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Filmkritik: „Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Star Wars - Das Erwachen der Macht

Mit dem „Krieg der Sterne“ legte George Lucas 1977 den Grundstein für eine der populärsten Filmreihen der Filmgeschichte. Spätestens nach der düsteren Fortsetzung „Das Imperium schlägt zurück“ (1980) und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) wurde „Star Wars“ endgültig zum Kult. Jahrelang gab es anschließend nichts Neues aus der Welt von Han Solo und Luke Skywalker ausser ein paar kosmetischen Veränderungen der drei „Original Trilogy“-Filme und als schließlich 1999 „Episode I – Die dunkle Bedrohung“ als Anfang einer neuen Trilogie über die Vorgeschichte von Darth Vader und Obi-Wan Kenobi in die Kinos kam, verlegte George Lucas den Schwerpunkt der Handlung von einem todbringenden Kampf zwischen einem allmächtigen Imperium und einer verschlagenen Gruppe von Rebellen auf eine weitaus weniger bedrohlich wirkende Vorgeschichte. Alles wurde bunter und mehr auf ein viel jüngeres Publikum zugeschnitten, dass sich mit dem kleinen Klugscheisser Anakin identifizieren sollte. Es gab digitale Effekte im Überfluss, viele künstlich wirkende Green Screen-Aufnahmen und wer schon die Ewoks aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ nicht ertragen konnte, entdeckte neue Abgründe der Grausamkeit mit jedem Auftritt von Jar Jar Binks. Und die Prequels wurden auch in den beiden Fortsetzungen nicht viel besser. Erst das Finale von „Episode III – Die Rache der Sith“ brachte etwas von der finsteren Atmosphäre der ersten „Star Wars“-Trilogie zurück.

26 Jahre später soll „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ endlich an die Zeit nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ anknüpfen. Und die Erwartungshaltung der Fans an J.J. Abrams, ihnen das zu bieten, was sie eigentlich bereits 1999 von George Lucas erwartet hatten, steigerte sich seit dem 2012er-Ausstieg von George Lucas aus seiner eigenen Firma Lucasfilm ins Unermessliche. Doch gleichzeitig muss Abrams mit diesem neuen Film den Spagat schaffen, nicht nur die älter werdenden Fans zu begeistern, sondern auch ein neues, jüngeres Publikum zu gewinnen, welches mit den grau gewordenen Helden Han Solo und Prinzessin Leia nicht so viel verbindet und durch die Marvel-Filme heutzutage ein noch viel höheres Action-Tempo gewohnt ist.

Dieser Balance-Akt gelingt Abrams hervorragend. Der Film sieht nicht nur optisch fast genau so aus wie die „Original Trilogy“ und wirkt trotz einiger digitaler Effekte sehr „handgemacht“, sondern ist auch vollgepackt mit Momenten, die dem Zuschauer nur allzu vertraut vorkommen. Anleihen bei der Prequel-Trilogie sind hingegen kaum zu erkennen. Es gibt zwar auch immer wieder einige amüsante Momente, die aber nicht albern wirken. Auch die Art und Weise, wie anfangs mehrere Handlungsstränge parallel erzählt werden und man nach und nach einige Geheimnisse dieser exotischen Welten entdeckt, folgt dem großen Vorbild. Dabei versteht es der Film, sich Zeit zu lassen, bis man auch die altbekannten Helden wieder sieht. Und es gibt wieder das volle Programm: Stormtrooper-Action, heulende X-Wing-Fighter, Laserschwert-Kämpfe, viele exotische Figuren – und den „Millennium Falcon“ ohne Ende. Teilweise wirkt der Film dadurch aber auch wie ein Remake und bietet wenige richtige Überraschungen ausserhalb des Erwartungsrahmens.

Das Drehbuch, welches Lawrence Kasdan zusammen mit J.J. Abrams vollendet hat, ist voller nostalgischer (aber kitschfreier) Momente, die den Zuschauer ähnlich in eine Film-Welt aus den Siebziger Jahren zurückversetzen, wie es J.J. Abrams bereits mit „Super 8“ vormachte. Die Atmosphäre von „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ ist fast genau so wie in der „Original Trilogy“. Gleichzeitig werden aber auch die neuen Helden hervorragend eingeführt und diese spielen bereits in „Das Erwachen der Macht“ eigentlich die wichtigste Rolle. Das sind vor allem der desertierte Stromtrooper Finn (John Boyega) und die kämpferische Rey (Daisy Ridley), denen mit Adam Driver als Kylo Ren ein Bösewicht gegenüber steht, der nicht nur genau so erbarmungslos-brutal wie Darth Vader ist sondern seine Wut noch weniger zäumen kann.

„Star Wars: Das Erwachen der Macht“ ist für fast zwei Stunden ein überwiegend sehr temporeicher Sci-Fi-Action-Film, der wie im Flug vergeht. Lediglich das Finale wirkt leider etwas unnötig in die Länge gezogen. Dafür erspart J.J. Abrams aber zum Glück wenigstens dem Zuschauer ein Wiedersehen mit Jar Jar Binks, von dem weit und breit nichts zu sehen ist.

„Star Wars: Das Erwachen der Macht“ läuft seit dem 17. Dezember in den deutschen Kinos und erscheint voraussichtlich im April/Mai auf Blu-ray Disc & DVD.

Bildquelle: Lucasfilm/Disney

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