TEST: Harman Kardon SB-20 – schicke Soundbar mit hohem praktischem Nutzen?

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Schlanker Preis, schlanke, attraktive Optik: Der Harman Kardon SB20 mit 300 Watt Gesamt-Systemleistung ist ein leistungsstarker 2.1-Soundbar (bei HK heißt es wie auch bei Teufel „Der Soundbar“) mit aktivem drahtlosem Subwoofer und Bluetooth 3.0-Streaming (leider ohne aptX). Bestückt ist der Soundbar mit 4 x 55 mm Fullrange-Chassis und zwei 32 mm Hochtönern. Im Wireless-Subwoofer sitzt ein 16,5 cm Basstreiber. Maximal 100 dB Schalldruck können vom System erzeugt werden. Zum Thema „Decoder an Bord“: Dolby Digital wird decodiert, dts nicht. Für dts-Tonspuren muss daher im Setup des Blu-ray-Players eingestellt werden, dass der Player sie in PCM-Signale umwandelt und anschließend ausgibt. Frequenzen zwischen 45 Hz und 20 kHz werden wiedergegeben.

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Kleine Fernbedienung, für die Preisklasse völlig in Ordnung

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Rückseite

Der Preis  des Systems liegt mit 379 EUR auf erfreulich niedrigem Niveau. Eingebaut ist „Harman Display Surround“  als virtueller Surround-Aufpolierer. Der HDMI TV-Eingang mit Audio Return Channel (ARC) sorgt dafür, dass die SB20 vom TV-Gerät als externes Lautsprechersystem komfortabel erkannt wird, der Soundbar steht dann für alle akustischen Anwendungen zur Verfügung. Wie üblich ist es dann möglich, die Lautstärke mit der Fernbedienung des jeweiligen TV-Gerätes zu regeln. Natürlich legt Harman „für alle Fälle“ auch eine kleine Fernbedienung bei. „Harman Volume“ sorgt bei der SB20 dafür, dass man bei lauten Werbeblöcken oder anderen quellbedingten Lautstärkesprüngen nicht erschreckt – man hört immer mit annähernd der gleichen Lautstärke. 

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Elegante Erscheinung

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Bedienelemente oben

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Schlichte, zeitlose Formgebung

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HDMI, optischer Digitaleingang, 3,5 mm Aux-Input

Die SB20 bringt ein im klassischen Hochglanz-Schwarz gehaltenes Gehäuse mit. Vorn ist ein Stoff-Lautsprechergitter faltenfrei und passgenau eingefügt. Eine Wandhalterung ist auf der Rückseite eingelassen. 1008 mm ist die SB20 breit, 97mm hoch und 54 mm tief.  Das Gewicht liegt bei 2,3 kg. Das Hochglanz-Gehäuse wirkt für die Preisklasse recht edel, die abgerundete Form sieht gut aus. Spezielle Füße sorgen dafür, dass der Soundbar trotz der Rundungen fest steht, wenn man sie vor dem TV-Gerät aufbaut und nicht an der Wand befestigt. 

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Kompakter (240 mm lang, 240 mm breit, 318 mm hoch) Wireless-Subwoofer

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Schriftzug auf der Oberseite

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Von hinten

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Bassreflex-Öffnung

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Der Subwoofer strahlt nach unten ab (Downfire)

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Füße

Der kleine aktive Wireless-Subwoofer ist für die Preisklasse anständig verarbeitet, und tritt keinesfalls so billig auf, wie man es von manchen Konkurrenz-Systemen her kennt. 

So fällt die Bilanz bislang überwiegend positiv aus. Nicht gut: Es gibt kein Geräte-Display, und keine eindeutigen LEDs – dies wäre gut, um z.B. Lautstärke sowie aktuelle Quelle anzuzeigen oder die Aktivierung des virtuellen Surround-Modus. Dass das Ansprechverhalten der Lautstärke-Regelung durch die mitgelieferte Fernbedienung verbesserungswürdig ist, soll ebenfalls nicht verschwiegen werden. 

Klang

Bei „James Bond 007 – Skyfall“ gefällt das Soundbar-/Subwoofer-System von Beginn an. Entfernte Rufe eines Muezzin, der Music Score mit kräftigem Basseinsatz – 007 findet die toten beziehungsweise schwer verletzten MI6-Mitarbeiter in einer Wohnung in Istanbul. Kleine Effekte, als Bond das Notebook mit der fehlenden Festplatte beiseite wirft, oder seine Schritte im Treppenhaus kommen gut heraus. Das relativ kompakte Harman 2.1-Set erfreut durch zwei Dinge: Zum einen ist die Pegelfestigkeit wirklich tadellos, zum anderen gefällt uns der virtuelle Surround-Aufpolierer ausgesprochen gut. Er schafft während der Verfolgungsjagd durch Istanbul eine authentische Atmosphäre, weil der Klang sich nicht auf die unmittelbare Nähe zum Soundbar konzentriert, sondern sich recht frei im Raum verteilt. Bei hohem Pegel gehen dann allerdings kleinere Strukturen in allen Frequenzbereichen verloren. Das merkt man dann z.B. beim Feuer aus der Automatik-Waffe des Killers Patrice nach seinem Auto-Crash oder beim Hochdrehen der Enduro-Motoren bei der Jagd über den Dächern des Grand Bazar. Der Music Score kommt stets gut heraus, Stimmen sind fließend eingearbeitet, bei hohem Pegel leidet allerdings die Verständlichkeit etwas. Der kompakte drahtlose Subwoofer punktet mit ordentlicher Präsenz und schafft im kleineren Hörraum bis rund 20 Quadratmeter ein solides Bassfundament. Hupende Autos, quietschende Reifen, Crashs – die turbulenten Ereignisse in Istanbul kommen akustisch durchaus überzeugend heraus. Der natürliche Klang fällt durch gute Dynamik auf, und der Tiefgang ist für einen so kleinen aktiven Subwoofer richtig gut. Dynamische Wechsel kommen tadellos heraus.

