale Antenne. Die Kombination des DVB-T2-Übertragungsverfahrens mit dem neuen HEVC/H.265-Video-Codec ermöglicht bei DVB-T2 HD nicht nur bessere Qualität sondern weitaus mehr Sender pro Kanal als bei DVB-T. 2017 beginnt der Wechsel auf DVB-T2 HD und damit man bereits jetzt schon einmal einen Vorgeschmack bekommen kann, gibt es ab Ende Mai 2016 bereits in vielen Regionen einen ersten DVB-T2 HD-Kanal mit einem „Startpaket“, welches folgende TV-Sender in HDTV enthält:

  • Das Erste HD
  • ZDF HD
  • RTL HD (verschlüsselt)
  • VOX HD (verschlüsselt)
  • ProSieben HD (verschlüsselt)
  • SAT.1 HD (verschlüsselt)

Ein Großteil der DVB-T2 HD-Sender wird in 1080p-Auflösung ausgestrahlt. Dazu werden die Programme von ARD und ZDF von 720p auf 1080p hochskaliert. Bei den Privatsendern erfolgt eine einfachere Umwandlung von 1080i auf 1080p. Wann die Sender in der Lage sein werden, ihre Programme in nativem 1080p zu produzieren, ist noch offen.

Die privaten Programme werden auch in der Einführungsphase von DVB-T2 HD bereits verschlüsselt sein, können aber vorerst kostenfrei empfangen werden.

Voraussetzung für den Empfang der verschlüsselten Programme ist ein DVB-T2 HD-Receiver mit integriertem Irdeto-Verschlüsselungssystem für die „Freenet TV“-Plattform von Media Broadcast, über die das Angebot der Privatsender vermarktet wird. Alternativ wird für DVB-T2 HD-taugliche Fernseher auch für ca. 80 EUR ein CI+ Modul für „Freenet TV“ angeboten. Eine Smartcard wird nicht benötigt: Die Freischaltung des Bezahlangebots erfolgt über die interne Nummer des Entschlüsselungsmoduls. 

Die Ausstrahlung der sechs Sender des Einführungsangebots erfolgt durch Media Broadcast und nutzt bereits die Übertragungsparameter, die auch später voraussichtlich für die Privatsender genutzt werden. Dabei steht für einen UHF-Kanal eine Bandbreite von 27,6 Mbit/s zur Verfügung, die Platz für sechs bis sieben HDTV-Programme bietet.

Der effiziente HEVC/H.265-Video-Codec ist noch relativ neu und wurde ursprünglich für Ultra HD entwickelt. Mit einer dynamischen Kompression reichen für 1080p bereits Datenraten zwischen 2 und 5 Mbit/s aus. Die HDTV-Bilder der DVB-T2 HD-Programme sind sehr sauber komprimiert. Im Unterschied zu DVB-T mit MPEG2-Kompression, welches selbst in Szenen ohne viel Dynamik teilweise deutliche Artefakte zeigt, sieht man bei DVB-T2 HD mit HEVC-Kompression auch bei genauem Hinsehen nur ganz selten Artefakte.

Aufnahmen von HDTV-Sendungen benötigen nur ungefähr halb soviel Speicherkapazität als bei HDTV via Sat oder Kabel, wo weiterhin mit H.264 komprimiert wird. Die HDTV-Bilder bieten eine gute Schärfe, viel Kontrast und satte Farben. Die 1080p-Ausstrahlung bietet allerdings bislang noch keine Bildverbesserung im Vergleich zum bisherigen HDTV. Die hochskalierten 1080p-Bilder von „Das Erste HD“ und „ZDF HD“ zeigen bei genauem Hinsehen sogar einen kleinen Tick weniger Detail als die 720p-Bilder via Satellit. Auf einem Ultra HD-Fernseher zeigte sich hingegen bei scharfen Konturen und Texteinblendungen etwas mehr Kantenschärfe bei DVB-T2 HD im Vergleich zu DVB-S2. Das DVB-T2 HD-Signal ist trotz der komplexeren Encoder-Technik sogar etwas schneller beim Zuschauer als das bisherige DVB-T.

DVB-T2-HD

© Projektbüro DVB-T2 HD Deutschland

Die Empfangsparameter und Sendeleistungen von Media Broadcast für DVB-T2 HD ermöglichen eine Sender-Reichweite, die mit den bisherigen DVB-T-Ausstrahlungen vergleichbar ist. ARD und ZDF werden für ihre Programme ab 2017 voraussichtlich andere Übertragungsparameter für DVB-T2 nutzen, die etwas weniger Bandbreite für das Bild haben aber noch etwas mehr Reichweite bieten und auch etwas besser für den Inhouse- & mobilen Empfang geeignet sein werden.

Der Regelbetrieb des DVB-T2 HD Angebots soll im 1. Quartal 2017 in vielen Ballungsräumen starten. Dort werden dann rund 20 private Programme nach dem neuen DVB-T2-Standard mit HEVC-Kompression ausgestrahlt werden – überwiegend in HDTV.

