TEST: Klipsch 2-Wege Bassreflex-Regallautsprecher Reference Premiere RP-600M - dynamisch, kraftvoll und pegelfest

Dynamisch, pegelfest, kraftvoll aufspielend und mit einem genialen Wirkungsgrad versehen: Das sind klassische Klipsch-Tugenden. Doch in der letzten Zeit sind die US-amerikanischen Boxen immer kultivierter und ausgewogener geworden. Klipsch nur für Heavy Metal und Trance-Tracks sowie für Hip-Hop? Diese Zeiten sind vorbei - auch bei der neuen, für rund 650 EUR Paarpreis erhältlichen Zweiwege-Regalbox Reference Premiere RP-600M, die kürzlich neu auf den Markt kam? Unser Test gibt Auskunft darüber. 

Rückseite

Die RP-600M hat den Anspruch, bei kompakten Abmessungen einen vollen, kräftigen Klang, aber auch ein sehr gutes Auflösungsvermögen zu entwickeln. Um dieses Ziel zu erreichen, greift Klipsch auf einen sehr guten Hochtöner zurück: Der 2,54 cm Titanium LTS Vented Tweeter mit Hybrid Tractrix Hornvorsatz verspricht einen hohen Wirkungsgrad (96db), eine ansprechende Auflösung und eine tolle Dynamik, Bis auf 25 kHz spielt der Hochtöner hinauf.

Hochtöner

Tiefmitteltöner

Sprachen wir eingangs nicht noch von einem kräftigen Klang? Dafür steht der 16,5 cm Tief-/Mitteltöner mit Cerametallic-Membran in charakteristischer Kupfer-Farbgebung, bis 45 Hz spielt die RP-600M mit dieser Bestückung hinunter. Für die Kraft im Bassbereich ohne störende Strömungsgeräusche gibt es auf der Rückseite der RP-600M den "Rear-Firing Tractrix Port" mit spezieller Formgebung als Bassreflex-Öffnung. 100 Watt dauerhafte und 400 Watt kurzzeitige Belastbarkeit sind gute Werte.

Bassreflexöffnung

Terminals

Mit einer Höhe von 39,9 cm, einer Breite von 20,2 cm und einer Tiefe von 30,1 cm ist die RP-600M gut unterzubringen. Sie ist ausschließlich in Schwarz lieferbar, verfügt über Bi-Wiring-Terminals und ein magnetisch haftendes Lautsprecher-Gitter. Solide verarbeitet ist die RP-600M auf jeden Fall - wie klingt sie? Hier folgen erste Antworten. 

Klang

Linkin Park  - "One More Night"

Wir beginnen mit dem Song "One More Light" von Linkin Park. Die Stimme des charismatischen und leider schon verstorbenen Sänger Chester Bennington verkraftet die Klipsch RP-600M erstaunlich gut für diese Preisklasse. Die Stimmwiedergabe klingt nicht zu spitz und kann auch bei höheren Pegeln souverän glänzen. Da der Song von Chesters Stimme und den einsetzenden kräftigen Bässen lebt, können wir wir auch hier verkünden, dass selbst der massiv einsetzende Bass die RP-600M nicht aus dem Konzept bringt.

Rammstein - "Du Riechst So Gut"

Nach einer schönen Ballade schalten wir wir einen Gang höher und lassen uns von der RP-600M Rammstein "Du riechst so gut" servieren. Bei diesem Stück zeigt die Klipsch Box, was an Pegelfestigkeit und Dynamik in ihr steckt. Sie schafft es auch hier, zu überzeugen: Ein breites Bühnenbild sowie die harte, zudem präzise Basswiedergabe (was manche Standbox nicht schafft) überzeugen uns hier. Auch die Stimmfarbe von Till Lindemann ist für manche, selbst teurere Lautsprecher als kritisch anzusehen, so aber nicht bei der RP-600M: Gelassen und mit sehr guter vokaler Dynamik geht die RP-600M hier vor. Auch die aggressiv einsetzende E-Gitarre wird nicht zu spitz dargestellt, sondern verbindet Dynamik mit einem homogenen Charakter.

