TEST: Jamo Standlautsprecher Concert C 109 – progressives Design trifft auf satten Sound

Jamo C-109 Gruppenbild1

Für einen Stückpreis von 1.500 EUR kann man sich das Spitzenmodell der brandneuen Jamo Concert-Lautsprecherreihe ins Haus holen: Die C 109 sieht modern und elegant aus, ihre Formensprache entspricht nicht dem gängigen Usus. Dadurch fällt der bei uns in schwarz-hochglänzender Ausführung eingetroffene Lautsprecher positiv auf und hebt sich aus der Masse manchmal langweilig daher kommender Schallwandler ab. Gerundete Kanten, geschwungene Linien und der hochwertige, exzellent integrierte Standfuß signalisieren direkt beim ersten Kontakt – die C 109 ist eine Kampfansage ans Establishment, und zwar in jedem Detail. 

Jamo C-109 Standfuss

Solider und schicker Standfuß

Jamo C-109 Rueckseite Seitlich2

Komplette Rückseite, auch von hinten sieht man die elegante Formgebung gut

Jamo C-109 Anschluesse Rueckseite

Anschlussterminals

Jamo C-109 Bassreflexrohre

 Zwei Bassreflex-Öffnungen

Anstatt eine langweilige Schutzgitter-Front, wie meist noch üblich, zu realisieren, sitzt bei der C 109 über jedem Chassis ein kleines Stoff-Schutzgitter. Diese wirken aber etwas labil und nicht sonderlich hochwertig, der einzige kleine Schönheitsfehler unserer Meinung nach. Was uns sehr gut gefällt: Ohne sichtbare Schrauben sind die Chassis in die Schallwand eingelassen. 

Auf der Rückseite sitzt das sauber integrierte Bi-Wiring-Terminal, natürlich mit robusten Schraubanschlüssen. Ebenfalls finden sich dort die beiden Bassreflexöffnungen. Aufgrund von diesen sollte man schon mindestens 30 cm Abstand von der Wand einhalten, möchte man keine Störungen im Klangbild erhalten.  

Jamo C-109 Hochtoener1

Hochtöner 

Jamo C-109 Tiefmitteltoener1

Die Chassis sind ohne sichtbare Schrauben in die Schallwand eingelassen 

Jamo C-109 Verarbeitung

Saubere Detailverarbeitung

Jamo C-109 Bestueckung Gesamt

 Ein Mitteltöner und zwei Tieftöner mit jeweils 178 mm Durchmesser

Selbstbewusstsein beweist auch der überdimensionale Jamo-Schriftzug unten. Bestückt mit einem 25 mm Hochtöner mit Seidenkalotte , einem 178 mm Hybrid Mitteltöner und zwei 178 mm Hybrid-Tieftönern möchte sich der dänische Schallwandler mit 6 Ohm Impedanz als echte Alternative in der hart umkämpften oberen Mittelklasse präsentieren. Mit Abmessungen von 1132 mm (Höhe) x 234,5 mm (Breite) x 417 mm (Tiefe) ist die C 109 alles andere als ultrakompakt, sondern durchaus als repräsentativ zu bezeichnen. Neben schwarzem Hochglanz gibt es den Schallwandler auch noch in hochglänzendem Weiß und in echtem Walnuss-Finish. 

Jamo C-109 Innenleben2

Frequenzweiche

Den Wirkungsgrad gibt Jamo mit 89 dB (2,8V/1m) an, der darstellbare Frequenzbereich geht von 30 Hz bis 27 kHz. Damit eignet sich die C 109 auch für moderne High Resolution Audio-Medien, und gleichzeitig reicht der Bassbereich so tief in den Frequenzkeller, dass beinahe eine komplette Abbildung tiefer Frequenzen möglich ist. Der Dreiwege-Bassreflexlautsprecher sollte mit Verstärkern ab 75 Watt Leistung pro Kanal minimal betrieben werden und ist dauerhaft mit 200 sowie kurzzeitig mit bis zu 400 Watt belastbar. Solidität und Qualität zeigen sich im üppigen Gewicht von 36,3 kg pro Box. 

