XXL-TEST: Denon 9.2 Kanal-AV-Verstärker AVC-X3700H - Preis-/Leistungsmeister mit üppiger Ausstattung?

Denon hat sich für 2020 entschieden, das Produktsortiment etwas umzubauen. Mehr AV-Verstärker, weniger AV-Receiver - und so wurde aus dem Nachfolger des AVR-X3600H flugs ebenfalls ein AV-Verstärker. Der Denon AVC-X3700H für exakt 1.099 EUR (auf dem freien Markt im September 2020 rund 1.050 EUR) ist der kleinste Denon AV-Verstärker aus der 2020er X-Serie. Zum Vergleich: Das 2019er Modell AVR-X3600H gibt es derzeit immer noch, und zwar für rund 850 EUR. Doch wenden wir uns nun dem AVC-X3700H zu - kann er mit neuen Features wie kompletter 8K-Kompatibilität, 8K-Upscaling und verfeinertem Klang-Tuning im Test überzeugen?

Ausstattung und Anschlüsse

Sehr gut für die Preisklasse: Der Denon AV-Verstärker decodiert bis zu 11.2 Kanäle, und eingebaut sind neun analoge Endstufen mit jeweils 180 Watt. Diese darf man allerdings nicht für "bare Münze" nehmen, denn bei der Angabe wurde bei 1 kHz nur eine der neun Endstufen ausgesteuert. Etwas realistischer sind die Angaben, wenn zwei der neun Endstufen ausgesteuert werden: Bei 20 Hz bis 20 kHz, an 8 Ohm, mit 0,08 Prozent Gesamtklirrfaktor, bleiben 105 Watt übrig.

Wir würden uns mehr Hersteller wünschen, die, wie z.B. Arcam, ehrliche und nachvollziehbare Leistungsangaben auf ihre Website bringen. Kommen wir nun zurück zum 3700H. Zu den wichtigen Ausstattungsmerkmalen gehört die Unterstützung für Dolby Atmos, DTS:X, DTS Virtual:X, Dolby Atmos Height Virtualization sowie IMAX Enhanced. Auro-3D gibt es erst ab dem AVC-X4700H, der ist aber auch spürbar teurer (UVP 1.499 EUR, auf dem freien Markt 30 bis 50 EUR unter UVP)

Zubehör: Fernbedienung und alles fürs Lautsprecher-Einmessen inklusive Mikrofon und "Behelfsstativ"

Der 3700 verfügt über dedizierte „8K“-HDMI-Unterstützung für 8K/60Hz- und 4K/120Hz-Video-Passthrough sowie Unterstützung wichtiger HDR-Formate (einschließlich HDR10+ und Dynamic HDR). Das neue HDMI-Feature QMS (Quick Media Switching) ermöglicht es zudem, direkt zwischen unterschiedlichen Auflösungen und Bildraten zu wechseln, ohne dass ein schwarzer Bildschirm angezeigt wird. Natürlich unterstützt der kleinste Verstärker der X-Serie nach wie vor HDR10, HLG (Hybrid Log Gamma), Dolby Vision, 4:4:4 Pure Color Subsampling sowie BT.2020-Passthrough.

HDMI-Sektion - hinten gibt es sieben HDMI-Eingänge (inklusive dediziertem 8K-Eingang) und drei HDMI-Ausgänge

Eine außergewöhnliche Bewegungsschärfe mit 4K/120-Hz-Passthrough sowie VRR (Variable Refresh Rate), das Frame-Tearing entgegenwirkt und die Präzision insgesamt erhöht, ist ein Kernfeature der 2020er Denons und somit auch vom AVC-X3700H. Zudem sind ALLM (Auto Latency Mode) und QFT (Quick Frame Transport) vorhanden, um Verzögerungen zu verringern und Reaktionszeiten zu verbessern.

Nun kommen wir zu einem weiteren neuen Kern-Ausstattungsmerkmal, denn die neuen Modelle der Denon X-Serie inklusive unserem Test-Kandidaten sind zudem in der Lage, bestehende HD- und 4K- Inhalte auf 8K zu skalieren, um die Vorteile der 8K-Auflösung einem breiteren Spektrum an Quellen zugänglich zu machen. Da es mittlerweile zahlreiche 4K Medien gibt und immer mehr Displays in nativer 8K Auflösung auf den Markt kommen, war die Weiterentwicklung konsequent - allerdings muss gesagt werden, dass die meisten 8K-TVs sehr gut von FullHD oder UltraHD auf 8K hochrechnen können. Natürlich ist der AVC-X3700H auch mit HDMI eARC ausgestattet - somit kann man, wenn der 3700 mit dem TV verbunden ist, auch z.B. Dolby Atmos-Ton von Netflix zum AV-Verstärker lotsen. 