Andrea Bocelli/Sarah Brightman - "Time to say goodbye"

Bei "Time To say Goodbye" von Andrea Bocelli und Sarah Brightman muss die RP-600M wieder ihre sanftere Seite "hervorkramen", gleichzeitig aber darf der monumentale, kraftvolle Charakter des Stückes nicht verloren gehen. Insgesamt klingt die Klipsch RP-600M hier fein und natürlich, sowohl bei Sarahs als auch bei Andreas Stimme. Die Trennung von Gesang und instrumentalen Teil gelingt sehr überzeugend. Natürlich, das müssen wir gleich hinzufügen, ist das Ergebnis immer In Relation zur Preisklasse zu sehen. Wer wirklich auf Details achtet, auf eine hervorragende Staffelung der Bühne oder eine plastische vokale Präsenz, der sollte gleich deutlich mehr Geld in die Hand nehmen, Aber für die günstige Preisklasse weiß die RP-600M absolut zu gefallen. 

Damian Marley - "Welcome To Jamrock"

Als nächsten widmen wir uns dem Reggae-Genre. Wir starten mit Damian Marley, Sohn des berühmten Reggae-Stars Bob Marley. Bei "Welcome to Jamrock" hauen uns die RP-600M förmlich die Gesangseinlagen "um die Ohren". Gepaart mit einem sehr tiefen und klar strukturierten Bass überzeugt uns auch hier der Kompaktboxen-Spross aus dem Klipsch Sortiment. Die Souveränität ist ausgezeichnet, aber auch die "Feelings", die die RP-600M glaubwürdig freisetzt, sprechen für die US-Konstruktion. Räumlich dicht und recht ausgewogen, kann man Reggae-Klängen auch gern über eine längere Zeit mit höherem Pegel lauschen. 

Dynoro, Gigi D'Agostino- "In My Mind"

Wir setzen unsere Testreihen mit "In My Mind" von Dynoro, Gigi D'Agostino fort und sind sehr überrascht, wie kraftvoll die Regalbox aus dem Hause Klipsch auch hier anschiebt. Die RP-600M startet mit einem sehr kräftigen, zugleich präzisen Bass und auch der mangels Differenzierungsvermögen oft eher kritische Gesang wird klar und mit ausgezeichneter Auflösung dargestellt, ohne dabei schrill oder metallisch zu wirken. Das Bühnenbild wirkt auch bei diesem Song wieder sehr groß und gut gestaffelt.

Klassik – Antonio Vivaldi, Vier Jahreszeiten – Der Frühling Largo und Allegro, CD, Stereo:

Nicht immer war die Kombination Klipsch und Klassik akustisch erfolgversprechend - wie sieht es bei der RP-600M aus? Die klare Darstellung der Streicher mit detaillierten Höhen überzeugt, und das Ergebnis wirkt nicht so spitz wie erwartet, sondern bleibt auch bei höherem Pegel angenehm und ausgewogen. Zu loben sind der sehr gute Bühnenaufbau mit präziser Ortungsmöglichkeit der einzelnen Instrumente. Für die Preisklasse erstaunlich ist die exzellente Loslösung des Klangs von den Lautsprechern, es entsteht ein sehr räumlicher Eindrück der breiten, gut durchhörbaren und akkurat gestaffelten Bühne. Auch die Differenzierung der einzelnen Instrumente kann überzeugen, höherwertige Komponenten definieren die einzelnen Violinen selbstverständlich noch genauer. Der akustische Eindruck erscheint insgesamt voluminös, auch die atmosphärische Dichte kann begeistern. Die insgesamt hohe Ausgewogenheit und saubere Balance würde man bei der Kombination mit dem Horn-Hochtöner nicht in dieser Form erwarten. Klipsch-typisch ist die Grobdynamik toll, schnelle Wechsel sind kein Problem, der flinke Antritt ist allzeit ein Vorzug. Auch feindynamisch wird mit charakteristischen Eigenschaften der Streichinstrumente überzeugt - insgesamt nicht nur eine gute, sondern eine ausgezeichnete Leistung.

