TEST: Ultrasone „Go“ Kopfhörer für den mobilen Einsatz – gelungener Einstieg?

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„Go for it!“ bewirbt die bayerische Kopfhörer-Manufaktur Ultrasone das neue Einstiegsmodell „Go“, das für den mobilen Einsatz konzipiert wurde. Mit einem Preis von lediglich 109 EUR markiert der optisch schick daher kommende Go die untere Grenze im Produkt-Portfolio.

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Aluminium-Plaketten außen

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 Bequeme Ohrpolster

Schwarz-silbernes, wertig erscheinendes Design sticht sofort nach dem Auspacken ins Auge. Hochwertige Aluminium-Plaketten auf den Ohrmuscheln außen und bequeme Proteinleder-Ohrpolster zeigen: Es ist ein echtes Ultrasone-Familienmitglied.

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Ohrmuscheln klappbar

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Starkes Finish für wenig Geld

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 Schriftzug am Kopfband

Entweder man trägt das elegante Device um den Hals – man wird nur positiv damit auffallen – oder aber man nutzt den solide ausgeführten Faltmechanismus, um den dynamische,, geschlossenen Kopfhörer kompakt zusammen zu falten. Das Kopfband ist ebenfalls sehr gut gepolstert, die Mimik zum Verstellen/Anpassen an die Kopfgröße ist aus Metall. Allerdings ist der Verstellbereich nicht allzu groß. Echte „Dickschädel“ könnten etwas Probleme bekommen. Für normale Kopfgrößen kann ein exzellenter Sitz ohne störenden Anpressdruck realisiert werden. 

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S-Logic Basic für natürlichen Raumklang

Dass es sich um ein echtes Ultrasone-Produkt handelt, wird auch durch die verbaute „S-Logic Basic“ Technologie deutlich. Die S-Logic-Technik nennt Ultrasone „Natural Surround. Alle Ultrasone Headphones mit S-Logic erzeugen ein räumliches Klangbild ohne DSP-Spielerei, und der Anwender hat den Eindruck, dass sich der Klang nicht direkt im Kopf abspielt, sondern dass er aus Lautsprechern kommt, die einige Meter vom Hörer entfernt stehen. Überdies kann, bei identischem Lautstärkeempfinden, der Schalldruck um bis zu 40 Prozent (3 – 4 dB) gesenkt werden, was gut für die Ohren ist.

S-Logic nutzt die gesamte menschliche Ohrmuschel, um sie in den Hörvorgang einzubeziehen. Aus diesem Grunde sitzt der Schallwandler bei S-Logic-basierten Headphones nicht, wie sonst üblich, zentriert, sondern dezentral. Dadurch treffen die Schallwellen nicht mehr Frontal in den Gehörgang, sondern nutzt die Ohrmuschel-Anatomie sozusagen zur Erzeugung natürlicher Räumlichkeit. So steigt das Gefühl echter, authentischer Räumlichkeit – gleichzeitig wird die Musik natürlich und unverfälscht wiedergegeben. 

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Transportbeutel

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Hochwertiges Anschlusskabel

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 Kabelfernbedienung mit Mikrofon

Ideal für den mobilen Einsatz, weist der Go eine Impedanz von 32 Ohm auf. Der Frequenzgang reicht von 20 Hz bis 20 kHz, die verbauten Treiber haben einen Durchmesser von 40 mm. Den Kennschalldruck gibt Ultrasone mit 96 dB an, das Gewicht ohne Kabel beträgt 133 Gramm. Auch aufs Einstiegsmodell gewährt Ultrasone satte 5 Jahre Garantie.  Mitgeliefert wird ein Transportbeutel für die Aufbewahrung unterwegs, und ein fürs investierte Geld sehr hochwertiges, abnehmbares, einseitig geführtes Kabel mit völlig ausreichenden 1,15 m Länge.

