TEST: KEF Kube 12b - Würdiges Familienoberhaupt mit 12" Chassis

Der Kube 12b von KEF fehlte uns noch, um das Subwoofer-Trio des britischen Traditionsherstellers komplett zu machen. Nach den überaus erfolgreichen Tests der kleineren Modelle sind die Erwartungen an den 12-Zöller natürlich groß. Allerdings kann man sich gleichzeitig fragen: Was soll da schief gehen? Die Modelle sind beinahe identisch ausgestattet und konnten uns in den bisherigen Versionen mit beinahe tadelloser Performance überzeugen. Der größte und teuerste im Bunde des Kube-Portfolios kostet 750 Euro UVP und ist mit einer 30cm Membran ausgestattet. Die Leistung von 300 Watt ist bei allen KEF-Vertretern identisch, allerdings realisiert der Kube 12b mit dem größten Chassis eine untere Grenzfrequenz von 22 Hz.

Edel anmutende Oberfläche mit KEF-Logo

Stoffbespannung

Rückseite

Zur optischen Anmutung und der Materialqualität könnten wir auch auf die Tests der anderen beiden LFE-Modelle verweisen, da sich hier die einzelnen Geschwister kaum unterscheiden. Natürlich ist beim Kube 12 alles etwas größer bemessen, so dass er auf Dimensionen von 410mm Höhe, 393 mm Breite und 410 mm Tiefe und ein Gewicht von 20,6 kg kommt. Die gerundeten Kanten, die edle Acrylglas-Oberfläche und die komplett umlaufende Stoffbespannung finden auch hier Verwendung. Auch für 750 Euro wird hier hohe Solidität und ein schicker optischer Auftritt geboten. Natürlich muss man sich in diesem Bereich, und sogar darunter, mit Konkurrenzmodellen mit hochwertigem Schleiflack messen. Uns gefällt das Design aber sehr gut und dank der geschmeidigen gerundeten Kanten passt der KEF-Woofer auch in modernere Wohnumgebungen.

Bedienelemente und Anschlüsse

Auch die rückseitigen Bedienelemente und Anschlüsse der drei KEF-Woofer sind gleich. Mittels zwei gesteckter Drehregler wird sowohl der Pegel als auch die Übergangsfrequenz festgelegt. Bei der Übergangsfrequenz gibt es nach 140 Hz die Einstellung "LFE", die die interne Filterung des Kube 12b komplett deaktiviert. Das ist sinnvoll, wenn das Bassmanagement von einem angeschlossenen AV-Receiver übernommen wird. Außerdem gibt es einen Phasenwahlschalter und natürlich einen Line/LFE Input. Der Expansion Port ist bisher ungenutzt und für die Nutzung des Speaker Inputs liegt ein kleiner Adapter dem Lieferumfang bei. Die Smart Connect-Eingänge erkennen automatisch ob ein Stereo- oder Mono-Signal anliegt und passen die Lautstärke entsprechend an.

Unauffällig sitzt der Schalter für die Einstellung des EQs neben den beiden Drehreglern. Dieser unscheinbare 3-Punkt-Button ist für eine exzellente Anpassung der EQ-Kurve abhängig der gewählten Stellposition des Subwoofers verantwortlich. Besonders bei der Aufstellung im Eck ist häufig eine Überbetonung des Bassbereichs wahrzunehmen, die mit den KEF-Subwoofern der Kube-Reihe sehr gut eliminiert wird.

Innenleben

Detailaufnahme unterer Bereich

Zumindest auf den ersten Blick hätten Foto-Aufnahmen von einem der drei Kube-Modelle ausgereicht. Auch das 30cm Subwoofer-Chassis des Kube 12b wird von einer Class D-Endstufe mit der Leistung von 300 Watt RMS angetrieben. Die Komponenten sind optimal aufeinander abgestimmt - Entwicklung, Engineerung und Fertigung der Treiber, der Elektronik und des Gehäuses kann bei KEF im eigenen Haus umgesetzt werden.

Neben dem hervorragenden EQ-Setup bringt die gesamte Kube-Reihe die "Intelligent Bass Extension" (IBX) mit. Dieser Algorhitmus sorgt für eine hohe Synchronität von Verstärker und Treiber. In Kombination mit dem geschlossenen Gehäuse kann so das volle Potential der Membran ausgeschöpft und die extrem niedrige Grenzfrequenz von 22 Hz realisiert werden. Der digitale Signalprozessor analysiert zunächst das eingehende Signal und wendet dann IBX an.

