TEST: Klipsch Kopfhörer Reference On Ear

Klipsch Reference On Ear 5

Der Klipsch Reference On-Ear Kopfhörer wird wahlweise in schwarzer oder weißer Version für knapp 200 EUR angeboten. Das nach dem dynamischen Prinzip arbeitende Headphone mit 40 mm Treibern ist für die optimale Zusammenarbeit mit Apple iOS-Produkten ausgelegt. Eine entsprechende Fernbedienung mit integriertem Mikrofon für die Nutzung als Freisprecheinrichtung ist im Lieferumfang enthalten.  Man kann über die Fernbedienung die Lautstärke steuern (Buttons oben und unten an der Kabelfernbedienung), mittels des zentralen Knopfes sind verschiedene Funktionsprozesse möglich. Nach einmaligem Drücken pausiert das aktuell laufende Musikstück, drückt man ein weiteres Mal, geht der Spielbetrieb weiter. Zweimaliges kurzes Drücken hintereinander bewirkt einen Titelsprung nach vorn, dreimaliges kurzes Drücken schaltet einen Titel zurück. 

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Zusammengefaltet

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3-Knopf-Kabelfernbedienung

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Gute Verarbeitungs- und Materialqualität

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Ohrmuscheln

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Verstellmechanismus

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Wahlweise in weißer oder schwarzer Version lieferbar

Das Kabel ist besonders flach, für mehr Komfort sorgt die einseitige Kabelführung. Leider steckt das Kabel fest im Hörer drin – allerdings sorgt auch heftiges Reißen nicht dafür, dass das Kabel herausbricht.  Zum 50 Ohm-Headphone  gibt es auch einen, allerdings recht einfachen, Transportbeutel. 

Für den einfacheren Transport kann man den Reference On Ear zusammenklappen. Die Optik des Kopfhörers ist wenig spektakulär, irgendwie wirkt der Reference On Ear aus optischer Sicht etwas „Old-fashioned“. Die Verarbeitung ist tadellos, man kann den Reference On Ear zudem präzise auf die Kopfgröße einstellen. Auch, wenn man einen recht großen Kopf hat, kann man den Reference On Ear bequem tragen. Die Ohrmuscheln und auch das sehr üppig gepolsterte Kopfband erzeugen einen angenehmen, nicht zu starken Anpressdruck. Der Reference On Ear gibt Frequenzen zwischen 10 Hz und 19 kHz wieder und wiegt 198 Gramm. 

Klang

Wie wir wissen, sind Klipsch-Lautsprecher außergewöhnlich dynamisch, bieten eine enorme Performance im Bassbereich und liefern zudem auch bei hohem Pegel eine souveräne Leistung ab. Trifft das auch auf den Reference On Ear als Kopfhörer zu? Wir liefern dem bequem sitzenden Hörer mit recht angenehmem Material der Ohrmuscheln innenseitig Tracks zu, die ihm liegen sollten: Wir starten mit „California Dreamin'“ von Freischwimmer im Calvo-Remix. Und siehe da, was wir uns bereits gedacht haben, trifft zu: Der Reference On Ear bietet eine starke Leistung im tieffrequenten Bereich. Der Bass ist nicht nur wuchtig, sondern erfreulicherweise auch präzise, und die gesamte Dynamik ist ebenso tadellos wie die gebotene Räumlichkeit. Der Reference On Ear schafft es sehr gut, das klangliche Geschehen geschickt in glaubwürdigen akustischen Ebenen darzustellen – das ist nicht typisch Klipsch. Hier hat man offensichtlich bei der Entwicklung des On Ear-Hörers neue Schwerpunkte gesetzt, die räumliche Tiefe der Akustik ist ausgezeichnet.

Wir hören nun das aktuelle Remix des Gigi D’Agostino-Klassikers „L’Amour Toujours“ von Dzeko&Torres. Hier schlägt erneut eine große Stunde für den Reference On Ear. Er erweist sich zunächst als außergewöhnlich pegelfest. Der Ohrenarzt würde einen Herzinfarkt bekommen, und wir können nur Zurückhaltung anmahnen: Wie locker der Reference On Ear hohe Lautstärken managt, ist überragend. Der Bass bleibt satt, die Membrane schlagen nicht an. Exzellent ist, wie passgenau der Reference On Ear den richtigen Punkt trifft – nicht nur Bass-Gewalt, sondern auch tieffrequente Präzision. Das ist für einen 200 EUR-Kopfhörer wirklich ausgezeichnet. „Einer geht noch“ – richtig. Als dritten Track von der aktuellen Future Trance 74 nehmen wir das Mix von Tom Dot Kom „One Night In Bangkok“. Hier performt der Reference On Ear erneut mit Nachdruck im Bassbereich, und durch die angenehm runde klangliche Gesamtauslegung eignet er sich auch sehr gut zum mehrstündigen Hören. Nie wird der Reference On Ear akustisch lästig – zumindest nicht bei der Musik, die wir bislang gehört haben. Er baut das klangliche Geschehen sauber auf und erfreut mit solider Dynamik.

