TEST: Dali Opticon 2 – Zweiwege-Regallautsprecher mit 165 mm Tiefmitteltöner

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Für einen Paarpreis von 898 EUR liefern die dänischen Klang-Spezialisten von Dali den 2-Wege-Bassreflex-Regallautsprecher Opticon 2 aus. Wahlweise in Schwarz, Weiß oder Walnuss ist der Schallwandler erhältlich. Besonders gut passt die klassisch-elegant gestaltete Box auf den Dali Connect 600 Lautsprecherständer, der zum Paarpreis von 179 EUR offeriert wird. 

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Schicker und hochwertiger Standfuß

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Im Detail

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Für optimale Entkopplung vom Boden

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Auf diese Platte kommt die Box 

Wer die Opticon 2 also frei im Raum möglichst elegant und sicher unterbringen möchte, kann sich die sehr gut verarbeiteten Dali-Ständer gleich mit dazu ordern. Wenden wir uns nun wieder der Opticon 2 zu und schauen uns das Gehäuse genauer an. 

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Klassische optische Merkmale beim Gehäuse der Opticon 2

Das Gehäuse zeigt, Opticon-typisch, einen klassischen Zuschnitt. Kein Unibody-Gehäuse mit nahtlos integrierter Schallwand vorne, sondern noch ein akkurat foliertes Gehäuse mit einer präzise davor befestigten Schallwand im makellosen Hochglanz-Finish. Einziger Kritikpunkt sind die etwas spitzen Ecken des Gehäuses hinten. Die Lautsprecher-Schutzgitter sind sauber mit Stoff bezogen. Sie haften, anders als bei manchem Konkurrenten, nicht magnetisch, sondern werden konventionell mit Stiften in dafür vorgesehene Vertiefungen auf der Schallwand gesteckt. Diese Vertiefungen hat Dali aber so geschickt untergebracht, dass sie auch bei offener Box die Optik nicht negativ beeinflussen. 

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Es geht auch kleiner – hier im Bild die Opticon 1 

Die Opticon 2 rangiert über der bereits von uns getesteten Opticon 1. Die Opticon 1 kommt auf knapp 700 EUR Paarpreis und ist somit 200 EUR günstiger und bringt einen 26 mm Hochtöner anstatt einen 28 mm Hochtöner wie die Opticon 2 mit. Der Tiefmitteltöner misst bei der Opticon 1 recht kompakte 120 mm und bei der Opticon 2 deutlich größere 165 mm. Schon die Opticon 1 konnte sich aber trotz nur 5 Liter Gehäuseinnenvolumen und dem relativ kleinen Tiefmitteltöner als klanglich vollwertig im Testbetrieb präsentieren. Daher sind wir nun gespannt, wie es sich mit der größeren Opticon 2 verhält. 

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Rückseite komplett

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Bassreflexöffnung

Der Regallautsprecher stellt Frequenzen (+/- 3 dB) zwischen 59 Hz und 27 kHz dar. Durch den erweiterten Hochtonbereich kann man mit der Opticon 2 auch Hi-Res-Audio-Medien mit erweiterter Dynamik hören. Die Empfindlichkeit(2,83V/1m) liegt bei durchschnittlichen 87 dB. Dali gibt die empfohlene Verstärkerleistung mit 30 bis 150 Watt pro Kanal an. 7,8 kg wiegt die Opticon 2, sie ist 351 mm hoch, 195 mm breit und 297 mm tief. 

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Hochtöner

Wenden wir uns den Chassis zu. Eine besonders tiefe Resonanzfrequenz, eine hoch liegende maximale Belastbarkeit und erstklassige Reserven hinsichtlich des Erzielens eines hohen Schalldrucks zeichnen das Bauteil aus. Die großen möglichen Auslenkungen sorgen dafür, dass der Hochtonbereich auch bei deutlich gehobenem Pegel gelassen, klar und frisch bleibt. Die Hochton-Kalotte setzt bei 2 kHz ein und arbeitet dann bis über 20 kHz hoch. Zur Kühlung bei hoher Beanspruchung setzt Dali auf ein extrem dünnflüssiges magnetisches Fluid. Das Resultat: Die Kalotte weist eine sehr hohe Sättigungsgrenze auf, das ist ganz im Sinne enorm hoher Belastbarkeit. Gleichzeitig ist es möglich, dass auch bei hohem anliegenden Schalldruck die Schwingspulenbewegung noch nahezu optimal kontrolliert werden kann. Um die bestmögliche Impulstreue zu realisieren, ist die Kalotte enorm leicht sowie dünn. Für maximale Struktursteifigkeit ist die Beschichtung der Membran verantwortlich.

