TEST: Dali Standlautsprecher Rubicon 8 – dänisches Klang-Genie der angehenden Oberklasse?

Dali Rubicon 8 Gruppenbild1 

Auf der diesjährigen High End in München stellte Dali die Lautsprecherbaureihe Rubicon erstmals der Öffentlichkeit vor. Nun hat sich das Spitzenmodell der Serie, die Rubicon 8, in schwarzer Hochglanzausführung in unserer Redaktion eingefunden, um die schon viel gepriesenen klanglichen Fähigkeiten auch bei uns unter Beweis zu stellen. 

Optisch wirkt die Box imposant, bezüglich des Designs geben sich die Dänen zurückhaltend und stellten eine klassische Box in Portfolio, die allenfalls durch kleinere Details bei der Gehäusegestaltung eine gewisse Eigenständigkeit entwickelt,  so z.B. die leicht geschwungene Linienführung. Das soll allerdings nicht heißen, dass die Rubicon 8 nicht attraktiv wäre – das ist sie zweifelsohne, aber optische Attraktivität definiert sich schließlich nicht durch nachdrückliche Progressivität bei der Formgebung – diese Progressivität findet man bei der Rubicon 8 nicht. Sie erinnert eher an ein edles Musikinstrument und nicht an ein modernes Kunstobjekt, wie es manche Boxen tun.

Dali Rubicon 8 Bestueckung

Gleich drei 165 mm Chassis 

Dali Rubicon 8 Tieftmitteltoener

Dali-typische Holzfasermembran

Dali Rubicon 8 Hochtoener

Hybrid-Hochtöner 

Dali Rubicon 8 Rueckseite Seitlich2

 Drei Bassreflexöffungen

Nimmt man die Lautsprecherschutzgitter aus Stoff ab, kommt mehr Dynamik ins Erscheinungsbild und der Schallwandler wirkt noch edler. Das Stoffgitter ist eine kleine „Hochwertigkeits-Bremse“ und passt nicht ganz zum sonstigen Anspruch der Box. Gleich drei 165 mm Tiefmitteltöner sind auf der Frontblende platziert, mit Dali-typischer Holzfasermembran. Dali verspricht präzisen sowie nachdrücklichen Bass, wir sind gespannt. 

Dali Rubicon 8 Tiefmitteltoener ausgebaut2

Dali-exklusiver Treiber mit großem Magneten und solider Konstruktion

Dali Rubicon 8 Tiefmitteltoener ausgebaut1

Aus seitlicher Sicht 

Dali Rubicon 8 Hochtoener ausgebaut2

Ausgebauter Hybrid-Hochtöner von hinten  

Dali Rubicon 8 Hochtoener ausgebaut1

 Hybrid-Hochtöner von vorn

Dali Rubicon 8 Hochtoener Detail

Bändchen

Im Hochtonbereich verwendet Dali eine Hybdridkonstruktion aus einem 17 x 45 mm Bändchen und einem 29 mm Kalottenhochtöner. Dieses konstruktive Prinzip kennen wir auch von anderen hochwertigen Dali-Lautsprechern. Perfekter Übergang vom Mittel- in den Hochtonbereich, Brillanz sowie feine räumliche Auflösung bei gleichzeitig angenehmem Klang sind die Vorzüge, von denen wir uns bereits überzeugen konnten. 

Dali Rubicon 8 Anschluesse Rueckseite

Anschlussterminals

Die Rubicon 8 arbeitet nach dem Bassreflexprinzip und kann Frequenzen zwischen 38 Hz und 34 kHz darstellen. Damit eignet sich der dänische Schallwandler auch für hochauflösende Audio-Medien. Im Inneren finden sich eigene Kammern für die Tief/Mitteltöner. Das hat den Vorteil, dass man das Gehäusevolumen sozusagen maßschneidern kann auf den Einsatzbereich des jeweiligen Chassis. Jeder Tieftöner hat darüber hinaus eine eigene Bassreflexöffnung. Daher finden sich auf der sehr gut verarbeiteten Lautsprecherrückseite gleich drei Bassreflexöffnungen,aus denen die Rohre hervor schauen. Diese bestehen aus hochwertigem Kunststoff und sind solide mit dem Gehäuse verschraubt. Das steife Gehäuse verfügt nicht nur über eine exzellent aufgebrachte Hochglanzlackierung, sondern auch über spezielle Innenverstrebungen. Die Chassis sind direkt mit der 25 mm dicken Schallwand verschraubt. Die Verschraubung ist bis ins Detail durchdacht, so dass keinerlei unerwünschte Störungen durch Vibrationen oder Gehäusegeräusche den akustischen Genuss stören.  

