TEST: Saxx coolSound CX 30 – Musikalischer Regallautsprecher für knapp 600 EUR Paarpreis?

Saxx coolSOUND CX 30 Gruppenild1

Für einen Stückpreis von exakt 299 EUR findet sich im Produktsortiment von Saxx der Regallautspreche3r coolSound CX 30. Den kleineren CX 20 hatten wir bereits im Test, und zwar als Rear-Lautsprecher in einem coolSound-5.1-Surroundset. Nun also ein Stereo-Check des größeren coolSound-Bookshelfs. 299 EUR kostet der Zweiwege-Bassreflexlautsprecher pro Stück, und aus optischen Aspekten könnte er auch deutlich teurer sein. Typisch für die coolSound-Baureihe punktet auch der CX 30 mit einem schicken Unibody-Gehäuse. Es gibt keine separate Schallwand mehr, sondern das gesamte Gehäuse ist „aus einem Guss“. Dazu passt, dass die Chassis ohne sichtbare Schrauben eingepasst sind. Für diesen Kaufpreis, darauf kann Saxx sehr stolz sein, dürfte es schwierig sein, Regallautsprecher mit höherem ästhetischem Gesamtanspruch zu finden als diese beiden Boxen aus Niedersachsen, deren solides MDF-Gehäuse enorm edel wirkt.

Saxx coolSOUND CX 30 Hochtoener

Bändchenhochtöner

Saxx coolSOUND CX 30 Tieftoener

16,5 cm Tiefmitteltöner

Saxx coolSOUND CX 30 Bassreflexrohr

Bassreflexöffnung

Saxx coolSOUND CX 30 Anschluesse Rueckseite

Anschlussterminals

Alternativ zum hochglänzenden Weiß unserer Testexemplare gibt es die CX 30 auch in hochglänzendem Schwarz, also keine Experimente hinsichtlich der Farbauswahl. Sehr gut gefallen uns zwei weitere Details. Die silbernen Standfüße unter dem Lautsprecher sehen sehr gut aus und sorgen für sicheren Stand. Die akkurat mit Stoff bezogenen Lautsprecher-Schutzgitter haften magnetisch, sonst ebenfalls Merkmal teurerer Schallwandler. Nettes Detail – das Saxx-Label am Gitter, ähnlich wie bei einer Jeans. Die Lautsprecherkabel-Anschlussterminals sind vergoldet und wirken auch recht edel. Dass es bei der coolSound CX 30 keine Bi-Wiring-Option gibt, kann man verschmerzen. Wer die Chassis anschaut, bemerkt rasch eine weitere Besonderheit.

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„Cleane“, zeitlos-elegante Frontansicht ohne Gitter

Saxx coolSOUND CX 30 Front Seitlich1

Mit magnetisch haftendem Gitter

Saxx coolSOUND CX 30 Detail Front

Edel eingearbeiteter Saxx-Schriftzug

Für die Wiedergabe des Hochtonbereichs setzt Saxx auf einen Bändchenhochtöner, was in diesen Preisklassen eher die Seltenheit darstellt. Zudem sagt man Bändchen – trotz nicht wegzudiskutierender Vorzüge wie dem extrem geringen Gewicht für höchst Impulstreue – auch nicht zu unterschätzende Nachteile nach. Die Anbindung an den Mitteltonbereich ist nicht einfach, darum setzt beispielsweise Dali bei den großen Lautsprecher-Baureihen auf ein Hybrid-Konzept. Für die optimale Anbindung an den Mitteltonbereich gibt es hier einen Kalottenhochtöner, hinzu kommt dann für die ganz hohen Frequenzen noch ein Bändchen. Die anderen coolSound-Lautsprecher, die wir bereits getestet haben, verfügen ebenfalls über dieses Bändchen, und über mangelnde akustische Homogenität konnten wir uns nie beklagen. Also hat Saxx die Hausaufgaben, so unsere bisherigen Eindrücke, sehr gut gemacht. „Der AMT-Hochtöner brilliert mit glasklaren Höhen“, argumentiert Saxx auf der Website.“AMT“ steht für „Air-Motion-Transformer“.