Trance/House – Leonard Cohen, Paul Kalkbrenner ,  You Want it Darker, Paul Kalkbrenner Remix, Stereo

Hier fällt uns eingangs nur eine Formulierung ein: Wahnsinn, wie die Regallautsprecher hier nach vorne schieben, Kickbass und Punch sind extrem nachdrücklich. Kraft scheint hier beinahe im Übermaß vorhanden zu sein (extremer Hub der Tiefmitteltöner), der Sound ist auch bei hohem Pegel souverän. So voluminös und kraftvoll, wie die RP-600M agiert, denkt man, dass ein großer Standlautsprecher die Wiedergabe übernommen hat. Einzig beim Tiefgang verraten sich die kompakten Gehäuseabmessungen; die RP-600M spielen recht tief hinunter, hier geht aber noch mehr - kein Wunder, zaubern können auch die Klipsch-Ingenieure nicht. Untypisch für frühere Klipsch-Lautsprecher: Der Bass ist nicht nur nachdrücklich, sondern auch sehr präzise, es findet kein Nachschwingen der Membran statt. Auch hier wieder notieren wir eine überragende Räumlichkeit und zudem eine ausgezeichnete Darbietung der Stimme von Leonard Cohen: Charakteristisch rau und harsch wird sie wahrgenommen.In Kombination mit kraftvollem Verstärker (der aber auch kein "Kraftwerk" sein muss, dem guten Wirkungsgrad sei Dank) beschallen die Klipsch RP-600M völlig unproblematisch auch größere Zimmer und wirken völlig mühelos, trotz des enormen Bass-Spektakels agieren die RP-600M souverän auch bei sehr hohem Pegel.

Allgemeine Anmerkungen

  • Fast eine Sensation, wie kraftvoll, voluminös und räumlich die Regallautsprecher aufspielen
  • Die überragende Souveränität und Power geht ein wenig auf Kosten von Präzision und absolut akkurater akustischer Darstellung – allerdings agieren sie hier immer noch gut und schieben dafür brachial nach vorne und spielen sehr nachdrücklich auf
  • Stellen mühelos und mit enormer Kraft Kickbässe dar, von denen wir erwartet hätten, dass sie diese Kompaktboxen sofort überfordern
Konkurrenzvergleich

Wer noch deutlich weniger Geld zur Verfügung hat, aber trotzdem richtig guten Klang genießen möchte, kann zur Elac Debut 2.0 B5.2 greifen. Lediglich 300 EUR Paarpreis, aber dafür eine ausgewogene, harmonische und klare Wiedergabe. Klar, dass die RP-600M deutlich mehr anschiebt, zudem grobdynamisch besser ist und auch, was die Pegelfestigkeit angeht, die Nase vorn hat.

Die akustisch neutral auftretende, sehr gut verarbeitete B&W 606 ist eine tolle Alternative für 700 EUR Paarpreis. Für denjenigen, der das klassische HiFi-Ideal schätzt, die richtige Wahl. Die Klipsch RP600M spielt emotionaler und druckvoller. 

Extrem kompakt hinsichtlich der Abmessungen, sehr kultiviert antretend und überaus sauber verarbeitet: Wer nur sehr wenig Platz zur Verfügung hat und auf hohem Level eine kleinere Lokalität beschallen möchte, liegt bei der Dali Opticon 1 für einen Paarpreis von knapp 700 EUR richtig.

Fazit

Das, was sich schon im Preview andeutete, bestätigt sich auch im finalen Test: Die Klipsch RP-600M weiß, zu überzeugen Und die RP-600M ist keine Standbox, sondern ein Regallautsprecher! Immer muss man sich diese Tatsache vor Augen führen, wenn man der RP-600M lauscht. Volumen, Pegelfestigkeit und Tiefgang liegen auf einem Level, der einigen Standlautsprechern gut zu Gesicht stehen würde. Auch die richtig gute Stimmwiedergabe spricht für die RP-600M - in ihrer Preisklasse zweifelsohne eine der besten Alternativen, die der Markt aktuell bereit hält. 

Dynamisch und kraftvoll, dabei gleichzeitig kultiviert und angenehm: Die Klipsch RP-600M kann vollauf begeistern

Regallautsprecher bis 1.000 EUR Paarpreis
Test 05. Dezember 2018

Test: Sven Wunderlich, Carsten Rampacher, Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 05. Dezember 2018

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