XXL-TEST: NAD M10 v2 - ultrakompakter Hightech-Stereovollverstärker mit überwältigender Performance

Kompakte Stereo-Vollverstärker mit enormer Funktionsvielfalt sind äußerst beliebt - das ist bei NAD schon lange bekannt. Für 2.999 EUR tritt der NAD M10 v2 an - der Preis zum bereits exzellenten Vorgänger NAD M10 blieb identisch, ebenso wie die Leistung (2 x 100 Watt), das Design und das BluOS-Modul. Zahlreiche wertvolle Features sind bei der zweiten Generation allerdings hinzugekommen, welche die Flexbilität des ultrakompakten Stereo-Vollverstärkers aus der elitären "Masters Series" weiter steigern.

An Bord befindet sich nun ein Dolby Digital-Decoder. Heimkino-Fans können (über die zur Steuerung aller Streaming-Funktionen kostenlos für Android, iOS, Windows, macOS und Kindle Fire verfügbaren BluOS App) zwei zusätzliche kabellose BluOS-fähige Lautsprecher oder einen entsprechenden Verstärker für die Wiedergabe der beiden rückwärtigen Surround-Kanäle einbinden. Hier bieten sich zum Beispiel die sehr leicht unterzubringenden Bluesound Pulse Flex 2i an. Hinzu kommen zwei Subwoofer-Pre-Outs. Somit ist es möglich, mit dem NAD M10 v2 Konfigurationen in den Formen 4.0, 4.1 oder 4.2 zu betreiben.

Die HybridDigital-Endstufen sichern höchste Leistungsbereitschaft. Hinter den Namen verbirgt sich ein selbstschwingender, mit einer aktiven Gegenkopplung arbeitender Class D-Digitalverstärker. Er wandelt das analoge kurvenförmige Eingangssignal als erstes mittels Pulswellenmodulation (PVM) in ein Rechtecksignal um. Nun befindet sich die Musikinformation ausschließlich in der sich verändernden Pulsweite. Da die Leistungstransistoren benötigen somit lediglich zwei Zustände (0 oder 1). Das führt zu einer ungemein effizienten Arbeitsweise. An eine Leistungsausbeute von über 90 Prozent kommt kein analog arbeitender Verstärker heran. Bei analog aufgebauten Verstärkereinheiten geht im Verlauf des Verstärkungsprozesses im Vergleich viel Energie in Form von Verlustwärme verloren. 

Darüber hinaus kommt dem NAD M10 v2 eine weiter optimierte Verstärkerabstimmung mit um 6 dB höheren Ausgangspegeln für eine verbesserte Nutzung der integrierten Raumkorrektur Dirac Live, der Klangregler und der Subwooferausgänge zugute. Dieses Detail wirkt sich in der Praxis auch entsprechend aus, wie die Klangtestreihen später zeigen. Wie auch der Vorgänger ist der NAD M10 v2 mit Dirac Live ausgestattet. Der Room EQ lässt sich komfortabel über die App steuern. Hier einige Screenshots: 

Der Verstärker wird sofort erkannt

Die Mess-Position wird festgelegt

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Messung

Weitere Positionen können eingemessen werden - wenn man sich dann mal etwas bewegt beim Hören, gibt es keine negativen Einflüsse

Nun sind alle Positionen eingemessen

Nun wird optimiert

Und die EQ-Kurve wird transformiert zum M10 v2

Jetzt kann die EQ-Kurve verwendet werden

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Zum Abschluss wird das Projekt gespeichert 

Uns hat Dirac Live im Test überzeugt. Der Klang wird auch in akustisch eher lebendigen Räumen nicht durch eine unangenehm hohle Charakteristik gestört. Bass-Dröhnen, das die Klanggüte enorm beeinträchtigt, ist beinahe wie "weggeblasen". Insgesamt ist der Klang klar, substanzreich und dynamisch, nie zu spitz und von sehr homogenem Wesen. Das entsprechende Mikrofon ist im Lieferumfang enthalten.