Passend zum mobilen Einsatz, finden sich Mikrofon und Fernbedienung am Kabel. Drückt man einmal auf den Knopf, pausiert der gerade laufende Song, drückt man wieder, wechselt das iPhone wieder in den Spielbetrieb. Drückt man rasch  zweimal hintereinander, findet ein Titelsprung nach vorne statt. Drückt man lange, wird die Sprachsteuerung (Siri) des iPhones aktiviert. Leider findet sich keine Lautstärkeregelung an der Kabelfernbedienung. Eingehende Anrufe nimmt man durch den Knopfdruck auf der Kabelfernbedienung entgegen. Rauschen gibt es für beide Gesprächsteilnehmer nicht, allerdings ist der Klang nicht sonderlich brillant, sondern etwas bedeckt. Die Verständlichkeit der Stimmen ist aber immer garantiert. Nachdem der Gesprächsteilnehmer aufgelegt hat, geht die Musikwiedergabe weiter. 

Klang

Mit Club-Tracks von der aktuellen Kontor kommt der Ultrasone Go exzellent zurecht und öffnet hier auch durch das S-Logic Basic-System in dieser Preisklasse neue Horizonte. Bei „Over The Limit“ von Calippo & Fort Arkansas kokettiert der fesche Bayer mit dem druckvollen, aber nie überzogenen Bass. Er arbeitet sämtliche elektronischen Effekte impulstreu ein und schafft ein weitläufiges Raumgefühl. Die Musik kann entspannter wahrgenommen werden, weil man nicht das Gefühl hat, alles würde sich direkt im Kopf abspielen. Durch diese veränderte Wahrnehmung hat man tatsächlich den Eindruck, mitten im Club zu sitzen und dem DJ zu lauschen.

Bei „Woke Up Like This (DJ Antoine feat. Storm) der gleiche Eindruck – es ist die ungemein hohe atmosphärische Dichte, die den Ultrasone Go auszeichnet. Kleine dynamische Differenzen werden für einen nur gut 100 EUR kostenden Kopfhörer hervorragend herausgestellt. Alles wirkt wie aus einem Guss, fließend und klar. Die Vocals haben Prägnanz und Kontur, so könnte man sich auch vorstellen, dass der Go gut und gerne 170 EUR und mehr kostet. Was Ultrasone bei Club-Musik für eine Performance offeriert, ist sehr zu loben.

Und weil es so gut klingt, noch ein dritter Track von der 2015.03 Kontor: Der Klassiker „Lethal Industry“ von Tiesto, diesmal im Mix von De Hofnar & The Techtives. Klar, lebendig, mit sauberem Tiefgang und sehr hoher Impulstreue – der Go schickt eine klare Kampfansage an die Konkurrenz. Nur dann, wenn man sehr laut hört, was man im Sinne der Gesundheit des Gehörs aber ohnehin nicht machen sollte, schlagen die Membranen ab und zu kurz an, aber erst bei Pegeln, die keiner wirklich hören sollte. 

Wenden wir uns klassischem Rave der 90er Jahre zu: „Feeling So Real“ von Moby. bei uns im Westbam-Remix von der Mayday in Dortmund, soll mitreißend wiedergegeben werden. Die Qualität der Quelle ist befriedigend bis gut, es fehlt etwas an Grobdynamik. Dieses Manko kann der talentierte Ultrasone aber recht gut verbergen, er holt erstaunlich viel aus dem auch nicht eben laut abgemischten Kult-Stück. Der Rhythmus mit all den Geschwindigkeitswechseln kommt sauber heraus, auch hier werden dynamische Unterschiede präzise erfasst. Der Bassbereich ist kraftvoll, aber nicht über-dominant.

Ebenfalls ein Klassiker aus Mayday-Tagen: „Why Don’t You Dance With Me“ von Future Breeze. Der satte, tiefe Bass ist hier ein wichtiges Kennzeichen des sonst in den ersten Minuten recht relaxten Tracks. Bass und das elektronisch erzeugte Hi-Hat werden exakt erfasst, die unterschiedlichen Effekte, die sich im Hintergrund zu den bereits laufenden hinzu addieren, behandelt der Go sorgfältig und lässt sie behende ins Klangbild einfließen.

