TEST: beyerdynamic Aventho wireless – Bluetooth On-Ear Kopfhörer mit Klang-Personalisierung

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Beyerdynamic hat im September auf der IFA 2017 in Berlin einen neuen Bluetooth-Kopfhörer vorgestellt. Dass die qualitätsorientierte Kopfhörer-Manufaktur nicht einfach einen schlichten Drahtlos-Kopfhörer auf den Markt wirft, ist für Kenner beinahe selbstverständlich. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Aventho wireless innovative Features mit sich bringt. Dazu gehört allen voran die mögliche Klang-Personalisierung: Mithilfe der MIY-Applikation für Smartphones passt sich der Kopfhörer akustisch an das individuelle Gehör an und soll von jeder Quelle eine hervorragende Qualität bieten.

Die integrierte Tesla-Technologie ist ein Garant für exzellente Klangeigenschaften. Voraussetzung bei drahtlosen Bluetooth-Kopfhörern ist aber auch eine hochwertiger Signaltransport. Deshalb unterstützt der Aventho wireless sowohl den aptX HD Codec, als auch die Übertragung via AAC an iOS-Geräte. Intuitiv soll auch die Bedienung des neuen beyerdynamic Kopfhörer gelingen: in der rechten Ohrschale ist ein Touchpad zur Steuerung integriert, auch ein hochwertiges Freisprechmikrofon findet hier Platz. Der integrierte Akku liefert laut Hersteller über 30 Stunden Musikgenuss. Den optisch attraktiven Hörer „made in Germany“ gibt es in den Farbvarianten Schwarz oder Braun zum stattlichen Preis von 449 Euro.

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Aventho wireless

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Ohrmuschel links

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USB-C Slot, Power-Button und Klinkenanschluss

Auf den ersten Blick wirkt der Aventho wireless Kopfhörer klein und zierlich. Vorwiegend aufgrund der Ohrmuscheln, die als Teil des On-Ear Kopfhörers auf Teilen der menschlichen Ohrmuschel lediglich aufliegen. Aber auch sonst wirkt der beyerdynamic Hörer sehr kompakt. Hier tragen die nicht allzu üppigen Dimensionen des Kopfbandes und der Gelenke ebenso bei wie das schlichte, technokratische Design. Der kompakte Eindruck mindert die haptisch tolle Wirkung und den gesamten Wertigkeitseindruck aber keinesfalls. Kopfband, Gelenke und Größeneinstellung sind aus Metall gefertigt, die Polsterung der Ohrmuscheln und des Kopfbandes gefallen. Die Außenseiten der Ohrmuscheln, dazu gehört auch das sensitive Touchpad, bestehen aus Kunststoff.

Der Aventho wireless ist mit einem Tesla-Treiber ausgestattet, arbeitet dynamisch und ist als geschlossener Kopfhörer konzipiert. Den Übertragunsbereich gibt beyerdynamic mit 10 bis 40.000 Hz an, die Impedanz beträgt 32 Ohm. Der integrierte Akku bietet 1050 mAh Kapazität.

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Größeneinstellung

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Detail

An der rechten Ohrmuschel befindet sich der Power-Button sowie der Ladeanschluss des Kopfhörers, der als USB-C Slot ausgeführt ist. Beim Laden blinkt die LED neben dem USB-C Anschluss rot, bei vollem Akkustand leuchtet die LED durchgängig. Auch ein 3,5mm Klinkenanschluss ist hier untergebracht. Der Aventho wireless kann so kabelgebunden verwendet werden und funktioniert auch noch problemlos, wenn der Akku vollständig entladen wurde. Klinkenkabel, Ladekabel sowie eine solide Stofftasche für den Transport sind im Lieferumfang enthalten, ein Netzteil allerdings nicht.

Bevor wir uns an die ersten Klangtests machen bzw. zunächst einmal der Einrichtung mit der MIY App widmen, koppeln wir den Aventho wireless mit einem Bluetooth-fähigen Gerät. Drückt man den Power-Button beim Anschalten des Kopfhörers für sechs Sekunden, wird das Gerät direkt in den Kopplungsmodus versetzt und erscheint auf unserem Smartphone unter den verfügbaren Bluetooth-Geräten. Praktisch sind die Ansagen einer weiblichen Stimme, z.B. zum Betriebszustand und dem aktuellen Akku-Ladestatus.