Mikrofon

Exzellentes Display

Ebenfalls neu ist das IPS-Display des zentral untergebrachten, 18 cm großen Touchscreens. Das Display ist noch schärfer, offeriert einen deutlich weiteren Betrachtungswinkel und stellt Farben lebendiger sowie authentischer dar. Auch der Gesamtkontrast präsentiert sich weiter verbessert. 

Formschöne, hochwertige und leicht zu handhabende Fernbedienung im Lieferumfang

War der größte Kritikpunkt beim M10 der ersten Generation zudem eine fehlende Fernbedienung, liefert NAD diese bei der zweiten Auflage serienmäßig mit. Diese ist sehr edel verarbeitet, überzeugt mit tadelloser Materialqualität und liegt überdies gut in der Hand. Insgesamt ist auch das Hauptgerät wie schon der Vorgänger hervorragend verarbeitet. Das schmucke, kompakte Unibody-Gehäuse sorgt für ein nobles Flair.

Sanfte Rundungen

Von oben ist der M10 v2 ebenfalls sehr attraktiv gestaltet, auch ein beleuchtetes NAD-Logo fehlt nicht. 

Logo

Ansicht von oben komplett

Seitliche Ansicht 

Finish im Detail

Insgesamt wird der NAD M10 v2 den hohen Ansprüchen, die man an ein Gerät der Master Series stellt, auch gerecht. Wir sprechen nun die Anschlussbestückung an - was findet sich alles auf der Rückseite des NAD M10 v2?

Rückseite komplett

Auf der Rückseite finden sich HDMI mit eARC, Trigger Out, IR in, Netzkabel-Anschluss, LAN und USB-A, eine Service-Buchse, ein optischer und ein koaxialer Digitaleingang, zwei analoge Stereo-Cincheingänge und gleich zwei Subwoofer Pre-Outs. 

Trotz der Platzverhältnisse verbaut NAD Premium-Lautsprecherkabel-Anschlüsse

Das Anschlussangebot gefällt uns sehr, denn es ist praxisgerecht und ausreichend üppig. Meckern auf sehr hohem Level: Ein zusätzlicher USB-DAC nebst USB-B-Terminal wäre noch eine feine Sache. Wir haben es schon eingangs erwähnt: Der M10 v2 ist mit einem BluOs-Modul ausgestattet. Für uns ist BluOS aus zahlreichen Gründen eine der bestenn Streaming- und Multiroom-Plattformen - hier die wichtigsten Pluspunkte: Kompatibel zu enorm vielen Streamingdiensten, unterstützt MQA, AirPlay ist integriert, zudem kann man einfach ein Surround-Ensemble konfigurieren. Hier unsere Screenshots:

Der M10 v2 wurde sofort gefunden

Wir wählen die Konfiguration über AirPlay 2

BluOS-Updates

Nun ist der M10 v2 betriebsfertig

Übersicht über die Optionen, die man jetzt hat

Menü

Internet-Radiostationen

Übersicht über prinzipiell verfügbare Musikdienste (nicht alle gibt es in Deutschland)

Übersicht, Teil 2

Einstellungen, Teil 1

Weitere Einstellungen

Klangeinstellungen - inklusive Höhen- und Bassregelung sowie Einbindung potentieller Subwoofer

Audio-Parameter, Teil 2

Die BluOS-App kann auch diesmal wieder überzeugen: Schnell ist der M10 v2 ins Netzwerk eingebunden, alle relevanten Einstelloptionen sind vorhanden und der Wiedergabebetrieb läuft ohne Störungen ab. 

