TEST: XXL-Smartphone mit 6 Zoll 18:9 Display HTC U11+

Luxus aus Taiwan. Das U11+ von HTC, einem Hersteller der in letzter Zeit deutlich häufiger mit VR-Technologie und der VR-Brille "VIVE" genannt wird, ist ein kostspieliges Smartphone und selbst online kaum unter 600 Euro zu ergattern. Das Handy im Unibody-Gehäuse ist mit einem XXL-Display im 18:9-Format ausgestattet und wirkt sauber und hochwertig verarbeitet. Wir haben uns den 6-Zöller einmal genauer angesehen.

Rückseite

Das HTC U11+ fällt auf, denn es ist sehr groß, was vor allem dem XXL-Display geschuldet ist. Doch dazu später mehr. Auffällig beim robusten Unibody-Gehäuse ist zudem die Glasrückscheibe in „Ceramic Black“, die für Spiegelungen und Farbreflexionen sorgt. Gut: Die Kameralinse und der Fingerprintscanner ragen nicht nennenswert hervor. Mit Fingerabdrücken muss man bei der Materialwahl aber zweifelsohne rechnen. Die Verarbeitungsqualität ist allerdings schlichtweg exzellent - dennoch sollte man die Rückseite besser mit einer Hülle schützen, um eventuellen Rissen oder Sprüngen vorzubeugen.

Beim Touchscreen wird mächtig geprotzt, denn es handelt sich um einen 6 Zoll großen Screen im 18:9-Format. Da auch die Breite des Gerätes gut genutzt wird, steht dem User eine sehr große Bildfläche zur Verfügung – ca. 10 Prozent mehr als beim normalen U11. Ein Display im Display gibt es diesmal allerdings nicht – schade. Dass es über- und unterhalb des Displays Aussparungen gibt, liegt wohl am Einbau von Stereo-Lautsprechern.

Screenshot

Das Display löst mit 2.880 x 1.440 Pixel auf und liefert eine tolle Schärfe. Auch die Farbabbildung ist gut, trotz dem Verzicht auf OLED. Das überzeugende Kontrastverhältnis rundet den ersten guten Eindruck ab. Der Taiwaner hat allerdings einen großen Haken: Die maximale Helligkeit ist geradezu auffällig niedrig, sodass man bei Tageslicht schnell Schwierigkeiten bekommt, alle Infos abzulesen.

Performance satt bei der integrierten Kamera. Vollgepackt mit zahlreichen Features liefert die Cam mit 12,2 Megapixell Sensor und f/1.7-Blende sehr gute Dienste. Bei Tageslicht ist die Detailschärfe auch bei langen Distanzen bemerkenswert und selbst bei geringerem Lichteinfall gelingen häufig noch Fotoalbum-reife Schnappschüsse – auch dem gut ausbalanciertem HDR-Modus sei Dank. Einziger kleiner Kritikpunkt: Die Farbdarstellung wirkt manchmal ein wenig zu üppig. Das ist allerdings deutlich weniger schlimm als ein blasser Einschlag.

Auch bei der Selfie-Kamera kommen „Aufhübscher“ auf Wunsch zum Einsatz, sodass Gesichter glatter und cleaner aussehen – aber das ist in der Oberklasse ja schon fast Standard. Durch 8 Megapixel lassen sich ebenfalls hochauflösende und qualitativ ansprechende Ergebnisse erzielen, zumal die Motive ja nicht weit entfernt sind. Auch ein Panorama-Modus gehört aber zur Ausstattung. Apropos Ausstattung, Nutzer können zurückgreifen auf Zeitlupe & -raffer, einen Profimodus sowie 4K-Camcorder mit 30 Bildern pro Sekunde (Full HD bis zu 120 Bildern pro Sekunde). Praktisches Feature: Dank vier Mikrofonen, die auch als Richtmikrofone eingesetzt werden können, sind auch bei komplexen Geräuschkulissen noch qualitativ gute Aufnahmen möglich.

Aufgenommen mit dem HTC U11+

Panorama-Aufnahme

Aufnahmen von so viel Kamera-Luxus benötigen viel Speicherplatz. Gut daher, dass gleich 128 GB intern verbaut sind, von denen immerhin 119 GB zur freien Verfügung stehen. Der Nutzer kann zudem mittels microSD-Karte noch weiter aufrüsten, wenn er/sie den zweiten Slot nicht für eine nanoSIM-Karte nutzt.

Stark ist das Smartphone auch bei den Datenschnittstellen aufgestellt, denn am Bord ist unter anderem Gigabit-LTE, ac-WLAN sowie Bluetooth 5.0 mit Android 8 Unterstützung – mehr geht aktuell nicht. Weiteres Daten-Bonbon: Ein schneller USB-3-Typ-C-Port, der auch als Kopfhörerbuchse dient. Dazu ist allerdings ein Adapter vonnöten, der nicht zum Lieferumfang gehört. Die USB-C-kompatiblen Ohrstecker punkten dafür mit intelligenter Geräuschunterdrückung und einer räumlichen Klangabbildung.

