Test: Magnat 3-Wege-Bassreflex-Standlautsprecher Shadow 209 – Druck und Präzision für 1.000 EUR Paarpreis?

 Magnat Shadow 209 Gruppenbild4

Magnat kündigte vor kurzem die neue Lautsprecherserie Shadow an – die größte Standbox, die Shadow 209, ist nun in schwarzer Variante (alternativ: weiß) in unserem Testraum gelandet, um ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen. 499 EUR lautet der Stückpreis. Bei einem Paar bleibt man somit knapp unter der für viele Käufer magischen 500 EUR-Grenze. Kennzeichen aller Shawod-Boxen ist die komplett neu entwickelte 30mm fmax-Hochtonkalotte mit breiter Sicke und abstrahloptimierter Schallführung. Kantenreflexionen werden weitestgehend vermieden. Ein recht groß dimensionierter Ferritantrieb soll eine gute Dynamik sichern. Die oftmals gerade für Hochtöner wegen der kompakten Abmessungen verwendeten leistungsstarken Neodym-Magneten kommen wohl aus Kostengründen nicht zum Einsatz.  Als Tief- und Mitteltöner arbeiten FE-Dynamics-Treiber mit Spezialbeschichtung.

Magnat Shadow 209 Front Seitlich2

Klassische Optik ohne Auffälligkeiten

Magnat Shadow 209 Standfuss2

Gut sieht der Sockel unter der Box aus

Das Gehäuse der Shadow 209 hält sich an klassische Richtlinien. Wer auffallen möchte, zumindest aus optischer Perspektive, ist hier nicht an der richtigen Adresse. Das Gehäuse besteht aus recht dicken E1-MDF-Platten, was eine hohe Steifigkeit und Solidität garantiert. Aufmerksamkeit schenkte man bei Magnat auch der auf der Ausführung der rückseitig untergebrachten Bassreflexöffnung. Man sieht davon allerdings nichts – bei größeren Magnat-Modellen bringen attraktive Aluminium-Ringe den Bassreflex-Port optisch gekonnt auf Vordermann. Hier spielen sich die Evolutionen auf technischer Ebene im Verborgenen ab.

Magnat erklärt, dass durch die sanften Rundungen Strömungsgeräusche deutlich geringer ausfallen. Strömungsgeräusche stören die akustische Harmonie, und treten gerade bei höherem Pegel an der Bassreflexöffnung auf, wenn diese nicht überlegt konzipiert ist. Magnat hat nach eigenen Angaben auch die Frequenzweiche für die Preisklasse aufwändig bezüglich Phase und Amplitude optimiert. Die verwendeten Bauteile, so der Hersteller, sind entsprechend hochwertig und langzeitstabil. 

Die Shadow 209 ist mit 220 Watt/RMS und mit 360 Watt/maximal belastbar, das sind gute Werte. Wie glaubwürdig sie sind, überprüfen wir nachher in den Hörtestreihen. Der kraftvolle, dynamische Advance Acoustic Stereo-Vollverstärker X-i120 wird unser Partner sein, mit dem wir die Grenzen der Shadow 209 ausloten. Der Wirkungsgrad (2,83 V/1m) wird mit guten 92 dB angegeben. Die Impedanz liegt bei 4 bis 8 Ohm. Die Shadow kann Frequenzen zwischen 20 und 48.000 Hz wiedergeben, durch den erweiterten Hochtonbereich eignet sie sich auch für HiRes-Audio-Material. Die Übergangsfrequenzen liegen bei 280 Hz und bei 3.000 Hz. Der angeschlossene Verstärker sollte mehr als 30 Watt Leistung pro Kanal bereitstellen.  Die pro Stück 22,5 kg wiegende Box ist 1.150 mm hoch, 190 mm breit und 350 mm tief. 

Magnat Shadow 209 Tieftoener1

3 x 170 mm Tieftöner

Magnat Shadow 209 Mitteltoener2

170 mm Mitteltöner

Magnat Shadow 209 Hochtoener

 30 mm Hochtöner

Gleich drei 170 mm Tieftöner und ein 170 mm Mitteltontreiber sind montiert, mit einer Membran aus beschichtetem Papier. Im Sinne bestmöglicher Belastbarkeit ist die Schwingspuleneinheit belüftet, der nichtmagnetische Gusskorb besteht aus faserverstärktem ABS. Der Hochtöner misst 30 mm. 

