TEST: Canton 2-Wege-Regallautsprecher Reference 9 K – bestechend guter Klang, enorm edle Optik

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Hochwertige Regallautsprecher sind stark nachgefragt. Ideal fürs kleinere Wohnzimmer oder fürs Musikzimmer, vereinen sie eine kompakte Bauform mit mittlerweile nahezu kompletten klanglichen Eigenschaften. Nicht umsonst präsentieren die Hersteller auch in ihren Top-Serien Regallautsprecher, die keinesfalls nur als Rear-Boxen für ein potentielles Mehrkanal-Setup vorgesehen sind, sondern auch als Stereo-Paar eine hervorragende Figur abgeben. Ein Beispiel für diesen Trend ist die Canton Reference 9 K.

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Rückseite komplett

Es handelt sich um einen eleganten, stilsicher gestalteten und von der Materialqualität her hochwertigen 2-Wege-Bassreflex-Regallautsprecher aus der „Reference K“ Top-Lautsprecherbaureihe. In hochglänzendem Weiß ist der Schallwandler bei uns eingetroffen und sieht mit der makellos verarbeiteten Oberfläche und den schicken silbernen Füßen unter dem Boden sehr gediegen aus. Die sich nach hinten verjüngende Bauform sieht nicht nur elegant aus, sondern hat auch den akustischen Vorteil, dass sich im Gehäuse-Inneren keine stehenden Wellen bilden können. Dies kann bei parallel verlaufenden Gehäuse-Wänden durchaus der Fall sein. 

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Stückpreis 1.300 EUR, lieferbar in Lack schwarz oder weiß „Piano Finish“, oder in Kirsche „Piano Finish“. Gediegene Optik, magnetisch haftende Gitter

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Hochwertiges Anschlussfeld mit vier vergoldeten Vollmetall-Schraubanschlüssen für Kabelquerschnitte bis 10 mm2

Das Anschlussfeld ist sehr solide und präzise verschraubt, in unseren Testreihen wurden Bananenstecker ohne Schwierigkeiten entgegen genommen. Eine maximale Belastbarkeit von 200 Watt und eine langzeitige Belastbarkeit von 120 Watt sind ordentliche, wenn auch keine sensationellen Werte. Das gilt auch für den Wirkungsgrad, 87 dB (1 Watt/1 Meter) gibt Canton an. 

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Bassreflex-Öffnung auf der Rückseite. Etwas schmucklos integriert

Bei aller Verarbeitungsqualität haben wir trotzdem zwei kleine Kritikpunkte gefunden. Zum einen ist die Bassreflex-Öffnung auf der Rückseite etwas schmucklos integriert. Einfach schwarz, kein Alu-Zierring oder Ähnliches. Hier zeigt die Konkurrenz, zum Beispiel von Magnat bei den „Quantum“ Boxen, wie man so etwas attraktiver lösen kann. Zweiter Punkt: Muss man die Schrauben, mit denen das Chassis in der Schallwand befestigt ist, wirklich sehen? Hier wäre es optisch attraktiver, wenn die Schrauben unsichtbar wären, gerade bei einer sehr hübschen Box wie der Reference 9 K, die man auch gern ohne das gut verarbeitete Stoffgitter aufstellt. 

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Mittel-/Tieftöner mit Keramik-Wolfram-Membran

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Mittel-/Tieftöner ausgebaut. Auffällig – der große Magnet sowie die solide Gesamt-Konstruktion

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Viel Dämmmaterial im Inneren des Gehäuses. Blick auf die Frequenzweiche

Aufwändig ist die Herstellung des Keramik-Wolfram-Mitteltöners. Dabei wird die Molekular- Struktur eines Aluminium-Konus zu 20 % in eine Keramik-Struktur umgewandelt und mit Wolfram-Partikeln veredelt. Das Ergebnis ist eine Membrane mit optimalem Verhältnis von Steifigkeit zu Gewicht und verbesserter innerer Dämpfung.Im Gegensatz zu manchem Konkurrenten sind die Schrauben im äußersten Ring des Chassis sichtbar. Die Reference 9 K arbeitet tadellos, was den Tiefgang angeht: Eine untere Grenzfrequenz von 25 Hz soll dies auf dem Datenblatt belegen. 

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Keramik-Hochtöner

Canton-Reference-9-K-Hochtoener-ausgebaut

Ausgebauter Hochtöner

Der sauber in die Schallwand des Unibody-Gehäuses eingelassene Hochtöner mit Keramik-Membran stellt Frequenzen bis hoch auf 40 kHz dar. Perfekt für Hi-Res-Audio, aber das darf man in der gehobenen Preisklasse auch erwarten.

