TEST: Numan Octavox 701 – Drei-Wege-Standlautsprecher für unter 400 EUR

Numan Octavox 701 Gruppenbild1

Nach den kompakteren Retrospective 1978-Lautsprechern im Stil der 70er stehen nun NUMAN-Lautsprecher in etwas modernerem Stil in der AREA DVD-Redaktion. Die Octavox 701 Standlautsprecher kommen als Dreiwege-System daher und wollen neben einer schicken Optik natürlich auch mit exzellenter akustischer Performance begeistern. In schwarz und weiß erhältlich können die Octavox-Lautsprecher mit entsprechenden Komponenten zu einem Heimkino-System erweitert werden, wir sehen und hören uns das Standlautsprecherpaar aber zunächst im Stereo-Setup an. Erhältlich sind die NUMAN-Schallwandler für 399 EUR Gesamtpreis.

Numan Octavox 701 Front Seitlich2

Octavox 701 ohne LS-Gitter

Numan Octavox 701 Verarbeitung2

„Abgeschnittene“ Kanten

Numan Octavox 701 Hochtoener

Hochtöner

Numan Octavox 701 Mitteltoener

Mitteltöner

Numan Octavox 701 Tieftoener

Einer der beiden Tieftöner

Numan Octavox 701 Standfuss

Sockel

Die Gehäuseform der Numan-Lautsprecher ist einem Achteck angelehnt, die oberen und unteren Kanten des Gehäuses sind abgeschnitten. Die Folierung an den daraus resultierenden, doppelten geradlinigen Kanten wirkt aber solide und ist insgesamt sehr sauber aufgebracht. Die aufgesetzte Schallwand ist aus HDF, einer hochdichten Faserplatte, gefertigt und beherbergt zwei Tieftöner, einen Mitteltöner und den eingesetzten Hochtöner. Die beiden Tieftöner arbeiten dabei in einem separaten Gehäusekammer mit zwei Bassreflexöffnungen, während Mittel- und Hochtöner in einer geschlossenen Kammer sitzen. Die Chassis sind sauber im Gehäuse eingepasst, vereinzelt ist etwas gröberes Spaltmaß zu sehen. Der Gewebe-Hochtöner sitzt unterhalb des Mitteltöners und ist direkt in das Gehäuse integriert, die Schallführung wird ebenfalls vom Gehäuse übernommen, was weitere akustische Vorteile mit sich bringen soll. Geschützt sind die Glasfasergewebe-Membranen durch ein Stoffgitter mit stabilem MDF-Gerüst. Das Gitter ist mit kleinen Kunststoffstiften an der Schallwand befestigt.

In mattschwarzer Folierung machen die Numan Octavox 701 einen schicke Figur. Der traditionelle Eindruck wird durch die Formensprache der Anlehnung an ein Achteck etwas durchbrochen und bietet Argumentationspotential für den Einzug der Lautsprecher ins Wohnzimmer.

Numan Octavox 701 Rueckseite Seitlich1

Rückseite

Numan Octavox 701 Bassreflexrohr

Bassreflexöfnung

Numan Octavox 701 Anschluesse Rueckseite

Bi-Wiring-Terminal

Die Abmessungen der Schallwandler betragen 21,5 x 103 x 33,7cm (BxHxT) und bringen satte 21,4 kg auf die Waage. Im unteren Bereich sorgt ein ebenfalls aus MDF bestehender Fuß für solide Standfestigkeit. Die Rückseite wird von den zwei großzügig dimensionierten Bassreflexrohren beherrscht, die sehr gut eingepasst sind. Darunter ist ein Bi-Wiring-Terminal aus Metall untergebracht.

