TEST: FiiO FT3 - Hochwertiger HiFi-Kopfhörer für 299 Euro?

Klang

Ein ausgewogenes, dynamisches Klangbild mit viel Transparenz und hoher Auflösung verspricht der Hersteller beim FiiO FT3. Wir verbinden unser Testsample mit der Impedanz von 32 Ohm zunächst einmal ohne zusätzliche Hilfsmittel, wie z.B. einen mobilen DAC, direkt an unser MacBook Pro an. Im späteren Verlauf werden wir die Qualität der Quelle in Verbindung mit einem stationären Kopfhörerverstärker noch deutlich steigern. Zunächst einmal aber der typische Use Case, wenn man zwischendurch unterwegs eine Runde Musik hören möchte. Was allerdings für alle, die den Kopfhörer häufiger mobil verwenden möchten, z.B. in der Bahn, erwähnt bzw. nochmals betont werden sollte: Der FiiO FT3 ist ein offener Kopfhörer. Außengeräusche werden von den, insgesamt recht gut abschließenden Ohrmuscheln nur sehr bedingt gedämpft. Es gibt keine aktive Geräuschunterdrückung und auch die passive Dämmung ist gering ausgeprägt. Hinzu kommt, dass natürlich auch die wiedergegebene Musik nach außen dringt. Wen das nicht stört, der kann den FT3 aber problemlos auch unterwegs einsetzen, denn die akustische Performance, selbst direkt an den Laptop angeschlossen, scheint sich auf hohem Level zu bewegen.

Tatsächlich fällt uns bei unserem ersten zugespielten Titel, Roadhouse Blues von "The Doors", die außerordentlich gute Durchhörbarkeit der Kulisse und klare Transparenz positiv auf. Zudem ist die Bühne gut durchstrukturiert und weitläufig, die Instrumente lassen sich einer Position im Raum eindeutig zuweisen. Auch feindynamische Eigenschaften der Tasten, Saiten- und Blasinstrumente werden nachvollziehbar herausgearbeitet und tragen zu einer hohen Auflösung des Gesamtgeschehens bei. Details sind hier besonders in den Höhen und Mitten prägnant. Der Bassbereich gefällt ebenfalls und trägt zu keinem Zeitpunkt zu dick auf. Wir belassen es hier zunächst bei moderater Lautstärke, bei der der FiiO Over-Ear-Kopfhörer eine durchaus ausgeprägte Dynamik an den Tag legt und mit einer natürlichen, aber lebendig wirkenden Kulisse den Zuhörer direkt mitnimmt. Die Stimmcharakteristik von Morrison kommt klar an und auch der rohe Ausdruck, wenn die Grenze von Gesang und Schreien nahezu überschritten wird, fehlt nicht. Beeindruckend ist aber wirklich die Differenzierung des komplexen Geschehens. Die einzelnen Instrumente, insbesondere das Piano, werden hier mit mit identischer Sorgfalt bedacht und werden stets in Gänze erfasst.

Das gilt im Großen und Ganzen auch für den folgenden Titel "Son Of A Preacher Man" von Dusty Springfield. Tolle Stimmcharakteristik, exzellente Blechbläser, denen es nur ganz obenrum ein wenig an Brillanz fehlt und ein präsentes Schlagzeug. Der Bass: trocken, hart. Bei geringer Lautstärke vielleicht sogar ein Quäntchen zu wenig nachdrücklich, aber immer präzise. Besonders gut gefällt uns, wie der FT3 uns mitreißt, ohne zu irgendeinem Zeitpunkt überschwänglich zu agieren und zu dick aufzutragen. Im Gegenteil, insgesamt betrachtet ist die Auslegung eher von einem nüchternen, zurückhaltenden Einschlag geprägt. Nach dem Motto lieber zu wenig als zuviel. Trotzdem schafft es der Kopfhörer, Emotionen zu wecken und lebendig aufzuspielen, selbst bei geringer Lautstärke.

Ein Titel, bei dem der etwas schlankere Tieftonbereich zu einem etwas weniger intensiven Klangerlebnis führt, ist "New Born" von Muse. Zwar werden sowohl die Stimme als auch die mit typischer Verzerrung versehenen Gitarren sehr präzise und klar erfasst. Auch die Kulisse wirkt wieder sehr transparent und durchhörbar, allerdings fehlt uns der sonst eindeutige, vollmundige und atmosphärische Klangteppich der Band ein wenig. Die Massivität, die nahezu greifbare Substanz ist zwar vorhanden, aber nicht so stark ausgeprägt, wie wir es sonst kennen. Davon abgesehen liefert der FT3 aber ein sehr sehr gutes Ergebnis. Ausgezeichnete Stimmwiedergabe, blitzschnelles Reaktionsverhalten und trotz des flinken, komplexen Geschehens eine sehr subtile Differenzierung aller Instrumente. Die Räumlichkeit ist hervorragend ausgeprägt und beim folgenden Titel "Bliss" gelingt die dichte Atmosphäre etwas gehaltvoller. Wird das Geschehen schneller und noch komplexer, merkt man dem FiiO-Kopfhörer schon an, dass er sich mit der Differenzierung der einzelnen Elemente ein wenig schwerer tut. Allerdings ist dies sonst eine seiner Stärken, so ist immer noch eine eindeutige Bühnenstruktur erkennbar. Lediglich feindynamische Unterschiede der einzelnen Instrumente werden dann nicht mehr ganz so klar herausgearbeitet. Vielleicht profitiert der FT3 ja hier noch von einem qualitativ hochwertigen Kopfhörerverstärker, an den wir ihn für die folgenden Klangbeispiele anschließen.

