XXL-TEST: Denon AVR-X3600H - 9.2-Kanal-Layout plus Vollausstattung für 1.199 Euro?

Braucht man wirklich mehr? Auf dem Papier wirkt der neue Denon AVR-X3600H wie die sprichwörtliche "eierlegende Wollmilchsau": 9.2 Kanäle, voller 3D-Audio Support inklusive DTS Virtual:X (und Atmos Height Virtualization per Firmware-Update), 8 x HDMI mit eARC-Funktionalität, Dolby Vision/HLG/HDR10 und IMAX Enhanced. Satt Power gibt es mit 180 Watt pro Kanal obendrauf. Gibt es auch etwas, dass die Denon Schaltzentrale nicht kann? Gut, mehr Kanäle gehen immer, um 7.2.4 Lautsprecherkonfigurationen direkt out-of-the-box befeuern zu können, bräuchte man 11 Verstärkerzüge. Die Neunkanal-Endstufe, die der 3600H mitbringt, werden vielen aber bereits ausreichen. Zudem kann die Vorstufensektion sogar 11.2 Kanäle verarbeiten, für die die Verstärkung der beiden weiteren Kanäle zieht man dann eine externe Stereoendstufe hinzu. Wir haben uns den flexiblen Alleskönner, der für eine UVP von 1.199 Euro erhältlich ist, genauer angesehen.

Verarbeitung außen und Fernbedienung

Quellenwahlregler am AVR-X3600H

Display und Bedienelemente

Großer Lautstärkedrehregler auf der rechten Seite

Die Ausstattung verrät es nicht, an der Vorderseite des AV-Receivers aber erkennt man, dass man es noch mit einem Gerät der mittleren Preisklasse zu tun hat: Die Frontblende ist aus Kunststoff gefertigt und es gibt keine Klappblende, die zusätzliche Bedienelemente oder Anschlüsse versteckt, wie z.B. beim teureren AVR-X4500H. Anschlüsse und Bedienelemente sitzen beim 3600H einfach mittig unterhalb des Displays. Insgesamt ist die Verarbeitungsqualität aber solide, sämtliche Bedienknöpfe weisen einen guten Druckpunkt auf und sind, ebenso wie die vorderen Anschlüsse, sauber integriert. Zaubern kann eben auch Denon nicht.

Sowohl der Quellenwahl- als auch der Lautstärkeregler sind gerastert, die Führung ist gut, der Pegelregler hat uns allerdings für ein Gerät für knapp 1.200 Euro ein wenig zu viel Spiel. Beim Display setzt man auf die bewährte Punktmatrix-Technologie. Hier haben wir nichts zu beanstanden, es ist auch bei hohem externen Lichteinfall und aus extremen Blickwinkeln ohne Probleme ablesbar und bietet ausreichend Platz für essentielle Infos. Zudem kann es gedimmt und sogar komplett abgeschaltet werden. Das Chassis selbst ist, wie üblich, aus Metall gefertigt und solide verschraubt, auch die Gerätestandfüße sind groß dimensioniert  und garantieren hohe Standfestigkeit. Lüftungsschlitze rundum inklusive der Bodenplatte sorgen dank Kamineffekt für eine gute Belüftung.

Beiliegende Fernbedienung

Die Fernbedienung des AVR-X3600H entspricht der Remote, die wir bereits beim AVR-X2600H unter die Lupe nehmen konnten. Die gebürstete Aluminium-Optik gefällt, auch das geringe Gewicht empfinden wir positiv. Mit großen Händen ist eine einhändige Bedienung noch möglich und dank des typischen Layouts finden Heimkino-Erfahrene sich problemlos zurecht. Die Eingänge verfügen über Direktzugriffstasten, es gibt ein Navigationskreuz mit OK-Button und die Lautstärketasten sind schön groß gehalten. Alle Tasten verfügen über einen sehr guten Tastendruckpunkt, eine Beleuchtung gibt es nicht.