Wir beenden unseren Ausflug in die Rave-Ära mit einem absoluten Evergreen: „Outside World“ von Sunbeam. Der Aufbau geht dem Ultrasone Go von Beginn an leicht von der Hand, der massive Bass und die Effekte werden ebenfalls sehr lebendig eingearbeitet. Das Feeling, das auch aus räumlicher Sicht gerade bei diesem Track erzeugt wird, ist überragend. Die 90er Jahre werden wieder richtig lebendig, und man möchte richtig mitgehen mit der Musik. Das ist wieder Verdienst von S-Logic Basic, denn dadurch wird das Klangerlebnis umfassender, kompletter und bietet eine tiefere Erfahrung. 

Natürlich geht der Ultrasone Go auch mit sensiblerer Musik ausgezeichnet um. Hier hören wir von Eros Ramazzotti und Anastacia das wunderschöne Duett „I Belong To You“. Die Stimmen von Eros und Anastacia werden gut aufgelöst und prima im virtuellen Raum platziert. Bei der Auflösung der Vocals merkt man aber, dass nochmals deutlich mehr geht. Gerade, wenn man Ultrasone-Headphones der Oberklasse wie den für 900 EUR erhältlichen Signature Pro kennt – von den noch teureren Alternativen ganz zu schweigen -. weiß man, dass gerade Ultrasone wie kaum ein anderer Kopfhörer-Hersteller dieser Welt ein Klangbild bietet, das hinsichtlich Räumlichkeit und Auflösungsvermögen sensationell ist. Der Go ist eben der Einstieg, und für gut 100 EUR Kaufpreis macht er seine Sache nicht nur gut, sondern erstklassig.

Bei „Illegal“ (Shakira featuring Carlos Santana) beweist uns der Go seine Qualitäten bei einem anderen sehr schönen Duett. Shakiras Stimme ist akkurat umrissen, die Trennung von Stimmen und Instrumenten ist ausgezeichnet, die räumliche Anordnung ist exzellent.

Und auch „I’m Your Angel“ (Céline Dion & R. Kelly) wird sehr fein nivelliert präsentiert – wir sind tatsächlich überrascht, welch gute Detailarbeit der Ultrasone Go hier verrichtet. Auch Nuancen bei den Vocals, die günstigere Kopfhörer gern nicht wiedergeben, übergeht der Go nicht – impulstreu, wie auch in den anderen Beispielen, werden diese eingearbeitet. 

Nun spielen wir dem Go verschiedene Titelsongs von 007 (James Bond) Filmen zu und starten hier mit dem a-ha-Hit „The Living Daylights“ vom ersten Bond mit Timothy Dalton, an seiner Seite damals Maryam d’Abo als bildschöne Cellistin. Mit Substanz, aber auch der nötigen filigranen Herangehensweise bietet der Ultrasone-Kopfhörer hier jede Menge Ansatzpunkte, die ihn auszeichnen. Der Hochtonbereich spielt frei auf, ohne schrill oder aggressiv zu werden. So angenehmes Hören wie mit dem Ultrasone Go, das gleichzeitig aber auch anspruchsvollere Hörer zufrieden stellt, haben wir in dieser Preisklasse noch nicht erlebt.

Circa zwei Jahre früher spielte der letzte 007-Film mit Roger Moore in der Rolle des britischen Spions – „A View To A Kill“ war der direkte Vorgängerfilm von „The Living Daylights“. Und der Titelsong, einer der besten aller Bond-Filme nach Ansicht des Autors dieser Zeilen, stammt von Duran Duran. Kraftvoll, homogen, räumlich dicht, so kennen wir den Ultrasone Go, und genau so tritt er auch diesmal wieder in Erscheinung. Souveränes, gelassenes, aber gleichzeitig qualitativ hochwertiges Hören ist so möglich.