Musikwechsel, zurück in die 80er Jahre. Wir hören den „Dance Mix“ von Rick Springfields Hit „Celebrate Youth“. Und es war klar – auch hier geht es wieder energiegeladen voran. Der Reference On Ear enttäuscht uns auf keiner Ebene, gefällt überdies mit guter Stimmwiedergabe, die sauber von den Instrumenten getrennt ist. Der Bass ist ein weiteres Mal straff und kraftvoll. Der Aufbau des Songs geht jederzeit glaubwürdig vonstatten. Und auch „You Spin Me Round (Like A Record)“ von Death Or Alive im „Performance Mix“ spornt den Reference On Ear zu Höchstleistungen an.

Ein weiteres Mal müssen wir den Bassbereich ansprechen. Satt, klar, souverän – es gibt viele Kopfhörer der 300 EUR-Liga, die sich hier hinten anstellen müssen. Man traut dem recht zierlichen Klipsch-Headphone gar nicht solche Leistungsstärke zu – aber die Praxis spricht eine deutliche Sprache. Tonal bleibt der Kopfhörer auch bei den beiden 80er Jahre-Beispielen auf der sicheren Seite. Angenehm, aber doch klar – das ist die Auslegung. Brillanz-Ausbrüche im Hochtonbereich sollte man nicht erwarten, wer hier hohe Ansprüche besitzt, sollte zu einem anderen Modell greifen und am besten auch gleich einen höheren Kaufpreis einplanen. Wie es sich für ein richtiges Klipsch-Produkt gehört, spricht auch der Reference On Ear nicht den analytischen „Detail-Sezierer“ an, sondern denjenigen, der einfach Spaß am Hören hat und richtig „mitgehen“ möchte bei den gehörten Musikstücken.

Der Reference On Ear blamiert sich aber auch bei „seriöserer“ Musik keinesfalls. So klingt Lous Armstrongs „We Have All The Time In The World“ angenehm warm, voll und emotional. Der Song, der im 007-Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ vorkam, überzeugt bei der Wiedergabe über den Klipsch-Kopfhörer auch mit hervorragender räumlicher Tiefe. Dadurch fühlt sich der Zuhörende voll ins Geschehen eingebunden und „lebt“ die Musik, anstatt sie nur oberflächlich zu konsumieren. Und auch „Nobody Does It Better“ aus dem James Bond Film „Der Spion, Der Mich Liebte“ liegt dem Reference On Ear. Im Vergleich zu früheren Klipsch-Kopfhörern tritt das aktuelle Produkt hörbar kultivierter und geschliffener an. Die Wiedergabe wirkt gelassen, trotzdem kommen die Emotionen nicht zu kurz. Unserer Meinung nach hat Klipsch für diese Preisklasse eine nahezu ideale Auslegung gefunden. Namhafte Kopfhörer-Brands mit exzellentem Ruf hätten es nicht besser machen können. Und auch „The World Is Not Enough“ von Garbage lässt die Talente de Reference On Ear aufblitzen. Klar und fundiert, mit überraschend guter, weil authentischer und charismatischer Stimmwiedergabe, legt sich der Reference On Ear ins Zeug. Der recht dominante Bassbereich mag sensiblere Naturen stören, der Erlebnis-Hörer hingegen fühlt sich voll ins Geschehen eingebunden.   

Für den Reference On Ear spricht auch, wie gut er Außengeräusche isoliert und vom Anwender fernhält. Obwohl es sich ja nicht um einen Kopfhörer mit aktivem Noise Cancelling handelt, sichert der Reference On Ear eine von lediglich geringen Außeneinflüssen geprägte Hör-Atmosphäre. So kann man den Kopfhörer auch in der Bahn  oder im Flugzeug verwenden. Dank der aufwändigen Elektronik kann ein Vergleichsprodukt mit aktiver Geräuschunterdrückung natürlich noch mehr Geräusche herausfiltern – aber verglichen mit vielen anderen Headphones macht der Reference On Ear auch hier eine außergewöhnlich gute Figur. 

Integriert ist auch eine Freisprecheinrichtung. Kommt ein Anruf, so versteht man den Anrufer sehr gut, die Stimme des Anrufers klingt allerdings minimal so, als wäre dieser erkältet. Rauschen gibt es so gut wie keins, was uns sehr gut gefällt. Insgesamt liegt die Güte der Freisprecheinrichtung knapp über dem Durchschnitt. 