Für komfortables Handling sind auch die bereits bekannten vier Quick Select-Tasten integriert, mit denen man gewünschte Einstellungen für jede Quelle festlegen und mit einem einzigen Tastendruck aufrufen kann. Der AVR-X3600H kann via HDMI-CEC auch mit der Smart TV-Fernbedienung gesteuert werden. Dazu muss die HDMI-Steuerung sowie das Smart-Menü des Receivers aktiviert werden. Über den Startbildschirm des Smart-Menüs hat man auch schnellen Zugriff auf die Auswahl von Quellen und Surround-Modi, das AVR-Setup-Menü und die Quick-Select-Funktionen. Darüber hinaus gelingt die Steuerung auch mit einer App für Smartphone und Tablet. Bevor wir uns der ersten Einrichtung des AVR-X3600H zuwenden und auch die dazugehörigen Menü-Screenshots präsentieren, wenden wir uns noch der sehr umfangreichen Anschlussbestückung, dem Aufbau innen und einigen weiteren Features zu. 

Anschlussbestückung, Qualität der Videosektion

Rückseite des AVR-X3600H

7 HDMI-Eingänge hinten (+1 vorne) und 3 Ausgänge

Vorverstärker-Ausgang sowie zahlreiche analoge und digitale Anschlüsse, auch FBAS und Komponentenvideo sind an Bord

Der AVR-X3600H bringt die bei Denon seit einigen Jahren in dieser Klasse übliche Anzahl von 8 HDMI-Eingängen mit. Ser großzügig fällt die Anzahl der HDMI-Ausgänge aus: Drei Stück sind vorhanden, das war sonst teureren Modelle vorbehalten. Alle HDMI-Slots sind HDMI 2.3 kompatibel und verarbeiten selbstverständlich alle gängigen HDR-Normen: HDR10, Dolby Vision und HLG. Nach wie vor fehlt nur HDR10+. 4K Ultra HD-Video mit 60 Hz Bildwiederholrate wird ebenfalls verarbeitet. Überdies ist HDMI eARC vorhanden, für die einfache Verbindung des AVRs mit dem TV-Gerät. Im Gegensatz zum Vorgänger ARC unterstützt eARC nun auch 3D-Audio.

Weitere Besonderheit für diese Preisliga ist die Tatsache, dass ein 11.2 Pre-Out vorhanden ist. Da der AVR-X3600H auch 11.2 Signale hinsichtlich der Vorstufensektion verarbeiten kann, hat der stolze Besitzer die Option, noch eine weitere Stereo-Endstufe anzuschließen, dann könnte man auch beispielsweise ein 7.2.4 Setup betreiben.

Überdies ist der neue Denon-AVR von der Imaging Science Foundation (ISF) zertifiziert worden. Wie wir es schon von Denon-AVRs und deren Video-Optionen her kennen, bietet auch der AVR-X3600H wieder ISF-Bildmodi für Tag und Nacht. Wie unsere Testreihen belegen, ermöglichen diese Bildmodi ein sauber gestaffeltes, farblich authentisch wirkendes Bild. Der AVR-X3600H skaliert eingehende Videosignale auf bis zu 4K hoch, also nicht nur ein Upscaling von 1.080p auf 4K, sondern eine vollständige Upconversion - nur noch relativ selten zu finden.

Auch, wenn man z.B. 720p Signale oder gar 576i Signale auf 4K hochrechnen lässt, hinterlässt der AVR-X3600H einen souveränen Eindruck. Ab und zu zittert es schon mal bei einigen Details, oder in hinteren Bildebenen verschwimmen einige kleinere Elemente - wer aber einen älteren Player mit wenig überzeugendem Upscaling und/oder einen TV mit eher durchschnittlichen Scaling-Qualitäten besitzt, kann hier durchaus den 3600H dazwischen schalten. 

Beschäftigen wir uns nach diesem Exkurs über die Güte des AVR-X3600H als Video-Prozessor mit weiteren Features. ALLM für ein verzögerungsfreies Spieleerlebnis mit der Xbox One ist ebenfalls integriert, allerdings muss auch das angeschlossene TV-Gerät ALLM unterstützen. Liebhaber von Vinyl-Platten bekommen einen dedizierten Phonoeingang serviert (für MM-Tonabnehmer). Natürlich fehlen auch Dualband-WiFi und Bluetooth nicht im Ausstattungsumfang. 