Dali rät zu Verstärkerleistungen zwischen 40 und 250 Watt. Wir empfehlen schon die Verwendung eines kräftigen Verstärkers, trotz des ordentlichen Wirkungsgrades von 90,5 dB. Prinzipiell kommt die Rubicon 8 daher auch mit weniger leistungsstarken Verstärkereinheiten zurecht, dann aber fehlt die enorme Souveränität, welche die große Box ausstrahlt, wenn ihr üppig Leistung zugeführt wird. Der hohe konstruktive Aufwand schlägt sich in einem beträchtlichen Gewicht von 27,5 kg pro Rubicon 8 nieder.  Neben dem hochfesten Gehäuse sind auch die üppig dimensionierten Magnete an den Chassis dafür verantwortlich. 1.100 mm hoch, 220 mm breit und 445 mm tief ist die Rubicon 8. Dies gibt bereits Hinweise auf den Einsatzzweck – hervorragend eignet sich der Schallwandler für die Beschallung größerer Lokalitäten, am besten zwischen gut 20 und gut 40 Quadratmeter.

Wichtig bei einer Bassreflexbox ist das Einhalten eines gewissen Abstandes zur Hörraumwand. Dali gibt hier einen empfohlenen Wandabstand von 20 bis 180 cm an, damit der Käufer in etwa weiß, wie er die Boxen aufzustellen hat. Als extrem aufstellungskritisch haben sich die Rubicon 8 in unseren Testreihen nicht erwiesen. Auch eine Positionierung mitten im Raum ist ohne weiteres möglich. Aufgrund der schönen Formgebung von allen Seiten und der gediegenen Verarbeitung kann man diese Aufstellvariante auch in der Praxis wählen. 

Neben der von uns getesteten schwarz-hochglänzenden Variante gibt es noch weitere schöne Gehäusefarben. Rosso Veneer, Walnut Veneer sowie Weiß hochglänzend sind noch im Programm. Im Lieferumfang enthalten sind Spikes mit M8 Gewinde.

Klang

Wie agiert die Rubicon 8 akustisch? 

  • Räumlichkeit: Der Schallwandler entfaltet auch im größeren Raum eine enorm dichte sowie glaubwürdige Räumlichkeit. Feine Abstufungen helfen dabei, kleine musikalische Elemente präzise im Raum, sowohl in Weite als auch in der Tiefe, zu platzieren.
  • Grobdynamik: exzellent beschaffen – die Dali-Box spricht spontan auf große Dynamiksprünge an und bietet ein enorm schwungvolles, lebendiges Spiel, das einem den Dynamikumfang von Musikstücken hervorragend „vor Augen“ – besser „vor Ohren“ – führt.
  • Feindynamik: Auch hier lehrt die Rubicon 8 der Konkurrenz das Fürchten. Wie selbstverständlich kleine dynamische Differenzen herausgearbeitet werden, ist sehr zu loben. Wenn beispielsweise ein Piano virtuos gespielt wird, oder auch eine Violine, so holt die Rubicon 8 auch feine Zwischen-Nuancen aus dem dynamischen Gesamtgefüge heraus.
  • Tonalität: Angenehm neutral und frisch tritt die Rubicon auf. Durch den gewaltigen Bass hat man anfangs Sorge wegen Überbetonung tiefer Frequenzen – was in der Praxis aber ungerechtfertigt ist. Die Tonalität bleibt natürlich, der Bass schiebt sich nicht unerwünscht in den Vordergrund. Brillant und filigran, ist der Hybrid-Hochtöner in der Lage, ein entsprechend austariertes Gegengewicht zu Bass und Mittelton zu geben.
  • Mittel-/Präsenztonbereich: Fein gestaffelt, mit sauberer Kontur von weiblichen wie auch männlichen Stimmen. Sehr gelungene Übergänge auf der einen Seite in den Bassbereich, auf der anderen Seite in den Hochtonbereich. Sehr gute Loslösung des Präsenztonbereiches von den Chassis. 
  • Hochtonbereich: Wie schon angesprochen – filigran, sehr gut durchhörbar, mit ausgezeichneter Weitläufigkeit, hervorragender Brillanz. Keine klirrende Kälte, kein blecherner Einschlag.
  • Tieftonbereich: Straff, nachdrücklich, mit akkurat ausbalanciertem Volumen sowie herausragendem Tiefgang. Top bei Kickbässen, exzellent bei subtilen Bass-Gebilden. Eine referenzwürdige Leistung. 
  • Pegelfestigkeit: Über jeden Zweifel erhaben. Die Dali Rubicon zieht bei Pegeln, bei denen andere, selbst sehr hochwertige und teure, Schallwandler die weiße Fahne hissen, noch locker davon. Daher kann man bedenkenlos starke Verstärker anschließen, ohne sich sorgen zu müssen, dass die Rubicon 8 überfordert ist und sich sogar mechanische Schäden einstellen. 