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Tiefmitteltöner

Wie wir es von Dali-Speakern gewohnt sind, wird die Membran des 165 mm Tiefmitteltöners, der bis auf 59 Hz herunterspielt, aus Holzfasern und einer speziellen Papier-Mixtur gefertigt. Mittlere Frequenzen bis hoch auf 2.000 Hz werden facettenreich wiedergegeben. Optisch erkennt man dies an der rötlich schimmernden Oberfläche. Diese Membranen weisen ein sehr geringes Gewicht auf, sind aber gleichzeitig sehr stabil, und demnach impulstreu und hoch belastbar. Sie weisen eine sehr geringe Oberflächen-Resonanz auf. Hinzu kommen weiche, somit flexible Gummisicken, die ungehinderte Membranbewegungen sichern – damit erfüllt die Opticon 1 auch bei größeren Lautstärken den Wunsch nach einem detailreichen, gleichzeitig lebendigen Klang. Ein nachdrücklicher Bass und eine lebendige Mitteltonwiedergabe standen im Lastenheft der Dali-Entwickler. 

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Anschlussterminals, Single-Wired

Eine Dali-Besonderheit ist das SMC-Magnetsystem. Um den Klangprinzipien der Dänen – möglichst geringe Verluste, niedrige Verzerrungen und minimale Verfärbungen – gerecht zu werden, konzipierten die Dali-Ingenieure eigens einen Magnetantrieb für die Tiefmitteltöner mit speziellen Polstücken aus dem pulverförmigen Magnetmaterial SMC (Soft Magnetic Compounds). Die besondere Fähigkeit von SMC, eine enorme magnetische Leitfähigkeit mit einer extrem kleinen elektrischen Leitfähigkeit zu kombinieren, ist dafür verantwortlich, dass sich auf der Oberfläche des Polstücks weniger Wirbelstromfelder bilden. Dadurch können die Opticon-Tieftöner praktisch frei von den normalerweise durch diese Magnetfelder verursachten Wärmeentwicklungen und Widerständen schwingen.

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Schick und kompakt – klingt die Opticon 2 auch erstklassig?

Unsere Bilanz: Klassische Optik und hochwertige Technik zu einem fairen Kaufpreis – wir warten nun gespannt auf die Klangwertung. 

Klang

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Eignet sich gut fürs Wohnzimmer: Dali Opticon 2

Wir starten mit einem 96 kHz/24-Bit Flac-Hi-Res-Audio-Titel durch: Das erste Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nr. 4, KV 218. Hier kann sich die Opticon 2 durch die ausgezeichnete Auflösung,, z.B.. bei den Violinensoli, sehr gut in Szene setzen. Sie schafft es sehr schön, den Zuhörer durch ihren kultivierten, gleichzeitig lebendigen Auftritt in den Mittelpunkt des akustischen Geschehens zu versetzen. Kleine dynamische Differenzen kommen gut heraus, spielt dann das gesamte Orchester auf, beeindruckt die Opticon 2 mit einem hohen Maß an vielschichtiger Räumlichkeit.

Verglichen mit der kleineren  Opticon 1, entfaltet die größere Opticon 2 erwartungsgemäß mehr Volumen, sie spielt überdies tiefer herunter. Insgesamt wirkt die Opticon 2 noch etwas homogener, beurteilt man ihre Gesamt–Klangbild. Frisch-natürlich ist ihre Auslegung, das Schwungvolle, Mitreißende dieses Allegros transportiert sie auf eine stimmige Weise zum Zuhörer. Sie baut das gesamte Orchester räumlich korrekt auf und bietet auch eine sehr lobenswerte Tiefenwirkung. Gerade bei klassischer Musik, so scheint es, kann die Dali ihre Qualitäten hervorragend demonstrieren, da ihr differenziertes Wesen hier vorteilhaft in Erscheinung tritt. Instrumentale Konturen stellt sie charismatisch dar und überzeugt durch ihre komplette, lückenlose Akustik.