Weiter neu in 2020 ist der spezielle Vorverstärker-Modus. Wie auch die beiden größeren Denon Modelle AVC-X4700H und AVC-X6700H wartet auch der AVC-X3700H mit einem neuen Vorverstärker-Modus auf, mit dem bisher nur der Flaggschiff-AV- Verstärker AVC-X8500H ausgestattet war. Im Vorverstärkermodus werden die internen Verstärker abgeschaltet, wenn der Receiver als AV-Prozessor eingesetzt und alle Lautsprecher von externen Verstärkern gespeist werden. Dies sorgt für einen reinen Signalpfad sowie höhere Ausgangsspannungen bei geringeren Verzerrungen.

Audyssey-Mikrofon 

Die Modelle der X-Serie aus dem Jahr 2020 unterstützen zudem die neu eingeführte Funktion „Dual Speaker Setup Preset“, die es ermöglicht, zwei Lautsprecherkonfigurationen (per Audyssey-Einmessung ermittelt) zu speichern und direkt zwischen ihnen zu wechseln. Beispielsweise können Anwender sowohl das Audyssey Kalibrierungsergebnis direkt vom Receiver als auch eine über die Audyssey MultEQ Editor App (optional) erstellte benutzerdefinierte MultEQ-Kurve auf dem Receiver speichern, um sie so auf unkomplizierte Weise zu vergleichen und die bevorzugten Einstellungen zu wählen. Alternativ ließen sich auch Audyssey Messungen für zwei unterschiedliche Lautsprecherkonfigurationen vornehmen, zum Beispiel 2.0 für Musik und 5.1.4 für Filme.

Wir haben die HDMI-Terminals bereits erwähnt, was gibt es an weiteren Anschlüssen?

Anschlussübersicht 1

Rückseite komplett

es finden sich auf der Rückseite handels- und klassenübliche Schraubanschlüsse für Lautsprecherkabel oder Bananenstecker. Analoge Cincheingänge sind für Tuner, CBL/SAT, DVD, Blu-ray, Game, CD und Phono vorhanden. Hinzu kommt ein Cinch Stereo Zone 2 Ausgang. Für Freude antiquierter Videosignale gibt es drei analoge FBAS-Inputs plus einen Ausgang. Zwei analoge Video-Komponenteneingänge sind vorhanden, plus ein Ausgang. Hinzu kommt ein 11.2 Cinch Per-Out. Zwei optische und zwei koaxiale Digitaleingänge, 12 V Trigger Out, RS232 und eine RJ45 Ethernet-Buchse runden das Sortiment ab. 

Verarbeitung

Passung der Frontblende

Display

Quellwahlregler

Lautstärkedrehregler

Linker Teil der aus hochwertigen Kunststoff bestehenden Frontblende

Und hier der rechte Teil, inklusive USB-Slot vorne

Seitliche Perspektive

Viele Lüftungsschlitze - man darf nicht vergessen, dass der 3700H über analoge Endstufen verfügt, die einiges ab Abwärme produzieren

Standfuß im Detail

Der AVC-X3700H präsentiert sich in gewohnter Denon-Optik und mit sauberer Fertigungs- und Materialqualität. Alle Spaltmaße sind gering, der günstigere 3700 muss allerdings mit einer (sauber eingepassten) Kunststoff-Front auskommen. Unter dem Gerät sitzen große Standfüße. Die beiden Drehregler für Quelle (links) und Lautstärke (rechts) sind ebenso typisch Denon wie die fest sitzenden Terminals hinten und die recht handliche sowie übersichtliche Fernbedienung.

Fernbedienung

Für die Preisliga geht sie qualitativ völlig in Ordnung. Alternativ kann man den AV-Verstärker auch mit der passenden, schon älteren Denon-App steuern.

