TEST: JBL Control X – die größere Variante der legendären JBL Control In-/Outdoor-Boxen

JBL Control X Gruppenbild2

Schon eine Legende sind JBLs Control-Lautsprecher für den Innen- und Außeneinsatz mit stabilem, witterungsbeständigem Kunststoffgehäuse. Wer die Control mag, ihrem geringen Volumen aber aus akustischen Beweggründen nicht ganz traut, kann sich nun zu einem Paarpreis von 299 EUR, wahlweise in weißer oder schwarzer Variante, die JBL Control X kaufen.

JBL Control X Rueckseite Seitlich1

Sehr gut verarbeitete Rückseite

JBL Control X Front Seitlich

2-Wege-System

Die im typischen Control-Design gehaltenen, auch in der größeren Form immer noch kompakten 2-Wege-Boxen verfügen über JBLs „High Definition Imaging (HDI)“ Waveguide-Technologie, was für ein ausgewogenes, klares und natürliches Klangbild sorgen soll. Bestückt sind die Control X mit einem 133 mm Tief-/Mitteltöner mit Polypropylen/Graphit-Membran und einem 25 mm CMMD Lite-Hochtöner. Sehr gut gefallen uns die stabilen hartvergoldeten Schraubanschlüsse fürs Lautsprecherkabel oder auch für Bananenstecker.

JBL Control X Hochtoener

Hochtöner

JBL Control X Tieftoener

Tief-/Mitteltöner

JBL Control X Anschluesse Rueckseite

Hochwertige Anschlussterminals

Satte 200 Watt kurzzeitige Musikleistung stecken die solide verarbeiteten Control X weg, langfristig dürfen es 50 Watt sein. Zwischen 20 und 100 Watt Leistung pro Kanal sollte der angeschlossene Verstärker mitbringen. Frequenzen zwischen 90 Hz und 20 kHz werden wiedergegeben. Die Emfindlichkeit gibt der Hersteller mit 87 dB an, die Nominalimpedanz beträgt 8 Ohm. Die Control X ist 235 mm hoch, 165 mm breit und 159 mm tief. Das Stück wiegt 2,63 kg. Die leicht gebogene Schallwand ist charakteristisches Markenzeichen des Lautsprechers, ebenso das vorn zentriert untergebrachte JBL-Logo.

JBL Control X Bassreflexoeffnung

Bassreflexöffnung

Das Gehäusematerial und auch die Elemente aus Gummi wirken hochwertig, so dass zumindest dem optischen Check nach der Kaufpreis vollkommen in Ordnung geht. 

Klang

Trance-/Dance-Musik von 1997 steht auf dem Programm, die CD 1 der ersten „Future Trance“, die im Frühjahr des Jahres auf den Markt kam. Wir hören „Raumpatrouille“ von Kosmonova und stellen fest: Tiefbass gibt es bei dem recht kleinen Gehäuse nicht wirklich. Das sollte aber niemanden ernsthaft verwundern. Ab den versprochenen 90 Hz greifen die Schallwandler dann aber recht effektiv ein und sichern auch ein durchaus wahrnehmbares Bassaufkommen. Da wir immer schon dafür waren, mit „Kanonen auf Spatzen zu schießen“, verwenden wir ein schwäbisches „Großaufgebot“ zur Zuspielung: Die Nubert Vor-/Endstufenkombination nuControl und nuPower D schicken ihre immensen Kräfte in Richtung der zierlichen Control X – was in der Praxis auch bei „Reflect“ von Three’N’One gut geht. Der klare Klang mit guter räumlicher Wirkung zeichnet die Control X bei beiden Klangbeispielen aus. Es ist durchaus Dynamik zu spüren, und gerade dann, wenn man die Boxen etwas höher aufstellt, setzen sie sich gut in Szene. Wechsel im Rhythmus setzen sie impulstreu um, und auch vor der gelungenen Darstellung kleinerer dynamischer Differenzen schrecken sie nicht zurück. „Kick Da Disco Nation“ von Disco Nation gesellt sich als dritter Titel der Future Trance 1 dazu. Die Stimme hat genau die Portion Nachdruck, die gewünscht ist, und der Aufbau des Titels kommt prima heraus. Gerade bei diesem Stück tut sich die Control X auch durch die wirklich gute Basskraft hervor. Sicherlich, wer Bässe mag, wird trotzdem Defizite beim tieffrequenten Durchsetzungsvermögen feststellen. Aber es handelt sich hier um einen kompakten multifunktionalen Speaker, der auch transportabel ist, und dafür sind die Leistungen ausgesprochen ordentlich. Schießt man ordentlich Pegel in die Control X, wirkt der Bass etwas „hohl“ und entwickelt etwas Hall. 