Aufbau Innen

Der AVR-X3600H wartet für die Preisklasse mit einem ordentlichen Layout innen auf. So kommen sich gegenüber liegende Aluminium-Kühlkörper zum Einsatz, die einen effektiven Abwärme-Transport sicherstellen. Das ist beim AVR-X3600H auch sehr wichtig, da er nach wie vor auf klassische analoge Endstufeneinheiten setzt. Diese erzeugen systembedingt im Verlauf des Verstärkungsprozesses ein deutliches Mß an sogenannter Verlustwärme. Die Thermik beim 3600H gibt, so das Fazit unserer Testreihen mit 80 Prozent maximalem Pegel, auch keinen Anlass zur Sorge. Wir raten allerdings entschieden dazu ab, den AV-Receiver in ein Rack zu "zwängen". Ist nur wenig "Luft nach oben" vorhanden, kann es zur Überhitzung kommen. Wir haben den AVR-X3600H so aufgestellt, dass in etwa nochmal ein 3600H Platz gehabt hätte, bevor eine Barriere kommt - das reicht locker auch zum längeren Betrieb mit hohen Lautstärken. 

Innenleben gesamt

Endstufen mit Aluminium-Kühlkörper

Trafo

Die Ausgangsleistung (8 Ohm, 20 Hz - 20 kHz, 0.08% Klirr, 2-Kanal-Betrieb) liegt bei 105 W,
Die Ausgangsleistung (6 Ohm, 1 kHz, 0.7% Klirr, 2-Kanal-Betrieb) beträgt 135 W
und bei 1 kHz/1 Kanal ausgesteuert, 6 Ohm, 1 Prozent Klirr 180 W. Alles eher theoretische Werte, da es uns ja um das Leistungsvermögen geht, das bereit steht, wenn alle neun Kanäle oder zumindest sieben davon laufen. Wir können aber beruhigen: Wir haben den AVR-X3600H überwiegend im Siebenkanal-Betrieb und probeweise auch im 9-Kanal-Betrieb laufen lassen. Die Pegelfestigkeit reicht auch bei der Verwendung aller neun Kanäle locker aus, um den AV-Receiver an einem Set mit Standboxen und sogar ohne aktiven Subwoofer zu verwenden. Natürlich empfehlen wir trotzdem, dem AVR-X3600H für den Support im leiistungsintensiven Tiefbassbereich einen aktiven Subwoofer zur Seite zu stellen. 
Decoding, Hi-Res, Netzwerk und Multimedia
Natürlich decodiert der AVR-X3600H Dolby Atmos und DTS:X, ferner an Bord sind DTS Virtual X und die Dolby Atmos Height Virtualization-Technologie. Mit dieser können herkömmliche Stereo- und Surround-Tonspuren mit virtuellen Höheneffekten versehen werden, ohne dass man zusätzliche Deckenlautsprecher montieren muss. Die Technologie soll ein immersives Hörerlebnis sowohl mit 7.2-, 5.2- als auch 2.2-Setups bieten können. Decoder für die klassischen Tonformate Dolby Digital und DTS 5.1, für DTS-HD und Dolby True HD fehlen natürlich auch nicht. Die Wandlung von digitalen in analoge Signal übernehmen AKM 32-Bit D/A-Wandler. Auch DSD 2,8 und 5.6 MHz werden verarbeitet, nach wie vor aber kein Quad-DSD (11,2 MHz) - aber das tangiert nur am Rande, 11,2 MHz-DSD-Dateien sind bestimmt nicht die Regel.  Abgesehen von der Wiedergabe über das Netzwerk können auch am USB-Fronteingang Speichermedien angeschlossen werden. Selbstverständlich können auch MP3- und WMA-Dateien wiedergegeben werden.

Wie alle anderen AV-Receiver der Denon X-Serie unterstüzt auch der AVR-X3600H die Sprachassistenten Amazon Alexa, Google Assistant und Apple Siri. Erforderlich ist u.a. der HEOS Home Entertainment Skill und zusätzlich zum Beispiel ein Amazon Echo Dot. Mit Alexa kann man zwischen den Eingängen für verschiedene Mediaplayer umschalten, Google Assistant (aktuell nur in Englisch verfügbar) und Siri ermöglichen die Einstellung der Lautstärke oder das Springen zum nächsten Titel.

Standardmäßig ist HEOS integriert. Kostenlose und kostenpflichtige Streaming-Dienste, darunter Spotify, Deezer, Amazon Music, TuneIn, SoundCloud, TIDAL, etc. können kabellos auf HEOS kompatible Komponenten gestreamed werden. Auch Apple AirPlay 2 ist vorhanden.