Möglich ist es auch, den M10 v2 über das eigene Menü zu bedienen, das dank des großen Displays komfortabel zu handhaben ist. Hier ein paar Screenshots:

Quellenwahl

Player Setup

Weitere Parameter

Quellen

Quelle benennen und individualisieren

Weitere Einstellmöglichkeiten inklusive Spracheinstellungen und Zurücksetzen des Gerätes

Mit umfassender Ausstattung, praxisgerechter Anschlussbestückung, erstklassigem BluOS-Modul und hochwertigem Finish kann sich der M10 v2 bislang bestens in Szene setzen. Nun allerdings muss er sich akustisch beweisen.

Klang

Lautsprecher: Canton Townus 90 - überzeugen durch direkten, lebendigen und fesselnden Klang, sorgfältig und ausgewogen.

Wir lauschen in Tidal Master Quality (MQA) Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nummer 20 in D-Dur, Köchelverzeichnis 466, Erstes Allegro. Es spielen die Münchner Philharmoniker, am Klavier der unvergessene Friedrich Gulda. Schon die orchestrale Eröffnung zeigt deutlich, wie ungemein dynamisch sich die HybridDigital-Endstufen ans Werk machen. Enorme Impulstreue, die Herausarbeitung auch feiner Konturen, das überraschend exakte Treffen der Temperatur des Klaviers und eine exzellente Räumlichkeit sprechen hier für sich. Die kurzzeitig abrufbare Impulsleistung liegt sogar bei 2 x 300 Watt - wer den M10 v2 hört, wird das auch glauben. Und alles wirkt so mühelos, so souverän - uns kommt es fast so vor, als wäre das v2-Modell noch eine Idee flinker, behender, und behielte noch besser den akustischen Überblick. Gerade, wenn sich wie in diesem Allegro, so schnell die akustischen Verhältnisse ändern, ist ein Verstärker von Vorteil, der Leistung liefern kann, aber bitte kultiviert, und eine präzise agierende Vorverstärkersektion - nur so bekommt man ein derartig homogenes, in sich schlüssiges, vielschichtiges Klangerlebnis, wie es der M10 v2 offeriert.

Wenden wir uns dem 2013er Remaster des Eagles-Klassikers "Hotel California" zu (MQA - Tidal Master Quality) zu. Schon direkt zu Beginn versetzt uns der M10 v2 wieder mit seinem Differenzierungsvermögen in Erstaunen. Er schafft eine facettenreiche Kulisse hinsichtlich Breite und Tiefe, die aber allzeit exakt definiert ist. Der straffe Bass sorgt immer für ein solides, glaubwürdiges Fundament - übertreibt es aber zu keinem Zeitpunkt. Die Pegel, die ohne erkennbare Anstrengung möglich sind, dürften auch für den 30 Quadratmeter messenden Hörraum locker ausreichen - wohlgemerkt ohne den zusätzlichen Einsatz eines aktiven Subwoofers, der dem Verstärker Arbeit im leistungsintensiven Bassbereich abnimmt. Fundiert, klar, kräftig - der M10 v2 macht Laune, man kann aber ruhig genauer hinhören: Dann erkennt man nämlich, dass praktisch jede Stuktur genau amm richtigen Platz zu finden ist. Die Stimme der Sänger und Instrumente werden sauber voneinander getrennt - und die Akustik löst sich schön von den Lautsprechern.

Jetzt kommt "In The Air Tonight" (2019er Remaster) von Phil Collins an die Reihe. Hier überzeugt uns schon das Intro durch enorme Plastizität und Vielschichtigkeit, sodass man auch den Spannungsbogen geradezu fühlt, der sich immer weiter aufbaut. Die Beifallsbekundungen der Fans werden treffend, mit hoher Räumlichkeit, eingearbeitet, sodass insgesamt eine sehr dichte, sehr lebendige und gleichzeitig authentische Kulisse entsteht. Phils Stimme arbeitet der M10 v2 mit viel Sorgfalt heraus, und trennt sie zu jedem Zeitpunkt akkurat von den Instrumenten. Beeindruckend ist, wie spontan und schnell die Endstufen bei den Dynamiksprüngen bereit stehen. Auch gefällt die Weitläufigkeit - aber nie auf Kosten der Präzision, die immer untadelig auf hohem Level zu finden ist.