„Make It Rain“ von The KLF zeigt, dass es wirklich nicht schlecht um die Bass-Qualitäten bestellt ist – wenn man „Bass“ ab ca. 90 Hz als ausreichend definiert. Echte Tiefbass-Liebhaber sollten, wenn die Control X innen fest installiert zum Einsatz kommt, definitiv einen aktiven Subwoofer als Ergänzung kaufen. Der Rhythmus des Songs wird gut wiedergegeben, selbst das Saxophon kommt gut heraus. Die Dynamik von „Last Train To Trancentral“ von der gleichen CD bereitet der Control X relativ wenig Mühe. Man kann Lautstärken fahren, die ein gutes Stück nach oben von der berühmten „Zimmerlautstärke“ entfernt liegen. Selbst bei höherer Lautstärke werden Effekte, Stimmen und Synthesizer-Einlagen akkurat voneinander entfernt. Für die „Studentenbude“, den Garten, das Home Office oder die Ferienwohnung sind die Control X durchaus als „Erst-Lautsprecher“ geeignet, da sie eigentlich aus akustischer Sicht nichts grob falsch machen. Sie bringen Ordnung in Form klarer Konturen ins Klangbild, sind recht pegelfest und machen auch beim Thema Dynamik eine gute Figur. 

Kann die Präsentation von „Das Omen“ (Mysterious Arts) diese Eindrücke bestätigen? Die Stimme gleich zu Beginn ist bei erhöhter Lautstärke mit etwas Verzerrungen versehen – die weiteren Teile des Titels, inklusive dem Chorgesang, der sogar eine gewisse Brillanz mitbringt, werden aber sauber dargestellt. Der Rhythmus des Songs bereitet den Control X wenig Probleme, die kompakten Multifunktionslautsprecher bieten sogar einen spürbaren „Vorwärtsdrang“ und geben den akustischen Linien eine klar gezeichnete Kontur. Die Trennung von Stimmen und Instrumenten gelingt sehr gut. 

Wer setzen fort mit Laura Brannigans Klassiker „Self Control“ – und sind begeistert: Die E-Gitarre klingt fetzig, Lauras Stimme sauber und weder blechern noch belegt. Für eine preiswerte Lautsprecherbox mit Kunststoffgehäuse eine richtig gute Leistung. Dem Bassbereich, ohnehin nicht sonderlich ausgeprägt bei dieser Aufnahme, geht allerdings eine gewisse Prägnanz ab. Hier geht deutlich mehr – bei diesem Stück ist es um die Basswiedergabe der Control X nicht zum Besten bestellt. „Ti Amo“, der nächste Titel auf der CD, wirkt gleich zu Beginn keinesfalls fade, sondern hier schaffen die kleinen Lautsprecher erstaunlich viel Atmosphäre. Sie sind demnach durchaus in der Lage, auch mit sensiblerer Musik angemessen umzugehen. Als dann ein Dynamiksprung ansteht, wird dieser impulstreu und lebendig dargestellt. 

Nicht einfach wird es für die Control X bei den beiden Titeln von Andrea Bocelli „Dell’Amore Non Si Sa“ und „L’Attesa“. Eine besonders charismatische Stimmwiedergabe bei einer so einfach konstruierten Box? Wir waren sehr skeptisch. Zu einem beträchtlichen Teil aber widerlegt die Control X unsere These, dass die Stimme monoton und unbeweglich klingt. Der JBL-Lautsptecher realisiert im Gegenteil eine lebendige, zu keinem Zeitpunkt statische vokale Präsenz Andreas. Die Stimme weist in sich sogar schlüssige, nachvollziehbare Strukturen auf. Eine rundherum gelungene Gesamtleistung anstatt ein fader Beigeschmack, das lässt sich nach der Begutachtung des Schallwandlers bei beiden Stücken feststellen. Auch die Instrumente werden treffend eingebunden, und Räumlichkeit sowie das gesamte Volumen verdienen sich ordentliche Zensuren. Dass die Control X auch bei derartiger Musik, selbst bei gehobenem Pegel, eine überzeugende Figur abgibt, hätten wir nicht gedacht. 

Bei Klassik ist ebenfalls kein Versagen festzustellen. Wir lauschen dem Klarinettenkonzert A-dur, Köchelverzeichnis 622, von Wolfgang Amadeus Mozart und wählten für die akustischen Untersuchungen das erste Allegro aus. Natürlich, dies müssen wir gleich vorab bemerken, ist die Control X nichts für die Klassik-Fan, der einen veritablen Erst-Lautsprecher fürs Musikzimmer sucht. Dafür weisen die Höhen zu wenig Durchzeichnung auf, dazu fehlt es an klarer Struktur insgesamt. Aber für Multimedia-Lautsprecher für knapp 300 EUR Paarpreis ist das Ergebnis beeindruckend. Klar die Höhen, nahtlos schließen sich die Mitten an, und es ist sogar ein gewisses Fundament die tieferen Frequenzen betreffend spürbar. Gerade als „Huntergrundbeschallung“ im Home Office oder auch im Garten sind die Control X sehr gut geeignet und kommen unseren Eindrücken nach mit praktisch jedem Musikstil zurecht. 