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Stofftasche

Nun geht es an die Personalisierung. Unter „Profile“ starten wir den Hörtest und unsere persönliche Klangeinstellung. Dabei stellt man zunächst nur das Geburtsjahr ein, danach folgt ein Test einzelner Frequenzbereiche. Innerhalb verschiedener Frequenzbereiche werden Testtöne in unterschiedlicher Lautstärke wiedergegeben. Immer, wenn der Ton nicht mehr gehört werden kann, sollte man den Finger vom Smartphone nehmen. Wird der Ton wieder wahrnehmbar, klickt man wieder auf den vorgesehenen Button. Subjektiv wahrgenommen werden besonders hohe Frequenzen, in geringerem Maße aber auch Bereiche der Mitten, etwas angehoben – je nach eingestellter Intensität. Dies ist natürlich auch je nach Gehör unterschiedlich. Die Intensität lässt sich innerhalb der App von 20 bis 100 Prozent (20/40/60/80/100) einstellen, um den Kopfhörer an die eigenen Anforderungen anzupassen. Die Klangpersonalisierung inklusive Hörtest dauert insgesamt knappe zehn Minuten.

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MIY App

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Kopfhörer koppeln

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Klang-Personalisierung

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Zunächst das Geburtsjahr eingeben

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Testsignale werden abgespielt

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Hörtest abgeschlossen

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Tracking

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Touch-Empfindlichkeit festlegen

Die MIY App bietet aber noch weitere Funktionen. „Tracking“ misst die Dauer sowie die Lautstärke beim täglichen Musikhören und gibt dies als prozentuales Pensum an. Überschreitet man einen Wert, der das menschliche Gehör überanstrengen könnte, wird dies angezeigt und man wird zum pausieren aufgefordert. Unter „Touch“ kann die Empfindlichkeit des Touchpads mittels Schieberegler festgelegt werden. Dabei wird festgelegt, wie druckempfindlich das Bedienfeld ist. Es reagierte während des Testbetriebs absolut zuverlässig und ohne Fehler, für uns passte die Standardeinstellung. Die Funktionen sind in der beiliegenden Bedienungsanleitung verständlich dargestellt, erklären sich aber von selbst. Neben der Pegeleinstellung, Lied vor/zurück und der Möglichkeit zu spulen, kann auch Siri oder der Google Assistant gestartet und Anrufe entgegen genommen werden.

Wir starten unsere Klangtests mit D-A-Ds „Grow or Pay“ und sind von den ersten Sekunden an von der breiten und luftigen Bühne begeistert. Auch die Stahlsaiten der Gitarre werden authentisch herausgearbeitet und treten trotz der Komplexität des Klanggeschehens nicht in den Hintergrund. Besonders positiv fällt auch die charakeristische Stimmwiedergabe des Sängers auf. Die Stimme steht zentral und der rauhe Gesangt wirkt sehr authentisch. Hervorragend gefällt uns auch das Schlagzeug, flinke und schlagkräftige Bässe sind für den beyerdynamic Kopfhörer kein Problem. Großzügiges Volumen und satte, runde Bass-Tiraden sind aber nicht die Steckenpferde des Aventho Kopfhörers. Hier wird sehr präzise und schnell agiert, trockene Bässe hart und nachdrücklich an den Mann gebracht. Was uns ebenfalls sehr gut gefällt, ist die Auslegung dieses Drahtlos-Hörers. Während manchem Kunden die Manufaktur-Kopfhörer stets etwas zu analytisch mit Betonung im Hochtonbereich erschienen, fällt dieser Kopfhörer im positiven Sinne etwas aus dem Schema. Brillianz und Detailvermögen liefert er auch, bei „Laugh ‚N‘ A 1/2“ lassen sich förmlich die Schlaghandbewegungen der Gitarre nachvollziehen, extrem oder unangenehm wird der beyerdynamic Aventho wireless aber nie. Die einzelnen Instrumente sind durchweg mühelos differenzierbar, dennoch wird eine geschlossene und dichte Klangkulisse geboten, die den Zuhörer angenehm einbettet. Lange Hör-Sessions sind so kein Problem.

Auch Thundering Voices von den Rival Sons reißt einen sofort mit, von nüchtern kühler Auslegung nichts zu spüren. Der beyerdynamic bleibt aber schon weitgehend linear und präsentiert das Geschehen in all seinen Facetten. Besonders gefällt, dass auch der Tieftonbereich entsprechend bedacht wurde und mit Kraft, Nachdruck und soliden Detailstrukturen versehen wird.