Möglich mit dem AVR-X3600H ist außerdem, 9.2 Kanal-Sound in einem Raum und in einem anderen Raum einen Musikstream oder eine andere Quelle wiederzugeben. Im Heimkino kann ein Nutzer einen Film genießen, während jemand anderes in der zweiten Zone ohne Unterbrechungen Musik genießt. Das gelingt mit Aktivlautsprechern oder über die Vorverstärkerausgänge für die jeweilige Zone. Sogar ein 2-Kanal-Downmix kann mittlerweile in einer zweiten Zone wiedergegeben werden, während der ursprüngliche Mehrkanal-Surround-Sound im Hauptraum gehört wird. Ein solcher kann auch kabellos über das HEOS Multiroom-System gestreamed werden.

Weitere Features: Audyssey MultEQ XT sowie der Denon Einrichtungsassistent

Natürlich ist Denons seit Generationen bekannt guter, im Detail immer weiter verfeinerter Einrichtungsassistent integriert. Im Anschluss werden wir gleich Screenshots, des Assistenten während der Ersteinrichtung in den Test einfügen.

Für die Raumkalibrierung ist Audyssey MultEQ XT32 verantwortlich. Dynamic Volume korrigiert störende Lautstärkesprünge und Dynamic EQ sorgt auch bei geringem Pegel für dynamischen Sound. LFC (Low Frequency Containment) nutzt psychoakustische Algorithmen, um im gesamten Frequenzbereich einen ausgewogenen Klang zu ermöglichen, außerdem sollen die Ohren der Nachbarn geschont werden, ohne zu stark in den Bassbereich einzugreifen.

Sub EQ HT ermöglicht bei X.2-Konfigurationen mit zwei Subwoofern eine individuelle DSP-Abstimmung der einzelnen Subs. Mit der optional erhältlichen, kostenpflichtigen MultEQ Editor-App für iOS und Android kann der AV-Receiver noch präziser an die akustischen Gegebenheiten des Raumes angepasst werden. 

Der Denon kann extern und über IP gesteuert werden, bietet sich also auch ideal in Integrationslösungen an. Er kann über das Netzwerk von Steuergeräten bedient werden und bietet Control 4 SDDP. Außerdem ist eine Einbindung in die Hausautomatisierungstechnik von Crestron möglich.

Screenshots der Ersteinrichtung und der Menüs

Wie üblich wird zunächst die gewünschte Sprache ausgewählt

Erläuterung der Funktion des Einrichtungsassistenten

Übersicht, ob alles, was für die erste Installation benötigt wird, bereit steht

Der Assistent startet mit dem Lautsprecher-Setup

Lautsprecher-Layout 5.1.2

Hier wird in einem kurzen, verständlichen Text der Nutzen von Audyssey MultEQ XT32 erklärt

Grafisch, das zeigt dieser Screenshot, wurde der Einrichtungsassistent immer wieder überarbeitet

Nach der Lautsprecher-Installation erfolgt die Netzwerkeinbindung

Hier kann man den Namen fürs Gerät auswählen

Verbindung zwischen TV und AVR

Hinweis auf die beiden Apps

Dies waren die Screenshots des Einrichtungsassistenten, nun folgen die Screenshots des Betriebsmenüs.

Hauptmenü

Audioeinstellungen

Video-Menü

Verschiedene Bildmodi

Eingangszuordnung in tabellarischer Form

Wahlweise automatische Einmessung oder manuelles Lautsprecher-Set-Up

Lautsprecher-Setup: Manuelle Zuweisung

Netzwerk-Einstellungen

Kabelgebundene oder drahtlose Integration ins Netzwerk

AirPlay

Menü "Allgemein"

Wichtig: Immer die aktuelle Firmware verwenden

Insgesamt ist die Ersteinrichtung einfach, und nach sehr kurzer Eingewöhnungszeit ist der AVR-X3600H auch im Betrieb problemlos zu handhaben. Bei den Einstellungen hinsichtlich der Pegel, die die automatische Audyssey-Einmessung ermittelt hat, würden wir aber auf jeden Fall nochmal nachprüfen und gegebenenfalls manuell korrigieren und anpassen. 