Die coolSound CX 30 Regalbox ist mit 70 Watt dauerhaft belastbar und mit 120 Watt kurzzeitig. Der Frequenzbereich geht von 48 Hz bis 31 kHz – damit ist der preislich fair kalkulierte Lautsprecher auch für die Wiedergabe von HiRes-Audio-Dateien geeignet – dem leistungsfähigen AMT-Hochtöner sei Dank. Der 16,5 cm Tieftöner besitzt eine Membran aus beschichtetem Papier. 8,2 kg wiegt eine CX 30. Die Abmessungen: 367 mm hoch, 210 mm breit und 320 mm tief.

Bilanzierend kann man festhalten, dass Saxx für 299 EUR Stückpreis eine Menge an Qualität bietet. Sehr gute Gehäuseverarbeitung, Merkmale hochwertigen Designs sowie eine aufwändige Bestückung mit Bändchen sind hier zu nennen. Dass es keine Bi-Wiring-Terminals gibt, dürfte nur wenig potentielle Interessanten abschrecken.

Klang

Elac Discovery Music Server DS-S101 Front Seitlich1

Alles Material wurde von unserem ELAC Discovery „Music Mastermind“ zugespielt

Pioneer A-70DA Front Seitlich1

Für eine hochwertige Verstärkung verantwortlich zeichnet sich der Pioneer A-70DA

Nun stellt sich die Frage: Wie klingt die CX 30? Wir haben ihre Qualitäten bei der Präsentation von HiRes-Audio-Files im Flac-Format und bei Stücken in CD-Qualität (44,1 kHz/16-Bit) genau untersucht und beginnen mit Diana Kralls „Wallflower“-Album (48 kHz/24-Bit). Der erste Track, den wir hören, ist „Alone Again“ und sofort macht sich das größere Volumen der CX 30 im Vergleich zur CX 20 bemerkbar. Die Stimme Dianas löst sich besser vom Lautsprecher, und das Volumen wächst. Das hat mehrere Dinge zur Folge. Zum einen entfaltet der CX 30 Regallautsprecher auch dann, wenn man weiter von der Box entfernt sitzt, noch eine sehr intensive Räumlichkeit. Zum anderen wirkt die Größe der virtuellen Bühne realistischer. Die empfundene Tiefe der Präsentation wächst überdies.

Die akustische Schärfe der hinteren Ebenen ist ausgeprägter, man kann hier noch gut Details heraushören. Bei „I’m Not In Love“ arbeitet die CX 30 das Klavier sehr ansprechend heraus, sogar die Anschlagdynamik ist zu vernehmen. Feindynamisch, das wird hier klar, leistet die CX 30 für nicht einmal 300 EUR Stückpreis Großes. Auch der Tiefgang ist ausgezeichnet, hier ist man verblüfft, denn das Gehäusevolumen fällt mit 15 Litern nicht enorm klein, aber auch keinesfalls so groß aus, wie sich die CX 30 anhört. Ganze Arbeit hat Saxx hier geleistet – das beweist auch die ein weiteres Mal tadellose Loslösung der Stimme von den Lautsprecher-Chassis. 

Wir machen es der CX 30 auch beim folgenden Beispiel nicht leicht. Jonas Kaufmann singt „Nessun Dorma“ aus Puccinis „Turandot“ (96/24). Hier bildet die coolSound-Regalbox die vokalen Konturen mit hoher Klarheit und verteilt sie gut ausbalanciert im Hörraum. Die Stimme Kaufmanns löst sich tadellos von den Lautsprecher-Chassis und wird akkurat von den instrumentalen Anteilen getrennt. Bei der Wiedergabe der Instrumente fällt auf, wie nahtlos auch die Streicher eingearbeitet sind. Wir stellen keine Probleme beim Übergang vom Mittel- in den Hochtonbereich fest. Das merkt man auch gut, als der Chor wiedergegeben wird. Fließend sind die Übergänge, einheitlich erscheint das Klangbild, mit klarer, lückenloser Kontur. Dynamische Differenzen arbeitet die CX 30 sicher heraus. 

