TEST: Dali Rubicon 6 – die goldene Mitte im Rubicon Standlautsprecher-Sortiment?

Dali Rubicon 6 Gruppenbild2

Prädikat „besonders wertvoll“ – die Dali Rubicon 8 erwies sich in unserem Test letzten Spätsommer als exzellent in allen Belangen. Nun ist die Rubicon 8 die größte Standbox der Baureihe, darunter rangiert die Rubicon 6. Kostet die Rubicon 8 satte 2.399 EUR pro Stück, liegt eine Rubicon 6 bei 1.799 EUR, also deutlich darunter. Dali bezeichnet die Rubicon-Serie als „neuen Maßstab in der Oberklasse“, auf die Rubicon 8 trifft dies auch exakt zu, nun muss die Rubicon 6 beweisen, dass sie das Versprechen ebenfalls einlöst. Bestückt ist die Rubicon 6 mit zwei Tiefmitteltönern mit 165 mm Chassis, die miteinander gekoppelt sind. Jedes Chassis ist in einer eigenen Kammer untergebracht.

Dali Rubicon 6 Tiefmitteltoener

2 x 165 mm Tiefmitteltöner mit Holzfasermembran

Dali Rubicon 6 Hochtoener2

Bändchenhochtöner……

Dali Rubicon 6 Hochtoener1

 …kombiniert mit Kalottenhochtöner

Die Tieftöner weisen die für Dali-Lautsprecher typischen Holzmembranen auf, für besten Antrieb sorgt das „Soft Magnetic Compound“ System, welches die durch mechanische Verluste im Magnetantrieb entstehende Verzerrungen deutlich heruntersetzt. SMC weist eine außergewöhnlich hohe magnetische Leitfähigkeit auf, die mit einer sehr geringen elektrischen Leitfähigkeit gekoppelt ist. Folge dieser Konstruktion, unsere Testreihen beweisen dies immer wieder, ist ein klarer, verfärbungsfreier und sehr angenehmer Klang. 

Dali Rubicon 6 Verarbeitung1

Sehr hochwertige Verarbeitung und ansprechende Materialqualität

Dali Rubicon 6 Rueckseite Seitlich1

Jedes Tiefmitteltonchassis hat seine eigene Bassreflexöffnung

Dali Rubicon 6 Anschluesse Rueckseite

Bi-Wiring-Terminals

Dali Rubicon 6 Innenleben

 Die Frequenzweiche wirkt sehr einfach – zugegeben. Hervorragenden klanglichen Leistungen tut das schlichte Layout aber keinen Abbruch

Zwei Bassreflexöffnungen, jeweils optimal direkt hinter den Chassis platziert, verbessern die Basskraft und erhöhen den Wirkungsgrad. Für den Hochtonbereich kommt, auch das ein Merkmal vieler Dali-Lautsprecher, ein Hybridhochtöner zum Einsatz. Eine Gewebekalotte und ein Bändchen sorgen zusammen für ein detailreiches, räumliches und offenes Klangbild. 

Dali selber gibt an, dass sich die Rubicon 6, anders als die kleinste Standbox, die Rubicon 5, auch für die Beschallung größerer Hörraum eignet. Knapp einen Meter misst die Rubicon 6 in der Höhe und ist damit nicht zu ausladend. In vier eleganten Farbvarianten ist der dänische Klangmeister lieferbar: In Hochglanz Weiß, Hochglanz Schwarz, sowie in den Echtholzvarianten seidenmatt Rosso (sehr schick) und Walnuss, wie unser Testsample. Spikes und Gummifüße befinden sich im Lieferumfang. 

Die Rubicon 6 stellt (+/- 3 dB) Frequenzen zwischen 38 Hz und 34 kHz dar und weist eine Nennimpedanz von 4 Ohm auf. Maximal erzeugt sie 112 dB Schalldruck und wird als passende Ergänzung zu Verstärkern mit einer Leistung von 40 bis 200 Watt empfohlen. Die Trennfrequenzen gibt Dali mit 800/2.600/14.000 Hz an. Letztere Trennfrequenz beschreibt die Übernahme des Hochtonbereiches durch das 17 x 45 mm Bändchen. Darunter spielt die 29 mm Gewebe-Kalotte. Die beiden 165 mm Tiefmitteltöner der 2,5 Wege plus 0,5 Wege-Bassreflex-Konstruktion sind, wie schon erwähnt, miteinander gekoppelt. Dali empfiehlt einen Abstand von 20 bis 180 cm  zwischen Lautsprecherrückseite und Hörraumwand.  990 mm hoch ist die Rubicon 6, 200 mm breit und 380 mm tief. Sie wiegt 20,2 kg und hält somit Respektabstand zur Rubicon 8, die 27,3 kg pro Stück wiegt. 