Dass es beim Fingerprintscanner Qualitätsunterschiede gibt, zeigt eindrucksvoll dieses Modell. Das rückseitig platzierte Sensorfeld arbeitet nämlich auffallend schnell und sehr zuverlässig.

Seitenansicht

Schön ist zudem, dass die Entwickler um sinnvolle Verbesserungen bemüht sind, wenn es um den Bedienkomfort geht. So lassen sich die klassischen Pull Up & Down-Menüs von jedem Displaypunkt aus mit einem entsprechenden Fingerwisch öffnen. Wischt man nach oben hat man zudem Zugriff auf ein App-Sammelbecken. Solche Optimierungen an Android 8 Oreo ergeben Sinn.

Über den Sinn von „Edge Sense“ kann man hingegen diskutieren. Durch festes Drücken auf den Displayrahmen lassen sich einige Funktionen aktivieren, auch wenn der Funker noch im Standby-Betrieb ist. Auf diese Weise hat der Nutzer beispielsweise sofort Zugriff auf die Kamera oder Taschenlampe. Das muss man aber erst einmal im Blut haben, kann aber gerade im Dunklen sehr nützlich sein. Man sollte es allerdings nicht zu sensibel einstellen und die Handhabung trainieren.

Vorbildlich: HTC verspricht mindestens zwei Jahre lang Sicherheits- und Haupt-Updates für das U11 Plus, wobei in diesem Preissegment auch ein paar Jahre mehr üblich sind.

Etwas störend beim Bedienungskonzept ist eigentlich nur die vorinstallierte News-App "News Republic", da sie sich nicht gerade selten mit lauten Push-Nachrichten zu Boulevard-Themen bemerkbar macht. Dauerhaft verheiratet muss man mit dieser App allerdings nicht sein.

Bei der Prozessorleistung merkt man sofort, dass man sich in der Spitzenklasse bewegt, denn das HTC U11+ ist in allen Situationen äußerst flott. Das liegt am leistungsstarken Achtkerner Snapdragon-835-Prozessor, der von 6 GByte Arbeitsspeicher unterstützt wird. Käufer bekommen somit ein zukunftssicheres Smartphone, das sich nicht aus der Ruhe bringen lässt – starker Auftritt!

HTC U11+

Weniger stark ist hingegen leider die Akkuleistung. Der Energiespeicher ist zwar mit 3.930-mAh opulent aufgestellt, doch im Praxistest schwankt die Rufbereitschaft recht stark, da der Taiwaner sensibel darauf reagiert, wenn das Display im Einsatz ist. Bei moderater Nutzungsintensität erreicht das Smartphone zwar bis zu fünf Tage Nonstop-Einsatz, doch sobald sich die Intensität erhöht, sinkt die Einsatzzeit auf drei Tage. Im Dauerstress geht dem Fernöstler sogar schon nach rund 8,5 Stunden die Puste aus, was deutlich kürzer ist als beim Schwestermodell U11. Gut möglich aber, dass ein Software-Update das Zusammenspiel aus Akkublock und Energie-Management nochmals optimiert. Kabelloses Laden unterstützt das Gerät übrigens nicht.

Gute Nachrichten wieder beim Sound: Der Taiwaner ist mit zwei dezenten Frontlautsprechern gerüstet, die recht dezibelstark sind und auch bei hoher Lautstärke, luftig und präzise aufspielen. Auch tiefe Frequenzen sind für die Speaker immerhin kein Niemandsland. Davon profitiert natürlich auch der Freisprecher bei der Sprachwiedergabe. Kleiner Kritikpunkt: Die Klingeltöne ab Werk sind schlichtweg öde.

Schade, dass bei Telefonaten das Smartphone von dieser Ausstattung nicht so recht profitiert. Bei den meisten Gesprächen sind zwar Nebengeräusche kein Thema, doch von der Einstufung „Festnetz-Qualität“ ist leider auch dieses Modell weit entfernt. Es fehlt, wie so häufig, eine präsente und klare Sprachwiedergabe.

Fazit

Das HTC U11+ ist ohne Zweifel ein Top-Smartphone, was man beim aufgerufenen Preis auch erwarten muss. Es hat mit dem XXL-Display, der überragenden Performance und der hochwertigen Kamera auch ein paar triftige Kaufargumente. Das Problem ist nur: Das haben die bekannten Namen im Referenzbereich auch und trotz des höheren UVPs wählen viele daher das Samsung Galaxy S9, zumal es mehr Alleinstellungsmerkmale bietet. Objektiv betrachtet ist das HTC aber auf alle Fälle sein Geld wert, vor allem wenn um die Multimedia-Nutzung geht – darauf kann man aufbauen!

Leistungsfähiges Top-Smartphone mit XXL-Display und sehr soliden Kamera-Eigenschaften

29.05.2018

+ XXL-Display
+ Top-Performance
+ Tolle Kamera

- Keine optimale Rufbereitschaft
- Zu dunkle Display-Darstellung
- Groß & schwer

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 29.05.2018

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