Elektronisch wird es mit Paul Kalkbrenners Interpretation des Leonard Cohen-Hits „You Want it Darker“. Die ersten Kickbässe kommen kräftig und satt daher, wenig Luft für Potential bleibt selbst beim empfundenen Volumen und der Massivität der Bass-Schläge. Die Synthesizer-Elemente sind stets sauber integriert, die Kulisse wirkt sehr weitläufig und räumlich. Mit exzellenter Authentizität kann wieder die Stimmwiedergabe punkten, die Vokalstimme des kanadischen Multitalents ist absolut unverkennbar. Als zur Mitte des Liedes die etwas runderen Bässe erklingen, muss man schon Bass-Fanatiker sein, wenn man hier noch mehr will. Die Tieftöne zeigen Struktur, wirken enorm nachdrücklich und betten als Fundament die gesamte Klangkulisse ein.

Das gilt auch für „Think“ von Kaleida. Dieser unkonventionelle Sound ist durch den Kinofilm John Wick und der berüchtigten Gun-Fu Szene im Nachtclub bekannt geworden und begeistert mit experimentellen Glocken-Sounds, tiefen, raumfüllenden Bässen und sehr sanften Vokalklängen. Diese Eigenschaften präsentiert der Aventho wireless in exzellenter Manier und verleiht dem Ganzen auch eine schwungvolle Musikalität. Einzelne Soundeffekte werden von sekundären, leiseren Klängen, begleitet, die mit dem beyerdynamic Bluetooth-Hörer problemlos nachvollziehbar sind und dem Gesamtgeschehen noch mehr Leben einhauchen. Die beiden Frauenstimmen sind ebenfalls unverwechselbar. Selbst wenn beide Damen gleichzeitig denselben Text singen, bleibt die leicht dunklere Stimme immer erkennbar. Trotzdem ergibt alles zusammen eine sehr harmonische, geschlossene Gesamtkulisse, die den Zuhörer mild umschließt.

Die überdurchschnittlich gute Stimmwiedergabe zahlt sich bei Mine und ihrem ersten gleichnamigen Album beim Titel „Raus raus raus“ absolut aus. Hier werden die charakteristischen Eigenschaften der gebürtigen Baden-Württembergerin hervorragend eingearbeitet. Blitzschnell schaltet der Kopfhörer zwischen langsamen Gesangseinlagen und flotten Instrumental-Parts um und agiert stets präzise. Die Kombination aus harten, voluminösen Bässen und der sanften, teilweise gehauchten Gesangsstimme bei „Ziehst du mit?“ gelingt dem Aventho wireless auch absolut kompromisslos. Der beyerdynamic Kopfhörer hat mit keinem Genre unserer Musik-Auswahl in irgendeiner Form Probleme und liefert ein sehr balanciertes, homogenes Klangbild ohne jegliche Präferenzen eines Frequenzbereiches. Das bedeutet aber keinesfalls, dass der beyerdynamic Hörer nicht spielfreudig oder gar langweilig wirkt. Im Gegenteil, mit hoher Authentizität und Natürlichkeit liefert er schwungvolle Musikalität und bildet auch weitläufge Bühnen sehr räumlich und detailliert ab.

 

Fazit

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Zweifellos ist der beyerdynamic Aventho wireless ein ganz hervorragender Bluetooth-Kopfhörer mit enorm hoher akustischer Leistungsfähigkeit. Der eingesetzte Tesla-Treiber liefert auch hier beim Drahtlos On-Ear eine überragende Performance mit toller Spritzigkeit, Dynamik und Ausgewogenheit ab. Darüber hinaus bietet der Aventho wireless mit der intuitiven und gut funktionierenden Touch-Bedienung sowie der MIY-App mit der möglichen Klangpersonalisierung Eigenschaften, die konventionelle Bluetooth-Kopfhörer nicht bieten können. Der Preis ist allerdings gesalzen. Klar, akustisch ist er auf hohem Niveau – dass sind aber auch andere Hörer in diesem Preisbereich, auch aus dem Hause beyerdynamic. Hier zahlt man, das ist natürlich obligatorisch, klar auch für die Vorteile und den Komfort eines kabellosen Hörers. Sehr gut, dass man dank aptX HD und AAC-Support die exzellenten Klangeigenschaften der Kopfhörer auch ohne Kabel nutzbar macht.

Bluetooth-Powerhouse mit intuitiver Touch-Bedienung und Klangpersonalisierung
ueberragend
28.11.2017

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 28.11.2017




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