Wir beenden mit Sheena Eastons „For Your Eyes Only“ unsere 007-Hörsession und freuen uns ein weiteres Mal, dass der Ultrasone-Kopfhörer auch mit emotional-sensiblen Songs so gut umgehen kann. Das Klavier, die Stimme, das Schlagzeug, alles wird richtig gewichtet und sehr präzise herausgearbeitet. Der Go besitzt eine Reife, die wir von einem so günstigen Kopfhörer in diesem Umfang bislang nicht gekannt haben.  Zum hervorragenden Gesamteindruck trägt auch die sehr gute Abschirmung vor Außengeräuschen bei. 

Konkurrenzvergleich
  1. Teufel Massive: Mit 100 EUR auf ähnlichem Preisniveau, verspricht schon der Name „Massive“ nicht nur solide Verarbeitung, sondern auch kraftvollen Klang. Der Massive hält beides – und er liefert akustisch eine sehr respektable Leistung ab. Mit seinem hervorragenden Bass bietet er noch mehr Wucht als der Ultrasone Go. Im Detail wirkt der Go aber optisch hochwertiger, er klingt räumlich noch authentischer und geschliffener. Zudem schottet der Ultrasone-Hörer Außengeräusche besser ab. 
  2. Magnat „Urban Style“ Kopfhörer LZR 580: Für 99 EUR bekommt man einen feschen, attraktiven Kopfhörer mit guter Verarbeitung. Das beiliegende Kabel mit Fernbedienung ist weniger hochwertig als beim Go, der auch akustisch in Führung geht. Er spielt authentischer, öffnet den Raum weiter und bietet die bessere Auflösung.
  3. Nun wird es schwierig für den Go – denn der AKG Y50 staubte eine Preisklassen-Referenz bis 100 EUR in unserem Test von fast genau einem Jahr ab. Und noch heute ist er eine sehr gute Wahl und ein harter Konkurrent für den Ultrasone: Kraftvoll und detailreich spielt der Österreicher auf, zudem bietet er einen sehr guten Tragekomfort und eine modisch-jugendliche Optik, gepaart mit tadellosem Finish. Der Go kann sich dennoch behaupten – er klingt einfach noch natürlicher, räumlich echter und löst besser auf. 
Fazit

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Bester seiner Liga: Ultrasone Go

Gratulation an Ultrasone: Der Go wird klar bester seiner Preisliga. Dank des genialen S-Logic Basic spielt er in Bezug auf räumliche Weite und Tiefe selbst manchen doppelt so teuren Konkurrenten schlichtweg an die Wand. Herausragendes Auflösungsvermögen, tolle Grobdynamik und der enorme Tragekomfort gehören noch zu den großen Vorzügen des ausgezeichnet Verarbeiteten dynamischen Kopfhörers. Kleine Nachteile – keine Lautstärkeregelung an der Kabelfernbedienung und ein etwas zu geringer Verstellbereich für Menschen mit großem Kopfumfang. Top dafür – Polsterung von Ohrmuscheln und Kopfband, Abschirmung von Außengeräuschen sowie sehr hochwertiges Kabel im Lieferumfang. 

Fürs investierte Geld fast perfekter Kopfhörer mit imponierenden akustischen Eigenschaften
preisklassenreferenz
Kopfhörer bis 150 EUR
Test 29. Juli 2015

+ Brillante Räumlichkeit
+ Hervorragende Grob- und Feindynamik
+ Sehr gute Stimmwiedergabe
+ Für die Preisklasse überdurchschnittliches Auflösungsvermögen
+ Sauberer Bass mit tollem Tiefgang
+ Frei aufspielender, homogener Hochtonbereich
+ Sehr gute Verarbeitung und ansprechende Materialwahl
+ Hochwertiges Anschlusskabel im Lieferumfang

– Keine Lautstärkeregelung an der Kabelfernbedienung
– Verstellbereich des Kopfbandes für Menschen mit sehr großem Kopf zu gering

 

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 29. Juli 2015




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