Klang

In unserer ersten Testsequenz werfen wir den Octavox 701-Schallwandlern direkt einen Brocken zu: Mozarts Klarinettenkonzert in A-Durv (KV622) darf umgesetzt werden und stellt die Standlautsprecher vor eine anspruchsvolle Aufgabe, in der sie direkt den versprochenen Detailreichtum und Impulstreue unter Beweis stellen können. Zunächst wissen die Octavox-Komponenten mit einem sehr ausgewogenen Klangbild und balancierter Kulisse zu überzeugen, direkt fällt aber auch eine leichte Bedecktheit bezüglich der Feindynamik in den oberen Mitten und dem Hochtonbereich auf, was sich auch ein wenig negativ auf die endgültige Ausprägung feiner akustischer Elemente auswirkt. Allerdings muss man bedenken, dass für einen Schallwandler, der keine 200 EUR pro Stück kostet, bereits sehr hohe Performance geboten wird. So gefällt das Stereo-Setup mit einer sehr guten Räumlichkeit und Lösung des Geschehens vom Lautsprecher. Ausgezeichnet gliedert sich der untere Frequenzbereich mit ein. Die Leistung ist flink parat, der Antritt schnell. Ebenso ist die tonale Abstimmung nicht überdurchschnittlich auf den Tieftonbereich fixiert, es wird nicht zu sehr aufgedickt sondern sich um präzise und stimmige Eingriffe bemüht. Die Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen gelingen ebenfalls sehr gut, eine eklatante Lücke können wir nicht feststellen. Den Octavox 701 ist insgesamt eine gewisse Wärme zu Eigen, die sich für die Lautsprecher in freier Aufstellung bei hellhörigen Räumen sicherlich vorteilig auswirkt. Vereinzelt geht uns das sogar etwas zu weit und es fehlt die gewisse Schärfe. Dafür kann man mit den Octavox-Lautsprechern problemlos laut hören, ohne dass es hier zu unangenehmen Nebenwirkungen kommt. Von Kompression ist in Kombination mit hochwertiger Elektronik nämlich kaum etwas zu spüren, die Pegelfestigkeit zu loben. Absolute Authentizität ist nicht gegeben und auch in diesem Preisbereich nicht zu erwarten, audiophile Klassik-Hörer werden hier womöglich etwas die Lippen kräuseln, sind aber auch nicht unbedingt Zielgruppe der Numan Octavox. Wer nicht höchste Ansprüche an die Schallwandler legt, kann sich an einem angenehmem, leicht warmem Klangerlebnis mit geringen Einschränkungen erfreuen.

Wir wechseln das Genre. Die „Eagles“ legen auf der „Farewell“-Tour in Australien nochmal los und präsentieren alte Klassiker und Evergreens. Nach den ersten Klängen von „Heartache Tonight“ ist klar, hier fühlen sich die Octavox 701-Schallwandler deutlich wohler. Impulstreu und mit kraftvollem Antritt geht es zur Sache, wenn auch der warme tonale Einschlag bestehen bleibt. Dennoch gelingen die Blechblasinstrumente mit stimmigem und keinesfalls weichgespültem Sound. Ebenfalls ausgezeichnet präsentiert sich die breite Bühne, die auch durch eine solide Staffelung der einzelnen Instrumente gefällt. Die Stimme steht zentral, hier wird dem Kenner des Ensembles etwas der charakteristische Flair und einzelne Facetten in der Reproduktion fehlen, dennoch eine solide Darbietung. Auch bei „Hotel California“ weiß das Trompetensolo zu überzeugen, besonders gefällt hier auch, wie die Solo-Einlage in die Konzert-Umgebung integriert ist und erneut können wir die gute Loslösung des Klanggeschehens vom Lautsprecher positiv werten. Die Differenzierung der einzelnen Gitarren fällt nicht unbedingt schwer und trägt zur soliden Staffelung bei. Während beim vorherigen Titel das Schlagzeug etwas in den Hintergrund geriet, kann es sich hier besser entfalten. Zwar lassen bei komplexer Kulisse die unteren Mitten ein wenig zu wünschen übrig, insgesamt wird aber ein stimmiges und geschlossenes Klanggebilde erzeugt. Die tiefen Bässe werden kraftvoll und voluminös umgesetzt, ohne dass sie destruktiv in das übrige Geschehen eingreifen. Insgesamt eine sehr solide Performance mit Stärken im Bereich der Bühnenstaffelung und Räumlichkeit. Die Lautsprecher bieten eine geschlossene Atmosphäre, die lediglich bezüglich ihrer akustischen Dichte und ihrem Detailreichtum noch Luft nach oben bietet.