Kommen wir zu einzelnen Klangbeispielen: 

Bei der 192 kHz-FLAC-Datei von „Dronning Fjellrose“ (Hoff Ensemble) arbeitet die Rubicon 8 feinste Nuancen bei weiblicher Gesangsstimme und Piano-Spiel heraus – dadurch kommt das etwas Schwermütig-Melancholische, das dem Stück inne ist, besonders überzeugend heraus. Die Weitläufigkeit und der Facettenreichtum der Darbietung beweisen, wie gut es um die Fähigkeiten der Dali-Box bestellt ist, wenn es um eine kultivierte und authentische Wiedergabe auch komplexerer Musikstücke geht.

Diana Kralls „All Or Nothing At All“ beginnt mit tiefem, sattem Bass, der herausragend, mit Substanz und straffem Auftritt, von der großen Rubicon 8 dargestellt wird. Kurz darauf ertönt Dianas Stimme – sie löst sich ausgezeichnet von den Lautsprecherchassis und verteilt sich genau ausbalanciert im Raum. Das FLAC 96 kHz-Stück mit enorm ausgeprägter Dynamik eignet sich erstklassig, um die Qualitäten der Rubicon 8 nachhaltig unter Beweis zu stellen, denn das Hörerlebnis beeindruckt durch hohe Plastizität und eine präzise Ausformung sowie impulstreue Einarbeitung auch kleiner Zwischentöne.

Jan Lundgrens „Alone For You“ (FLAC 96 kHz) bestätigt unsere bisherigen akustischen Eindrücke voll und ganz. Nuancenreich das Klavierspiel, hier kommt die Anschlagdynamik der Tasten gut heraus. Das gesamte akustische Gebilde wirkt ungemein räumlich, mit exaktem Aufbau der virtuellen Bühne und einer feinen Ausformung auch beim Schlagwerk.

„Diamante“ von Sandra und Tony Alessi (FLAC 96 kHz) gefällt ebenfalls, die dänische Box bringt den italienischen Esprit in diesem Stück überragend zum Ausdruck. Die weibliche wie auch die männliche Gesangsstimme werden auch bei höherem Pegel souverän wiedergegeben, ohne jede Einschränkung. Klar, vielschichtig und beinahe „zum Anfassen“ – so stellt man Musik eindrucksvoll dar. 

Völlig andere Musikrichtung, aber auch toll wiedergegeben – „Barcelona“ (16-Bit, 44,1 kHz) von Global Cult featuring Dashius Clay ist Trance-Music mit sattem Bass und räumlich intensiven Effekten. Keine Berührungsängste von Seiten der Rubicon 8 – der Kickbass wird mit Nachdruck in den Hörraum geschmettert, die Box bleibt bei hoher Lautstärke 100 % souverän und produziert weder Gehäusegeräusche noch Verzerrungen. Die Stimme wird auch bei enormem Pegel ausgezeichnet von den restlichen Klanganteilen getrennt. Die räumliche Wirkung ist hervorragend.

