SPECIAL: Die Veränderungen in der Bildqualität bei TV-Geräten

Mittlerweile sind Ultra HD-TVs richtig preiswert geworden. Schon ab gut 400 EUR (z.B. Hisense) geht es mit 40 bis 42 Zoll los. Die beliebte 55 Zoll-Liga gibt es ab ca. 900 EUR (Samsung aus 2014), und 65 Zoll-TVs, vor zwei Jahren noch nicht teuer, sind in UHD-Auflösung mit 3.840 x 2.160 Pixel schon für gut 2.000 EUR erhältlich.

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 Man kann, wie im Falle des Panasonic TX-55CRW854, auch über 3.000 EUR für ein 55 Zoll-Gerät ausgeben, das aber dann auch hervorragende Performance bietet

Doch was kann man hinsichtlich der Bildqualität erwarten? Es ist genauso möglich, immer noch 2.500 bis über 3.000 EUR für einen 55-Zöller auszugeben. Hinsichtlich der Bildqualität, dies beweisen auch immer wieder unsere Ergebnisse in den Display Basic Checks, besteht nach wie vor Optimierungsbedarf. Beginnen wir bei der Verteilung der Bildhelligkeit. Viele UHD-TVs, gerade günstigere Preisklassen, sind Edge-LED-LCD-TVs. Das heißt, die LEDs für die bei LC-Displays zwingend notwendige Hintergrundbeleuchtung sitzen in den Ecken des Displays. Leiterbahnen führen v on dort aus das Licht hinter das Panel. Edge-Beleuchtung ermöglicht ungemein flache Display-Konstruktionen, aber es ist natürlich klar, dass in den Bildschirmecken niemals so viele LEDs Platz finden wie bei Full LED-Geräten, bei denen hinter dem Display die gesamte Fläche mit LEDs besetzt ist. Auch im Detailkontrast kann ich bei einem Edge LED-TV-Gerät nicht so viel Leistungsfähigkeit erwarten wie bei einem Full LED-Gerät. Zwar wird auch hier nicht jede LED einzeln angesteuert, sondern es werden z.B. vier LEDs zu einem einzeln schaltbaren Cluster zusammengefasst.

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 Samsungs 9590-Top-Baureihe mit Full/Direct LED 

Durch clevere Dimming-Steuerungen erzielen Full LED-Geräte, die sich meist in der Ober- und Luxusklasse finden, natürlich bessere Schwarz- und Detailkontrast-Werte. Und: Die Bildschirmhelligkeit ist homogener, während es bei Edge-LED-TVs immer wieder zu störenden Hot Spots kommt. Unter einem Hot Spot versteht man einen weißlichen Fleck, der gerade in dunklen Filmsequenzen stören kann. Und diese Neigung zu Hot Spots ist in der Regel bei Full LED-Geräten deutlich geringer. Sie sind mittlerweile auch kaum noch dicker als Edge LED-TVs.

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 Sonys Top-TVs mit hoher Bildhelligkeit, hohem Kontrast und dank TRILUMINOS erweitertem Farbraum