Klang

Le Nozze di Figaro, UltraHD Blu-ray

Der Denon AV-Receiver darf sich an "Le Nozze di Figaro" versuchen, zugespielt via Ultra HD Blu-ray mit einer DTS-HD MA-Tonspur. Standesgemäß beginnen wir mit der Ouvertüre, die uns der AVR-X3600H mit einer sehr dichten Kulisse und angenehm ausgewogenen Tonalität präsentiert. Die Streicher wirken samtig-weich, an entsprechender Präsenz und Ausdruckskraft fehlt es aber nicht. Sehr gut gefällt uns, wie die Denon-Komponente den Zuhörer mit einer lebendigen Performance in die erste Konzertreihe versetzt. Es entsteht eine authentische Atmosphäre mit einer erstaunlichen Balance. Auch, als bei entsprechenden Impulsen der Subwoofer zum Einsatz kommt, geht dem AVR-X3600H diese Ausgeglichenheit nicht verloren, souverän arbeitet er die tiefen Frequenzen in das natürliche Klangbett ein und verschmilzt es zu einem mitreißenden, musikalischen Ganzen. Mit toller Stimmcharakteristik setzt der AV-Receiver seine bislang ausgezeichnete Darstellung fort und differenziert die zahlreichen akustischen Elemente sehr sauber. Gerade dieses Test-Beispiel führt vor Augen, wie enorm gut ein vergleichsweise günstiger AV-Receiver mittlerweile ist. 

Upmixing mit Dolby Surround und DTS Neural:X

Unser altbewährter DJ Tiestö dreht in Kopenhagen auf der Elements of Life-Tour die Plattenteller und verlangt dem AVR-X3600H ein Maximum an Leistung ab. Dieser liefert sehr flink und impulstreu ab und scheint von den harten Kickbässen unbeeindruckt. Wir schalten den integrierten Aufpolierer DTS Neural:X zu, da wir hier im elektronischen Genre nicht allzu sehr auf eine extrem authentische Bühnendarstellung Wert legen. Schafft der AVR-X3600H bereits mit der konventionellen Surround-Tonspur eine sehr dichte und umhüllende Club-Atmosphäre, wird dies mit dem Aufpolierer nochmals verstärkt. Das Gesamtgeschehen wirkt enorm weitläufig und kommt dem Feeling einer Großhallendisco nahe. Die schnellen Kickbässe setzt der AVR sofort um und liefert diese mit entsprechendem Nachdruck beim Zuhörer ab, auch das darunter liegende Fundament wird gut abgebildet.

Unsere Pegel-Tiraden quittiert der AVR-X3600H mit entsprechender Hitzeentwicklung - in die Schutzschaltung haben wir ihn aber, trotz Pegeleskapaden, nicht treiben können. Ebenfalls gut finden wir, dass die angenehme Auslegung auch bei hoher Lautstärke beibehalten wird. Die ohnehin leicht scharfen Stimmen von Teagan & Sara bei "Back in Your Head" wirken nicht spitzer. Die eigentliche 5.1 DTS HD Master Audio-Tonspur der Blu-ray kann der Denon AV-Receiver nicht nur per DTS Neural:X, sondern auch mit dem Dolby-proprietären Aufpolierer Dolby Surround "aufwerten". Tatsächlich ist der Unterschied der beiden Systeme in diesem speziellen Fall eher gering. Die DTS-Variante bietet hier überraschenderweise (früher war DTS Neural:X weniger ausgewogenen gelungen integriert) eine noch breitere und tiefere Bühne, was sich hier positiv auswirkt. Dennoch können wir uns auch vorstellen, dass Dolby Surround an anderer Stelle die bessere Wahl ist.

Dolby Atmos, Deadpool UltraHD Blu-ray

Natürlich darf es auch nochmal nativ sein! Das zweite Kapitel der ersten Hollywood-Verfilmung des satirischen Superhelden-Schergen Deadpool liefert uns sowohl ruhige Dialogszenen als auch eine spektakuläre Verfolgungsjagd mit unterschiedlichen Fahrzeugen, Geschossen und Explosionen. Die Stimmwiedergabe in den ersten Minuten können wir als absolut souverän beschreiben. Nicht nur die Stimme von Karan Soni, der hier einen indischen Taxifahrer gibt, wird authentisch dargestellt, auch Ryan Reynolds - mit und ohne Maske - gefällt. Schon bei der Landung des großen Helikopters wenige Sekunden später verrät der AVR-X3600H aber eine weitere Stärke: Leistung und Nachdruck. Man spürt richtig die Landung des schwerfälligen Hubschraubers, auch das überschnelle Drehen und darauf folgende langsamer werden der Rotoren wird sehr authentisch wiedergegeben. 