Innenleben

Hochwertiger Kühlkörper

Rechenstarke Analog Devices SHARC Prozessoren

Sauberes Platinenlayout

Wie man es von Denon kennt, punktet auch der 3700 mit einem sehr sauberen Aufbau innen, nirgendwo findet sich Kabel-Wirrwarr oder unsolide gelagerte Platinen. Alles ist fest verschraubt, zudem sind die diskreten Endstufen so aufgebaut, dass jede Endstufe identische Arbeitsbedingungen vorfindet. Groß dimensionierte Kühleinheiten und solide mit dem Gehäuseboden verschraubte Transformatoren sind weitere Merkmale. Das Denon Referenz-Design findet sich in dieser Klasse natürlich nicht, trotzdem gefällt auch der AVC-X3700 mit einem tadellosen Innenaufbau. Hochwertige Kühlkörper, ein sorgfältiges Platinenlayout, rechenstarke Prozessoren, tadellose DACs - all das zeichnet den 3700H aus.

Multimedia

Dank dem bewährten, 2020 nicht überarbeiteten HEOS® Built-in gibt der AVC-X3700H Musik von zahlreichen Streaming-Diensten wie Spotify und Spotify Free, Napster, Amazon Music (HD), TuneIn, Deezer, SoundCloud und TIDAL wieder. Zudem natürlich auch von USB, von NAS-Systemen, vom Home Server und vom Notebook/PC. Die Musikbibliothek von Smartphone und Tablet kann nicht nur per Netzwerk-Streaming, sondern auch über Bluetooth wiedergegeben werden. Einfach kann man den 3700 in ein Heos Multiroom-Setup einbinden und ihm eine Hörzone mit Raumnamen zuweisen. Der AVC-X3700 unterstützt zudem Apple AirPlay 2 und ist zu allen drei Sprachassistenten Apple Siri, Amazon Alexa und Google Assistant kompatibel.

Die AV-Verstärker der 2020er X-Serie verfügen zudem über die Zertifizierung „Roon Tested“, sodass Anwender ihre Musikbibliothek mithilfe der fortschrittlichen Roon Benutzeroberfläche auf PCs und Smart Devices optimal nutzen können. Über AirPlay 2 können die Roon zertifizierten Denon AVRs problemlos von Roon identifiziert und eingerichtet oder per Kabel mit einem Roon Core Gerät  (zwingend für die Verwendung von Roon erforderlich) verbunden werden.

Neben der Möglichkeit zum High-Res-Audio-Streaming ist jeder der 2020er X-Verstärker auch mit einem USB-Eingang an der Vorderseite ausgestattet, der eine unkomplizierte Wiedergabe von MP3- und hochauflösenden Audioformaten (WAV, FLAC, ALAC und DSD 2,8/5,6 MHz) ermöglicht.

Inbetriebnahme mit dem Denon Assistenten für die Ersteinrichtung

Und wie sieht es nun mit der Inbetriebnahme aus? Hier macht der AVC-X3700H keine Ausnahme. Er bringt den bewährten und immer wieder verfeinerten Denon Einrichtungsassistent mit. Die Einmessung mittels Audyssey MultEQ XT32 (Einmessung an bis zu 8 Hörpositionen) ist in die Ersteinrichtung integriert. In unseren Testläufen funktioniert die Lautsprecher-Einmessung absolut problemlos, es wurden recht präzise Ergebnisse geliefert. Des Weiteren einigt man sich bei der Erstinstallation auf die gewünschte Sprache, die passende Endstufen-Konfiguration, auf den richtigen Anschluss potentieller Quellen und man führt die Verbindung zum Netzwerk durch (per leistungsstarkem Dualband-WLAN oder kabelgebunden mittels Ethernet-Kabel). Hier folgen noch die Screenshots zur ersten Inbetriebnahme.

Sprachwahl

Erste Erläuterungen

Übersicht über die benötigten Teile

Nun beginnen Aufstellung und Anschluss der Lautsprecher

Richtiger Anschluss der Boxenkabel

Mit Detailanweisungen, da kann nichts mehr schiefgehen

Nun wird die Lautsprecher-Konfiguration festgelegt

Atmos-Lautsprecher: Keine, zwei oder vier Boxen?

Überprüfung, ob der Anschluss der Lautsprecher korrekt ist

Jetzt beginnt die Lautsprecher-Kalibrierung mittels Audyssey

Auch hier gibt es wieder präzise Anweisungen, so zum Beispiel, dass das Mikrofon auf Ohrhörern stehen sollte

Wahl: Audyssey Dynamic EQ ja oder nein?

Anschluss der Antennen für Bluetooth und WLAN

Netzwerkeinrichtung

Automatische Updates aktivieren

Einrichten der Eingänge

Zur Verfügung stehende Apps

Apps und deren Eigenschaften

Nun ist die erste Einrichtung abgeschlossen

Der Denon AVC-X3700H präsentiert sich als voll ausgestattet, einfach zu handhaben und sehr gut verarbeitet. 

