XXL-TEST: Technics Streaming-Vollverstärker SU-GX70 - flexibler Unterhaltungskünstler für 1.799 EUR
Klang
Verwendete Lautsprecher: Canton Vento 90
Wir starten mit Ludwig Van Beethovens "Pour Elise", gespielt vom weltberühmten Pianisten Lang-Lang. Hier beweist uns der SU-GX70 umgehend, wie fein und zugleich entschlossen er aufspielen kann. Diese enorme Bandbreite hätten wir nie erwartet, weder in dieser Preisklasse, noch in Anbetracht der Leistungsdaten. Doch der SU-GX70 belehrt uns eines besseren und beeindruckt auch mit der überzeugenden Herausarbeitung der Anschlagdynamik. Die Räumlichkeit wirkt authentisch, und der Klang löst sich sehr überzeugend von den Lautsprechern. Der Technics Vollverstärker schafft es zudem, die Temperatur des Klaviers ausgewogen und natürlich zu transportieren, und der überaus detailreiche Hochtonbereich ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit.
Wir setzen ein weiteres Mal auf eine Hi-Res-Datei (Flac 24 Bit/96 kHz) und lauschen Rod Stewarts Klassiker "Sailing" in einer Aufnahme zusammen mit dem Royal Philharmonic Orchestra. Hier muss man mit den recht dominanten Hochton-Elementen bei stark erhöhtem Pegel etwas aufpassen, was aber am Quellmaterial und nicht am SU-GX70 liegt, der ebenso wenig wie unsere angeschlossenen Boxen zu unschöner und unnötiger Agressivität im Hochtonbereich neigt. Passt man entweder den Klang an oder senkt den Pegel etwas, ist aber alles im viel zitierten grünen Bereich. Vielschichtig, sehr dynamisch, sehr fein hinsichtlich der Unterteilung der musikalischen Ebenen, straff und gediegen im Bassbereich: Der SU-GX70 punktet üppig, auch mit der gelungenen Präsentation von Rods charismatischer Stimme.
In Flac 192 kHz724-Bit lauschen wir Diana Kralls "Like Someone in Love". Hier notieren wir ein weiteres Mal eine detailreiche, präzise instrumentale Umsetzung, aber klar wird Dianas Stimme fokussiert. Auch, wenn sie nur ins Mikrofon haucht, setzt der SU-GX70 diese kleinen Einzelheiten brillant um. Das Piano wirkt lebhaft und realistisch, mit exakt dem Schwung, den es ausstrahlen soll. Die weiteren Instrumente sind räumlich sauber angeordnet, was insgesamt zu einer kultivierten, umfassenden Darbietung führt.
"If Only" (Andrea Bocelli & Dua Lipa) steht als nächster Titel auf dem Programm. Mit viel Gefühl führt uns der Technics-Vollverstärker durch den emotionalen Song und bringt die beiden Stimmen ebenso wie Piano und Streicher gekonnt zum Ausdruck. Wie wir es bereits kennen, ist der Klang frei und vielschichtig, die Räumlichkeit beeindruckt uns ein weiteres Mal. Der SU-GX70, so scheint es bislang, hat das Zeug, auch sehr anspruchsvolle Musikliebhaber glücklich zu machen, und das mit einem Kaufpreis deutlich unter der 2.000 EUR-Grenze. Das hätten wir dem schlanken Vollverstärker in dieser Ausprägung nicht zugetraut.
Wir setzen mit Queens "Radio Gaga" (Live Aid-Version, 16-Bit, 44,1 kHz) fort. Die massivem Beifallsbekundungen der XXL-Zuhörerschaft managt der SU-GX70 souverän. Die legendäre Stimme von Frontmann Freddy Mercury kommt mit hohem Wiedererkennungswert heraus, zugleich ist sie nahtlos in den akustischen Rest eingeflochten. Der Aufbau des Songs wird detailreich dargestellt, dynamische Steigerungen können mit hoher Impulstreue genossen werden. Auf hohem Niveau ist einmal mehr die Räumlichkeit. Hier scheint sich wirklich eine große Bühne aufzubauen, mit geschlossenen Augen ist man sofort mittendrin im klanglichen Geschehen.
Beim Trance-Klassiker "Heartbeat" von Blank & Jones hinterlässt der SU-GX70 ebenfalls einen glänzenden Eindruck und baut den Track impulstreu und mit sorgfältigem Hinzufügen jedes weiteren elektronischen Effekts auf. Die zahlreichen unterschiedlichen Motive des Titels verarbeitet der Technics-Vollverstärker zu einem beeindruckenden Ganzen, dem es weder an dichter Räumlichkeit noch an entschlossener Vehemenz fehlt. Der harte Bass wird nicht nur sauber getroffen, er hat zusätzlich auch das richtige Maß an Durchschlagskraft.
Mit "Vibration" von Gigi D'Agostino und Luca Noise bekommt der SU-GX70 erneut einen Titel vorgesetzt, bei dem er alle seine Energiereserven mobilisieren muss. Das gelingt auch überzeugend, nur wenn wir den 80 Prozent des maximal möglichen Pegels übersteigen, wird es hier recht harsch im Hochtonbereich und im Bereich der oberen Mitten. Wer hier nochmals mehr Souveränität möchte, muss auch tiefer in die Tasche greifen, wobi auch teurere Konkurrenten wie der Marantz Model 40n hier an die Grenze der belastbarkeit geraten. Hier müssen schon "Schlachschiffe" wie ein NAD M33 her, um richtig "durchzugreifen".
Konkurrenzvergleich