Klang

KEF legt großen Wert auf eine präzise und saubere Wiedergabe im Tieftonbereich. Gerade für Musikenthusiasten, die für die untersten Frequenzen ein wenig Unterstützung in Form eines Subwoofers suchen, soll die Kube-Serie eine exzellente Wahl darstellen. Wir beginnen unsere Klangtestreihen daher direkt mit klassischer Musik. Das norwegische Label 2L hat schon vor einigen Jahren hervorragende Aufnahmen von einer ganzen Reihe klassischer Stücke angefertigt. Die "The Nordic Sound"-Blu-ray begeistert noch heute mit einer vielfältigen Auswahl ausgezeichneter Recordings von renommierten Künstlern.

Den Start legt Marianne Thorsen in Zusammenarbeit mit den Trondheim Solistene hin und möchte mit dem Violinkonzert no.4 in D-Dur begeistern. Der Kube 12b beginnt subtil und greift in den ersten Sekunden des Violinkonzerts nur sanft in den tiefsten Bereichen ein. Als er gefordert wird, ist der blitzschnell zur Stelle und setzt den Tieftonpeak sauber um. Trocken und mit chirurgischer Präzision, so wie wir es von den kleineren Modellen gewohnt sind, greift auch das 12" Chassis ein. Von trägem Nachschwingen und lahmem Antritt ist nichts zu spüren, er wirkt stets agil und liefert sauber ab. Darüber hinaus integriert er sich ausgezeichnet in unser Surround-Ensemble und bietet in Kombination mit den Front-Komponenten eine sehr ausgewogene und geschlossene Kulisse. An wenigen Stellen des Mozart-Stückes ist ein breites Fundament gewünscht, auch hier kann der Kube 12b saubere Performance bieten und realisiert auch in unserem großen Wohnzimmer sattes Volumen. Die Unauffälligkeit, mit der der KEF-Subwoofer zu Werke geht, spielt er hier voll zu seinen Gunsten aus und komplettiert die Kulisse zu einem vollwertigen Ganzen. Das gilt auch in vollem Umfang zum folgenden Stück, eine Klaviersonate für zwei Pianos in D-Dur, ebenfalls von Mozart. Hier fällt einem der KEF-Subwoofer nur auf, wenn man dem Titel einmal ohne den aktiven Subwoofer lauscht. Nur bei wenigen Tastenanschlägen ist ein Einsatz notwendig, aber dann verleiht er dem ganzen einen vollwertigen Schliff. Auch dies zeugt von seiner hohen Präzision und dem flinken Reaktionsverhalten.

Deutlich ausgeprägter erkennt man den Einsatz im eher experimentellen Percussion-Stück "Cikada Duo" von Nordheim. Hier wird der kompakt wirkende Kube 12b gefordert - und liefert ab. Kraftvoll packt er mit hoher Geschwindigkeit zu und platziert darüber hinaus ein voluminöses darunter liegendes Fundament, dass den Zuhörer wie eine Bodenwolke umgibt. Die einzelnen Ebenen versieht der Subwoofer mit nachvollziehbarer Struktur und gibt sich auch bei trockenen Punches keine Blöße.

Wir bleiben fordernd, wechseln aber das Genre. Mit den Eagles und ihrem "Abschlusskonzert" in Melbourne wird es rockig, der Subwoofer muss allerdings auch hier ebenso präzise wie nachdrücklich arbeiten und liefert eine beachtliche Performance ab. Bis in die hohen Pegelbereiche beschallt er unsere großzügige Wohnzimmerumgebung mit satten Punches, die nicht einen Hauch von Nachschwingen erahnen lassen. Auf den Punkt kommt die Bassdrum, versetzt einen Schlag in die Magengrube und zieht sich dann so blitzschnell zurück, wie sie gekommen ist. Dabei werden die anderen Tieftonebenen nicht außer Acht gelassen, sondern ebenso mit Volumen und feindynamischen Details versehen. Auch hier begeistert die geschlossene Frontkulisse, in die der KEF-Subwoofer exzellent integriert ist, und die insgesamt stimmige Bühne. Bei "Life in the fast Lane" liefert der Kube 12b eine nicht weniger imposante Leistung ab und setzt noch einen Tick mehr Punch obenauf. Auch der erweiterte Tiefgang gegenüber den kleineren Modellen kann hier nachvollzogen werden, dabei geht es auch in den tiefsten Bereichen noch kräftig und satt zu, ohne dass dabei an Präzision eingebüßt wird.