Behält man diese durchaus beeindruckende Wirkung im Hinterkopf, sind die Abmessungen der Opticon 2 für diese Leistungsfähigkeit als sehr zurückhaltend zu bezeichnen. Die Opticon 2 eignet sich daher keinesfalls nur für Bibliothek oder Musikzimmer, sondern kann auch im Wohnzimmer bis gut 25 Quadratmeter als vollwertige „Erst-Lösung“ sehr gut verwendet werden. 

in 48 kHz/24-Bit Flac lauschen wir nun den beiden Stücken „Desperado“ und „Don’t Dream, It’s Over“ von Diana Kralls Wallflower-Album. Und hier verdeutlicht die Opticon 2 nicht nur ihren akustischen Mehrwert gegenüber der kleineren Opticon 1, sondern sendet auch eine Kampfansage an die Konkurrenz: Besonders gefällt uns, wie gut sich Dianas Stimme von den Lautsprechern löst. Selten ist uns in der Preisklasse bis 1.000 EUR/Paarpreis ein Regallautsprecher mit einer so plastischen Darstellung von Stimmen untergekommen.

Dazu passt das sehr gute Auflösungsvermögen, das sich über den gesamten Frequenzbereich erstreckt. Man merkt dies beispielsweise daran, wie geschliffen die dänische Regalbox das Klavier präsentiert. Die Anschlagdynamik der Tasten wird realistisch herausgearbeitet, und das ist für eine vergleichsweise preisgünstige Konstruktion sehr überraschend. Teurere Lautsprecher scheitern hier, so dass man ohne Zweifel die Performance der Opticon 2 als erstklassig ansehen kann. Ruhig, souverän, mit hoher Klarheit, so werden beide Stücke wiedergegeben.

Die Durchhörbarkeit im Hochtonbereich übertrifft unsere Erwartungen sogar deutlich. Der Bassbereich hat ein erstaunliches Volumen, und die Präzision ist überragend. Bei sehr hohem Pegel, aber auch erst dann, zeigen Stimmen minimal zum Zischeln, aber das kann auch von der Zuspielung abhängig sein. Wir haben unseren Yamaha A-S801 verwendet und den hochwertigen USB-DAC des A-S801 eingesetzt – die Zuspielung der Hi-Res-Files erfolgte mittels dem Audirvana Software-Player auf unserem 2016er Apple MacBook.  Der Yamaha erfreut mit hoher Klarheit und enormer Detailtreue, daher kommt er häufig zum Einsatz. 

In Flac 192 kHz/24-Bit lauschen wir nun Mark Knopflers „River Towns“ – und sind auch hier wieder begeistert von den akustischen Fähigkeiten der Dali Opticon 2. Der treffend eingearbeitete Bassbereich und das authentische Gesamtvolumen sind zu erwähnen, Marks Stimme kommt mit charismatischer Wirkung zum Ausdruck und löst sich, wie schon zuvor bei Diana Krall herausgehört, tadellos von den Lautsprecher-Chassis.

Auch dieses Klangbeispiel verdeutlicht: Die Opticon 2 ist eine absolut komplette, dabei relativ kompakte HiFi-Box für den gehobenen Anspruch. Sie beeindruckt uns mit fließenden Übergängen zwischen den einzelnen Frequenzbereichen und ist in der Lage, viel Atmosphäre zu schaffen. Ohne Probleme kann man auch mit höherem Pegel hören, die Opticon 2 bleibt souverän, es kommt zu keinen Verzerrungen. 

„Diamante“ von Alessi liegt uns in Flac 96 kHz/24-Bit vor. Locker, souverän und beschwingt – so erfolgt die Wiedergabe über die beiden Opticon 2. Die männliche wie auch die weibliche Stimme werden detailreich und mit feinen Konturen übertragen. Die große Portion an italienischem Flair wird glaubwürdig verdeutlicht. Der Hochtöner muss bei gehobenem Pegel ganze Arbeit leisten, was ihm gut gelingt. Er schafft sehr gut die Balance aus Brillanz und Homogenität, was alles andere als selbstverständlich ist. Die Instrumente kommen sensibel heraus und geraten gegenüber den Stimmen nicht unpassend in den Hintergrund. 