Verweilen wir kurz beim Thema Bildhelligkeit. Dieses ist nämlich derzeit sehr interessant. Immer mehr Hersteller offerieren bei den Topmodellen besonders hoch entwickelte Panel-Technologien, die Panels leuchten heller und schaffen einen erweiterten Maximalkontrast. DieseTop-TVs bieten gerade auch z.B. bei Nachtaufnahmen klare Kontrast und feine Hell-/Dunkel-Nivellierungen. „HDR“, High Dynamic Range, ist in diesem Zusammenhang derzeit oft diskutiertes Thema. HDR bietet eine besonders präzise Herausarbeitung von kontrastdynamischen Differenzen. Verschiedene Kameras können Bilder in HDR aufnehmen, aber nur Displays, die explizit für HDR geeignet sind, geben diese Bilder auch optimal wieder. Meist, und hier müssen wir die Parameter für ein authentisches Bild etwas erweitern, weisen die High Tech Displays führender Hersteller auch die Möglichkeit auf, einen erweiterten Farbraum darzustellen. Farbübergänge und Farbnuancen werden dadurch besonders exakt präsentiert. Früher hießen erweiterte Farbräume oft: Farben wurden „verbogen“ und nicht mehr realistisch wiedergegeben. Das ist heute deutlich besser geworden, wenngleich der Display Basic Check zeigt, dass durch einen erweiterten Farbraum immer noch Abweichungen von genormten Farbräumen zu messen sind. Das Bild ist dann z.B. etwas zu blau-lastig, auch die Farbtemperatur in Abhängigkeit von der Bildhelligkeit kann zu kühl sein. Displays mit erweitertem Farbraum haben spezielle LEDs (blaue LEDs, so bei Sony) und spezielle Schichten bzw. Materialien (Nano-Kristalle z.B.), um diesen erweiterten Farbraum sozusagen „hardwareseitig“ umzusetzen.

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 65PUS9809 – das aktuelle Topmodell von Philips/TP Vision

Was also hat sich getan bei den Spitzenmodellen? Fassen wir zusammen: Lebendige Farben, hervorragender Kontrast – Bild-Gesamtkontrast und Detailkontrast -, bei Full LED Backlight-Modellen noch besserer Detailkontrast, bessere Helligkeitsverteilung und tieferes Schwarz. Insgesamt ein erfreulicher Trend zu diesem Schwarz – insgesamt, das muss man klar sagen, stellen die aktuellen Top-TVs gerade von Panasonic, Samsung und Sony in Frage, warum man OLED wirklich braucht.

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 LG hält an OLED fest

Einzig LG hält an OLED fest, verweist auf den niedrigeren Stromverbrauch und die noch bessere Schwarz- und Farbdarstellung. Das ist auch nicht völlig falsch, aber wie gut aktuelle Hightech – LED-LCD-TVs sind, ist schon bemerkenswert, und überdies bringen sie eine höhere Lebensdauer mit. Und so günstig wie große, zugleich bildstarke LCD-basierte Fernseher sind, so günstig ist OLED trotz fallender Preise noch nicht. Immer noch nicht im Griff haben praktisch alle Hersteller das Problem, dass die Displays verschiedener Produktionschargen immer noch kein identisches Niveau aufweisen. Heißt: Farbstiche bzw. unterschiedliches Rauschverhalten deuten an, dass man Glück oder Pech haben kann.

Selbst bei den Top-Geräten der Luxus-Liga ist dies ein Problem, erst recht bei kostengünstigeren Mittelklasse-Modellen. Manchmal kommen die Displays der unterschiedlichen Chargen auch von unterschiedlichen Display-Herstellern – gerade bei Budget-Modellen wird dies gemacht, um weiter die Preise nach unten zu drücken, wenn man vielleicht einen Displayhersteller bzw. eine leicht veränderte Spezifikation gefunden hat, der/die noch günstiger im Einkauf ist. So positiv der Trend bei Oberklasse- und Luxus-UHD-TVs im gesamten ist: Bei preiswerten Modellen sieht es alles andere als perfekt aus. Hier beklagen wir – da es sich mehrheitlich um Edge LED-LCDs handelt – inhomogene Bildhelligkeit, einen nur durchschnittlichen Schwarzwert und eine zu kühle Farbtemperatur. Hinzu kommen die schon erwähnten Farbstiche. Auch das Panelrauschen ist oftmals, wenn auch nur aus geringer Distanz, zu erkennen. Der Betrachtungswinkel horizontal und vertikal ist oft auch nicht überzeugend, so dass in dem Falle, wenn mehrere Personen einen Film schauen, die Personen in den Randpositionen mit Farbverfälschungen und Helligkeitsverlusten sowie einem zu flauen Bild zu kämpfen haben.

