TEST: Harman/Kardon Onyx Studio – eleganter, klangstarker Aktivlautsprecher

Harman Kardon Onyx Studio Front Seitlich2

Den Harman Kardon Onyx Lautsprecher mit Bluetooth, AirPlay sowie DLNA Music-Streaming haben wir bereits getestet, nun gesellt sich noch der Onyx Studio als reiner Bluetooth-Lautsprecher und in etwas anderem Design dazu. Die beim normalen Onyx sehr ausladende und extravagante Standfuß-Konstruktion ist beim Onxy Studio nicht zu finden, dafür gibt es zwei kurze Metallstandfüße.  Der Preis liegt mit 199 EUR sehr deutlich unter dem Onyx, der für 499 EUR offeriert wird. Der Onyx Studio arbeitet mit Bluetooth 3.0, keinerlei Angaben deuten darauf hin, dass aptX unterstützt wird. 

Harman Kardon Onyx Studio Tieftoener

Passivradiator

Harman Kardon Onyx Studio Mitteltoener

 Tief-/Mitteltöner

Harman Kardon Onyx Studio Hochtoener

Hochtöner

Bestückt ist der Onyx Studio mit zwei Hochtönern, zwei Tief-/Mitteltönern und je einem zentral angeordneten Passivradiator hinten und vorn. Die Chassis sind ohne sichtbare Schrauben ins Gerät integriert, das vorn von einem schwarzen Stoffschutzgitter bedeckt wird. Es handelt sich also nicht um einen simplen BT-Lautsprecher mit Breitbandchassis, sondern um ein echtes Mehrwegesystem, das von gleich vier einzelnen Verstärkern mit jeweils 15 Watt angetrieben wird.

Der darstellbare Frequenzbereich geht von 60 Hz bis 20 kHz. Die für ein solches Device recht niedrige untere Grenzfrequenz lässt vermuten, dass Harman der erweiterten Basswiedergabe durch die beiden Passivradiatoren einiges an Bedeutung beimisst. 

Harman Kardon Onyx Studio Front2

Gesamtansicht

Als „zeitlos stilvoll“ kann man auch das Design des Onyx Studio bezeichnen. Von vorne betrachtet beschränkt sich die optische Wirkung auf einen schwarzen Kreis, keinerlei Knöpfe sind sichtbar. Diese befinden sich in geringer Anzahl auf der Oberseite: an/aus, leiser, lauter und Bluetooth. 

Die Verarbeitung ist, wie wir es von Harman Kardon Devices her kennen, gediegen und hochwertig. Alles passt, die Spaltmaße sind gering, und der solide Standfuß hinterlässt einen sehr guten Eindruck. Bei der Anschlussbestückung fehlt uns ein 3,5 mm Miniklinkenanschluss, somit finden ältere, kabelgebundene kompakte Musicplayer keinen Zugang zum Onyx Studio. 

Harman Kardon Onyx Studio Anschluesse Rueckseite

Kein 3,5 mm Miniklinkenanschluss, nur Micro USB und Anschluss fürs Netzteil

Der eingebaute Akku garantiert für 5 Stunden Musikgenuss, das ist eher durchschnittlich. Dass die Batterie nicht ausdauernder ist, liegt vermutlich auch darin begründet, dass der relativ große Lautsprecher mit kräftiger Endstufenleistung (jeder der zwei Hochtöner und zwei Mitteltöner wird von einer jeweils 15 Watt starken Endstufe angetrieben) antritt und man daher extrem viel Akku-Kapazität benötigen würde, wenn eine Akkulaufzeit von 8 Stunden und mehr im Fokus gestanden hätte. 

Harman Kardon Onyx Studio Bedienelemente

Bedienelemente

Harman Kardon Onyx Studio Standfuss

Fußkonstruktion

Harman Kardon Onyx Studio Rueckseite Seitlich2

Rückseite

Überzeugend einfach ist die Bluetooth-Funktionsweise: Ohne Probleme kann man den Onyx Studio per BT mit Computer, Smartphone und Co. verbinden. Das erfolgreiche Verbinden wird, genau wie das An- und Ausschalten, von einem lauten Tonsignal begleitet, sodass man auch ohne Sichtkontakt weiß, dass der Lautsprecher bereit zur Musikwiedergabe ist. Kleine Abzüge gibt es allerdings für die Tatsache, dass der Druckpunkt der Laut-/Leiste-Tasten nicht perfekt definiert ist. 