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In Kombination mit unserem Silent Angel Munich Streaming-DAC gewinnt der FT3 nochmals in allen Disziplinen. Einige davon, wie z.B. das Differenzierungsvermögen und die Herausarbeitung von feinen Details, profitieren stärker. Das manchem etwas fehlende Volumen und die Nachdrücklichkeit in den tieferen Frequenzregionen hingegen nimmt kaum spürbar zu, hier bleibt der FiOO HiFi-Kopfhörer seiner grundsätzlichen Auslegung treu. Bei Crystals von Of Monsters and Men spürt man den gesteigerten Detailreichtum geringfügig an der Stimmwiedergabe der Sängerin, insbesondere aber von der klareren Struktur des Schlagzeugs. Die einzelnen Percussion-Elemente können klar und punktgenau nachvollzogen werden, während in Kombination mit einem einfachen Zuspieler die Kicks und Bässe zwar ähnlich kraftvoll, aber weniger differenziert erklingen. Die Velours-Ohrpolster ändern an der grundsätzlichen Auslegung des FT3 nichts maßgebliches. Die Samt-Ohrpolster mindern den, für unsere Eindrücke, ohnehin schon etwas zurückhaltenden Bassbereich noch ein wenig, die Mitten hingegen scheinen etwas betonter. Insgesamt handelt es sich hier subjektiv aber um Nuancen, hier kann man ruhig ausprobieren.

Wir wechseln zu den handwerklich erzeugten, allerdings dem elektronischen Genre zum Verwechseln ähnlich erscheinenden Klängen von "MEUTE". Der FT3 erzeugt zusammen mit dem Munich M1 eine dichte, volle Atmosphäre, die auch hier wieder von tadelloser Transparenz und Klarheit gezeichnet ist. Brillanz ganz oben von exzellenter Qualität, die auch bei hoher Lautstärke nicht unangenehm werden. Untenrum wieder absolut präzise und kräftig, aber für den Bass-Fan vielleicht ein Quantum zu wenig Nachdruck und Volumen. Das ändert jedoch nichts daran, dass der FT3 uns mit einem dynamischen, lebendig klingenden Spektakel voll mitnimmt und uns ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Hervorragend finden wir diese Art der Abbildung beim Titel "Verden", einer Kollaboration von MEUTE und polaroit. Die äußerst tiefen Bläserklänge gelingen hier durchaus massiv und eindrucksvoll und gehen eine perfekte Harmonie mit den sehr sauber und auf den Punkt kommenden Kicks ein. Trotz der hohen Klarheit ist das Gesamtbild sehr harmonisch und bettet den Zuhörer gekonnt ein.

Die Songs von Billy Talent sind natürlich ein ganz hervorragendes Quellmaterial für den FiiO FT3. Blitzschnell, komplex und vielschichtig. Erwartungsgemäß spielt er hier seine Stärken voll aus. Begeistert aber nicht nur mir mit klarer Bühnenstruktur und exzellenter Instrumentaldifferenzierung, sondern auch mit einer sehr authentischen Wiedergabe der Stimme des Frontmannes Benjamin Kowalewicz. Die hohe Geschwindigkeit bereitet dem Kopfhörer überhaupt keine Probleme. Auch bei hohem Pegel wird alles punktgenau und mit tadelloser Präzision abgebildet. Billy Talent sind auch nicht für einen überdurchschnittlich massiven Bassbereich bekannt, auch das passt exzellent zum FT3. Das Schlagzeug gefällt mit hoher Klarheit, feiner Struktur und fügt sich insgesamt perfekt in die Kulisse ein. Die Räumlichkeit ist ebenfalls solide, wenngleich die Instrumente auf der Bühne etwas breiter verteilt sein könnten. Insgesamt liefert der FiiO FT3 aber hier ein exzellentes Ergebnis mit mitreißender Lebendigkeit und toller Dynamik ab.

Das Fazit und zahlreiche weitere Detailbilder des Kopfhörers, der Transporttasche, des Treibers und der Ohrpolster auf Seite 3!

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