Der Empfang der verschlüsselten „Freenet TV“-Programme wird nach einer dreimonatigen Gratisphase voraussichtlich einen Betrag im mittleren einstelligen EUR-Bereich kosten. Ein Abo ist nicht nötig. Die Vermarktung erfolgt als Prepaid-Angebot. Die voraussichtlich ebenfalls rund 20 Öffentlich-Rechtlichen Programme werden frei empfangbar ausgestrahlt.

DVB-T2 HD-Senderstandorte ab 31.05.2016 (Einführungsphase)

Senderstandort

Bundesland

Kanal

Sendeleistung

Bremerhaven-Schiffdorf

Niedersachsen

34

20 kW

Bremen

Bremen

34

50 kW

Hamburg Heinrich-Hertz-Turm

Hamburg

44

50 kW

Hamburg Höltigbaum

Hamburg

44

20 kW

Kiel

Schleswig-Holstein

52

20 kW

Lübeck

Schleswig-Holstein

44

20 kW

Stockelsdorf

Schleswig-Holstein

44

20 kW

Rostock

Mecklenburg-Vorpommern

55

40 kW

Schwerin

Mecklenburg-Vorpommern

55

50 kW

Hannover

Niedersachsen

40

50 kW

Braunschweig

Niedersachsen

40

5 kW

Braunschweig Kraftwerk

Niedersachsen

40

5 kW

Magdeburg

Sachsen-Anhalt

45

50 kW

Berlin-Alexanderplatz

Berlin

42

50 kW

Berlin-Schäferberg

Berlin

42

50 kW

Jena

Thüringen

56

10 kW

Halle

Sachsen-Anhalt

26

50 kW

Leipzig

Sachsen

26

50 kW

Aachen

Nordrhein-Westfalen

43

32 kW

Bonn

Nordrhein-Westfalen

43

20 kW

Köln

Nordrhein-Westfalen

43

20 kW

Düsseldorf

Nordrhein-Westfalen

43

50 kW

Essen

Nordrhein-Westfalen

43

50 kW

Langenberg

Nordrhein-Westfalen

43

50 kW

Wesel

Nordrhein-Westfalen

43

50 kW

Wuppertal

Nordrhein-Westfalen

43

20 kW

Dortmund

Nordrhein-Westfalen

43

50 kW

Großer Feldberg

Hessen

59

50 kW

Frankfurt/Main

Hessen

59

50 kW

Wiesbaden / Hohe Wurzel

Hessen

59

100 kW

Saarbrücken

Saarland

35

50 kW

Baden-Baden

Baden-Württemberg

35

50 kW

Stuttgart

Baden-Württemberg

28

50 kW

Nürnberg

Bayern

24

20 kW

München

Bayern

26

100 kW

Wendelstein

Bayern

26

100 kW

Die Netzabdeckungskarte von Media Broadcast zeigt bereits eine Empfangsprognose für die einzelnen Regionen. Trotz Focus auf die Ballungsräume werden je nach Region und Topographie auch weite ländliche Regionen direkt zum Start mit DVB-T2 HD-Programmen versorgt werden:

DVB-T2-HD-Netzabdeckung Erste Stufe Mai 2016

© Projektbüro DVB-T2 HD Deutschland

 

Bisherige DVB-T-Empfänger sind nicht für den DVB-T2 HD-Empfang geeignet. Viele Fernseher ab dem Modelljahr 2015 verfügen aber bereits über einen DVB-T2-Tuner mit HEVC-Decoder und einfache DVB-T2 HD-Receiver sind bereits ab ca. 40 EUR im Handel erhältlich. Geräte mit Irdeteo-Entschlüsselungssystem gibt es ab ca. 70 EUR. Darüber hinaus gibt es auch Kombi-Receiver wie den Technisat Digit ISIO STC, der auch TV-Programme via Satellit und Kabel empfangen kann (Freenet TV-Modul für verschlüsselte Programme erforderlich). Wer noch über einen alten Röhren-Fernseher verfügt, sollte darauf achten, einen DVB-T2 HD-Receiver mit SCART-Buchse zu kaufen, die selbst bei vielen billigen Geräten vorhanden ist. HDTV ist zwar via SCART nicht möglich. Trotzdem bietet DVB-T2 HD aber auch in PAL-Auflösung ein saubereres Bild als bei DVB-T. Nicht alle DVB-T2 HD-Receiver bieten auch eine Aufnahmefunktion via USB. Einige Hersteller bieten verschiedene Modellvarianten an, bei denen das Modell mit USB-Aufnahme oft nur einen geringen Aufpreis hat. Der Vorteil externer DVB-T2 HD-Receiver ist, dass diese fast immer auch eine optionale 5V-Versorgungsspannung für Antennenverstärker bieten, was bei den internen TV-Tunern nicht selbstverständlich ist.

Freenet TV-Modul

DVB-T2-Receiver für frei empfangbare Programme

DVB-T2 HD-Receiver für verschlüsselte Programme (Irdeto)

DVB-T2-Kombi-Receiver mit zusätzlichem Sat-Empfang




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