XXL-TEST: Denon AVR-X3600H - 9.2-Kanal-Layout plus Vollausstattung für 1.199 Euro?

Braucht man wirklich mehr? Auf dem Papier wirkt der neue Denon AVR-X3600H wie die sprichwörtliche "eierlegende Wollmilchsau": 9.2 Kanäle, voller 3D-Audio Support inklusive DTS Virtual:X (und Atmos Height Virtualization per Firmware-Update), 8 x HDMI mit eARC-Funktionalität, Dolby Vision/HLG/HDR10 und IMAX Enhanced. Satt Power gibt es mit 180 Watt pro Kanal obendrauf. Gibt es auch etwas, dass die Denon Schaltzentrale nicht kann? Gut, mehr Kanäle gehen immer, um 7.2.4 Lautsprecherkonfigurationen direkt out-of-the-box befeuern zu können, bräuchte man 11 Verstärkerzüge. Die Neunkanal-Endstufe, die der 3600H mitbringt, werden vielen aber bereits ausreichen. Zudem kann die Vorstufensektion sogar 11.2 Kanäle verarbeiten, für die die Verstärkung der beiden weiteren Kanäle zieht man dann eine externe Stereoendstufe hinzu. Wir haben uns den flexiblen Alleskönner, der für eine UVP von 1.199 Euro erhältlich ist, genauer angesehen.

Verarbeitung außen und Fernbedienung

Quellenwahlregler am AVR-X3600H

Display und Bedienelemente

Großer Lautstärkedrehregler auf der rechten Seite

Die Ausstattung verrät es nicht, an der Vorderseite des AV-Receivers aber erkennt man, dass man es noch mit einem Gerät der mittleren Preisklasse zu tun hat: Die Frontblende ist aus Kunststoff gefertigt und es gibt keine Klappblende, die zusätzliche Bedienelemente oder Anschlüsse versteckt, wie z.B. beim teureren AVR-X4500H. Anschlüsse und Bedienelemente sitzen beim 3600H einfach mittig unterhalb des Displays. Insgesamt ist die Verarbeitungsqualität aber solide, sämtliche Bedienknöpfe weisen einen guten Druckpunkt auf und sind, ebenso wie die vorderen Anschlüsse, sauber integriert. Zaubern kann eben auch Denon nicht.

Sowohl der Quellenwahl- als auch der Lautstärkeregler sind gerastert, die Führung ist gut, der Pegelregler hat uns allerdings für ein Gerät für knapp 1.200 Euro ein wenig zu viel Spiel. Beim Display setzt man auf die bewährte Punktmatrix-Technologie. Hier haben wir nichts zu beanstanden, es ist auch bei hohem externen Lichteinfall und aus extremen Blickwinkeln ohne Probleme ablesbar und bietet ausreichend Platz für essentielle Infos. Zudem kann es gedimmt und sogar komplett abgeschaltet werden. Das Chassis selbst ist, wie üblich, aus Metall gefertigt und solide verschraubt, auch die Gerätestandfüße sind groß dimensioniert  und garantieren hohe Standfestigkeit. Lüftungsschlitze rundum inklusive der Bodenplatte sorgen dank Kamineffekt für eine gute Belüftung.

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Beiliegende Fernbedienung

Die Fernbedienung des AVR-X3600H entspricht der Remote, die wir bereits beim AVR-X2600H unter die Lupe nehmen konnten. Die gebürstete Aluminium-Optik gefällt, auch das geringe Gewicht empfinden wir positiv. Mit großen Händen ist eine einhändige Bedienung noch möglich und dank des typischen Layouts finden Heimkino-Erfahrene sich problemlos zurecht. Die Eingänge verfügen über Direktzugriffstasten, es gibt ein Navigationskreuz mit OK-Button und die Lautstärketasten sind schön groß gehalten. Alle Tasten verfügen über einen sehr guten Tastendruckpunkt, eine Beleuchtung gibt es nicht.

Für komfortables Handling sind auch die bereits bekannten vier Quick Select-Tasten integriert, mit denen man gewünschte Einstellungen für jede Quelle festlegen und mit einem einzigen Tastendruck aufrufen kann. Der AVR-X3600H kann via HDMI-CEC auch mit der Smart TV-Fernbedienung gesteuert werden. Dazu muss die HDMI-Steuerung sowie das Smart-Menü des Receivers aktiviert werden. Über den Startbildschirm des Smart-Menüs hat man auch schnellen Zugriff auf die Auswahl von Quellen und Surround-Modi, das AVR-Setup-Menü und die Quick-Select-Funktionen. Darüber hinaus gelingt die Steuerung auch mit einer App für Smartphone und Tablet. Bevor wir uns der ersten Einrichtung des AVR-X3600H zuwenden und auch die dazugehörigen Menü-Screenshots präsentieren, wenden wir uns noch der sehr umfangreichen Anschlussbestückung, dem Aufbau innen und einigen weiteren Features zu. 