Gerade UHD-Einsteigermodelle verschiedener chinesischer Hersteller sind nicht unbedingt zu empfehlen, auch wenn hier niedrige Preise selbst bei aktuellen 2015er Modellen locken. Lieber ein 2014er Gerät bekannter A-Brands als ein preiswertes China-Gerät – wobei auch hier Ausnahmen die Regel bedeuten: Manche China-Hersteller bieten in einigen Bauserien mittlerweile eine vernünftige Basis-Qualität hinsichtlich des Bildes. Bei nativem 4K-Content, der derzeit noch überwiegend per USB oder per Streaming zugespielt wird, zeigen viele UHD-TVs ein farbenprächtiges, ruhiges und stabiles Bild mit beeindruckender Detailtreue und tollen Kontrasten. Aufpassen sollte nur der Käufer von Billig-TVs, dass auch die erforderlichen H.264/H.265 Decoder eingebaut sind und nicht schlichtweg fehlen.

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Sieht gut aus – der Ausreißer bei der Farbtemperatur bei 10 % Bildhelligkeit liegt am Sensor

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 Prima Ergebnisse – Panasonics CRW854 Oberklasse-Modell im Display Basic Check

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 Überall ziemlich weit vorne – der CRW854

Wir sprachen vorhin den Display Basic Check an, also die Messung aller Bild-Basisparameter wie Farbraum, Weißpunkt, Gamma, RGB Balance etc. Stetige Verbesserungen, aber noch ein weiter Weg zur Perfektion bei der Gammakurve, auch noch ein weiter Weg ist bei vielen Modellen zum richtigen Weißpunkt zurückzulegen. Die Farbhelligkeit in Abhängigkeit der Referenzhelligkeit von Weiß zeigt auch noch deutliche Schwächen, Farben werden zu hell oder zu dunkel wiedergegeben. Damit das Bild „passt“, messen wir nie in den Bildfelder „Standard“ oder „Dynamisch“, sondern meist in Bildfeldern, die „Kino“ oder „Film“ heißen. Deren zugrunde liegende Basisparameter sind deutlich näher an einem korrekten Bild: Weniger aggressiver Gesamtkontrast, augenfreundliche Helligkeit, einigermaßen korrektes Gamma und keine überzogenen Farben.

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 Philips setzt auch auf ISF-Bildmodi

Wer eine unausgewogene Farbwiedergabe nach einer Messung feststellt, kann bei den meisten guten TVs auf ein Farbmanagement zurückgreifen, mit dem R-G-B Gain und Offset feingetunt werden können. Dieses Ausstattungsmerkmal weisen heutzutage auch viel mehr TVs auf als zu früheren Zeiten. Manche Hersteller bieten noch ISF-Bildprogrsamme (Day und Night, z.B. Panasonic und Philips) an. Panasonic lässt selektierte Serien THX-zertifizieren. Dann gibt es die sehr guten, weil akkurat abgestimmten THX-Bildprogramme „Cinema“ und „Bright Room“ (für helles Umfeld).

Bildqualität heißt auch, dass niedriger auflösendes Quellmaterial und nicht nur das noch seltene 4K-Bildmaterial, also in erster Linie herkömmliche Blu-rays in FullHD 1080p/24, überzeugend auf dem UHD mit 3.840 x 2.160p dargestellt werden. Das Basismaterial ist bereits in Vollbildform – daher das „p“ für Progressive – also findet nur noch ein Upscaling statt. Dieses erledigen gerade die Oberklasse- und Luxus-TVs dank enormer Prozessorleistung und aufwändigen Baugruppen souverän. Im Speziellen Panasonic offeriert hier Top-Leistungen, selbst SD (!) Fernsehsender in 720 x 576i, die auch noch de-interlaced werden müssen, sehen gut aus. Beeindruckend. Aber auch Samsung und Sony sowie Philips bieten richtig gute Leistungen. Spielt man DVD-Material zu, so geben die meisten BD/DVD-Player nur 576p und nicht 576i aus. Daher hat man hier keine Wahl, das De-Interlacing erledigt der BD/DVD-Spieler. Und die wenigen BDPs, die 576i ausgeben können, sind meist so hochwertig, dass man ihnen problemlos das De-Interlacing anvertrauen kann. Verkehrte Welt also.