Bauen wir die Lautsprecher und das Anschlussterminal aus, so fällt bei Betrachtung der Chassis auf, dass diese gleichermaßen robust wie aufwändig konstruiert sind. Große Magneten sichern eine enorme Leistungsfähigkeit. Keine Besonderheiten weist die Frequenzweiche auf. 

Canton-Reference-9-K-Standfuss

Füße im Detail

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Magnetisch haftendes Lautsprecher-Schutzgitter

Die Reference 9K ist für Impedanzen zwischen 4 und 8 Ohm geeignet. Das Stück wiegt satte 14 kg, und der Lautsprecher ist 25 cm breit, 40 cm hoch und 38 cm tief.

Klang

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Optisch edel und dezent, akustisch feinauflösend und doch nachdrücklich

Nun sind wir gespannt – wie hört sich der schmucke 2-Wege-Bassreflex-Regallautsprecher in den ersten Checks an? Bei „Crisis Time“ von Bad Religion (Flac 88,2 kHz/24-Bit) liefert die Reference 9 K eine tolle Performance ab. Sie klingt sehr angenehm, aber gleichzeitig ungemein lebendig und bietet über den gesamten Frequenzbereich eine sehr gute Auflösung. Die hohe Dynamik des Punkrock-Songs bereitet dem Schallwandler aus Hessen keinerlei Schwierigkeiten. Nur ordentlich Leistung sollte der angeschlossene Verstärker haben – denn wie die Praxis zeigt, ist der Wirkungsgrad als höchstens durchschnittlich zu bezeichnen, trotz Bassreflex-Konstruktion. 

„California Dreamin“ in der Adaption von Diana Kralls „Wallpaper“ Album zeigt die Qualitäten der Canton-Regalbox ebenfalls eindrucksvoll auf. Das Klavier sowie Dianas rauchige Stimme werden, bedingt durch das enorme Auflösungsvermögen, sehr authentisch und beinahe ohne Distanz zum Zuhörer getragen. Sehr gelungen: der kräftige, fundierte Bassbereich, der die Daten von Canton mit dem sehr guten Tiefgang glaubwürdig erscheinen lässt. Straff, aber mit Wucht: Die Reference 9 K macht hier alles richtig und beeindruckt auch ungemein durch den sehr kultivierten Gesamt-Klang, der auch bei beachtlichem Pegel uneingeschränkt erhalten bleibt.

Bei „I’m not in Love“, ebenfalls von Dianas „Wallflower“ Album, präsentiert sich die Reference 9 K wieder als Harmoniespender, dessen enorm kraftvoller, tief nach unten reichender Bass wirklich überrascht. Manch ein Anwender wird verzweifelt nach einem größeren Standlautsprecher suchen, der sich wohl irgendwo im Hörraum verborgen hält. Doch weit gefehlt, nur die Reference 9 K befindet sich im Einsatz, und nicht nur der Nachdruck, sondern auch die Präzision im Bassbereich ist hervorragend. Hinzu kommt das ausgezeichnete Auflösungsverhalten, gerade, was der Keramik-Hochtöner hier zu bieten hat, ist exzellent. Die als tief und gleichzeitig weitläufig empfundene Räumlichkeit bleibt selbst in größerem Hörraum erhalten. 

Jan Lundgrens „Flowers of Sendai“ (Flac 88,2/24) unterfüttert das überdurchschnittliche Auflösungsvermögen, das wir schon zuvor feststellten, weiter. Die Anschlagdynamik des Pianos arbeiten die beiden Reference 9 K gelungen heraus, der Klang erscheint in jeder Sekunde ungemein kultiviert, allerdings erstickt dieser geschliffene Auftritt nicht eine direkte Form der klaren Lebendigkeit. Die Reference 9 K ist ein sehr dynamischer und zugleich ein akustisch sehr angenehmer Lautsprecher, und das ändert sich auch bei beträchtlichem Pegel nicht. 

„Basil“ von Mark Knopfler (Flac 192 kHz/24-Bit) sollte sich sehr gut eignen, um die Qualitäten der Reference 9 K herauszustellen – und, wie es zu erwarten war, managt die Box diesen Song ausgesprochen überzeugend. Marks Stimme ist enorm charismatisch, zusammen mit dem Gitarrenspiel wird eine dichte, emotionale Hörumgebung geschaffen. Man versinkt in der Musik, und zwar mühelos, denn der Canton-Lautsprecher ermuntert den Hörer, auch mal den Pegel weiter hoch zu schrauben, um sich dann von „seinem“ Sing fesseln zu lassen. Man hört sehr entspannt, gleichzeitig animiert die Reference 9 K den Hörer, ruhig genauer der Darbietung zu lauschen. Die immer wieder begeisternde Auflösung „drängt“ sich nicht auf, sondern verhilft dem Sing zu einem ganzheitlichen Erscheinungsbild, mit feinen Übergängen und hoher Gesamt-Homogenität. 