Klang

Wir starten durch mit Trance-Klassikern, vielleicht nicht unbedingt das, was die seriösere Klientel zunächst erwartet hätte, aber wir möchten sehen, wie es voran geht mit der Rubicon 6. Und wir staunen nicht schlecht, denn die Performance ist, wie der Engländer sagen würde, „extraordinary“. Der Bassbereich brilliert über alle Maßen bei Armin van Buurens Klassiker „Communication“: Satt, klar und präzise legen sich die Chassis mit der Holzfasermembran ins Zeug. Den Aufbau und den Rhythmus des Stücks bekommt die Rubicon 6 sensationell hin – alternierende elektronische Effekte fliegen gezielt durch den Hörraum, hart und impulstreu kommen die Bassschläge beim Publikum an. Es bewegt sich was – das spürt man jederzeit deutlich. Dabei bleibt der Lautsprecher unerschütterlich souverän.

„Airwave“ von Rank 1 beweist ebenfalls, wie vehement und gekonnt sich die Rubicon 6 dem Quellmaterial in CD-Qualität annimmt: Hier begeistert der Bassbereich wieder ohne jede Einschränkung. Straff, kraftvoll, mit absolut stimmigem Timing – genau so geht es! Die Effekte kleben nicht an den Chassis, sondern verteilen sich frei und mit exakt ausbalancierter Wirkung im Hörraum. Der breite horizontale Abstrahlwinkel der Rubicon 6 sorgt dafür, dass sie sehr praxisgerecht auch für den größeren Wohnraum konzipiert wurde. Pegelfest ist die dänische Konstruktion ohnehin – und der angeschlossene Advance Acoustics X-i120 Vollverstärker erweist sich als sehr angenehmer Partner. Dieses französisch-dänische Team legt sich auch bei „Fire Wire“ von Cosmic Gate vehement „ins Zeug“. Bass, der die Membranen an die Belastungsgrenze bringen sollte, ringen der Rubicon 6 nur ein müdes Lächeln ab. Sie meistert alle Herausforderungen problemlos und lässig. 

Nun geht es ab in die 80er Jahre, unsere Zeitreise lässt uns beim a-ha-Klassiker „The Sun Always Shines On TV“ landen, und zwar bei der Extended Version. Das exzellente Bassfundament spüren wir auch bei diesem Stück jederzeit. Wie schnell und wie energiegeladen der Bassbereich herauskommt, das ist wirklich herausragend Aber auch, wie gut sich die Stimme von Morten Harket von den Chassis löst, ist sehr zu loben. Zwar ist die Stimme leicht quäkend im oberen Mitteltonbereich, das liegt aber an der Quelle und nicht an den Rubicon. Der Synthesizer kommt erstklassig heraus, die enorme Raumwirkung spüren wir auch hier.

Nun kommen die Romantiker zum Zug – mit „Eyes Without A Face“ gibt sich Rebell Billy Idol ganz sanft. Und die Emotionalität des Songs wird von den Rubicon 6 überragend herausgearbeitet. Die weiblichen Vocals im Background zeigen, dass die Rubicon 6 auch musikalische Einzelheiten der zweiten Reihe bestmöglich für die Preisklasse integriert. Verliebte – aufgepasst: Die Rubicon 6 lädt zur romantischen Nacht geradezu ein, durch die in die Tiefe gehende, substanzreiche Darstellung. Wir überprüfen dies nochmals anhand von „L’Attesa“ von Andrea Bocelli – aber auch hier läuft die Rubicon 6 zu großer Form auf und löst die Stimme brillant auf. Der Bass hat Stärke, koppelt diese aber an eine absolut untadelige Präzision. Nie schiebt er sich unpassend in den Vordergrund, klar im Fokus ist, wie es sich gehört, Andreas Stimme. Ihren Hang, Romantisches mitreißend darzustellen, lässt die Rubicon 6 jedenfalls auch bei diesem Stück deutlich machen, dass sie sich auch als erste Wahl für den anspruchsvollen Hörer sieht.

Wenden wir uns nun der rein instrumentalen Version von „Live And Let Die“ aus dem gleichnamigen James Bond-Film zu. Die SACD enthält ausschließlich instrumentale Versionen von Titelliedern verschiedener 007-Movies, gespielt vom Royal Philharmonic Orchestra. Und die Rubicon 6 spielt hier die Vorzüge des Hybrid-Hochtöners gekonnt aus: Klar, brillant, nicht zu spitz, und mit toller Auflösung zeigt sie vielen Konkurrenten, wo der Hammer hängt. Dass Streicher und E-Gitarre gleichermaßen hervorragend eingearbeitet werden, beweist, dass der Lautsprecher mit allen Instrumenten gleichermaßen zurecht kommt.