Unser Kurzbewertung in der Übersicht
  • Impulstreue: sehr gut, auch bei kleineren Impulsen
  • Grobdynamik: Sehr ausgeprägt, erstklassig für die kleine Box.
  • Feindynamik insgesamt: Der Preisklasse absolut angemessen, für eine Multimedia-Box mit Kunststoffgehäuse sehr gut. 
  • Auflösungsvermögen Hochtonbereich: Genügt normalen Ansprüchen souverän, für hohe Ansprüche zu wenig Details 
  • Auflösungsvermögen Mitteltonbereich: Sehr gut – auch Stimmen kommen überraschend komplett heraus. Ordentliche Detaillierung. Musikliebhaber erwarten natürlich mehr, das kann man aber von einer solchen Konstruktion nicht erwarten.
  • Auflösung, Tiefgang, Struktur  im Bassbereich: Unter knapp 100 Hz kommt nichts von der Control X. Im Bereich darüber bietet sie zwischen knapp 100 und knapp 200 Hz einen recht präzisen Bass mit gutem Volumen, der aber bei hohem Pegel etwas hohl wirkt. Gute Strukturen, brauchbare Auflösung.
  • Tonalität: Störende tonale Einschläge finden sich praktisch nicht. Die Control X spielt neutral-angenehm auf.
  • Räumlichkeit: Für kleinere Räume um die 10 bis 15 Quadratmeter bietet die Control X eine gute Räumlichkeit. Bei der Verwendung in größeren Lokalitäten gilt: Man sollte nicht zu weit weg von der Control X sitzen, da ansonsten das gefühlte Maß an Räumlichkeit doch deutlich zurückgeht.
  • Empfindlichkeit/Wirkungsgrad: Die Control X verlangt nach einer relativ kräftigen Zuspielung. Lieber einen Verstärker mit üppiger Leistung anstatt ein schmalbrüstiges Einstiegsmodell verwenden.
  • Pegelfestigkeit: Ausgezeichnet bis hervorragend in Anbetracht der sehr kompakten Abmessungen. 
Konkurrenzvergleich
  • Numan Retrospective 1978: Für rund 270 EUR gibt es mit dem jüngsten „Familienzuwachs“ der Chaltec-Elektronik-Gruppe aus Berlin ordentliche, „vollwertige“ Lautsprecher in trendiger 70er Jahre Retro-Optik, Angenehm klingend, ordentlich verarbeitet und preiswert – wer gute „Haupt-Lautsprecher“ sucht, ist hier für wenig Geld tadellos bedient. 
  • Von Teufel mischen sich die „Aktivisten“ Motiv B Bluetooth unters konkurrierende „Volk“. Für 249 EUR wird alles geboten: Solide Verarbeitung, schicke Optik, klarer Klang. Ein Optimum fürs investierte Geld. Die ohne den benötigten Verstärker 299 EUR im Paar kostenden Control X spielen natürlich dynamischer und detailreicher, dringen zusammen mit dem passenden Amp dann aber auch in höhere Preisregionen vor. 
  • Exzellente Eigenschaften fürs Geld bietet die Dali Zensor 3 als kompakter, aber sehr leistungsstarker Kompaktlautsprecher. 199 EUR kostet eine der sauber verarbeiteten dänischen Boxen. Sie bieten allerdings nicht die hohe Flexibilität der Control X, die dank des robusten Gehäuses außen und innen verwendet werden kann. Die optisch klassische dänische Konstruktion trumpft dafür mit solidem Bass auf und geht deutlich weiter nach unten als die Control X, die im Hochtonbereich überraschend gut mithält. 
Fazit

JBL Control X Gruppenbild1

Die JBL Control X ist eine solide verarbeitete, attraktiv aussehende, sehr flexibel einzusetzende Box mit ausgezeichneten klanglichen Leistungen. Im Tiefbassbereich tut sich nichts, Tribut ans geringe Gehäusevolumen. Ansonsten aber überzeugt die Control X mit Dynamik, Räumlichkeit und einem klaren Klang. Die Pegelfestigkeit und auch das Auflösungsvermögen sind für eine solche Konstruktion überdurchschnittlich ausgeprägt. Der Wirkungsgrad ist durchschnittlich, eine entsprechend kraftvolle Zuspielung kann keinesfalls schaden. 

Robuster, optisch attraktiver Lautsprecher mit überraschend gelungenem Klang und sehr flexiblen Einsatzmöglichkeiten
ueberragend
Kompaktlautsprecher bis 500 EUR/Paar
Test 02. Dezember 2015

+ Dynamik
+ Klarer Klang
+ Pegefestigkeit
+ Robust
+ Optisch gelungen
+ Flexible Einsatzmöglichkeiten

– Wirkungsgrad nur durchschnittlich
– Kein Tiefbassbereich

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 02. Dezember 2015




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