„Diamante“ (96 kHz/24-Bit) von Alessi wird souverän und lebendig präsentiert. Sauber ist die Auflösung im  Hochtonbereich, filigran wird das Profil des gesamten Songs wiedergegeben. Das italienische Flair wird mit hoher Dichte übertragen. Wir bleiben in Italien, diesmal aber hören wir „nur“ in CD-Qualität – trotzdem holen die beiden Saxx-Lautsprecher eine Menge aus dem Quellmaterial. Das Fundament im Bassbereich ist solide und tadellos gestaffelt, Andreas Stimme entwickelt viel Charisma, und auch kleine musikalische Details werden teilweise eingearbeitet. Sicher, sehr anspruchsvolle und erfahrene Hörer bemerken hier schon, dass noch deutlich mehr Feinarbeit möglich ist, das möchten wir nicht verschweigen. Aber eine coolSound CX 30 kommt auf 299 EUR – da stellt sich die Frage erst gar nicht, warum man nicht jede kleine akustische Einzelheit hört. Fürs investierte Geld liefern die beiden Regallautsprecher auf jeden Fall eine überdurchschnittlich gute Performance ab – und selbst der Hörer mit gehobenem Anspruch wird von der Wiedergabequalität verblüfft sein.

„Dronning Fjellrose“ des Hoff Ensembles liegt in FLAC 192/24-Bit vor. Das melancholische Stück liegt den CX 30 ebenfalls. Mit überraschender Sorgfalt werden hier Details ans Tageslicht geholt, feine dynamische Unterschiede während der vokalen Präsentation kommen ordentlich heraus. Die empfundene Räumlichkeit ist sowohl, was die Weite angeht, als auch, was die Tiefe betrifft, überragend. Nicht nur die Räumlichkeit an sich, auch die Trennung der einzelnen akustischen Ebenen gelingt überzeugend. 

Wenden wir uns verschiedenen Stücken in CD-Qualität zu. „Dancing Queen“ gefällt durch die dynamische, aber gleichzeitig angenehm entspannte Wiedergabe. Gern hört man mit der CX 30 auch laut, da ihr Klangbild nie aufdringlich wird, sondern immer homogen bleibt. Die Stimme löst sich wieder stimmig von den Chassis, und das insgesamt erzeugte Volumen ist enorm gut. Billy Joels „Piano Man“ mit den Klavier- und Mundharmonika-Einlagen kommt mit lobenswerter atmosphärischer Dichte zum Zuhörer. Der Bassbereich ist stets präsent und sorgt für eine gekonnte akustische Stabilität, die Dynamik aller Elemente ist hervorragend ausgeprägt. Natürlich, auch hier wieder der Hinweis: Teure Boxen, z.B. der Liga zwischen 1.000 und 1.500 EUR Paarpreis, können nochmals mehr, aber wir müssen hier bewerten, wie sich die CX 30 für ihren niedrigen Kaufpreis schlägt, und hier können wir bei dieser Leistungsfähigkeit keine Kritik üben, 

„Invocatio“ von Blank & Jones stellt direkt zu Beginn treffend die Bass-Qualitäten der CX 30 heraus. Auch die Vielschichtigkeit des Songs bereitet den niedersächsischen Boxen keinerlei Schwierigkeiten. Man fühlt sich umgeben von einer räumlich intensiven, präzise gestaffelten Klangkulisse, die kurzen, trockenen Trommel-Bassimpulse werden exakt getroffen. Der gesamte Aufbau erscheint lebendig und umfassend. Nun folgt „Happiness“, ebenfalls von Blank & Jones. Relaxed, klar und im Bassbereich kräftig, wird auch bei diesem Stück eine Menge Hörspass geboten. Die Stimme von Cathy Battistessa arbeiten die CX 30 ausgezeichnet heraus. Die Räumlichkeit ist so gut, dass man die große coolSound-Regalbox auch ohne Probleme in Lokalitäten bis knapp 25 Quadratmeter einsetzen kann. Der vertikale und vor allem der horizontale Abstrahlwinkel ist groß, so dass keine fürs größere Wohnzimmer ungeeignete Monitor-Nahfeld-Charakteristik. 