Magnat Shadow 209 Verarbeitung2

Schallwand hochglänzend, Korpus schwarz-matt in Holzdekor

Magnat Shadow 209 Standfuss2

Gefällt uns: Sockel unter der Box

Magnat Shadow 209 Anschluesse Rueckseite

Für die Preisklasse absolut in Ordnung: Bi-Wiring-Terminals in Standardausführung

Magnat Shadow 209 Bassreflexrohre

Das kann Magnat besser – Verkleidung der Bassreflex-Ports in einfachem Kunststoff

Magnat Shadow 209 Rueckseite Seitlich1

 Lieber von vorn: Bilanzierend erscheint die Shadow 209 von hinten sehr einfach verarbeitet

Wenden wir uns der Verarbeitungsqualität und der Materialgüte zu. Hier liegen Licht und Schatten eng nebeneinander. Von vorn sieht die Shadow 209 richtig gut aus, mit den Chassis mit Alu-Umrandung und der hochglänzenden Schallwand. Diese ist ganz oben leicht abgerundet, was der gelungenen Frontal-Optik den letzten Schliff verleiht. Schön ist auch der Sockel unter der Shadow 209. Nette Kleinigkeiten wie die Magnat-Schriftzüge an den Alu-Umrandungen der Chassis zeigen die Liebe zum Detail. Tunlichst sollte man die Shadow 209 aber auch nur von vorne betrachten. Denn alles Hochwertige findet auf der Rückseite ein jähes Ende. Spitze Gehäusekanten, billig verkleidete Bassreflexports zeigen in aller Deutlichkeit die Preisklasse auf. Kleiner Lichtblick ist das vergoldente Bi-Wiring-Terminal. 

Das gilt auch für die Stoff-Abdeckungen, die sehr einfach gehalten sind. Besser sieht die Shadow 209 ohnehin ohne die Abdeckungen aus, wenngleich man dann die Vertiefungen zum Befestigen des Gitters sieht. Magnetischer Halt ist in günstigen Preisklassen nicht noch mit drin, dass die Haltestifte am Gitter aber aus billigem Kunststoff sein müssen, das ist doch etwas viel Sparwut. Andere Hersteller, dies sei der Fairness halber erwähnt, bieten hier aber zu einem großen Teil auch nicht mehr. 

Unverständlich – die Heco Music Style 500 kostet nicht mehr, sondern deutlich weniger und ist weitaus hochwertiger gestaltet. Bei der Music Style stimmt jedes Detail, nicht umsonst ist dieser Schallwandler, auch wenn der Test aus Ende 2012 stammt, nach wie vor ein besonders empfehlenswerter Kauf. Gut, werden die Leser sagen, die Music Style 500 ist auch deutlich kleiner – aber es gibt eine Music Style 900, und die weist die identische Top-Verarbeitung auf, der Paarpreis auf dem Markt liegt hier bei rund 1.000 EUR und damit bei der gleichen Summe, die für die Shadow 209 im Paar aufgerufen wird. Also kein hundertprozentiger Treffer, die Shadow 209 – schauen wir, ob sie aus akustischer Sicht viel zu bieten hat. 

Klang

Wir starten mit „The Howling“ von Within Temptation, entnommen dem Album „The Heart Of Everything“. Der Song liegt in normaler CD-Qualität vor (44,1 kHz/16-Bit) und bietet einiges, um dem Lautsprecher auf den Zahn zu fühlen. Dynamiksprünge, kräftige Bass- und E-Gitarren-Einlagen und engagierte Vocals. Mit alldem kommt die Shadow 209 gut zurecht. Die Übergänge zwischen Hoch- und Mitteltonbereich sowie zwischen Mittelton- und Bassbereich verlaufen fließend, der Bassbereich ist angenehm straff und auf gekonnte Weise präsent.

Er schiebt sich nicht zu stark in den Vordergrund. Nicht perfekt ist die Stimmwiedergabe, die teilweise etwas zu stark im Hintergrund ist, dann aber, wenn man richtig aufdreht, stellenweise einen minimal scharfen Einschlag hat. Nicht vorwerfen kann man der Shadow 209 hinsichtlich der Grobdynamik – hier wird einiges geboten, langweilig oder zu sehr auf Harmonie bedacht ist die Magnat-Box definitiv nicht. 