Kurz darauf startet die Verfolgungsjagd und der Denon AV-Receiver katapultiert uns mitten ins Geschehen. Eine enorm räumliche Kulisse wird vom ersten Moment an, nachdem Deadpool sich auf die Straße fallen lässt, geschaffen. Die dichte Atmosphäre lässt uns jeden Faustschlag und jede Kollision miterleben. Gerade bei den Zusammenstößen der Autos und Motorräder lässt der AVR-X3600H seine Muskeln spielen und zeigt, dass hier noch Reserven vorhanden sind. Mit hohem Nachdruck werden die Bässe in der Magengrube versenkt, dabei agiert der Denon AV-Receiver stets mit sehr hoher Geschwindigkeit und exzellenter Impulstreue. Dies gelingt ebenso tadellos bei schnell aufeinander folgenden kleinkalibrigen Geschossen, trotz enorm hohen Pegel wirken die Schüsse nicht unangenehm scharf und schneidend, immer steht eine solide Balance im Fokus. Mitreißend, lebendig, ausgewogen und mit schier nicht enden wollender Pegelfestigkeit schiebt der Denon AVR an.

Insgesamt hatten wir es kaum für möglich gehalten, dass ein vergleichsweise preisgünstiger AV-Receiver schon im wahrsten Wortsinne "so großes Kino" abliefert. Doch das er das kann, belegt auch unser nächstes Beispiel. 

Mission Impossible, Rogue Nation, Dolby Atmos, Wien-Sequenz

Das Wien-Kapitel dieses Mission Impossible-Teils nehmen wir immer besonders gern, da hier zum einen subtile Effekte, zum anderen deutlich massivere Effekte z.B. in Form einer Schlägerei, aber zugleich auch klassische Musik (Auszüge aus Puccinis "Turandot") vorliegen. Soll ein AV-Receiver hier überzeugende Leistungen abliefern, muss er alle diese unterschiedlichen Elemente zu einem ganzheitlichen akustischen Erlebnis verknüpfen.

Schon ganz am Anfang des Kapitels gibt der 3600H die eindrucksvolle klassische Musik, die parallel zur Ansicht des nächtlichen Wiens ertönt, mit Substanz und Dynamik zugleich wieder. Die Geräusche in der U-Bahn Station unweit der Wiener Oper, als Benjamin ankommt, beweisen die Liebe des Denon auch für kleine Details. So kommt das Geräusch des aus der Station fahrenden U-Bahn-Zuges sehr gut heraus, ebenso der spezielle Sound, als Benjamin die Scan-Brille das erste Mal aufsetzt.

Im weiteren Verlauf des Films beeindruckt uns am meisten, wie vielschichtig der Denon das Klanggeschehen herausmodelliert. Die Ereignisse auf der Bühne gibt er mit Strahlkraft beim Gesang wieder und präsentiert die instrumentalen Anteile mit einer sauber ausbalancierten Mischung aus Nachdruck und Präzision. Der Denon erweist sich als tonal sehr homogen ausgelegt, er zeigt bei den Passagen aus Turandot seine für diese Preisliga vorbildliche Mischung aus kultiviertem Auftritt und nachdrücklichem Antritt. 

Als es über der Bühne zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen Ethan und seinem Widersacher kommt, während unten die Oper weiterläuft, stellt der Denon alle akustischen Elemente mit richtig guter Differenzierung dar. Jeder Faustschlag hat eine gehörige Portion an Kraft und Dynamik, während unten die heftigen musikalischen Dynamiksprünge nach wie vor korrekt erfasst werden.

Klang Stereo

Hier hören wir Gewohntes: In Flac 48 kHz/24-Bit die beiden Titel "Desperado" und "California Dreamin" vom Diana Krall-Album "Wallflower". Bei beiden Coverversionen setzt sich der 3600H sehr gut in Szene. Nach wie vor erfüllt natürlich ein AV-Receiver für 1.200 EUR nicht die Wünsche enorm anspruchsvoller Stereo-Fans. Aber die sauberen vokalen Konturen, der akkurat abgestimmte Bassbereich und die luftigen, frischen Höhen sprechen für sich. Der Denon detailliert für seine Liga tadellos, und der Hör-Gesamteindruck ist sehr plastisch.