Menüs und App im täglichen Betrieb

Der AVC-X3700H kann natürlich mittels Fernbedienung und OSD bedient werden. Wahlweise finden sich Bedienelemente auch direkt am AV-Verstärker. Alternativ steht eine App zur Verfügung. Zu Menüs und App haben wir einige Screenshots vorbereitet.

Menü in der Übersicht. Jederzeit kann man durch Anwahl der Position "Einrichtungsassistent" die Ersteinrichtung erneut starten

Audio-Menü: Der Restorer kümmert sich um eine Qualitätsverbesserung komprimierter Musikdateien

Führt Messungen mit Audyssey MultEQ XT32 durch, ist die Reference-Kurve aktiv. Wahlweise kann man die Funktion deaktivieren oder eine andere Kurve nehmen

Video-Menü

Menü für die Eingangszuweisung

Alternativ kann man das Lautsprecher-Setup auch manuell konfigurieren

Zuweisung der Endstufen

Time Alignment

Menü "Allgemein"

Bluetooth-Einstellungen

Insgesamt sind die Menüs gut nachvollziehbar aufgebaut. Allerdings dauert es trotzdem, bis man, gerade als weniger versierter Anwender, den ganzen Funktionsumfang erfasst hat. Nun wenden wir uns der AVR Remote App von Denon zu.

Die App ist schon seit geraumer Zeit im Angebot

Menü in der Übersicht

Audioeinstellungen

Auch die Ausgabeeinstellungen (Video) kann man über die App steuern 

Eingangsmenü

Netzwerk 

Screen "Allgemein"

Die App bietet die Möglichkeit, den AV-Verstärker praktisch ohne das OSD komplett einzustellen. Der Aufbau der App ist dem OSD sehr ähnlich. 

Bislang hat uns der 3700H überzeugt. Sehr gut verarbeitet, für den Funktionsumfang einfach betriebsfertig zu machen und mit einer üppigen Anschlussauswahl versehen. Die Ausstattung ist modern, bis auf Auro-3D vermisst man nichts. 

Klang 2019er DTS Demo Ultra HD Blu-ray mit DTS:X Sequenzen

Was kann der kleinste Denon 2020er AV-Verstärker akustisch? Fans & Freaks werden bedauern, dass Auro-3D fehlt, aber das gibt es erst ab dem AVC-X4700H (Marktpreise ab 1.460 EUR). Da klafft zumindest den aktuellen Preisen nach schon eine große Lücke, da es den AVC-X3700H für schmale 1.050 EUR Marktpreis gibt. Wir haben nun die 2019er DTS Demo Ultra HD-Blu-ray herausgeholt, um die Fähigkeiten des 3700ers zu überprüfen.

Die erste Sequenz aus "Jurassic Parc - Fallen Kingdom" managt der AVC-X3700H souverän. Beeindruckend sind die Pegelfestigkeit und die Tatsache, wie gelassen der Denon unser 5.0.2 Setup bedient. Richtig gelesen, um die analogen Endstufen richtig zu fordern, haben wir nur die Canton Reference 5 K vorn am Start, da muss sich der 3700 durchkämpfen. Das gelingt viel besser als erwartet, sogar so gut, dass man bestimmt nicht zwingend einen aktiven Subwoofer benötigt. Auch bei großer Lautstärke differenziert der authentisch aufspielende Denon noch die verschiedenen Effekt-Ebenen auseinander, das Gluckern des Wassers, die Schreie, den Music Score und natürlich das ohrenbetäubende Gebrüll der Dinosaurier und die zahlreichen Detonationen. 

Nächster Filmausschnitt aus "The Incredible Hulk": Scharfe Schusswechsel mit wegspritzenden Patronenhülsen während der Salven aus automatischen Waffen, heftiges Gebrüll, dazu der stets präsente Music Score: Wieder behält der AVC-X3700H den Überblick. Teurere Modelle, wie der AVC-X6700H, haben noch mehr Schärfe bei heftigen Schusswechseln, sind noch eine Idee kraftvoller im Antritt und bei sehr hohem Pegel noch gelassener, das ist klar. Aber für viele ist schon zutiefst beeindruckend, was der preislich bodenständige 3700 für ein Feuerwerk abbrennt. Er löst auch bei hohem Pegel noch ansprechend auf, und wieder versorgt er die großen Canton Standboxen vorn mit soviel Energie, dass ein massives Bass-Fundament aufgebaut werden kann. 