Wieder in Tidal Master Quality, lassen wir es diesmal heftiger angehen und gönnen uns den Klassiker "Living On A Prayer" aus den 80er Jahren. Bon Jovi feierte mit diesem Titel große Erfolge, und immer noch fasziniert dieser Track, gerade dann, wenn man ihn laut hört. Die speziellen akustischen Effekte, die charismatische Stimme von Jon Bon Jovi und der Rhythmus, den man nie vergisst, bilden die Eckpfeiler. Der M10 v2 lässt sich bei diesem Stück ein weiteres Mal nichts nachsagen und schiebt mit enormer Energie voran - paart dies aber gleichzeitig mit einer exakten Platzierung jedes einzelnen klanglichen Basiselements. Egal, ob Schlagzeug oder E-Gitarre, jedes Spektrum, in dem die Instrumente agieren, wird mit Geschwindigkeit, Nachdruck und stimmiger Weitläufigkeit ausgefüllt. 

Nun gehen wir, als letzten Tidal Master Quality Titel, "Dance Monkey" von Tunes And I an. Die sehr spezielle weibliche Stimme bekommt der NAD exzellent unter Kontrolle, und den Tiefgang im Bassbereich managt er gelassen und stellt ein enormes Volumen bereit, das aber immer authentisch erscheint und nie übertrieben auftritt. Dynamische Unterschiede, das merken wir immer wieder, werden mit einer spitzigen Spontaneität herausgestellt, die nur selten zu finden ist. Der NAD schafft eine ungeheuer dichte Hör-Atmosphäre, mit einer Räumlichkeit, die den Zuhörer förmlich durchdringt. Nichts Aufgesetztes, nichts Distanziertes ist hier zu vernehmen - alles wirkt realistisch und bezieht die Zuhörerschaft voll mit ein. 

In "normaler" Tidal HiFi-Qualität hören wir in der folgenden Testreihe "Time Out" von der Dream Dance Alliance. Der vehemente Trance-Track stellt den M10 v2 vor durchaus hohe Anforderungen, denn hier braucht es Leistung satt plus Dynamik auf Spitzen-Level. Mit 70 Prozent des maximal möglichen Pegels legt sich der Verstärker ansatzlos ins Zeug und setzt einen harten, treffsicheren Kickbass als wirkungsvollen Akzent. So unmittelbar und kraftvoll haben wir diesen Kickbass-Einsatz nicht oft gehört, und wenn, dann in finanziell nochmals weitaus höheren Regionen. Richtig ins Schwitzen kommen selbst leistungsstarke Modelle beim "Paety Rock Anthem" von LMFAO. Den sehr voluminösen Bass direkt zu Beginn holt der NAD-Amp extrem wirkungsvoll heraus, und seine HybridDigital-Endstufen brechen in keiner Weose ein, auch wenn wir mit satten 75 Prozent des maximal möglichen Pegels hören. Auch dann noch ist der M10 v2 in der Lage, das komplette dynamische Gefüge zu reproduzieren - und den Bass mit unvermittelter Härte zu übertragen. 

Jetzt spielen wir zuletzt noch drei Titel von Spotify zu. Wir haben uns hier für "Where Did You Go" von Jax Jones und MNEK entschieden, um zu überprüfen, ob der M10 v2 auch mit aktueller Club-Music gut zurecht kommt. Wir können an dieser Stelle versichern: Nicht nur gut, sondern exzellent. Der Bass kommt auf den Punkt, hat Substanz und Nachdruck, dröhnt aber selbst bei hohem Pegel nicht. Zudem sind alle vokalen Anteile immer mit stimmiger Differenzierung herauszuhören. Die Wechsel in der Dynamik arbeitet der NAD-Vollverstärker wieder sehr schnell und exakt heraus. Nun wenden wir uns "Break My Stride" in der Cover-Version von Blue Lagoon zu. Und der Pegel, den wir wählen, fällt ein weiteres Mal sehr großzügig aus - aber der M10 v2 steckt das so locker weg, als würden wir zurückhaltend auf dem Niveau der viel zitierten Zimmerlautstärke hören. Er schafft es selbst bei dieser akustisch sehr durchschnittlichen Aufnahme, viel Atmosphäre zu erzeugen, und sich durch hohes Maß an direkter Spielweise in Szene zu setzen. Der Rhythmus bereitet nie Probleme, und das Bassfundament hat Substanz, ohne übertrieben zu wirken. Soll es mal richtig "derbe" auf der Techno-Party abgehen, ist "String Theory" von HI-LO kein schlechter Fang. Und hier beweist der M10 V2, dass er selbst im Partykeller keinesfsalls deplatziert ist. Klar, etwas schade für ein so kultiviertes Device, aber der Herausforderung stellt er sich mit Klasse. Was hier im Bassbereich für Leistungsreserven bereit stehen, ist schlichtweg unfassbar. 2 x 100 Watt, denkt man sich - hört sich nicht nach überbordenden Reserven an. In der Praxis aber schiebt der M10 v2 so unnachgiebig voran, dass es sehr empfindsame Naturen schon beinahe mit der Angst zu tun bekommen. Und nein, ein aktiver Subwoofer ist keinesfalls Pflicht, der NAD bedient Standlautsprecher auch bei tiuefen Frequenzen umfassend und ohne Leistungseinbrüche auch bei hohem Pegel (70 bis 75 Prozent) über 1,5 bis 2 Stunden. 

Der NAD M10 v2 im Einsatz - das Display kann auch als VU-Meter-Anzeige verwendet werden

Filmton/HDMI

Greyhound ab Laufzeit 09:00: Sehr hohe atmopshärische Dichte trifft auf eine enorme Präzision. Mit einem vehementen Bass, der auch kleine Impulse und Strukturen berücksichtigt, erzeugt der M10 v2 eine exzellente Dynamik. Die tosenden Wellen, der permanent vorhandene massive Bass und die zahlreichen Dialoge werden gekonnt zusammengeführt. Der M10 v2 erweist sich auch bei hohem Pegel als äußerst standhaft. Wechsel in der Dynamik kommen auch bei enormer Lautstärke sofort heraus. Der NAD Verstärker schafft es stets, z.B. auch die Sirene, die Gefechtsbereitschaft und Gefahr verkündet, nahtlos ins tonale Gesamtgefüge zu integrieren. Auch die per Funk geführten Gespräche erfreuen durch die realistische Wirkung. Die gesamte Gewichtung der akustischen Anteile präsentiert sich sehr sauber ausbalanciert. Außen die raue See wird mit Nachdruck präsentiert, die hoch schlagenden Wellen überzeugen nicht nur durch die Vehemenz, sondern auch durch die hohe Auflösung. Den Spannungsbogen baut der M10 v2 sehr gelungen auf, sodass man regelrecht mitfiebert, was als nächstes passiert. Immer wieder sind wir begeistert von der umhüllendne Räumlichkeit, die es vergessen macht, dass es sich nur um eine Zweikanal-Wiedergabe handelt. Schließlich nutzen wir nur den M10 v2, ohne zusätzliche Wireless-Surroundlautsprecher.

Mission Impossible, Fallout, Kapitel 3: Hier wird der Einsatz von Ethan und seinem Team vorbereitet, wir befinden uns auf einem Militärflughafen - das verschwundene und verlorengegangene Plutonium muss wiedergefunden werden, John Lark darf damit keine Katastrophe auslösen. Die Fluggeräusche auf dem Flugplatz kommen sehr gut heraus, die Dialoge sind klar verständlich. Auch die Schritte der Dame in High Heels auf dem langen Gang in Richtung Rollfeld haben genau den richtigen Anteil an Hall - hier hört man heraus, wie gut der M10 v2 akustische Anteile ausbalanciert. Nun geht es an Bord des Militärflugzeugs - auf dme Weg zum Ansprungort über Frankreich. Auch kleine Effekte wie das Öffnen eines Kästchens in Ethans Hand sind mit sauberen Konturen zu vernehmen. Nun geht es gleich los - der Spannungsbogen entfaltet sich mit einer ungeheuer massiven Wirkung, die vom M10 v2 ungefiltert übertragen wird. Er ist selbst bei extrem hohem Pegel noch in der Lage, die Gesamtdynamik weiter anzuheben. Während des Absprungs aus extremer Höhe kommt es zu Komplikationen - und die Effekte donnern durch den Hörraum, ohne es aber an Präzision missen zu lassen. Wir sind wieder sehr angetan von der immensen räumlichen Wirkung und vom druckvollen Bassfundament - beide Faktoren sind dafür verantwortlich, dass es schon beinahe zu vernachlässigen ist, dass es sich um eine Wiedergabe nur über 2 Kanäle handelt, so sehr versinkt man als Zuhörer im Spektakel.

Konkurrenzvergleich

Wir starten vorsichtig mit dem NAD C700, der mit 1.499 EUR die Hälfte des M10 V2 kostet. Und für diesen Kaufpreis agiert der C700 hervorragend - kräftig, lebendig, pegelfest. Allerdings sollte man doch besser nicht den M10 V2 im direkten Vergleich hören - dann ist man geneigt, doch den Dispo zu überziehen: Mehr Nachdruck, mehr Pegel, deutlich mehr Auflösung, höhere Impulstreue, eine dichtere Räumlichkeit, kurzum, einfach genau das besser, was er auch mehr kostet. Zudem ist die Ausstattung umfangreicher, das Display zwei Klassen besser, Optik, Haptik und Verarbeitung eben der 3.000 EUR-Liga entsprechend. Die beim C700 optional lieferbare, edle Fernbedienung gibt es beim M10 v2 natürlich serienmäßig mit dazu. 

Von Cambrigde Audio kommt der Evo 150, der mit 2.499 EUR eingepreist ist und mit jeweils satte 150 Watt starken Endstufen aufwarten kann. Das volle, flexible Streaming- und Anschlussprogramm machen den Evo 150 zu einem sehr unangenehmen Konkurrenten - wir sehen eigentlich auf dem Markt bezüglich kompakter Streaming-Verstärker kein anderes Produkt, das so nahe an den NAD M10 v2 herankommt - und der durch seinen Preisvorteil von 500 EUR im Endeffekt ein ebenso gutes Angebot ist.  Akustisch sehr kräftig und gefällig ausgelegt, dabei stets sehr gut detaillierend, spielt der Evo 150 groß auf. Nur bei der Herausarbeitung kleiner Details und bei der gebotenen Räumlichkeit zieht der teurere NAD vorbei - was den Mehrpreis dann auch rechtfertigt. Zudem ist das Display des M10 V2 noch besser, stellt noch kontrastreicher und farbechter dar. Die StreamMagic App von Cambridge Audio funktioniert gut, BluOS liegt aber insgesamt unserer Meinung nach immer noch vorne. 

Der Hegel H120 markiert mit 2.595 EUR im noblen Hegel-Programm eher die Position des gehobenen Einstiegs-Verstärkers. Im nordisch-kühlen, aber eleganten, minimalistischen Design gehalten, beeindruckt er mit zweckmäßiger Ausstattung - Streaming ist z.B. auch möglich, aber nicht so flexibel wie beim M10 V2.  Der Hegel klingt sehr rein und klar, etwas härter als der M10 v2, welche Auslegung einem persönlich lieber ist, muss jeder für sich entscheiden. Für die Musikwiedergabe ohne TV-/Filmton-Ambitionen ist der Hegel top, gerade auch, weil er sogar einen USB-DAC mitbringt. 

Ganz andere Prioritäten setzt der Yamaha A-S2200, der exakt gleich teuer wie der M10 v2 ist. Ein feiner, kultivierter, rein analog aufgebauter Vollverstärker mit edler Optik im 70er Jahre-Design: Hier sind Anwender angesprochen, die z.B. einen hochwertigen Plattenspieler am A-S2200 betreiben möchten. Das extrem konsequent aufgebaute, bis ins Detail mit Bauteilen von exquisiter Qualität gefüllte Innenleben des A-S2200 verdeutlicht, für welche Zielgruppe dieses wunderschöne Gerät mit dem anmutigen, kultivierten Klang geschaffen wurde. 

Wir ziehen harte Konkurrenz, die auch teurer ist, mit in diesen Vergleich. So auch die ultraflache, aber akustisch extrem starke Elac-Vor-Endstufen-Kombination Alchemy DPA-2 Endstufe plus Vorverstärker/Streamer DDP-2. In Kombination werden hier 4.098 EUR fällig - gut angelegtes Geld, denn die Endstufe setzt immense Kräfte auch im großen Hörraum um die 40 Quadratmeter frei. Aber: Es mag komisch klingen, betrachtet man den kleinen M10 v2, für den "normalen" Gebrauch reichen schon dessen Reserven locker aus. Zudem bremst der M10 v2 dank Dirac Live etwaige Stör-Faktoren des Hörraums gekonnt ein. Mit seiner sehr harmonischen, runden Auslegung und dem erstklassigen BluOS-Streaming-Modul, dem HDMI-Slot und dem Dolby Digital-Decoder nebst Ausbaufähigkeit zum 4.2 oder 4.2 Set, schlägt der NAD die Elac-Kombination in Bezug auf die Flexibilität. Trotzdem - für versierte Stereo-Hörer ist die exklusive Paarung aus Kiel eine exzellente Wahl.

Fazit 

Mit verbessertem Ausstattungsumfang und Feintuning tritt der NAD M10 v2 an - und tatsächlich schafft er es, den bereits hervorragenden Vorgänger zu übertreffen. Auch, wenn sich an elementaren Merkmalen, gerade akustische Eigenschaften betreffend, nicht viel geändert hat, so ist die Wirkung verblüffend, was vermutlich auch am weiter verfeinerten Dirac Live liegt, das exzellente Arbeit leistet. Der M10 v2 begeistert mit einem atmosphärisch dichten, fesselnden Klang, enormer Impulstreue, großartigen Leistungsreserven und einer feinen Detaillierung über den gesamten Frequenzbereich. Dass er sowohl Musik aller von uns geprüften Genres als auch Filmton in exzellenter Manier präsentiert, bestärkt nur unseren Eindruck, dass es sich um einen der leistungsfähigsten, wenn nicht sogar den leistungsfähigsten kompakten Stereo-Streaming-Verstärker derzeit handelt. Klar, fast 3.000 EUR Kaufpreis sind eine Ansage. Aber dafür bekommt man auch ein Produkt, bei dem man praktisch keine Abstriche machen muss, ja, das fast konkurrenzlos dasteht. Viele Hersteller haben kompakte Stereo-Amps im Angebot, auch mit Streaming-Modul, auch mit HDMI-Slot. Aber diese bis ins Detail sorgfältige Komposition in jeder Hinsicht - Optik, Verarbeitung, praktischer Nutzen, Flexibilität, Klangstärke - ist nur als meisterhaft zu bezeichnen. 

Der NAD M10 v2 ist der König der kompakten Stereoverstärker und ein grandioses Gesamtpaket ohne Schwächen 

Kompakte Stereo-Streamingverstärker Luxusklasse
Test 11. April 2022

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 11. April 2022

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