Die Rhythmuswechsel werden impulstreu und akkurat übertragen. Ruhig geht es bei „The Man With The Golden Gun“ zu, und auch hier überzeugt uns die Rubicon 6 wieder mit ihrem aufmerksamen, lebendigen und gefälligen Spiel. Sehr feinfühlig arbeitet die Details im Hochtonbereich heraus, um diese auch gleich mit sehr guter Räumlichkeit zu präsentieren. Die Räumlichkeit an sich ist schon sehr zu  loben, beeindruckender ist aber die Staffelung der räumlichen Tiefe: Hier gibt sich die Rubicon 8 ganz wie ein – eigentlich deutlich teurerer – Vertreter der Oberklasse und offeriert eine exakte, facettenreiche Staffelung – das ist wieder einmal erstklassig. 

Das erste Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur, Köchelverzeichnis 622, abgelegt auf einer SACD der Deutschen Grammophon, ist die nächste zu nehmende Hürde. Doch was heißt Hürde? Die Rubicon 6 spielt erneut groß auf und beweist ihr Händchen für Klassik. Meckern auf hohem Niveau – die Streicher könnten beim orchestralen Einsatz noch etwas mehr Feindynamik vertragen. Aber hier merkt man eben, dass es keine Box für 3.500 EUR Stückpreis oder mehr ist, sondern doch preislich noch in einem größeren Rahmen bodenständig. Ansonsten alles eitel Sonnenschein, harmonisch, aber nicht langweilig, sondern exakt durchmodelliert auch in den hinteren Ebenen des Orchesters. 

Was leistet die Konkurrenz? Hier bietet es sich natürlich an, zunächst auf die größere Rubicon 8 zu schauen, die im Test das bestmögliche Prädikat „Masterpiece“ ergattern konnte. Noch etwas mehr Tiefgang, noch etwas mehr Basskraft und Pegelfestigkeit und eine nochmals dichtere Räumlichkeit sind die Vorteile der größten Rubicon Standbox. Daher ist der Mehrpreis für versierte Anwender mit großem Hörraum – mehr als 35 Quadratmeter – gut angelegt, und beide Boxen haben daher ihre volle Daseinsberechtigung. 

Wer einen Lautsprecher möchte, der extrem dynamisch und nach vorn strebend auftritt, sollte sich die Jamo Concert C 109 einmal genauer anhören. Mit 3.000 EUR Paarpreis ist sie fair kalkuliert und tritt optisch selbstbewusst auf. Davon zeugt schon der große Jamo-Schriftzug unten, und genauso selbstbewusst tritt die C 109 auch akustisch auf. Die teurere dänische Alternative spielt harmonischer, feiner und ist für zurückhaltendere Naturen besser geeignet. 

Nicht mehr allerneust, sondern schon 2010 von uns getestet und mit damals 2.000 EUR/Stückpreis gut zu vergleichen ist die Canton Reference 7.2 DC. Mit superber Verarbeitung und sehr eleganter Optik weiß sie auch heute noch zu begeistern, ebenso mit enormer klanglicher Stärke. Nicht besonders gut ist es allein um den Wirkungsgrad bestellt. Der zuspielende Verstärker sollte daher einiges an Reserven mitbringen. Die Canton spielt etwas nüchterner als die Rubicon 6 und eignet sich daher auch für denjenigen, der den klassischen HiFi-Klang schätzt. Die Rubicon 6 macht das Hören dafür noch mehr zum Erlebnis. 

Fazit

Dali Rubicon 6 Front Seitlich1

Dalis Rubcon-Lautsprecherbaureihe ist nicht umsonst stark nachgefragt. Optisch treten die Schallwandler zwar konservativ und ohne die Finesse auf, die manche andere Dali-Boxenserie umspielt, aber die exzellente Verarbeitung und vor allem die erstklassige Akustik sorgen dafür, dass man nach der Rubicon 8 auch der Rubicon 6 eine besonders Empfehlung aussprechen kann. Der lebendige, impulstreue Klang ist sehr homogen und angenehm, die Räumlichkeit ist überragend, und hohe Pegel gehen der Rubicon 6 leicht von der Hand. der Wirkungsgrad geht in Ordnung, die Basskraft ist enorm und die Auflösung im Hochtonbereich richtig gut. Summa summarum ein echter Universalist mit vielen Talenten.

Dalis Rubicon 6 beweist im Test, warum die Baureihe so enorm beliebt ist: Erstklassige Akustik trifft auf aufwändige Technik
preisklassenreferenz
Standlautsprecher bis 4.000 EUR Paarpreis
21. April 2015

+ Extrem gute Grob- und Feindynamik
+ Klang löst sich erstklassig vom Lautsprecher
+ Pegelfest
+ Kraftvoller, doch nie aufdringlicher Bass
+ Praktisch für jeden Musikstil geeignet
+ Fairer Kaufpreis

– Optisch sehr konservativ

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 21. April 2015

 




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