Nun wechseln wir auf die 2018er Ultra HD Blu-ray von DTS. Hier hören wir uns die Sequenz aus "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 1" an. Und höre da, es passiert auch einiges über den Köpfen der Zuhörer, und der 3700 ist stets mit hoher Impulstreue dabei. Auch deutliche dynamische Wechsel managt er, als es plötzlich für kurze Zeit beinahe völlig ruhig ist und dann der Drache wie aus dem Nichts brüllt und Feuer speit. Als er den Kopf zur Kuppel hinaus reckt und splitterndes Glas nach allen Seiten spritzt, beweist der Denon sein ausgezeichnetes Auflösungsvermögen. Richtig gut gefällt uns bei dieser Sequenz, wie brillant die Streicher im Music Score am Ende des kurzen Ausschnitts klingen. Räumlich dicht, homogen und klar, das ist absolut exzellent für einen AV-Verstärker dieser Preisklasse. 

Natürlich geht es auch in der Sequenz aus dem 6. Teil der Vollgas-Saga "The Fast And The Furios" rund. Eine wilde Jagd über die Autobahn, an der auch ein bulliger Panzer beteiligt ist, fordert hier das Equipment. Der Music Score wird sehr gut eingearbeitet, das Geräusch der laufenden Ketten des Panzers kommt authentisch heraus. Erst dann, wenn man es enorm laut angehen lässt, ist ein minimales Nachlassen beim Differenzierungsvermögen zu erkennen. Aber das passiert erst bei Pegeln, die in der Praxis schon die Nachbarn zwei Häuser weiter auf den Plan rufen, wenn man dicht an dicht wohnt. Als der schwere Panzer durch die Luft fliegt und es danach kurz ruhig wird, und eine romantische Melodie ertönt, beweist der 3700 wieder, dass ihm jede Gangart liegt: Ganz gleich, ob es eher beschaulich zugeht, mit Musik und kleinen Effekten sowie Stimmen, oder richtig lebendig, mit massiven Effekten, einem mächtigen Music Score, der den Spannungsbogen weiter hebt, und aufgeregtem Geschrei. Er ist immer Herr der Lage und gibt sich außergewöhnlich gelassen.

Klang Dolby Atmos, Mission Impossible "Rogue Nation", Wien Sequenz

Immer wieder gern genommen: Die Wien-Sequenz" aus "Rogue Nation". Denn in dieser Szene gibt es viel Action, zudem Elemente einer Oper (Puccinis "Turandot") sowie auch einige, wenn auch kürzere, ruhige Parts, in denen es vornehmlich um kleinere Effekte und subtile räumliche Elemente geht. 

Der 3700H gibt bereits die Geräusche in der U-Bahn-Station unweit der Wiener Oper sehr glaubwürdig wieder. Das Murmeln der Menschenmenge, das Herausfahren des Zuges aus der unterirdischen Station: Für einen gut 1.000 EUR kostenden AV-Verstärker gibt sich der Denon keine Blöße. Was direkt auffällt, ist das subtile Gefühl räumlicher Dichte. Schon in einer 5.1.2 Konfiguration merkt man die Existenz einer dritten Hörebene über den Köpfen. Natürlich ist dieser Eindruck in einer ebenfalls ohne zusätzliche Endstufen möglichen 5.1.4 Konfiguration noch hörbar präsenter. 

Als dann im Inneren der Oper die Vorbereitungen im Technikraum getroffen werden, präsentiert uns der Denon die Stimmen des weiblichen und des männlichen Opern-Mitarbeiters mit einer sehr guten Betonung des sehr leicht vorhandenen Wiener Akzents. Als dann das Orchester aufspielt und "Turandot" beginnt, zeigt sich der 3700H von seiner musikalischen Seite. Mit sauberer Darstellung dynamischer Differenzen und einer tadellosen Akzentuierung der weiblichen und männlichen Gesangstimmen füllt er sein Punktekonto weiter an.

Klar, der 3700H ist kein 6700H - nicht verwunderlich, dass der "große Bruder" ein noch differenzierteres und auch fundierteres Fundament offeriert. Basschläge haben noch mehr Wucht und die Stimmen der Opernsänger*innen ertönen plastischer, noch feiner, gerade bei den weiblichen Stimmen deutlich zu hören im Hochtonbereich. Der 6700H ist aufgrund der sehr kräftigen elf Endstufen mit monolithischem Aufbau noch weniger auf einen zusätzlichen externen Subwoofer angewiesen. Schon den 3700H muss man nicht zwingend mit einem aktiven Subwoofer betreiben. Schon dieser recht günstige AV-Verstärker handhabt große und im Bassbereich leistungsfähige Standboxen souverän. Gerade aber bei Hörräumen über 25 Quadratmeter zieht der 6700H deutlich davon. Er wirkt freier, offener, gelassener.