Konkurrenzvergleich
  • 2011 haben wir den Klipsch Image One getestet. Schon damals waren wir von Klipsch-Kopfhörern sehr überzeugt, der Image One holte sich ein sehr respektables Testergebnis. Dynamisch und bassstark – genau mit diesen Qualitäten überzeugt nun auch der Reference On Ear. Allerdings tritt das neue Modell mit mehr Feingefühl auf, detailliert besser und kann auch erstaunlich kultiviert agieren. Für sensible Hörer aber ist auch der neue Klipsch-Hörer nicht die beste Wahl. Für den Erlebnishörer dürfte es in der 200 EUR-Liga hingegen nur wenig Besseres geben.
  • Der kann was: Wer weniger Geld investieren möchte und für knapp 130 EUR auch noch Wert darauf legt, einen kabellosen Bluetooth-Kopfhörer mit sensationell langer Akku-Laufzeit zu kaufen, dem können wir nur den Magnat LZR 588 BT ans Herz legen. Gut, wenn auch nicht exzellent verarbeitet, mit ordentlicher Dynamik und überraschend klarem Klang schlägt er sich hervorragend. Bei Bass-Präzision, Pegelfestigkeit und Gesamt-Dynamik zeigt der Reference On Ear aber, dass er trotz fehlendem Bluetooth seinen Mehrpreis Wert ist. 
  • Muss sich der Klipsch doch geschlagen geben? Ihm fehlt Bluetooth, und er ist teurer, und der Kontrahent hier kommt auch noch von JBL, einem besonders angesehenen, erfahrenen Anbieter. Rund 150 EUR kostet der BT-Kopfhörer Everest 300, und mit kraftvollem Bass und enormer Dynamik greift er den Reference On Ear auch gleich frontal an. Der Klipsch-Hörer kontert aber – er ist bei aller Bass-Wucht und enormen Dynamik kultivierter als der Everest 300. Gerade bei James Bond-Titelsongs oder auch bei anderen etwas vielschichtigeren Musikstücken setzt sich der Reference On Ear besser in Szene – was man aufgrund des Mehrpreises aber auch erwarten kann. Fürs investierte Geld ist der Everest 300 exzellent – das muss man neidlos anerkennen. Für 200 EUR Kaufpreis ist der Reference On Ear aus akustischer Sicht aber der universeller auf hohem Niveau einsetzbare Kopfhörer. 
  • Für nur 100 EUR eine echte Okkasion – der Teufel Massive Kopfhörer. Er schlägt mit wuchtigem Bass und guter Räumlichkeit zu, auch die Verarbeitung ist sehr gut in Anbetracht des Kaufpreises. Die Abschirmung von Außengeräuschen mag allerdings nicht so recht gelingen, und bei der klanglichen Detaillierung macht der Teufel Massive im Vergleich zum Reference On Ear deutlich, dass er nur die Hälfte kostet. 
Fazit

Klipsch Reference On Ear 1

Das sitzt: Der Klipsch Reference On Ear ist ein richtig guter Kopfhörer zum fairen Kaufpreis. Auch wenn die Optik wenig spektakulär und sogar etwas altbacken erscheint: Die Verarbeitung ist gut. Sehr gut ist der Tragekomfort, auch nach Stunden wird der relativ leichte Reference On Ear nicht unbequem. Dank des tadellos gepolsterten Bügels, des angenehmen Materials der Ohrmuscheln und es nie zu starken Anpressdrucks eignet sich der 50-Ohm-Kopfhörer auch für die längere Reise sehr gut. Überdies werden Außengeräusche erstaunlich wirkungsvoll abgeschirmt. Die Freisprecheinrichtung ist ordentlich, man versteht den Gesprächspartner allzeit gut. Die klanglichen Qualitäten sind beachtlich: Satter, präziser Bass, sehr gute Gesamtdynamik, erstaunliche räumliche Tiefe und eine ausgezeichnete Stimmwiedergabe beweisen, dass der Reference On Ear deutlich mehr kann, als man spontan denken könnte. Insgesamt ein Kopfhörer ohne wirkliche Schwächen – Ausgewogenheit auf hohem Niveau wird hier zu einem fairen Kaufpreis demonstriert.

Der Klipsch Reference On Ear überzeugt durch Ausgewogenheit auf hohem Niveau
ueberragend
Kopfhörer bis 200 EUR
Test Mittwoch, 13. Januar 2016

+ Kraftvoller, aber gleichzeitig kultivierter Klang
+ Räumliche Tiefe sehr ausgeprägt
+ Tadellose Stimmwiedergabe
+ Pegelfest
+ Hoher Tragekomfort
+ Sehr gute Abschirmung von Außengeräuschen

– Design etwas altbacken

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 13. Januar 2016

 

 




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