Akustisch gibt es am Onyx Studio kaum etwas zu kritisieren. Zunächst einmal macht sich die aufwändige 2-Wege-Konstruktion gleich bemerkbar. Der Onyx kommt auch mit komplexerer Musik sehr gut klar. Im Gegensatz zu unserem ebenfalls getesteten normalen Onyx wird der Onyx Studio auch bei kräftigen Pegel nicht spitz im Hochtonbereich – vielmehr ist sein leicht warmer, enorm angenehmer Klang sehr zu loben. Selbst Quellmaterial, das qualitativ definitiv nicht zum Besten gehört, kann daher homogen und gefällig wiedergegeben werden.

Das galt in unseren Testläufen für „You Win Again“ von den Bee Gees ebenso wie für „Keep The Faith“ von Bon Jovi und für „Sounds Like A Melody“ von Alphaville. Anstatt eines blechern anmutenden, mittenbezogenen Sounds stellt der Onyx hier einen fundierten, überraschend klaren Klang zur Verfügung.  Bei „You Win Again“ überrascht das sehr gute Timing im Bassbereich, bei „Keep The Faith“ kommt die E-Gitarre gekonnt heraus. Etwas Fetzigkeit fehlt bei Lenny Kravitz‘ „Fly Away“ – hier würden wir uns noch mehr Ausdruckskraft wünschen. 

Manch einem Hörer könnte der tiefe, satte Bass etwas zu viel des Guten sein – wir jedoch finden diese Auslegung ausgesprochen gelungen, da so jedem Lied ein stimmiges Fundament mit auf den Weg gegeben wird, und zudem verzerrt der Onyx Studio nur bei sehr hoher Lautstärke.  Der sehr kräftige Bass kommt bei manchen Musikstilen besonders gut zum Tragen, zum Beispiel bei „When I Dip“ von Bingo Players. Gerade Electro und House können hier glänzen, denn neben dem Bass ist hier auch die lebendige Effektwiedergabe von Vorteil.

Dass diese so gelungen ausfällt, liegt erneut an der 2-Wege-Konstruktion und am speziellen Design des Onyx Studio, das eine räumliche, teils sogar weitläufige Klangwiedergabe garantiert. „I Follow Rivers“ von Lykke Li macht ebenso Spaß wie „Misfit“ von Darius&Finlay. Treibende Beats und zahlreiche in verschiedenen Ebenen verteilte Effekte machen gerade kleineren BT-Lautsprechern oft zu schaffen, nicht aber dem Onyx Studio – dieser blüht hier gerade auf und nimmt daher, z.B. im Studentenappartment oder in der Ferienwohnung, auch gern die Rolle einer kleinen Stereoanlage ein – wirklich schade, dass ein 3,5 mm Miniklinenanschluss fehlt. Ein solcher würde die Flexibilität und somit auch die Attraktivität des Onyx Studio weiter steigern. 

Die akustischen Stärken des Onyx Studio machen ihn insgesamt zu einem guten Begleiter für viele Genres: Denn zum Beispiel auch Jazz und R´n´B zeigen eine ausgesprochen löbliche Performance: Instrumente werden sogar einzeln recht detailliert hervorgehoben, etwa in „My Little Brown Book“ von Duke Ellington und John Coltraine, einem Instrumentaljazz-Stück – hier kann man kann die Tonfolge jedes Instrumentes gut mitverfolgen, was für Bluetooth-Lautsprecher nicht unbedingt arttypisch ist, gerade dann nicht, wenn sie weniger als 200 EUR kosten.

Dies wird natürlich auch Freunde des Rock freuen, denn sie werden nicht mit einer undurchdringlichen Tonwand verscheidener, zusammengemischter Riffs konfrontiert, sondern sie erleben ihre favorisierte Musik in fundierter, kräftiger und ordentlich differenzierter Art und Weise.