Jonas Kaufmann sing "Nessun Dorma" aus Puccinis Turandot (Flac 96 kHz724-Bit). Die faszinierende Stimme Kaufmanns wird vom 3600H gekonnt fokussiert. Die Instrumente bauen sich um die vokale Präsenz auf, ohne in den Hintergrund geschoben zu werden. Die gelungene Abstimmung des Hochtonbereichs wird auch bei diesem Stück deutlich. Als der Chorgesang einsetzt, platziert der Denon diesen mit angemessener Balance und gut getroffenen Konturen.

Radikaler wird es bei "Past Is Death" von Bad Religion (Flac 88,2 kHz/24-Bit). Die härtere Gangart des Punkrock-Titels geht der Denon ohne Probleme mit. Die Endstufen sprechen spontan an, und die gewollte Aggressivität im Stück schält der 3600H treffend heraus. Der Bass ist wuchtig, aber dennoch schnell zur Stelle - ein kompletter, kräftiger und dynamischer Gesamteindruck. 

Konkurrenzvergleich

Der Denon AVR-X3600H stellt für 1.199 EUR eine exzellente Okkasion dar. Sogar der 2018 präsentierte Denon AVR-X4500H gerät hinsichtlich Ausstattung und Akustik durchaus in Reichweite. Das ist aber definitiv nicht ausschließlich positiv für den AVR-X3600H zu sehen, da der noch besser ausgestattete AVR-X4500H (zh.B. noch mit Auro-3D und Auro-Matic) auf dem freien Markt sogar günstigere (um 1.100 EUR) angeboten wird. Da der 4500H nach wie vor eine "Macht" seiner Liga ist, sollte man hier wohl zuschlagen. Oder man wartet eine Weile beim AVR-X3600H, der vermutlich seinerseits im Preis fällt und dann z.B. für rund 950 EUR angeboten wird. 

Wie gut so preiswerte AVRs geworden sind, beweist der Vergleich mit dem mittlerweile in die Jahre gekommenen Onkyo TX-RZ3100. Dieser AVR setzte vor einigen Jahren neue Maßstäbe in der AVR-Oberklasse. Mittlerweile ist er sehr günstig zu bekommen (rund 1.600 EUR Marktpreis), ist aber akustisch auch nicht mehr "State Of The Art". Der AVR-X3600H klingt sogar homogener und ausgewogener, einzelne musikalische Ebenen sind besser ausbalanciert. So schnell verändert sich der Markt, oder anders gesagt: So gut sind heute AV-Receiver der oberen Mittelklasse. 

Mit Surround:AI, das mittels künstlicher Intelligenz DSP-Programm und aktuellen akustischen Inhalt optimal aufeinander anpasst, hat der Yamaha RX-A2080 ein besonders interessantes und zudem einzigartiges Feature mit an Bord. Auch die tolle App mit den zahlreichen Steuerungsoptionen für die DSP-Modi ist bis heute unerreicht. Wer viel Wert auf mächtig DSP-Power und einen in der Grundeinstellung sehr saubren Sound - auch in Stereo -legt, ist mit dem RX-A2080 extrem gut bedient, auch wenn er mit knapp 1.600 ERURT nach wie vor im Vergleich zur Konkurrenz sehr wetstabil und somit nach wie vor kostspielig ist.

Fazit

Der Denon AVR-X36500H ist hochwertig und modern sowie umfassend ausgestattet. Er bietet eine solide Verarbeitungsqualität innen wie auch außen, und akustisch trumpft er mitDynamik, Ausgewogenheit und Nachdruck groß auf. Neun Endstufen und Vollausstattung für 1.199 ERUR unverbindliche Preisempfehlung, zudem noch eine tadellose Anschlussbestückung und eine leistungsfähige Videosektion dazu, von der Integration aller drei Sprachassistenten, AirPlay 2 und Heos ganz zu schweigen: Das gab es bis vor kurzem on dieser Qualität nicht. Problematisch ist es aber, dass das 2018er Modell Denon ABVR-X4500H, mit noch besserer Ausstattung inklusive Auro-3D und noch besserer Materialqualität (Aluminum-Front, noch hochwertigerer Aufbau innen) mittlerweile für günstigere Marktpreis um 1.100 EUR zu haben ist. 

Der AVR-X3600H weiß zu begeistern: Neun Endstufen, 11.2 Vorstufe, Vollausstattung und Spitzenklang zum fairen Preis

AV-Receiver Mittelklasse
Test 26. Juli 2019

 

 

 

 

 

 

Test: Carsten Rampacher, Philipp Kind
Bilder: Sven Wunderlich
Datum: 26. Juli 2019

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