XXL-TEST: Streaming-Vollverstärker Marantz Model M1 - kompaktes Klang-Ass in nobler Optik?
Klangwertung

Dali RUBIKORE 8 (Bild: Philipp Kind)
Bei Chris Isaaks „Wicked Game“ beweist uns der kompakte Marantz Stereo-Streamingverstärker, dass er sogar an den großen Dali RUBIKORE 8 mit erstaunlicher Gelassenheit an die Arbeit geht. Der straffe, aufgeräumte Bass, die tadellose Loslösung der Stimme von den Lautsprechern und die saubere Differenzierung zwischen vokalen und instrumentalen Anteilen sprechen ebenso für den M1 wie die überzeugende vokale Dynamik. Der Marantz M1 agiert insgesamt überraschend souverän, er tritt akustisch vollwertig auf und kann durchaus auch im größeren Hörraum um die 25 Quadratmeter verwendet werden. Die mit 100 Watt pro Kanal angegebenen Endstufen leisten hier auf jeden Fall ganze Arbeit.
„Ain’t No Sunshine“ (Eva Cassidy) präsentiert uns der M1 ebenfalls ausgesprochen überzeugend. Als Eva die Stimme erhebt, liefert uns der Stereo-Streamingverstärker erneut eine ausgezeichnete vokale Dynamik ab. Die Stimme ist sehr lebhaft, sehr fokussiert – für manche schon an der Grenze, diese empfindlichen Zeitgenossen werden etwas zu viel Prägnanz und vielleicht auch Schärfe entdecken. Wir finden, dass der Marantz sich noch sauber ausbalanciert auf der „guten Seite“ aufhält und Evas vokaler Präsenz viel Entfaltungsspielraum gibt. Sehr gut kommt der Marantz auch mit kurzen, schnellen Impulsen zurecht, die treffsicher dargestellt werden. Die Instrumentierung in diesem Song arrangiert der M1 ebenfalls treffsicher, die Verhältnisse zwischen instrumentaler und vokaler Präsenz sind in jeder Sekunde passend.
Die „Nothing Else Matters“ Version aus dem Film „Jungle Cruise“ erweckt der kleine Streaming-Spezialist mit Verve zum Leben. Der Anfang beweist, dass der M1 auch kleine musikalische Einzelheiten gut einbauen kann, zugleich aber entwickelt er viel Nachdruck und Punch, wenn sich das dynamische Gefüge ändert und plötzlich Leistung gefordert wird. Der M1 lässt sich nicht zweimal bitten und schiebt mit einem Nachdruck an, den man dem kompakten Device nicht zugetraut hätte. Der gesamte orchestrale Aufbau gelingt dem Vollverstärker für die Preisklasse um die 1.000 EUR nahezu makellos, die Räumlichkeit ist dicht, die Loslösung des Klangs von den Boxen klappt auch hier wieder tadellos – was natürlich auch ein Verdienst der ausgesprochen hochwertigen RUBIKORE 8 ist, die durch ihren ordentlichen Wirkungsgrad die Hürden für den M1 nicht zu hoch werden lässt.
„Crazy“ von Seal in der 2022er Version ist unser nächster Titel. Und der M1 spielt wieder ganz im Stile eines ausgewachsenen großen Vollverstärkers auf und liefert ein weiteres Mal eine ausgesprochen dynamische Vorstellung ab. Seals vokale Präsenz geht nie verloren, trotz der immensen instrumentalen Wucht, die wir wahrnehmen. Wirklich enorme Pegel werden nahezu verzerrungsfrei gemeistert, nur werden ab circa 80 Prozent der maximal möglichen Lautstärke kleine Einzelheiten in den hinteren musikalischen Ebenen nicht mehr hervorgeholt. Gut ist auch hier wieder die räumliche Tiefe, so kann man die Aussage des Songs intensiv wahrnehmen.
Weiter geht es mit „One Night In Bangkok“ von Murray Head. Hier merkt man, dass die ehrliche, direkte Auslegung des M1 bei diesem suboptimalen Quellmaterial leichte Einbußen hinsichtlich der zu harschen Ausprägung des Mittel- und Hochtonbereichs mit sich bringt. In diesem Fall hilft nur die Reduzierung des Pegels auf gehobene Zimmerlautstärke weiter. Dann wird die sonst bekannte akustische Souveränität wiedererlangt, und die tadellose Einbindung der Vocals und die impulstreue Wiedergabe des Rhythmus bringt weitere Punkte aufs Konto des M1.
Wie sieht es bei „Land Of Confusion“ in der Cover-Version von Disturbed aus? Hier bietet der M1 beim wuchtigen Anfang genau den Bass-Schub, den man sich für diesen Track wünscht. Massiv, kraftvoll, aber zugleich exakt macht sich der kleine Streamingverstärker ans Werk und spielt auch die gewollte Aggressivität richtig ins Klangbild ein. Tempowechsel sind kein Problem, der M1 ist umgehend zur Stelle, und die E-Gitarre hat richtig Zunder und plätschert nicht nur vor sich hin. Der ganze Track „lebt“, macht Spaß, und die Souveränität des Marantz ist für den Kaufpreis und das Größenmaß wirklich überzeugend.
„The Age Of Love“ (Charlotte de Witte Cover) beweist uns, dass der Marantz wirklich Muskeln hat und auch bei diesem Track nicht deplatziert ist. Der Kickbass wird sauber getroffen und weist überdies eine erstaunliche Härte auf. Klar, sauber, akzentuiert: Alle akustischen Elemente verdichtet der Marantz M1 hier zu einem echten Erlebnis für den Trance-/Techno-Fan. Es überrascht immer wieder, dass hier echter Schub herauszuhören ist, der auch dann nicht schlagartig aufhört, wenn man mit dem Pegel weiter nach oben geht. Hier muss man sagen, kann man nur immer wieder erstaunt sein. Pegelfest ist er wiriklich, der kleine Schönling, und offen für praktisch alle Musikrichtungen.
Konkurrenzvergleich

Bluesound Powernode Edge: Für 699 EUR ist der kleine Bluesound Powernode Edge ein wohlfeiles Angebot, das mit der äußerst flexiblen BluOS-Betriebssystem ausgestattet ist. Rund 300 EUR Differenz demnach - der Marantz M1 sieht noch etwas edler aus, hat auch eine schönere Haptik und erweist sich als noch pegelfester. Beide Hersteller verzichten auf ein Display und eine Fernbedienung, was im Falle des teureren Marantz schon etwas ärgerlich ist, während es beim recht preiswerten Edge zu verschmerzen sein dürfte.

Cambridge Audio CXA81 MK2: Für 1.199 EUR stellen wir ein Device mit einer gänzlich anderen Konzeption vor. Der CXA81 MK2 ist ein veritabler, klassischer Stereovollverstärker im 43 cm Rastermaß. Streaming ist hier bis auf Bluetooth nicht an Bord, dafür gibt es digitale sowie analoge Anschlüsse, und wenn digitale Signale in den CXA81 MK2 eingespeist werden, kümmert sich ein präzise arbeitende,r hochwertiger ESS DAC um die Signalwandlung.

Denon CEOL RCD-N12DAB und SC-N10: Wer es sich gern einfach macht und am liebsten gleich alles komplett kauft, kann sich für faire 799 EUR Denons CEOL-Lösung inklusive erstaunlich gut klingender kleiner 2-Wege-Boxen gönnen. CEOL sieht richtig gut aus, und das gilt auch für die Lautsprecher. Wenn man diese nicht möchte, kann man den CD-Streaming-Receiver mit HEOS-Modul auch für 699 EUR alleine erstehen. Mit sehr guter Verarbeitung und einer tadellosen Anschlussbestückung inklusive HDMI und Subwoofer Pre-Out ist CEOL ein wahres Multitalent, das auch noch die Mitglieder der CD-Sammlung wiedergeben kann und einen DAB-Tuner besitzt.
Fazit

Der Marantz M1 ist ein sehr kompakter Stereo-Streamingvollverstärker, der mit seiner edlen Optik und der dazu passenden Haptik punkten kann. Er ist mit einem HEOS-Streaming-Modul ausgestattet, für Mulitoom vorbereitet und ist praktischerweise auch mit einem HDMI-eARC-Anschluss ausgestattet. So kann man auch die Lautstärke des M1 mit der Fernbedienung des Smart-TVs regeln - praktisch, denn eine Fernbedienung liefert Marantz beim M1 ebenso wenig mit wie ein Display. Ein Subwoofer Pre-Out ist vorhanden, ein dediziertes Phono-Terminal nicht. Klanglich weiß der M1 absolut zu überzeugen. Er bietet erstaunliche Kraftreserven, agiert zudem dynamisch und mit räumlich dichter akustischer Darbietung. Im Reigen der kompakten Streaming-Amps ist er eine Bereicherung, trifft allerdings auch auf harte Konkurrenz.
Sehr kompakter, optisch sehr attraktive Streaming-Vollverstärker mit kräftigem und dynamischem Klang

Streaming-Vollverstärker bis 1.000 EUR
11. Oktober 2024
Test: Carsten Rampacher, Sven Wunderlich
Bilder: Sven Wunderlich
Datum: 11. Oktober 2024
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Tags: HEOS • Marantz • Stereo-Vollverstärker • Streaming-Vollverstärker