Macht sich der konstruktive Aufwand beim Klang bemerkbar?  Wir starten mit einem ruhigen Stück, nämlich „Garden In The Rain“ (96 kHz FLAC) von Diana Krall, und hier lassen die beiden C 109 gleich ihr Können aufblitzen. Mit sehr gutem Tiefgang, feiner Ausformung des Pianos und gelungener Loslösung der Stimme Dianas von den Lautsprecherchassis wird nun kultivierter Musikgenuss geboten, der gerade, was Differenzierung im Bassbereich sowie Klarheit des gesamten akustischen Auftritts auch hohe Ansprüche souverän erfüllt. Die Trennung der einzelnen Instrumente voneinander gelingt ausgezeichnet, und in Weite und Tiefe wird eine fein gestufte, authentische Darbietung in den Fokus gestellt.

„Freedom Everyday“ von Torsten Goods (FLAC, 96 kHz) ist der C 109 wie auf den schicken Leib geschneidert. Satter, klarer Bass, tolle räumliche Wirkung, hervorragende Stimmwiedergabe und eine hohe Impulstreue sorgen bei diesem Stück dafür, dass man die C 109 als deutlich teurer einschätzen könnte. Musikgenuss auf kultivierte, natürliche, umfassende Art und Weise – hier bietet Jamos Neukonstruktion viele Gründe, warum Jazz-Fans auf den eleganten Lautsprecher setzen können. 

„Alone For You“ von Jan Lundgren beeindruckt mit räumlicher Ausformung des Pianos und mit sehr guter Darstellung des Schlagwerks. Man fühlt sich beinahe wie ein Zuhörer im Live-Konzert, was daran liegt, dass die C 109 nahezu alle dynamischen Differenzen klar herausarbeitet und unten herum ein glaubwürdiges, aber nicht überzogenes Fundament offeriert. Das FLAC 96 kHz-Track jedenfalls beweist aufs Neue, dass die C 109 gerade mit „Jazzigem“ sehr gut zurecht kommt. 

Ruhig und etwas melancholisch-schwermütig geht es bei „Dronning Fjellrose“ (FLAC, 192 kHz) zu. Pianoklänge treffen auf eine weibliche Gesangsstimme – und dieses vielschichtige Treiben gibt die C 109 ohne Kompromisse wieder. Kleine dynamische Unterschiede beim Anschlagen der Klavier-Tastatur entgehen dem dänischen Lautsprecher nicht. Die Stimmwiedergabe ist ausdrucksstark und beeindruckt mit klar umrissenen Konturen. Selbst bei diesem Stück aber macht die C 109 deutlich, dass sie sich einen Hörer wünscht, der mitgeht, der direkt ins akustische Geschehen verwickelt werden möchte. Ruhige, zurückhaltende Naturen, die vom Lautsprecher nicht gefordert werden möchten, liegen nicht ganz im Fokus der C 109. 

„Diamante“ von Sandra & Tony Alessi (FLAC 96 kHz) liegt der C 109 ebenfalls. Frisch, munter und räumlicher Stimmwiedergabe, die auch kleine dynamische Unterschiede gut verarbeitet – so macht das Hören Freude. Die weibliche Gesangsstimme ertönt mit klar definiertem Charakter, bei hohem Pegel bekommen die Stimmen recht dominante Ausprägung, was manchem Hörer etwas zu viel sein könnte. Verzerren tut die C 109 aber nicht – wer also Wert auf ein intensives Hörerlebnis legt, liegt bei der C 109 richtig. Der Bass ist auch bei diesem Stück sehr gut aufgebaut, und berücksichtigt auch kleine tieffrequente Einzelheiten. 

„Lessions In Love“ von Level 42 (44,1 kHz/16-Bit PCM) bringt die C 109 mit hoher Ausdruckskraft und lebendiger Gesamtwiedergabe zum Ausdruck. das Ganze wirkt fetzig, flott, authentisch – dass das Quellmaterial eher bescheiden ist hinsichtlich der Qualität, macht die C 109 fast ganz vergessen. 