NAD M10 v2: Mit 2.499 EUR ist der M10 v2 deutlich teurer, bietet aber auch mehr Leistung, zusätzlich Dirac Live, ein enorm hochwertiges, scharf darstellendes und feinfühlig reagierendes Touch-Display, einen Dolby Digital-Decoder und die Möglichkeit, mit Bluesound-Komponenten (Wireless Rear-Speaker) plus Subwoofer(n) ein 4.0, 4.1 oder gar 4.2 Setup zu erstellen. Der M10 v2 klingt grandios, marschiert konsequent voran und ist äußerst pegelfest. Daher ist er den Mehrpreis auch wert.

Marantz Model 40n: Für ebenfalls 2.500 EUR ist der Marantz der "Schönling" unter den Streaming-Vollverstärkern und tritt ungemein edel und schick auf. Er hat auch reichlich Leistung, packt aber nicht ganz so entschlossen zu wie der NAD. Er detailliert sehr gut, besser als der SU-GX70, der aber bei normalem Pegel noch runder und somit besonders angenehm klingt. Überhaupt hinterlässt er Technics im direkten Vergleich einen sehr guten Eindruck und besitzt noch modernere Streaming-Fähigkeiten inklusive Chromecast und MQA-Kompatibilität.

Denon PMA-1700NE: Der in klassischer Denon-Optik antretende Vollverstärker hat keine Netzwerk-Streaming-Funktion, aber einen USB-DAC, der bis zu 11,2 MHz DSD unterstützt und bis zu 384 kHz/32-Bit PCM. Er ist derzeit ab schmalen 1.350 EUR Marktpreis zu haben und ist damit spürbar günstiger als der SU-GX70. Akustisch spielt er räumlich dicht und zudem klar auf, allerdings vermissen wir etwas die Emotionalität, die mancher Konkurrent bietet.

Yamaha A-S2200: Teuer ist er - gut 2600 EUR werden für den A-S2200 fällig. Dafür aber ist er wunderschön, und wie er aussieht, so klingt er auch. Wem eine rein analoge Wiedergabemaschine reicht, ohne Digitalanschlüsse, ohne DAC, der ist hier bestens aufgehoben. Gerade, wenn man einen Plattenspieler oder einen Streamer mit hochwertigem DAC anschließt, entfaltet der A-S2200 seinen sanften, zugleich extrem präzisen, auf Wunsch auch realistisch-dynamischen Klang in voller Pracht.
Fazit

Der Technics SU-GX70 erweist sich im Testbetrieb als Volltreffer. Optisch sehr nobel, zugleich zurückhaltend, überzeugt er bereits mit hochwertiger Verarbeitung, praktischer Handhabung, tadelloser App und exzellenter Netzwerk-/Multimedia-Ausstattung. Auch die Anschlusssektion erweist sich als außerordentlich praxisgerecht. Klanglich punktet der SU-GX70 mit einem klar strukturierten, kultivierten, homogenen Klang bei nahezu jedem Musikstik. Er agiert auch bei gehobenem Pegel souverän und beeindruckt durch die natürliche Räumlichkeit.
Moderner Stereo-Streamingverstärker, der mit einem hohen Leistungsniveau in allen Disziplinen überzeugen kann

Stereo-Streamingverstärker obere Mittelklasse
Test 08. Februar 2024
Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 08. Februar 2024
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Tags: Streaming-Vollverstärker • Technics