 Die einzige Schwäche des Onyx Studio ist eine kleine Zurückstellung der Stimmen in manchen Stücken. Teilweise wirken diese zu schwach um mit den instrumentalen Einlagen mitzuhalten, jedoch ist dies nur minimal bemerkbar und sollte dem normalen Musikhörer kaum auffallen. Bei Andrea Bocellis „L’Attesa“ ist die Stimme Andreas zwar gut eingearbeitet, wirkt aber minimal indifferent. Das wäre ein Beispiel, an dem man das eben Beobachtete festmachen kann. 

Mit seiner angenehmen, zugleich aber recht vielschichtigen Wiedergabe ist der Onyx Studio auch gut geeignet zum Genuss von Klassik, und hier insbesondere von großen orchestralen Darbietungen wie Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“,  da hier eine angenehme räumliche Fülle auf eine respektable Einarbeitung einzelner Instrumente trifft. Bedingt durch die reichlich vorhandene Endstufenleistung werden größere Dynamiksprünge auch mit dem geeigneten Nachdruck dargestellt. 

Die Konkurrenz ist in der Price Range des Onyx Studio ebenfalls stark aktiv. Den attraktiven Denon Envaya gibt es ebenfalls für 199 EUR. Er kann im Bassbereich nicht die Performance des größeren Onyx Studio bieten, unterstützt aber dafür aptX. Der Envaya ist mit zwei 57 mm Vollbereichstreibern bestückt, die ihren Job aber sehr gut machen und einen klaren Klang sicherstellen. 10 Stunden hält der Envaya-Akku durch – ein nicht zu unterschätzender Vorzug, wenn es um den mobilen Einsatz geht. 

Gut und günstig ist der MEDION LIFEBEAT Black Box für nur 70 EUR. Schicke Optik und ein recht lebhafter, angenehmer Klang sind die Merkmale des Schnäppchens. Klar dürfte sein, dass der differenzierte, bassstarke und pegelfeste Auftritt des Onyx Studio mit einem so günstigen BT-Lautsprecher nicht realisiert werden kann. 

Der JBL Voyager ist mit 249 EUR etwas teurer als der Onyx Studio, dafür ist er besonders flexibel einzusetzen: Den mittleren Teil kann man aus der Gesamtkonstruktion herauslösen und als ultrakompakten BT-Lautsprecher nutzen. Klanglich begeistert Voyager mit solidem Bass und sehr guter Räumlichkeit. 

Wer lieber ein komplettes Bluetooth-Lautsprechersystem für den stationären Einsatz sucht, kann sich beim Berliner Direktvertreiber Teufel umschauen. Für 250 EUR gibt es das Teufel Motiv B in klassischem 2.0 Layout, zwei Zweiwege-Kompaktöautsprecher mit edler verarbeitung realisieren einen lebendigen, natürlichen Klang. 

Fazit

Harman Kardon Onyx Studio Front Seitlich1

Der Onyx Studio von harman/kardon bietet für seine 200€ ein qualitativ hochwertiges Äußeres und Inneres. Die kraftvolle, räumlich sehr gelungene Wiedergabe überzeugt ebenso wie die tonal sehr angenehme Gesamtcharakteristik. Die vier je 15 Watt starken Verstärker stellen genug Reserven unter nahezu allen Bedingungen sicher. Die stabile Bluetooth-Signalübertragung ist zu loben. Leider fehlt der aptX-Support. Ebenso vermissen wir einen 3,5 mm Miniklinkeneingang. 

Zeitlos eleganter Bluetooth-Lautsprecher mit erwachsenem, kräftigen Klang
ueberragend
Bluetooth-Lautsprecher bis 200 EUR
Test 23. September 2014

+ Elegante und zeitlose Optik
+ Sehr gute Verarbeitung
+ Stabile Bluetooth-Verbindung
+ Reichlich Verstärkerleistung
+ Räumlicher und gefälliger Klang
+ Günstiger Preis

– Kein aptX und kein 3,5 mm Miniklinkeneingang

Test: Nicolette Steinbach, Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 23. September 2014




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK