TEST: LG G5 – Das neue LG-Flaggschiff mit modularen Erweiterungen

Kurzer Name, großer Anspruch: Das neue Flaggschiff der Koreaner soll in der Referenzklasse kräftig mitmischen und hat eine echte Innovation im Gepäck: modulare Erweiterungsmöglichkeiten.

Das G5 kann getrost als erstes modulares Smartphone bezeichnet werden, da es sich mit individuellen „LG Friends“ nach eigenen Prioritäten erweitern lässt. Mit LG CAM Plus wird der Kamera-Komfort deutlich verbessert, während HiFi Plus mit B&O Play das Smartphone in eine kleine HiFi-Anlage verwandelt – diese Idee könnte Schule machen. Bei ausgewählten Handelspartnern gab es für Vorbesteller bis zum 16. April das Kamera-Modul CAM Plus kostenlos sogar dazu. Im Test berücksichtigen wir allerdings „nur“ die Standardausführung.

LG G5

Alles neu also beim G5? Auf dem ersten Blick nicht, denn die modulare Bauweise ist gut versteckt. Einzig die untere Linie auf der Rückseite lässt diese Besonderheit erahnen. Drückt man auf die dezente, linke Taste lässt sich das Gehäuse öffnen und so den gesamten Akkublock rausziehen. Was auch neu ist: Der An/Aus-Schalter inkl. Fingerabdrucksensor wurde zwar wieder auf die zentrale Rückseite platziert, doch die umliegende Lautstärke-Wippe liegt nun konventionell auf der linken Seite.

Ansonsten ist das Design schlicht und hochwertiger Natur, wobei durch den Modulschacht die Glasfront nicht die komplette Vorderseite überzieht. Das Leichtmetallgehäuse weist keine Spaltmaße auf und verzichtet im Gegensatz zum Vorgängermodell komplett auf eine Lederrückseite. Schön ist, dass das Hartglas über dem Display sicher vor Druckstellen schützt.

Beim Touchscreen selbst handelt es sich ein 5,3-Zoll-LCD-Dislay, das in QHD, also 1.440 x 2.560 Pixel auflöst. In punkto Pixeldichte und Schärfe spielt das G5 klar in der ersten Liga mit, während es bei der Farbwiedergabe und Helligkeit aber aktuell nicht auf dem Siegertreppchen steht. Unter dem Strich ist das Display aber klar besser als das vom G4.

LG G5 Foto 1

Gute Lichtverhältnisse

LG G5 Foto 2

Auch hier ein solides Ergebnis

Nachdem bereits das 4G im Bereich Kameraqualität mächtig etwas vorgelegt hat, war AreaDVD auf die Kamera sehr gespannt. 16 Megapixel, plus 8 Megapixel für Selfies und 4K-Videoaufzeichnungen lassen wieder aufhorchen. Im Praxistext überzeugt die Kamera auch in allen Situationen, jedoch kann der Knipser mit dem vom 4G nicht ganz mithalten. Mit kritischen Augen fällt nämlich auch bei Tageslicht ein leichtes Rauschen auf. Bei Dunkelheit ist zudem eine sehr ruhige Hand erforderlich, damit Fotos reif sind für das Fotoalbum. Schön dafür: Bei Selfies werden Gesichtspartien elegant geschönt. Gerade aus diesem Grund drängt sich das Cam Plus Modul förmlich auf, denn es bietet einen separaten Auslöseknopf sowie ein Drehrad für den digitalen Zoom. Fast noch wichtiger ist aber, dass der Energiespender so 1.200 mAh mehr Stromzufuhr erhält. Doch dazu später mehr.

Das restliche Ausstattungsprogramm lässt sich im Grunde schnell „abfrühstücken“, denn der Komfort ist nahezu lückenlos inkl. Fingerprintsensor und LTE-Advanced für bis zu 300 MBit/s – zumindest theoretisch.

Schön auch, dass sich der interne 32 GB (ca. 22 GB frei verfügbar) interner Flash-Speicher via microSD-Karte erweitern lässt, denn das ist mittlerweile nicht mehr Standard.

Schade eigentlich: Die rückseitige Platzierung des An/Aus-Schalters inklusive Tastenwippe für die Lautstärke-Regulierung ist nicht mehr vom Vorgänger-Modell übernommen worden, denn die Lautstärke-Einstellung erfolgt nun wie so häufig auf der linken Seite. Diese LG-Spezialität hat viele Fans überzeugt, da die Taste sehr schnell mit einer Hand erreichbar ist.

Dafür wurde ein Fingerprintscanner integriert, der bei sauberer Fingerplatzierung auch sehr schnell arbeitet. Allerdings gab es während der langen Testphase auch immer wieder mal Aussetzer, sodass man als Alternative den PIN eingeben musste. Dese Problem gibt es aber zur Genüge auch bei anderen Smartphone-Modellen.

LG G5 Screenshot

Android 6.0 ist integriert

Im Software-Bereich wird neuester Stand geboten: Android 6.0 Marshmallow plus LGs aktuelle Benutzeroberfläche, wobei das Zusammenspiel gut funktioniert und das Arbeitstempo durchgehend flüssig ist.

Vom Start weg werden zudem viele nützliche Apps angeboten, wobei dank logoscher Sortierung und Sammel-Icons die gute Übersicht nicht verloren geht. Wer den App-Drawer braucht muss ihn aber manuell in den Einstellungen unter „Easy Home“ aktivieren.

Nützlich ist ferner das Smart Setting, wodurch das Smartphone Situationen wie „Kopfhörer“ oder „Zu Hause“ erkennt und beispielsweise entsprechende automatisch vorgegeben Klangprofile einstellt.

Logisch, dass im neuen Flaggschiff die neueste CPU-Generation zum Einsatz kommt. Der aktuelle Snapdragon 820 hat zwar nur vier Kerne, doch dafür wird er mit gleich 4 GB Arbeitsspeicher und 2,15 MHz-Taktung unterstützt. Diese 64-Bit-Architektur sorgt für reichlich Kraftreserven und viel Spielraum für Multitasking-Spielereien.
Alles im Lot also, was man aber leider nicht über die Akkuleistung sagen kann. Der 2.800 mAh starke Wechselakku kam in mehreren Testzyklen niemals über drei volle Tage hinaus, wenn man ihn nur mit Telefonieren und gelegentlichen Surf-Sessions „quält“. Im direkten Vergleich zu aktuellen Referenz-Smartphones ist das eindeutig zu wenig, zumal auch das G5 auch bei Dauerstress bereits nach rund 8,5 Stunden Schluss ist. In diesem Punkt hängt LG Samsung & Co hinterher.

Rückseite

Dafür unterstützt der Koreaner das Typ-C-Kabel mit Quick Charge 3.0, sodass der austauschbare Akkublock bereits nach ca. zwei Stunden wieder voll aufgeladen ist.
Im Bereich Akustik sieht das Testergebnis schon wieder besser aus. Bei Telefonieren gibt es in beide Senderichtungen nichts zu bemängeln: Keine störenden Nebengeräusche und Stimmen werden ausreichend laut und klar vermitteln. Aber auch in dieser Disziplin gibt es Smartphones, die dem Ideal von Festnetz-Qualität deutlich näher sind.

Beim Sound ist auch LG leider etwas mutlos, denn der große Mono-Speaker wurde am Geräteende platziert und spielt „nur“ überdurchschnittlich auf, was angesichts der hohen Preisklasse auch eine Mindestvoraussetzung ist. Im Bereichen Höhen und Klarheit ist wie so oft alles im Grünen Bereich, aber sobald Bässe und eine hohe Lautstärke dazukommen, werden dem Speaker schnell Grenzen aufgewiesen. Wer will, muss nochmals Geld in die Hand nehmen und in das Wechselmodul von Bang & Olufsen investieren.

Fazit

Ein Fazit fällt nicht leicht. Einerseits ist die Idee der modularen Erweiterungen gut,  andererseits ist das G5 schlichtweg nicht so überzeugend wie das Vorgängergerät. Insbesondere die müde Akkuleistung und die leicht schlechtere Kamera-Qualität stören. Sollen das Anreize sein, in die „LG Friends“ zu investieren? Auch das Bang & Olufsen Wechselmodul würde sich lohnen, denn die Sound-Eigenschaften bleiben besserer Durchschnitt, da der Hersteller weiterhin mutlos bei der Platzierung des Speakers ist – immerhin aber nicht mehr auf der Rückseite. Durch das neue Konzept fiel zudem die Lederrückseite dem Rotstift zum Opfer. Sicherlich war das nicht jedermanns Geschmack, doch allein die Option zu haben, um sich optisch abzuheben, war ein gutes Kaufargument des G4. Kennt man diese Hintergründe bzw. das Vorgängermodell nicht, ist das G5 ohne Zweifel ein Top-Smartphone, wer aber das 4G besitzt, hat wenig Gründe in das Nachfolgermodell so viel Geld zu investieren – und dafür gibt es klare Punktabzüge.

Innovatives Smartphone mit modularen Erweiterungen, aber auch kleinen Schwächen
sehrgut
16.06.2016

+ Sehr gutes QHD-Display
+ Modulare Bauweise
+ Hoher Komfort

– Mäßige Akkuleistung
– Keine optimale Kamera-Qualität
– Nur ein Mono-Lautsprecher

Test: Ulf Schneider




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