Und auch „Revolution Reloaded“ von DJ Clubbingman featuring Beatrix Delgado kommt mit enormer tieffrequenter Energie und präzise gestaffelten elektronischen Effekten heraus. Der Aufbau des Tracks erscheint dadurch jederzeit klar nachvollziehbar – denn auch Details wie beim Übergang zum Piano/Vocal-Part arbeitet die Rubicon 8 beispielhaft heraus – das können weitaus teurere Lautsprecher oftmals nicht besser. 

Konkurrenzvergleich:
  • Dali Epicon 2: Für Klang-Gourmets mit wenig Platz. Ähnlich im Preis wie die Rubicon, kann man sich aus Dalis Elite-Serie die kompakte und enorm noble Epicon 2 zu einem Paarpreis von 4.500 EUR (ohne Lautsprecherständer) ins Haus holen. Noch feinerer Hochtonbereich, noch edleres Finish kontra unglaubliche Bassgewalt und nahezu optimale Räumlichkeit – keine leichte Entscheidung? Doch – Epicon 2 fürs kleinere, exklusive Musikzimmer, Rubicon 8 fürs große Wohnzimmer – am besten also gleich beide nehmen. 
  • Teufel Definion 5: Unser Hightech-Schnäppchen – für eine einzige Rubicon 8 bekommt man fast ein Paar Definion 5. Mit Hightech-Treibern, geschlossener Konstruktion und attraktiver Formgebung zeigt die Definion 5 am besten von allen Produkten des Berliner Direktvertreibers auf, wohin die Reise geht: Hin zu Lifestyle, Performance und Hochwertigkeit. Klar ist, dass die Definion 5 in der Praxis nicht ganz mit der sehr deutlich teureren Rubicon 8 mithalten kann: Räumlichkeit, Auflösungsvermögen sowie Souveränität bei enormen Pegeln sind bei der dänischen Konstruktion nochmals ausgeprägter, so dass die Rubicon 8 ihren Mehrpreis rechtfertigen kann.  
  • Piega Coax 30.2: Für noch mehr Geld geht auch noch mehr – wie die Coax 30.2 für einen Stückpreis von 4.000 EUR zeigt. Doch die deutlich günstigere Rubicon 8 ist schon so gut, dass man sich genau fragen muss, ob noch mehr investiert werden soll. Lohnenswert ist dies bei einer enorm hochwertigen Gesamtkette – die Piega spielt noch eine Idee facettenreicher im Hochtonbereich und formt Stimmen noch minimal präziser aus. Ihren Preis ist die hoch elegante und perfekt verarbeitete Schweizer Box daher auf jeden Fall Wert. Für etwas bodenständigere HiFi-Fans ist die Rubicon 8 aber die bessere Wahl, da sie grandios aufspielt und dafür preiswert ist. 
Fazit

Dali Rubicon 8 Front Seitlich1

„100 % Pure Danish Dynamite“ – das ist die Rubicon 8 in Kurzform und in Reinkultur. Hochwertig verarbeitet, optisch klassisch-zurückhaltend auftretend und mit einer Pegelfestigkeit gesegnet, die einem den Angstschweiß auf die Stirne treibt – der extrem belastbare Lautsprecher ist kaum in die Knie zu zwingen. Mit enormer Dynamik, exzellenter Räumlichkeit, toller Hochton-Brillanz und fein abgestimmter Stimmpräsentation sucht die Performance der Rubicon 8 selbst noch in höheren Preisklassen Ihresgleichen. 

100 % Pure Danish Dynamite – die Rubicon 8 dreht im Test voll auf und verdient sich die höchste Testauszeichnung
masterpiecelogo
Standlautsprecher Oberklasse
Test 19. September 2014

+ Extrem pegelfest
+ Grob- wie feindynamisch erstklassig
+ Exzellenter, weitläufiger, Hochtonbereich
+ Stimmwiedergabe mit viel Struktur
+ Top-Verarbeitung
+ Angemessener Preis
+ In vier schönen Gehäusefarben lieferbar

– Optisch wenig innovativ

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 19.09.2014




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