XXL-Interview: Markus Pedal, Mitglied der Geschäftsleitung und Entwicklungsleiter bei Nubert, über Nuberts Zukunft, Soundbars, Aktiv-Technologie und die Nubert-DNA

Die Virtualisierung (im Bild: Display der nuPro XS-8500 RC) ist mittlerweile auf beachtlichem Level angekommen
Markus dazu: „Ich behaupte, dass die Virtualisierung, z.B. auch bei Dolby Atmos, durch das ganze Hochleistungs-Processing mittlerweile so gut geworden ist, dass es sich zunehmend weniger lohnt, sich mit gefühlten 20 Lautsprechern zu umgeben. Man kann das reduzieren auf eine gewisse Anzahl, die optisch noch tragbar ist und die gut funktioniert. Der Gag dabei ist, dass für die meisten Use Cases ein 5.1-Setup immer noch die beste Lösung ist – hier ist der „Wow“-Effekt, wenn man von Stereo auf Mehrkanal geht, nach wie vor am größten. Alles, was dann noch weiter geht, bringt nicht mehr den großen Benefit – es sei denn, man ist echt ein Freak und möchte alles perfekt auf- und ausbauen.“
Dass z.B. auch ein 5.1-Set virtuell so gut abgebildet werden kann, führt dazu, erläutert uns der Entwicklungs- und Technik-Experte, dass es immer mehr Anwender geben wird, denen z.B. Soundbar-Systeme ausreichen werden. Natürlich, so betont er, haben große Heimkino-Lautsprechersysteme ihren Reiz. Aber Aufwand und akustischer Ertrag stehen oft in keinem vernünftigen Verhältnis zueinander, vertritt Markus einen klaren Standpunkt. „Wir sehen es auch, zum Beispiel bei unserem avPre, aber auch an den AV-Receivern im Ladengeschäft, dass es sich um Nischenprodukte handelt, die nicht für jeden bestimmt sind. Wir verkaufen z.B. von Yamaha oder Denon AV-Verstärkern/Receivern keine wirklich großen Stückzahlen im Jahr.“ Und werden immer weniger, die ein großes Ensemble aus AVR und passendem Mehrkanal-Lautsprecherset wirklich aufbauen, vervollständigt der Entwicklungsleiter.

Modelle wie die nuBoxx AS-425 max waren gerade während der Corona-Krise sehr beliebt
Zum Schluss möchten wir wissen, wie sich denn die letzten Jahre – Corona-Krise, dann Ukraine-Krieg – ausgewirkt hat. „Technisch war es deprimierend, da die ganze Elektronikfertigungs-Schiene, also die Industrie der Elektronikfertigung, massiv unter den Folgen bereits zu Beginn der Corona-Krise litt. Drastische Einschränkungen bei den Lieferketten, keine Bauteilverfügbarkeit. Wir haben gottseidank frühzeitig Vorkehrungen getroffen – dass unsere Lieferketten funktionierten und dass wir genug Bauteile für die Produktion unserer Produkte hatten. Darum war Nubert auch praktisch immer lieferfähig – das war genial.“

Als kompaktes, flexibel einzusetzendes Modell agiert auch die nuBoxx AS-225 erfolgreich
Es gab einen richtigen Peak, als in der Pandemie plötzlich viele guten Sound zuhause haben wollten und daher z.B. Soundbars gern gekauft wurden. Hier, so Markus, war es von großem Vorteil, dass Nubert diesen Bedarf decken und die Kunden bedienen konnte. Gut, nachher flachte die Nachfrage ab, aber immer noch war Bedarf da, der aus den gut gefüllten Lagern gedeckt werden konnte.
Nochmals zum Thema Soundbars. Wie sieht Markus Pedal die Konkurrenz auch von Samsung und LG? Mittlerweile wird dort ein interessantes Feature beworben, das Lautsprechersystem von Fernseher und Soundbar zusammen zu verwenden. Hat Nubert hier Sorge, dass solche Ausstattungsmerkmale die Soundbars des Hauses weniger attraktiv machen, oder sieht man diesen Mikrotrend gelassen?
Markus Pedal erklärt: „Eins spielt uns in die Karten – dass TVs immer größer werden. Darum greifen Kunden vermehrt auch zu großen Lösungen wie der nuPro XS-8500 RC. Und diese sind akustisch in der Lage, ein ganz anderes, kraftvolleres Klangbild zu erzeugen, auch im Vergleich zu Lösungen, bei denen die Lautsprechersysteme von TV und Soundbar zusammen agieren. Mit solchen Soundbars wie der 8500 heben wir uns definitiv ab – und dass unser Topmodell so erfolgreich ist, zeigt: Was unter dem TV passiert, da ist man relativ frei. Das muss nicht ultraflach oder enorm unauffällig sein. Hier akzeptiert man auch eine durchaus brachiale Lösung wie eine nuPro XS-8500 RC.“
„Natürlich sehen wir trotzdem, wie gut Soundbar-Systeme von LG, Samsung oder Sony mittlerweile geworden sind“, führt der Entwicklungsleiter weiter aus. „Aber das Gute für uns ist: Die Top-Systeme der eben genannten Hersteller sind auch nicht wirklich günstig“. Dass auch Edel-Hersteller in bislang unbekannte Soundbar-Preisdimensionen vordringen wie unlängst die Nakamichi Dragon, (mit DTS:X Pro, 11.4..6-System, 3.500 Dollar, Anmerkung der Redaktion) beobachtet Pedal ebenfalls mit Interesse. Demnach ist sogar noch Luft nach oben, und ein Modell wie die nuPro XS-8500 RC ist nicht das Ende der Fahnenstange.

Markus Pedal führt Nubert in eine erfolgreiche Zukunft
Für uns ist das Fazit nach dem Interview klar: Mit Markus Pedal als Entwicklungsleiter und als Mitglied der Geschäftsführung muss Nubert keine Angst vor der Zukunft haben. Er hat klare, verständliche Vorstellungen, in welche Richtung sich die Marke Nubert entwickeln soll, geht einen nachvollziehbaren Weg zwischen Vorsicht und dem Mut, weitere Marktfelder zu entdecken und wichtige Themenfelder zu stärken, ohne klassische Nubert-Produkte zu vernachlässigen.
Special: Carsten Rampacher
Fotos: Oksana Fritz, Sven Wunderlich, Phlipp Kind
Datum: 16. März 2023
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