Als sich Ethan Hunt oberhalb der Bühne eine wüste Schlägerei mit seinem Widersacher liefert, agiert der Denon erneut gekonnt. Denn er gibt den Faustschlägen den nötigen Nachdruck, arbeitet aber zugleich die musikalische Darbietung auf der Opernbühne tadellos mit ein. Das gute Differenzieren zwei parallel stattfindender akustischer Ereignisse bereitet dem Neunkanal-Verstärker kaum Schwierigkeiten. Später, beim Attentat auf den Österreichischen Bundeskanzler, lässt der Denon die turbulenten Ereignisse mit enormer Dynamik Revue passieren. Auch hier schafft er es wieder, kontrolliert und zugleich kraftvoll ans Werk zu gehen. 

Stereo plus Stereo-To-Surround

Wie sieht es aus, wenn wir Musik-Stereo-Signale mittels Dolby Surround auf 5.0.2 aufpolieren? Über die Heos-App spielen wir Signale in Tidal HiFi-Qualität zu. Leider funktioniert es nicht mit Tidal Master Quality, weil das Heos-Modul kein MQA beherrscht. Wir hören "Natural" (Imagine Dragons) und sind bis zu mittleren Pegeln recht angetan, da wir eine breite Bühne, die aber trotzdem nicht unpräzise wirkt, vernehmen und mit einem kräftigen Bass rechnen können. Wenn wir den Lautstärkeregler dann weiter aufdrehen, läuft die Darbietung aus dem Ruder, verliert an Detaillierung und wird zu schrill. Hier prüfen wir nun, ob es auch im Stereobetrieb so ist, dann liegt es wohl an der Quelle, oder ob die Ursache in der Betriebsart Dolby Surround zu suchen ist. Um jede Beeinflussung zu minimieren, wählen wir den "Pure Direct" Modus aus. Und nun stellt sich die Sache anders dar: Tonal authentischer, homogener, keine schrillen Untertöne mehr, keine spitzen  Höhen. Hier, für diesen Track, ist Dolby Surround offenbar bis zu leicht gehobenem Pegel ein prima Upscaler, wenn es lauter zugeht, geht der Auslegung allerdings Harmonie verloren. Im Stereobetrieb beeindruckt uns der 3700 mit stabilem Bühnenstand, einer sauberen vokalen Kontur und einer insgesamt tadellosen Grob- sowie Feindynamik. 

"Make It To Heaven" (David Guetta with Raye) klingt direkt ab Beginn im Stereobetrieb sehr mitreißend. Der straffe, kräftige, aber nie aufgeblasen wirkende Bassbereich korrespondiert hervorragend mit dem Rest. Die Stimme wird geschickt fokussiert, ohne aber dass sie zu weit im Vordergrund zu stehen scheint. Der Rhythmus, alles andere hätte uns auch gewundert, wird impulstreu erfasst. Das gilt auch für die ruhigeren Passagen, als etwas "Dampf" herausgenommen wird und die Stimme sowie einige Streicher im Mittelpunkt stehen. Der Denon beweist uns hier ein weiteres Mal, dass er mit allen akustischen Situationen zurecht kommt. Dolby Surround wirkt hier prima, die Bühne wird weiter, und man wähnt sich im Zentrum einer räumlich dichten Darbietung. Der Effekt, dass es bei hoher Lautstärke dann nicht mehr so ausgewogen wirkt, ist aber auch hier festzustellen. Klare Bilanz: Im Stereo-Betrieb agiert der 3700 für seine Liga meisterlich. Dolby Surround macht durchaus Spaß, bringt bei normalen Pegeln eine toll Räumlichkeit zustande. Wird es sehr laut, gibt es weniger Homogenität und Harmonie. 

Video-Performance

Hier möchten wir zunächst anmerken, dass wir gerne im finalen Testbericht auf die Qualität des 8K-Upscalings eingegangen wären. Leider aber funktionierte trotz neuester HDMI-Kabel auch die Zusammenarbeit des AVC-X3700H mit unserem Samsung Q950R (2019) nicht. Dasselbe hatten wir schon beim Test des AVC-X6700H beobachten müssen. Daher haben wir einen 2020er 8K-TV geordert, sobald dieser vorhanden und gecheckt ist, liefern wir ein 8K-Upscaling-Special nach. In diesem Test überprüfen wir daher das Upscaling des AVC-X3700H auf 4K.