Weiter geht es mit dem Titelsong des 007-Films „Man Lebt Nur Zweimal“ (You Only Live Twice), rein instrumental auf einer SACD vom Royal Philharmonic Orchestra dargeboten. Hier spielt die Shadow 209 recht homogen auf, die flüssigen Übergänge zwischen den Frequenzbereichen fallen auch hier wieder auf. Der neu entwickelte 30 mm Hochtöner macht besonders durch die gute räumliche Abbildung auf sich aufmerksam. Er strahlt gerade vertikal recht breit ab und ermöglicht so ein intensives Klangerlebnis.

Der Mitteltöner fügt sich mit guter Struktur ein, die Gruppenlaufzeiten weisen keine störenden Abweichungen im Bassbereich auf. Die drei 170 mm Tieftöner liefern eine tadellose Leistung ab und sind sofort da, wenn sie gefordert sind. Das in solchen Einsatz-Fällen dann präsentierte Fundament weist eine ordentliche Staffelung auf, zudem sind die Membranen nicht zu weich aufgehangen – das zeigt die gute Impulstreue deutlich. 

Was die Shadow 209 bei Bryan Ferrys „It’s All Over Now, Baby Blue“ (SACD) abliefert, gefällt uns gerade aus tieffrequenter Sicht sehr gut. Der Bass tritt zügig an, und trifft ziemlich exakt den richtigen Punkt. Der Klang ist raumfüllend und solide, die Tiefenstaffelung erneut überzeugend. Leichte Kritik erneut an der Stimmwiedergabe – der Stimme fehlt das letzte Bisschen Emotion, das geht noch besser.

Für die zivile Preisklasse aber kann man kaum ernsthaft Kritik üben, denn man muss immer bedenken, dass ein Stückpreis von knapp 500 EUR für den verwöhnten Stereo-Liebhaber ohnehin keine Investition ist, die er tätigen würde. Und für Ein- und Aufsteiger mit Qualitätsanspruch ist das, was die Shadow 209 leistet, absolut ausreichend. 

Nun wird es ernsthaft und seriös – mit dem Klarinettenkonzert A-dur, Köchelverzeichnis 622, von Wolfgang Amadeus Mozart (SACD). Wir hören das erste Allegro und sind erstaunt. Hier schwingen sich die Shadow 209 zu weitaus besseren Leistungen auf, als wir es erwartet hätten. Die Harmonie beim orchestralen Gesamteinsatz geht einher mit einer wirklich guten Herausarbeitung des Dynamiksprungs. Die Streicher klingen recht klar und räumlich, bei durchaus gehobenen Lautstärken aber nicht zu schrill oder aggressiv. Leisere Passagen werden prima herausgearbeitet, die dynamische Verteilung im Vergleich zu den Teilen des ersten Allegros, in dem das ganze Orchester mit Verve aktiv ist, können wir aus durchaus realistisch bezeichnen. Bilanzierend kann man aus der Sicht des Klassik-Hörers, zumindest bei diesem Testbeispiel, rundum zufrieden sein mit der Performance der Shadow 209. 

Nun geben wir richtig Gas und loten die Pegelgrenzen der Shadow 209 aus. Der Advance Acoustic X-i120 liefert Unmengen an purer Kraft an, die Frage ist, wie die Shadow 209 diese verarbeiten kann. Bei „Lonelyness“ on Tomcraft, einem der absoluten Trance-Anthems, schiebt der Bassbereich mächtig an, selbst bei enormer Lautstärke schlagen die Chassis nicht an. Am Ende bei sehr hohem Pegel ist der Hochtöner, der dann Verzerrungen produziert. Aber auch er bleibt lange souverän, nur können die drei 170 mm Bässe noch mehr, als man dem Tweeter zumuten kann. Mit dem harten, fiesen Bass von „Kernkraft 400“ von Zombie Nation haben selbst die leistungsstarken Basstreiber leichte Probleme – allerdings lediglich leichte. Minimal schlagen die Membranen bei sehr deftigem Pegel an.