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 Samsung offeriert Curved-TVs in beinahe allen Preisklassen

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 Auch MEDION produziert Curved-TVs

Seit einiger Zeit bereichern Curved-TVs das Angebot. Hierbei handelt es sich um gebogene TVs, die einen genau definierten Biegungswinkel haben. Vorteil der Curved-TVs ist, dass Bildmittelpunkt und Bildschirmecken exakt gleich weit vom Betrachter entfernt sind. Bedingt durch die Biegung hat der Zuschauer überdies den Eindruck, tiefer ins Bild sehen zu können. Durch die Biegung an den Rändern kommen zudem beim Einsatz in Räumen mit externem Lichteinfall weniger Reflexionen auf den Bildschirm. Nachdem Curved zu Anfang noch Luxusklassen-Merkmal war, bieten mittlerweile auch Firmen wie MEDION Curved-TVs in Serie an. Und Samsung z.B. offeriert schon in der beginnenden Mittelklasse Curved-Fernseher. Überhaupt – Samsung bietet 2015 mehr Curved-TVs als klassische Flatscreens an. Nachteile von Curved-TVs: An der Wand sehen sie gewöhnungsbedürftig aus, und wenn man oft mit mehreren Filme anschaut, sitzen die Personen an den Rändern nicht optimal. Am besten ist es, zentriert vor dem Bildschirm zu sitzen. Wer mit mehreren Personen schaut, sollte daher beim Curved-TV-Kauf eine große Bildschirmdiagonale nicht scheuen.

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 Moderne aktive Shutterbrillen sind leicht

Keine so große Euphorie mehr wie zu Beginn herrscht beim Thema 3D. Noch immer konkurrieren passive und aktive Systeme. Passives 3D funktioniert mit einer einfachen Brille, hier kann man jede passive 3D-Brille nehmen, auch die Billigmodelle aus dem Kino. Das 3D-Bild wird für beide Augen simultan erzeugt, was zu einem homogenen, ganzheitlichen Bildeindruck führt. Störende Konturenverschiebungen – Crosstalk oder Ghosting – gibt es kaum bei passiven Systemen. Auch das Flimmern in hellen Räumen rund um den Bildschirm fehlt. Nachteil ist der durch die simultane Bilderzeugung entstehende Verlust an maximal möglicher Auflösung. Bildschärfe und Detailtreue leiden darunter. Dafür laufen Bewegungen oft flüssiger und klarer ab. Aktive Shutterbrillen sind herstellerbezogen untereinander nicht kompatibel. Hat man vom selben Hersteller noch Brillen aus 2013, so muss man froh sein, wenn diese noch zu einem 2015er Modell kompatibel sind. Aktive 3D-Brillen sind aufwändig und teuer, daher liegen günstigen TVs oftmals keine aktiven Shutterbrillen bei. Mittlerweile sind aktive Shutterbrillen trotz Knopfbatterie oder Akku kaum noch schwerer als passive Brillen, auch Brillenträger können sie gut tragen. Hohe Bildschärfe und Detailtreue sprechen für aktive Shutterbrillen. Dass sie empfindlicher sind gegenüber Kopfbewegungen des Trägers im Vergleich zu passiven Brillen – das ist heute bei hervorragenden aktiven Systemen kaum noch der Fall. Auch Bewegungen werden, übrigens auch aufgrund der immer leistungsfähigeren Prozessoren, mittlerweile sehr gut dargestellt. Nur das störende Flimmern rund um den Screen in hellen Räumen – das ist ein immer noch vorhandenes Problem.

Text: Carsten Rampacher
Bilder: Sven Wunderlich
Datum: 11. August 2015




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