Kurze Anmerkung: Damit der Denon AVC-X3700H Inhalte auf 8K-Auflösung skaliert, muss zusätzlich unter Video und dem Unterpunkt 4K/8K Signal Format der Parameter "8K Erweitert" ausgewählt werden. Nur dann kann unter "Video-Konvertierung" und "Auflösung HDMI" die 8K-Auflösung ausgewählt werden)

Das Handling der Videosektion und der Videofunktionen ist wie beim 6700H. 

Video-/HDMI-Konfiguration

Videoausgabeeinstellungen

8K-kompatibel

Belässt man die Werkseinstellungen, wird das Video-Eingangssignal unbearbeitet durchgeschliffen, z.B. UHD HDR bei einer Ultra HD Blu-ray bzw. 1080p FullHD bei einer konventionellen Blu-ray Disc. Um Scaling generell zu aktivieren, muss im Menü unter Video und dem Unterpunkt Ausgabe-Einstellungen "Video-Konvertierung" auf "Ein" gesetzt werden. Unter Video und Ausgabe-Einstellungen im Menü kann auch ein Bildmodus (Punkt "Video-Modus") ausgewählt werden, hier kann man allerdings nur zwischen "Game" und "Movie" wechseln oder einfach "Automatisch" belassen. Bei allen eingehenden Signalen, abgesehen von Videospielen, sollte man also den Movie-Modus verwenden.

Wie schlägt sich der AVC-X3700H nun beim Hochskalieren von Inhalten? Wir haben es, wie oft, mit Hilfe der 1080p BD "James Bond 007 - Skyfall" auf 4K Ultra HD überprüft. Zunächst wurden sämtliche Bildoptimierer am Bildwiedergabegerät, inklusive Frame-Interpolation, deaktiviert. Damit schufen wir die Voraussetzungen, die Arbeit des 3700H beurteilen zu können.

Am Anfang des Films in der Wohnung in Istanbul, in der zahlreiche tote und Schwerverletzte Agenten liegen, punktet der 3700H mit einer ordentlichen Differenzierung. Unterschiedliche Helligkeitsabstufungen werden tadellos erfasst. Als 007 dann in der Wohnung umhergeht, arbeitet der Denon auch Einzelheiten wie den Stoff von Bonds Anzug prima heraus. Die Schärfe des Bildes ist gut, aber nicht sensationell. Mit dunklen Sequenzen kommt der 3700H besser zurecht als mit sehr hellen, wie sich im weiteren Verlauf des Films zeigt. Manchmal erscheinen helle Bildanteile als zu grell, was die Gesamt-Balance etwas stört. Das Upscaling ist nicht völlig, aber weitgehend rauschfrei, eklatant störendes Scalingrauschen erkennen wir zu beinahe keinem Zeitpunkt. Sitzt man in normaler Entfernung zum TV, erscheint das Ergebnis gut bis sehr gut. Noch besser gefällt uns die authentische Farbwiedergabe. Nur ein minimal ins Braune gehender, leicht warmer Einschlag ist zu erkennen. Dieser aber sorgt eher dafür, dass man harmonisch und angenehm dem Filmgeschehen folgen kann, die Darbietung des Denon kann man daher als augenfreundlich und praxisgerecht bezeichnen (Modi: ISF Night, ISF Day). Selbst, wenn im Aufstellungsraum des TVs und des Denon etwas externer Lichteinfall ist, fährt man mit "ISF Day" sehr gut. Natürlich hängt das Ergebnis auch von der maximalen Helligkeit des Panels des angeschlossenen TVs ab. Unser Samsung Q950R schneidet hier sehr gut ab.

Der AVC-X3700H detailliert sehr gut, nur teure 8K und 4K TVs leisten noch mehr und bilden komplexe, kleine Details im Bildhintergrund genauer ab. Insgesamt aber schlägt sich unser Testkandidat prima, sowohl bei Macroaufnahmen (Person im Bildzentrum, bewusste Unschärfe im Hintergrund) als auch bei Panarama-Aufnahmen. Leichte Einbußen bezüglich der Bildschärfe finden sich nur in hinteren Bildebenen, und auch da nur in geringem Ausmaß.