Beim Mission Impossible-Film „Phantom Protocol“ haben wir in die Sequenz hereingehört, als Ethan Hunt mit seinem Team in Dubai ankommt und mit dem Land Rover zum Armani Hotel im Burj Khalifa fährt, weil dort ein Treffen mit den potentiellen Gegnern stattfinden soll. Die Fahrgeräusche des Land Rovers, die Dialoge während der Fahrt und das wilde Ausweichmanöver, nachdem die Kamele plötzlich auf der Straße auftauchten, gibt die SB200 recht gelassen wieder. Der tobende Sandsturm wird räumlich so überzeugend präsentiert, dass man auch hier wieder erstaunt sein kann, wie gut der virtuelle Surround-Aufpolierer arbeitet.

Was kann man von einer 380 EUR 2.1 Kombination erwarten? Natürlich keine enorme Feinzeichnung über den gesamten Frequenzbereich und schon gar nicht im Hochtonbereich. Trotzdem leistet das SB20-Set hier einiges – feindynamische Akzente werden durchaus gesetzt, und somit kann man selbst als Hörer mit gewissem Anspruch recht zufrieden mit der Performance sein. Das merken wir bei der Celine Dion-Blu-ray „A New Day“. Wir hören „Because You Loved Me“ – Celines Stimme ist gut eingearbeitet, und die Trennung von den Instrumenten gelingt ordentlich. Abzüge gibt es nur für den Beifall der Fans – dieser wirkt arg synthetisch und oberflächlich. Hier fehlt es dann doch an Differenzierungsvermögen. Der Bass erfreut hingegen durch ein prima Volumen und durch eine ohne Zweifel gute Präzision. Dynamische Differenzen innerhalb der Stimme werden bei normalem bis leicht erhöhtem Pegel akkurat wiedergegeben, das Kunststoff-Gehäuse neigt aber bei hoher anliegender Lautstärke dann zum leichten Dröhnen. Beim nächsten Titel „To Love You More“ zeigt sich das SB20 System ein weiteres Mal als durchaus talentiert: Die Räumlichkeit ist von einer realistischen Weite und Tiefe geprägt, durch den Einsatz des virtuellen Surround-Aufpolierers kommt es kaum zu Präzisionsverlusten bei vokalen und instrumentalen Elementen. 

„Land Of Confusion“  in der Version von Disturbed wird nun per Bluetooth zum SB20 Soundbar gestreamt – die Quelle: Spotify. Es geht rund, und die erzielbaren Pegel sind erstaunlich hoch. Allerdings kommt es dann nahe der obersten Lautstärke-Grenze doch zu hörbaren Kompressionsartefakte im Hoch- und Mitteltonbereich. Der kleine aktive Subwoofer hingegen könnte durchaus noch mehr „Feuer“ geben. Er ist für seine Größe wirklich hoch belastbar und erntet daher viel Lob. Die gute Stimmwiedergabe und die sehr stimmige Einarbeitung der E-Gitarre sind bei Zimmerlautstärke bis leicht erhöhtem Pegel als Pluspunkt festzuhalten.“Free Your Mind“ von Mario Lopez belegt auch, dass der kleine aktive Subwoofer ganz gut Gas gibt. Allerdings könnte der Bass hier den richtigen Punkt präziser treffen, das „knackige Feeling“ fehlt etwas. Das Volumen ist gut, zudem arbeitet der virtuelle Surround-Aufpolierer auch bei Spotify-Material tadellos. De-aktiviert man ihn, ist der Klang etwas fade und emotionslos. „What Is Love“ in der 2016er Version von Lost Frequencies hat Substanz und durchaus dynamischen Nachdruck bei der Wiedergabe. Die Stimme des Sängers wird tadellos eingearbeitet, sogar einige vokale Details sind herauszuhören. 

Fazit

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Harman Kardon gelingt mit dem 2.1-Set SB20 ein guter Beitrag zum Thema „kostengünstiger Soundbar mit aktivem Wireless-Subwoofer“. Der Klang ist bei aktiviertem virtuellen Surround-Aufpolierer räumlich dicht, die Präzision leidet kaum. Die Pegelfestigkeit ist sehr gut, allerdings leiden bei hohem Pegel Stimm-Verständlichkeit und Detaillierung. Durch die recht natürliche Auslegung kann man den Soundbar für Musik und Filmton verwenden. Der kompakte Subwoofer verträgt im Übrigen höhere Pegel als der eigentliche Soundbar und darf als recht leistungsfähig bezeichnet werden. Selbst beim Thema Tiefgang schneidet er gut ab, Mitgeliefert ist auch eine kleine Fernbedienung, die sogar gut verarbeitet ist, allerdings bei Betätigung der Lautstärke-Regelung zu träge reagiert. Bluetooth ist an Bord und funktioniert problemlos und zuverlässig, vermisst wird aptX. Auch ein Display wäre wünschenswert gewesen. Die Verarbeitung lässt in der Preisklasse bis 400 EUR wenig Raum für ernste Kritik, und die schicke Optik spricht auch für die SB20, die mit HDMI-ARC für komfortablen Anschluss ans TV-Gerät ausgestattet ist.

Formschöner Soundbar mit leistungsfähigem aktivem Subwoofer zum fairen Kaufpreis
ausgezeichnet
Soundbar-Subwoofer-Systeme bis 500 EUR
Test 23. Dezember 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 23. Dezember 2016




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