„Nessun Dorma“ aus Puccinis „Turandot“, in Flac 96 kHz/24-Bit vorliegend, wird von Star-Tenor Jonas Kaufmann gesungen. Die sehr präzise und zugleich enorm angenehme Abstimmung der Reference 9 K lässt hier die Herzen von Opernfreunden höher schlagen. Ideal fürs Musikzimmer oder das kleinere Wohnzimmer (bis gut 20 Quadratmeter) geeignet, spielt die Reference 9 K groß auf und stellt die Stimme des Tenors in vielen Facetten dar. Die Streicher dokumentieren ebenfalls, wie hervorragend das Auflösungsvermögen ist – hinzu kommt die exzellente Loslösung des Klangs von den Chassis. 

Was zeichnet die Canton Reference 9 K im Speziellen aus? Hervorragende Boxen gibt es viele, das, was an der hessischen Konstruktion herausragt, ist die selten anzutreffende Mischung aus spontaner Dynamik und einer enormen klanglichen Gesamtharmonie. In diesem extrem hohen Maße ist das auch nicht „typisch Canton“ – die Reference 9 K setzt hier wirklich einen neuen Maßstab, der auch über die Grenze der Preisklasse hinausreicht. Stundenlang mit hohem Entspannungsfaktor hören, einfach abschalten – mit der Canton-Box geht dies spielerisch einfach. Sie holt den Hörer zu sich aufgrund der Mischung aus Auflösung, Homogenität und luftiger Räumlichkeit – nie fühlt man sich vom Lautsprecher angestrengt oder überfordert. 

Konkurrenzvergleich:

Dali Epicon 2 Gruppenbild8

  • Dali Epicon 2 (4.600 EUR Paarpreis): Dalis Spitzen-Regallautsprecher beeindruckt schon optisch durch eine enorme Noblesse, die noch über der liegt, die die Canton Reference 9 K aufbieten kann. Die Epicon 2 ist doppelt so teuer wie die Reference 9 K, dafür aber stellt sie auch akustisch eine Offenbarung dar. Schon die Reference 9 K klingt besser als das, was die meisten Hörer kennen, die edle Dali legt nochmals mehr subtile Räumlichkeit und Auflösungsvermögen oben drauf. Das verlangt aber auch nach einer extrem hochwertigen Hi-Fi-Kette als Zuspieler. 

KEF_R300

  • KEF R300 (knapp 1.300 EUR Paarpreis):  Die R300 ist preislich günstig, optisch edel und bietet ein tolles Auflösungsvermögen. Perfekte Gruppenlaufzeiten sind dank des Uni-Q-Koaxial-Chassis realisiert worden. Die Pegelfestigkeit ist gut, setzt aber keine Maßstäbe. Eine nuVerso 60 oder auch die Reference 9 K bieten hier mehr. 

Nubert nuVero 60 Gruppenbild1

  • Nubert nuVero 60 (1.570 EUR Paarpreis): Das kennen wir von Nubert – maximale Leistung zum überraschend günstigen Kaufpreis. Die enorm detailreich und gleichzeitig kraftvoll klingende nuVero 60 macht hier keine Ausnahme. Sehr gut verarbeitet und mit tadelloser Materialqualität sowie ungemein aufwändiger Frequenzweiche markiert sie klar den Standard in der Preisklasse bis 1.000 EUR/Stück. Nun, die Reference 9 K ist mit 1.300 EUR deutlich teurer pro Stück, wo liegt der Mehrwert? In noch höherer Materialqualität und teurem Membran-Material. Akustisch tut sich die Reference 9 K durch den erweiterten Hochtonbereich (das ist allerdings Dauer-Streitthema – wie wirkt sich der Oberwellenbereich, den man nicht direkt wahrnimmt, tatsächlich aus?) für optimale Hi-Res-Audio-Eignung hervor. Zudem besticht die Reference 9 K durch die extreme akustische Homogenität – beide Regalboxen sind demnach „Leader“ in ihren Preisklassen. 
Fazit

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Die Canton Reference 9 K ist ein erstklassiger Regallautsprecher, der mit beeindruckendem Auflösungsvermögen, größtmöglicher akustischer Gesamtharmonie und einer dichten, fein gestaffelten Räumlichkeit für Furore sorgt. Passend zu diesem akustischen Eindruck ist die feine Verarbeitung, die hohe Materialqualität und die edle Optik. 

Meisterstück aus Hessen: Die Canton Reference 9 K bietet ein nahezu optimales Gesamtkonzept
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Gesamt-Referenz Regallautsprecher
Test 31. Juli 2017

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 31. Juli 2017




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