Räumlichkeit, Nachdruck und Darstellung der elektronischen Effekte sind sehr gut. Im verlauf des Songs begeistern die drei 170 mm Bässe durch Präzision, Staffelung und Härte. Dies sind die Attribute, die man auch „Fire Wire“ von Cosmic Gate im Bassbereich zusprechen muss. Und wiederum stellt sich die Shadow 209 der Herausforderung: Es geht voran, und wie. Effekte und Bass toben sich im Hörraum aus, und man muss  noch nicht einmal einen Leistungs-Athleten wie den Advance Acoustic X-i120 mit der Anlieferung von Power beauftragen. Bedingt durch den tadellosen Wirkungsgrad lässt sich selbst mit Einsteiger-Stereoverstärkern der 250 bis 350 EUR Liga einiges bewegen.

Nächster Pegel-Move: „Pitchin‘ (In Every Direction) von Hi-Gate bringt nochmal die Membranen nachdrücklich in Schwung. Und auch hier lässt sich die Shadow 209 „nicht lumpen“: Raumfüllend, klar, lebendig lässt sie zartfühlenden Naturen keine Chance. Eine sehr gelungene, wenn nicht sogar überragende Vorstellung der Box bei allen Tracks des „Anthems Of Trance“ 3er CD-Sets. So gut, dass wir noch das Quake-Remix von Armin van Buurens Klassiker „Communication“ nachschieben. Der unterschwellige Schub im Bassbereich wird hervorragend von den Shadow 209 herausgestellt. Aber auch die Räumlichkeit bei den elektronischen Effekten überzeugt uns. Auf zum letzten Gefecht – „Airwave“ von Rank 1 untermauert die erstklassige Stellung der Shadow 209 für Trance-/Techno-Freude. Wie spontan, lebhaft und pegelfest hier agiert wird, ist eine wahre Freude. 

Wie ordnen wir die Shadow 209 ein? Sie ist nicht so „aalglatt“ wie andere Boxen. Viele andere Konkurrenten profilieren sich als Universalisten – die Shadow 209 hat kein Interesse, alles gleich gut wiederzugeben. Sie gibt manches absolut brillant wieder, deutlich über Klassenstandard, anderes aber nicht ganz perfekt. Trance und Klassik – eigentlich ein Widerspruch – sind klar die Domänen. Hier wächst der Lautsprecher über sich hinaus und offeriert eine herausragende Wiedergabe, die dem Kaufpreis weit mehr als nur angemessen ist.  Rock- oder Metal-Material liegt der Shadow 209 weniger, hier wirkt die Stimmwiedergabe nicht ganz ausgewogen, und dem Gesamt-Hörerlebnis fehlt es etwas an geschliffenem Auftritt. 

Fazit

Magnat Shadow 209 Gruppenbild2

Die Magnat Shadow 209 beginnt die Testreihen mit Licht und Schatten bei der Bewertung von Verarbeitungs- und Materialqualität. Schicke Schallwand, Alu-Ringe um die Chassis, attraktiver Sockel unter der Box, aber auch billig wirkende Rückansicht mit scharfen Gehäusekanten,sowie zu schlichtem Lautsprecher-Abdeckgitter sorgen hier für gemischte Gefühle. Akustisch bekennt sich die Shadow 209 klar zu ihrer Vorliebe für Klassisches auf der einen und Trance-/Techno-Tracks auf der anderen Seite. Was unvereinbar scheint, bringt der Pulheimer Schallwandler mühelos zusammen: Impulstreue, Räumlichkeit im Hochtonbereich, kräftige Bässe und hohe Pegelfestigkeit sorgen hier für Bestnoten. Rock- und Metal-Musik liegen der Shadow 209 weniger. Insgesamt ist es sehr mutig von Magnat, einen Lautsprecher mit so klarer Ausrichtung zu bauen – er hebt sich aus der teils langweiligen Masse ab und verdient sich so unseren Respekt. 

Meister bei forderndem Material – die Magnat Shadow 209 geht ihren eigenen Weg
ueberragend
Standlautsprecher bis 1.000 EUR (Paarpreis)
Test 15. April 2015

+ Exzellente Basswiedergabe
+ Vormachtsposition bei der Wiedergabe von einigen fordernden Musikstilen
+ Stimmige Gruppenlaufzeiten trotz 3-Wege-Prinzips
+ Sehr guter Wirkungsgrad
+ Hochtöner mit ausgezeichneter Räumlichkeit

– Verarbeitungsmängel im Detail
– Stimmwiedergabe bei manchen Quellen nicht optimal

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 15. April 2015




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