„You Win Again“ (44,1 kHz/16-Bit PCM) von den Bee Gees ertönt mit sattem, raumfüllenden, gewichtigen Bass. Hohe Pegel sind hier beinahe Pflicht, weil es so viel Spaß macht, der C 109 diese Freiräume zu lassen, um sich voll zu entfalten. Die Stimm-/Instrumentaltrennung ist auch bei hoher Lautstärke sehr gut, und Verzerrungen leistet sich die leistungsfähige Box nicht. Auf der anderen Seite muss auch klargestellt werden, dass die C 109 selbst bei Zimmerlautstärke schon einen vollen, lebendigen Klang bietet. Demnach ist sie keinesfalls auf hohe Pegel angewiesen – aber Freude macht es trotzdem.

Mit ihrer Größe, den hohen Belastungswerten und dem kräftigen Bass eignet sich der Schallwandler auch für größere Lokalitäten bis knapp 40 Quadratmeter. Das ist, zieht man die Preisklasse mit ins Kalkül, ausgezeichnet. 

Liebhaber von basskräftiger House- und Trance-Musik sind bei der C 109 bestens aufgehoben „Disco’s Revenge“ (44,1 kHz/16-Bit PCM) von den Miami Rockers geht gleich von Beginn an richtig gut. Der Bass ist ebenso hart wie tief und präzise, der leicht aggressiv angehauchte Hochtonbereich gibt das Flair des Titels exakt wieder. Elektronische Effekte schieben sich mühelos bis weit in den Hörraum, die gesamte Dynamik ist überragend. Man kann mit richtig hohen Pegeln agieren, der C 109 ist es gleichgültig. Sie schießt die harten Beats unverdrossen auf die Zuhörer ab und beweist mit breitem horizontalen Abstrahlwinkel räumliches Können.

„Das Geht Boom“ (44,1 kHz/16-Bit PCM) von Harris&Ford stellt die Qualitäten der C 109 erneut glasklar heraus. Der beliebte Club-Track bietet nachdrückliche Bässe, weibliche und männliche Vocals, eine Vielzahl an elektronischen Effekten und dynamische Unterschiede verschiedener Arten. Die leicht aggressive Einfärbung im Hochtonbereich werden allenfalls sensible Zeitgenossen bemängeln, Clubber und Ab-„Dancer“ hingegen freuen sich, wie sich dei C 109 hier ins musikalische Geschehen hinein kniet und Beats und Effekte durch den Raum fliegen lässt. Der Bass schiebt, gleichzeitig differenziert er sich gekonnt im Rest des akustischen Gefüges, dieses hohe Maß an Differenzierungsvermögen bleibt auch bei hoher Lautstärke vorhanden.

Fazit

Jamo C-109 Front Seitlich2

Die Jamo C 109 hat in jeder Beziehung Mut. Optisch durch die schicke, progressive Bauform. Akustisch durch einen mitreißenden, lebendigen Klang, der aber den Zuhörer auch fordert, spielt sie sich in die Herzen engagierter Hörer. Dynamisch spielt sie erstklassig auf, und berücksichtigt auch kleine Differenzen extrem gut. Der Bass ist nachdrücklich und wuchtig – aber nicht auf billige, vordergründige Art und Weise. Er ist herausragend ins akustische Gesamtgeschehen integriert und offeriert schlichtweg zu jeder Zeit und bei jedem Quellmaterial ein kraftvolles, präzises Fundament. Somit entpuppt sich die Jamo C 109 als erfrischende Bereicherung des Marktes, die für vergleichsweise wenig Geld schon so emotional, lebendig und energiegeladen ans Werk geht, dass das Zuhören eine Freude ist. 

Mitreißend aufspielend, mit progressiver, edler Optik – die Jamo C 109 begeistert mit erstklassigem Potential in jeder Hinsicht
preisklassenreferenz
Standlautsprecher Obere Mittelklasse
Test 26. Oktober 2014

+ Dynamisch demonstriert die C 109 ihre Extraklasse
+ Satter, kraftvoller, präziser Bass
+ Sehr gute Loslösung akustischer Elemente von den Lautsprecherchassis
+ Detailreich aufspielend
+ Für 1.500 EUE sehr edle, progressive Optik

– Recht fordernder Klang

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 26. September 2014

 




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