Saxx hat bei der CX 30 ein unter akustischen Gesichtspunkten rundherum erstklassiges Paket geschnürt. Lebendig, dynamisch, gleichzeitig entspannt und homogen – kaum jemand würde darauf kommen, dass diese ausgewachsen und kultiviert aufspielende Box pro Stück knapp 300 EUR kostet. Jeder Musikstil liegt ihr, durch die harmonische, in sich schlüssige Klangcharakteristik wird von der Opern-Arie bis zum Trance-Song alles in ausgezeichneter Qualität wiedergegeben. 

Konkurrenzvergleich
  • Nubert nuLine 34 für 335 EUR/Stück: Für 335 EUR schon eine Gesamt-Referenz in der Kategorie „Regallautsprecher“ – die nuLine 34 setzt nach wie vor Maßstäbe. Noch pegelfester, noch straffer im Bass: Am Lautsprecher von der Ostalb führt nach wie vor kein Weg vorbei. Aber: Es ist faszinierend, wie dicht die Saxx coolSound CX 30 als „Beinahe-Newcomer“ der nuLine 34 auf den Fersen ist. Sie wirkt sogar noch eine Idee edler, wobei dies natürlich auch Geschmackssache ist. Im Hochtonbereich löst die CX 30 hervorragend auf – die exzellenten Qualitäten schlagen sich später auch in einer „Preisklassenreferenz“ für die CX 30 nieder. Hier hat Saxx großartige Arbeit geleistet.
  • Magnat Quantum Edelstein: Besonders nobel, mit praktisch perfekter Verarbeitung und stimmiger Optik, kommt die sehr kompakte Magnat Quantum Edelstein daher. Mit 349 EUR (UVP) Stückpreis ist dieser stilvolle Auftritt nicht einmal zu teuer bezahlt. Die Edelstein kann aufgrund des kleineren Gehäusevolumens nicht die Bassperformance der coolSound CX 30 bringen, löst aber schön auf und bietet eine sehr gute Dynamik. Bei hohem Pegel wird sie im Mitteltonbereich etwas prägnant. 
  • Teufel Definion 3S: Mit 999 EUR Paarpreis ist die Teufel Definion 3S Regalbox deutlich teurer, rechtfertigt den Mehrpreis aber auch durch bessere Feindynamik, mehr räumliche Detailarbeit und einen noch vielschichtigeren Bass. Das ändert aber nichts daran, dass die Saxx coolSound CX 30 für ihren niedrigeren Kaufpreis nahezu ein Optimum bietet. 
Fazit

Saxx coolSOUND CX 30 Gruppenild2

Sehr gute Arbeit von Saxx: Die coolSound CX 30 verdient sich höchstes Lob. Pegelfest, souverän aufspielend, mit sehr gutem Tiefgang und straffem Bass: So sehen Siegertypen aus. Exzellent verarbeitet, mit aufwändigem Bändchenhochtöner und zahlreichen liebevollen Details, könnte die CX 30 auch einer deutlich höheren Preisklasse entstammen. Saxx heizt dem Establishment ordentlich ein, das bewiesen alle vorherigen Tests bereits. Die coolSound CX 30 führt diesen Weg konsequent vor und etabliert sich problemlos an der Klassenspitze.

Hervorragender Regallautsprecher, der Klangstärke nahezu perfekt mit optischer Noblesse kombiniert – und das zum absolut fairen Preis
preisklassenreferenz
Regallautsprecher bis 300 EUR/Stückpreis
Test 06. Juli 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 06. Juli 2016




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