In normaler CD-Qualität hören wir „Senza Fine“ von Andrea Bocellis „Passione“-Album. Die Qualitäten die Stimmwiedergabe betreffend, die wir bereits liebgewonnen haben, lassen die Opticon 2 auch hier punkten. Andreas Stimme agiert auf einer exakt definierten virtuellen Bühne, die in den Punkten Weite und Tiefe gleichermaßen realistisch aufgebaut ist. Die Trennung der Stimme von den Instrumenten ist feinfühlig, verschiedene klangliche Ebenen werden präzise voneinander unterschieden.

Das hören wir auch bei „Love in Portofino“ heraus. Die Streicher zu Beginn und der melancholische Einschlag des Stücks inklusive dem relativ kraftvollen Bassbereich, der das akustische Gesamterlebnis mit trägt, liegen den Opticon 2. Sie realisieren ein dichtes, umfassendes Hörerlebnis, das trotz der kleinen Abmessungen, wir müssen es immer wieder erwähnen, ein erstaunlich lückenloses Hörerlebnis zulässt. Man sollte den beiden dänischen Regallautsprechern allerdings einen entsprechend leistungsfähigen Verstärker mit ansprechendem Auflösungsvermögen zur Seite stellen, denn nur dann kommen die zahlreichen Talente der Opticon 2 auch angemessen zur Geltung. 

Konkurrenzvergleich

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  • KEF R300: Mit 1.300 EUR Paarpreis ist die erstklassig verarbeitete, optisch sehr elegante KEF R300 doch spürbar teurer. Beeindruckend daher, wie nahe die Dali Opticon 2 der britischen Konkurrentin kommt: Sie spielt insgesamt sogar harmonischer, mit fließenderen Übergängen und einem räumlich sehr dichten Klangbild. Die R300 löst, was man bei dem Preisunterschied auch erwarten kann, noch etwas feiner auf, und die Verarbeitung sowie Ausstattung (Anschlussterminals) ist opulenter.

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  • Saxx coolSOUND CX-30: Für 600 EUR offerieren die Saxx coolSOUND CX 30 eine überragende Klangqualität und eine ansprechende Verarbeitung. Dank des Bändchenhochtöners ist die Auflösung im Hochtonbereich richtig gut. Dafür, dass Saxx noch eine relativ neue Firma ist, wird schon in beachtliches Niveau geboten. Die teureren Opticon 2 wirken im gesamten Auftritt noch etwas geschliffener und lösen Stimmen noch effektiver von den Lautsprecherchassis. 

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  • Monitor Audio Regallautsprecher Silver 1: 780 EUR Paarpreis für die beiden kompakten und schicken Silver 1 Regallautsprecher – ein fairer Preis für viel akustische Performance und hochwertige Verarbeitung. Die Opticon 2 macht aber alles noch eine Idee besser – Auflösung, Feindynamik und räumlicher Gesamteindruck zeigen das enorm hohe Niveau der Opticon 2 eindrucksvoll auf.
Fazit

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Das nennen wir eine Kampfansage auf dänische Art: Die Dali Opticon 2 verdient sich eine große Empfehlung für den anspruchsvollen HiFi-Hörer, der keine großformatige Standbox aufstellen kann oder möchte. Sie spielt komplett auf, ist im Bassbereich potent und im Hochtonbereich lebendig. Der Mitteltonbereich tritt mit feinen vokalen Konturen und hohem Facettenreichtum beeindruckend kultiviert in Erscheinung. Optisch ist die Opticon 2 wie alle Vertreter dieser Lautsprecher-Baureihe klassisch gehalten, aber akustisch präsentiert sich der Regallautsprecher auf neuestem Stand.

Erstklassig: Die Dali Opticon 2 beeindruckt mit einer akustischen Leistungsfähigkeit, die man sonst nur für deutlich mehr Geld findet
preisklassenreferenz
Regallautsprecher bis 1.000 EUR/Paarpreis
Test 23. Januar 2017

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 23. Januar 2017




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