Der typische 24p-Judder ist ohne aktivierte Frame-Interpolation beim TV sichtbar, insbesondere bei schnellen Bewegungen und Kamerafahrten macht sich dies bemerkbar, in Kombination mit unserem Samsung TV wird aber tatsächlich ein sehr ruhiges und angenehmes Bild, auch ohne Zwischenbildberechnung, realisiert. Die Bewegungsschärfe ist nicht auf allerhöchstem Niveau, aber das Sehen ist sehr angenehm und das Bild wirkt stabil. Insgesamt weiß der AVC-X3700H durchaus zu gefallen - im Vergleich z.B. mit älteren 4K-TVs schneidet er beim Upscaling besser ab, sodass es sich lohnt, zu vergleichen: Soll der BD-Player, der TV oder doch besser der 3700H hochskalieren?

Konkurrenzvergleich

AVR-X3600H

AVR-X4500H

Starke Konkurrenz droht aus eigenem Hause. Der Denon AVR-X4500H ist auf dem Markt noch vereinzelt verfügbar (z.B. bei Grobi TV für knapp 1.085 EUR) und liegt somit preislich auf dem Level des 3700H. Damit gerät man in ernsthafte Probleme: Denn der AVC-X3700H hat seinen Vorgänger, den AVR-X3600H, akustisch hinter sich gelassen, aber gelingt ihm das auch beim 4500H?Hier muss man sagen, dass man abwägen muss: 8K-Kompatibilität, moderne HDMI Gaming-Features, Vorverstärker-Modus sprechen für den 3700H. Auro-3D, hochwertigerer Aufbau und akustisch die bessere Auflösung und Detaillierung sprechen für den 4500H. Eine Frage der persönlichen Prioritäten somit.

RX-V2080

SC-LX704

Vergleichen wir den 3700H mit dem deutlich teureren Yamaha RX-V2080 (ab rund 1.580 EUR) aus der edlen Aventage-Serie, zeigt sich ebenfalls, wie gut der 3700H ist. Natürlich kann er den teuren Yamaha nicht übertreffen. Der 2080 holt gerade aus komplexem akustischem Geschehen noch klarer auch kleinere Strukturen heraus. Überdies detailliert er Stimmen noch genauer. Die intelligente Surround:AI Schaltung ist auch ein Vorzug des Yamaha, denn hier werden Yamahas ausgezeichnete DSP-Modi exakt per Künstlicher Intelligenz auf das gerade laufende Material angepasst. Aber: Der RX-V2080 ist schon älter. Die HDMI-Sektion erfüllt nicht mehr alle aktuellen Ansprüche. Zudem: Mit dem ausgewogenen, klaren und doch dynamischen Sound ist der AVC-X3700H nicht weit weg vom Yamaha. Die Überraschung - er schlägt aus klanglicher Sicht beinahe den teuren, akustisch sehr guten Pioneer SC-LX704. Dieser ist zwar mit einem transparenteren Hochtonbereeich ausgestattet und bietet eine vortreffliche Dynamik, klingt aber nicht ganz so homogen. Zudem enttäuscht der innere Aufbau für den stolzen Listenpreis von 1.799 EUR. Da helfen auch die flexiblen Multimedia-Eigenschaften inklusive DTS Play-Fi und Google Chromecast nicht mehr weiter.

Fazit

Rundum überzeugend: Der Denon AVC-X3700H hinterlässt in allen Disziplinen einen hervorragenden Eindruck. Gegenüber dem AVC-X4700H muss man zwar hinnehmen, dass es etwas weniger Leistung, einen etwas weniger aufwändigen Aufbau und vor allem kein Auro-3D gibt, dafür ist der kleinste Denon AV-Verstärker ein Meister des erstklassigen Preis-/Leistungsverhältnisses. Abgesehen von Auro-3D gibt es eine volle Ausstattung inklusive kompletter 8K-Kompatibilität und 8K-Upscaling sowie neun sehr kräftige analoge Endstufen. Der 3700H begeistert akustisch mit einem räumlich dichten Klang, einem ausgezeichneten Auflösungsvermögen und einer enormen Gesamtharmonie - obwohl der Neunkanal-Verstärker nie langweilig klingt. Insgesamt ist es Denon wieder einmal gelungen, zu demonstrieren, wie ein erstklassiger AV-Verstärker aussieht, den man sich auch noch leisten kann. 

Der Denon AVC-X3700H bietet einen Top-Gegenwert fürs Geld: Akustisch exzellent, voll ausgestattet und einfach zu handhaben

AV-Verstärker Obere Mittelklasse
28.09.2020

Test: Carsten Rampacher, Philipp Kind
Fotos: Philipp Kind
Datum: 28. September 2020

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