Anschlussbestückung, Qualität der Videosektion

Rückseite des AVR-X3600H

7 HDMI-Eingänge hinten (+1 vorne) und 3 Ausgänge

Vorverstärker-Ausgang sowie zahlreiche analoge und digitale Anschlüsse, auch FBAS und Komponentenvideo sind an Bord

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Der AVR-X3600H bringt die bei Denon seit einigen Jahren in dieser Klasse übliche Anzahl von 8 HDMI-Eingängen mit. Ser großzügig fällt die Anzahl der HDMI-Ausgänge aus: Drei Stück sind vorhanden, das war sonst teureren Modelle vorbehalten. Alle HDMI-Slots sind HDMI 2.3 kompatibel und verarbeiten selbstverständlich alle gängigen HDR-Normen: HDR10, Dolby Vision und HLG. Nach wie vor fehlt nur HDR10+. 4K Ultra HD-Video mit 60 Hz Bildwiederholrate wird ebenfalls verarbeitet. Überdies ist HDMI eARC vorhanden, für die einfache Verbindung des AVRs mit dem TV-Gerät. Im Gegensatz zum Vorgänger ARC unterstützt eARC nun auch 3D-Audio.

Weitere Besonderheit für diese Preisliga ist die Tatsache, dass ein 11.2 Pre-Out vorhanden ist. Da der AVR-X3600H auch 11.2 Signale hinsichtlich der Vorstufensektion verarbeiten kann, hat der stolze Besitzer die Option, noch eine weitere Stereo-Endstufe anzuschließen, dann könnte man auch beispielsweise ein 7.2.4 Setup betreiben.

Überdies ist der neue Denon-AVR von der Imaging Science Foundation (ISF) zertifiziert worden. Wie wir es schon von Denon-AVRs und deren Video-Optionen her kennen, bietet auch der AVR-X3600H wieder ISF-Bildmodi für Tag und Nacht. Wie unsere Testreihen belegen, ermöglichen diese Bildmodi ein sauber gestaffeltes, farblich authentisch wirkendes Bild. Der AVR-X3600H skaliert eingehende Videosignale auf bis zu 4K hoch, also nicht nur ein Upscaling von 1.080p auf 4K, sondern eine vollständige Upconversion - nur noch relativ selten zu finden.

Auch, wenn man z.B. 720p Signale oder gar 576i Signale auf 4K hochrechnen lässt, hinterlässt der AVR-X3600H einen souveränen Eindruck. Ab und zu zittert es schon mal bei einigen Details, oder in hinteren Bildebenen verschwimmen einige kleinere Elemente - wer aber einen älteren Player mit wenig überzeugendem Upscaling und/oder einen TV mit eher durchschnittlichen Scaling-Qualitäten besitzt, kann hier durchaus den 3600H dazwischen schalten. 

Beschäftigen wir uns nach diesem Exkurs über die Güte des AVR-X3600H als Video-Prozessor mit weiteren Features. ALLM für ein verzögerungsfreies Spieleerlebnis mit der Xbox One ist ebenfalls integriert, allerdings muss auch das angeschlossene TV-Gerät ALLM unterstützen. Liebhaber von Vinyl-Platten bekommen einen dedizierten Phonoeingang serviert (für MM-Tonabnehmer). Natürlich fehlen auch Dualband-WiFi und Bluetooth nicht im Ausstattungsumfang. 

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Aufbau Innen

Der AVR-X3600H wartet für die Preisklasse mit einem ordentlichen Layout innen auf. So kommen sich gegenüber liegende Aluminium-Kühlkörper zum Einsatz, die einen effektiven Abwärme-Transport sicherstellen. Das ist beim AVR-X3600H auch sehr wichtig, da er nach wie vor auf klassische analoge Endstufeneinheiten setzt. Diese erzeugen systembedingt im Verlauf des Verstärkungsprozesses ein deutliches Mß an sogenannter Verlustwärme. Die Thermik beim 3600H gibt, so das Fazit unserer Testreihen mit 80 Prozent maximalem Pegel, auch keinen Anlass zur Sorge. Wir raten allerdings entschieden dazu ab, den AV-Receiver in ein Rack zu "zwängen". Ist nur wenig "Luft nach oben" vorhanden, kann es zur Überhitzung kommen. Wir haben den AVR-X3600H so aufgestellt, dass in etwa nochmal ein 3600H Platz gehabt hätte, bevor eine Barriere kommt - das reicht locker auch zum längeren Betrieb mit hohen Lautstärken. 

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