Hart bleibt es, allerdings wechseln wir die Location nach Hollywood und wollen herausfinden, wie sich der KEF-Subwoofer beim Gun-Fu Blockbuster mit Keanu Reeves und Ian McShane "John Wick" schlägt. Der vergleichsweise kompakte Woofer realisiert eine enorm räumliche Tieftonkulisse und versetzt den Zuhörer mitten ins Geschehen. Selbst bei anspruchsvollen Elementen, wie z.B. das V8 Motorengeräusch bereits im zweiten Kapitel, liefert er Nachdruck und Struktur, die den flinken Wechsel der Zylinderexplosionen erstaunlich authentisch wirken lassen. Die typische Nachtclub-Szene mindert unseren exzellenten Eindruck keinesfalls. Die elektronische Musik gelingt treibend und die unteren Frequenzbereiche scheinen in ihrer Gänze vom KEF Woofer erfasst zu werden. Kombiniert mit den kleinkalibrigen Geschossen muss der Kube 12b auf verschiedenen Ebenen blitzschnell agieren, lässt sich davon aber nicht beeindrucken. Werden die Kaliber größer wird auch nochmal im Bereich Kraft und Nachdruck nachgelegt, so dass ein schlichtweg beeindruckendes Gesamterlebnis realisiert wird. Das untergründige Brummen, als sich die Protagonisten im Keller mit Schwimmbad und Umzugskabinen befinden, ist dem KEF übrigens nicht als Mangel anzulasten. Hier wird schlichtweg die Tonspur authentisch wiedergegeben - von der elektronischen Musik im Stockwerk darüber bleibt im Untergeschoß nur das subsonische Grollen übrig. Als der beinahe nackte, aus Game of Thrones bekannte, Alfie Owen-Allen mit John Wick im Schlepptau im oberen Geschoss ankommen, beweist der Brite erneut seine hohe Geschwindigkeit und einen kräftigen Kickbass.

Bei "Der Hobbit - Smaugs Einöde" darf der Kube 12b seine bisher beeindruckenden Leistungen gerne fortsetzen. Unermüdlich marschiert er beim Kampf mit dem riesigen Drachen nach vorne und setzt sämtliche Gesteinsbrüche und Angriffe von Smaug blitzschnell und kraftvoll um. Bei der Stimme, die Benedict Cumberbatch mit einigen elektronischen Kniffen bereitstellt, agiert er wieder sehr präzise und lässt sich sein Dasein kaum anmerken. Beim letzten Versuch den "King under the Mountain" zu besiegen und in flüssigem Gold einzuhüllen gefällt das Bass-Spektakel mit kräftigen Einschlägen und einem sehr räumlich und voluminös erscheinenden Fundament. In größeren Heimkinos kann der Kube 12 hier natürlich mit ausgewachsenen Woofern mit deutlich größerem Gehäusevolumen nicht mithalten, im Wohnzimmer aber schafft er eine beeindruckend kraftvolle und authentisch wirkende Kulisse. Abschließen wollen wir die Klangwertung mit Musik, können hier aber ruhig bei der Peter Jackson-Verfilmung bleiben, denn der Abspann wird von niemand geringerem als Ed Sheeran mit seinem Hit "I See Fire" musikalisch untermalt. Dabei greift der Kube-Sub natürlich wieder nur an vereinzelten Stellen ein. Dabei integriert er sich aber wieder hervorragend in die Kulisse und steht nicht als zusätzliches externes Element im Raum. Die schnelle Reaktion und die hohe Präzision kommen ihm hier klar zugute.

Fazit

Auch das Familienoberhaupt der Kube-Serie enttäuscht nicht. Nachdruck und Durchschlagskraft kombiniert der britische Subwoofer mit hoher Präzision und Musikalität. Trotz des höheren Preises gegenüber Kube 8b und Kube 10b wird aufgrund des modularen Prinzips keine bessere Gehäuse- oder Materialqualität geboten. Allerdings kann man festhalten, dass diese bei allen Familienmitgliedern auf einem hohen Niveau und kaum zu beanstanden ist. Dafür kitzelt der Kube 12b mit seinem 30cm großen Chassis auch eine untere Grenzfrequenz von 22 Hz aus dem voluminöseren Gehäuse - trotz des identischen Class D-Verstärkers mit 300 Watt RMS. Für die ausgezeichnete Performance ist auch die hervorragende Abstimmung der einzelnen Komponenten aufeinander verantwortlich. Mehr Schalldruck und Volumen gibt es natürlich Alternativen, die zumeist nach dem Bassreflex-Prinzip arbeiten. Der geschlossene Kube 12b muss sich in diesen Disziplinen aber nicht verstecken und liefert ein sehr trockenes Fundament mit flinkem Reaktionsverhalten. Exzellent und mit klaren Praxisvorteilen funktioniert der integrierte EQ, der je nach Aufstellungsort ein weitgehend lineares Frequenzverhalten ermöglicht.

Geschlossener Subwoofer mit bärenstarkem akustischen Auftritt, hoher Präzision und praktischen EQ-Modi

29.08.2018

 

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 29.08.2018

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