Bei Dj Tiestos „Elements of Life“-Tour, aufgenommen bei einem Konzert in Kopenhagen, wird die Gangart noch einmal schneller und härter. „Traffic“ verlangt den Schallwandlern alles in puncto Tiefgang, Volumen und Kraft ab, was sie im Tieftonbereich zu bieten haben. Den Octavox 701 gelingt ein exzellent kräftiger Kickbass, der stets präzise auf den Punkt kommt und solide Nachdrücklichkeit entwickelt. Ein unschönes Nachschwingen entfällt – satt und kraftvoll wird einem der Tiefbass in die Magengrube geschleudert. Auch die unterschiedlichen Ebenen im niedrigen Frequenzbereich werden im Ansatz erfasst, wenn natürlich hochwertigere Schallwandler noch etwas mehr Nachdruck in den subsonischen Frequenzen entwickeln und generell mehr Tiefgang bieten. Die übrigen Frequenzbereiche werden zudem nicht negativ von der Leistungsaufnahme des Basses beeinträchtigt. Einzelne akustische Elemente werden gut in den Raum integriert, auch hier löst sich der Klang sehr gut vom Lautsprecher. Die positiven Eigenschaften werden auch beim Übergang zu Sara & Teagans „Back in Your Head“ noch einmal eindrucksvoll bewiesen. Das pulsierende, tiefe Grollen wird sehr gut umgesetzt und dem folgenden Kickbass fehlt es nicht an Kraft. Auch der Gesang gelingt den Numan-Lautsprechern gut und das komplexere Geschehen bereitet keine Probleme. Flotte elektronische Musik scheint den Octavox 701 absolut zu liegen, der kraftvolle Tieftonbereich bietet angemessenes Volumen, wirkt gleichzeitig aber nicht zu dick aufgetragen sondern präzise und antrittsfreudig.

Auch Bad Religions „True North“-Album wollen wir einen Auftritt selbstverständlich nicht verwehren. Das komplexe Punkrock-Geschehen stellt die Octavox 701 wieder vor eine sehr schwierige Aufgabe. Umso erstaunlicher, wie sauber die Lautsprecher hier arbeiten. Zwar sind die bereits erwähnten Einschränkungen nachzuvollziehen, besonders im Bereich der Antrittsgeschwindigkeit ist diese Musikrichtung aber anspruchsvoll und dies löst das Numan-Pärchen ausgezeichnet. Selbstverständlich ist bei dieser Komplexität nicht jegliches akustische Merkmal ausgearbeitet, dennoch entsteht eine dynamische Kulisse, die zum Mitrocken einlädt. Das Schlagzeug wird ebenfalls gut eingebunden und gelingt kraftvoll. Hier gefällt uns auch die Stimmwiedergabe gut, die sehr gute Bühnenstaffelung trägt ihren Teil dazu bei. Bilanzierend zeigen die Octavox-Lautsprecher auch hier eine sehr gute Performance, die nicht unbedingt maximale Authentizität, aber hohe Spielfreude liefert und dem Zuhörer ein angenehmes, mitreißendes Konzerterlebnis beschert.

Fazit

Numan Octavox 701 Gruppenbild2

Mit den Numan Octavox 701 bietet das Berliner Unterhaltungselektronik-Unternehmen Chal-Tec eine interessante Bereicherung für den Lautsprechermarkt im niedrigen Preis-Segment an. Akustisch überzeugen die Schallwandler besonders durch eine angenehme tonale Auslegung, ausgeprägt Räumlichkeit und kräftigem Antritt. Die Verarbeitungsqualität ist bezüglich des günstigen Preisgefüges absolut solide. Mit ihrer speziellen Formensprache und der Anlehnung an ein Achteck können sich die Octavox 701 zwar der konventionellen Lautsprecherform nicht ganz entziehen, grenzen sich aber erfolgreich von völliger Konventionalität ab.

Solide verarbeitete Drei-Wege-Standlautsprecher mit sehr guter akustischer Performance für unter 400 EUR
sehrgut
31.08.2015

+ Solide Verarbeitung
+ Günstiger Preis
+ Gute Räumlichkeit
+ Kraftvoller Antritt
+ Ausgewogen
+ Sehr gute Loslösung des Klanggeschehens

– Obere Mitten und Hochtonbereich teils etwas unterrepräsentiert

 

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 31.08.2015




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