TEST: JBL Headphone Synchros S500

In schwarzer oder weißer Version ist der neue Over-Ear-Kopfhörer JBL Synchros S500 für 299 EUR lieferbar. Das edle Stück sorgt mit Ohrpolstern aus Leder, Ohrmuscheln aus Alu, einem Kopfband aus Metall und exzellenter Verarbeitung schon direkt nach dem Auspacken für Furore. Es gibt noch viel teurere Kopfhörer, doch nur wenige sind noch besser verarbeitet als der edle JBL.  Alle Passungen sind gleichmäßig und klein, so dass man bilanzierend den Eindruck hat, ein Premium-Produkt vor sich zu haben.

Hochwertige Materialqualität, außen bestehen die Ohrmuscheln aus Alu

Praktisch zusammenfaltbar

Hochwertiges Kopfband

Präziser Verstellmechanismus im Detail

Der Synchros möchte mit edler Optik und hochwertiger Technik punkten

Transportbox

Aktivierung von Pure Bass

Der Synchros ist aber nicht nur optisch gelungen, sondern tritt auch mit enorm aufwändiger Technik an. JBLs „Pure Bass“ Technologie funktioniert beim S500 mit 2 x AAA-Batterien und soll eine besonders kräftige, effektive und gleichzeitig präzise Basswiedergabe ermöglichen. 20 Stunden lang soll „Pure Bass“ mit den beiden Batterien arbeiten. Natürlich ist der Hörer auch für das passive Hören ohne die „Pure Bass“ Technologie geeignet. Ein Schalter auf der Unterseite der linken Ohrmuschel aktiviert und deaktiviert das System. Eine grüne LED signalisiert, dass Pure Bass aktiv ist. Das „LiveStage“ DSP sorgt des Weiteren für fesselnden, mitreißenden Klang.

Starke 50 mm Treiber garantieren akustische Souveränität und Pegelfestigkeit auf hohem Niveau. Der Frequenzgang reicht von 10 Hz bis 22 kHz, maximal verkraftet der Synchros S500 30 mW Eingangsleistung. Die Empfindlichkeit iegt bei 117 dB. Praktisch ist das abnehmbare Kabel, das in unserem Falle eine Kabelfernbedienung für die Nutzung zusammen mit Apple iOS-Geräten beinhaltet, die tadellos funktioniert. Im Lieferumfang enthalten ist auch eine Transportbox sowie ein zweites Kabel mit universeller Fernbedienung für die Nutzung zusammen z.B. mit Android-Smartphones.

Klang

Beim Jens O-Tanzflächen-Kracher „Blinded By The Night“ entpuppt sich der Synchros S500 als echter JBL-Kopfhörer: Er schiebt ordentlich an und realisiert einen sehr guten Tiefgang. Die Stimme der Sängerin kommt ausgezeichnet heraus. Die vom Hörer empfundene Räumlichkeit ist dicht und intensiv. Schon bei diesem Test-Beispiel merken wir, dass der JBL ein Kopfhörer sein möchte, der „anmacht“ – nichts für empfindsame und zurückhaltende Naturen. Beim 2013er Remix des Klassikers „Baker Street“ durch DJ Ross&Marvin beeindruckt der JBL-Kopfhörer durch den trockenen, harten Bass und den sehr schnellen, raumfüllenden Aufbau. Er fügt jeden neuen elektronischen Effekt gekonnt hinzu und berücksichtigt kleine dynamische Differenzen dabei sehr gut. Mit richtige Verve tritt das Saxophon in Erscheinung: Klar, frisch und mit Nachdruck ertönt das Instrument. Nach der Einlage wird der harte Beat erneut kraftvoll wiedergegeben. Da der Synchros S500 offensichtlich mit dieser Art von Musik gut zurecht kommt, haben wir noch „We Don’t Care“ von AK Babe (Remix by DJ Antoine) angehört: Auch hier beeindruckt der JBL durch Pegelfestigkeit (Vorsicht ist hier geboten – es können schwere Gehörschäden entstehen, wenn man mit dem Kopfhörer über längere Strecken laut hört! Lieber den Pegel zurücknehmen!)  – aber, und das gefällt uns sehr, auch bei moderater Lautstärke schafft er schon ein lebendiges, mitreißendes Klangbild. Er reißt allerdings den  Hörer durch seine dynamische Auslegung immer mit – damit ist er genau der richtige Kopfhörer für den Anwender, der gern mit dem Synchros auf dem Kopf auch mal spontan das Tanzbein zur Musik schwingt, kurzum: Der Anwender, der im Hören ein intensives „Erleben“ sieht, wird hier fokussiert. Diesen Erlebnisfaktor bietet der JBL in hoher Konzentration.

Und wie sieht es mit 96 kHz HiRes-FLAC-Dateien aus? Bei Diana Kralls „Miss You So“ beweist uns der Synchros, dass er auch mit solcher Musik sehr gut umgehen kann.  Er liefert einen atmosphärisch dichten, runden Klang mit solidem und jederzeit spürbarem Fundament. Richtig gut arbeitet der Over-Ear-Hörer das Klavier heraus: Die Anschlagdynamik der Tasten ist gut heraus zu hören.  Das gilt auch für den Anfang von „Garden In The Rain“, ebenfalls in 96 kHz und von Diana Krall. Hier zeigt uns der JBL seine sensible Seite, und beweist, wie viel Atmosphäre er schaffen kann.  Dianas Stimme arbeitet er überrraschend sauber und facettenreich heraus. Auch das Anzupfen der Saiten des Basses wird glaubwürdig präsentiert.

Wie geht der JBL mit Klassik um? Hier haben wir einen „Liebling“ aus unserer Test-Musikstück-Sammlung verwendet: Das erste Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nr. 4, KV 218. Der JBL beweist hier ein ausgeprägtes Talent auch im Umfang mit klassischer Musik – das war JBL-Headphones nicht unbedingt immer eigen.  Normalerweise waren innerhalb des Harman Konzerns hier eher die Kopfhörer von AKG zuständig. Der JBL aber zeigt auch deutliche Ambitionen und gibt das Stück enorm lebendig und mit klarer Staffelung wieder.

Am Ende der Testreihen bewegen wir uns zurück auf typisches JBL-Terrain. Die Punkrock-Band Bad Religion ist schon längst Legende, serviert mit dem Album „True North“ erneut typische Rhythmen. Bei uns liegt das Album in 88,2 kHz/FLAC vor. Und es verwundert kaum, dass der Synchros hier richtig Gas gibt: Bei „True North“, „Popular Consensus“ und bei „Hello Cruel World“ wird ein straffer, zugleich kraftvoller Bass geboten, der gewollt aggressive Charakter der Punk-Hymnen wird sehr gut herausgearbeitet. Die Räumlichkeit ist erneut ausgezeichnet.

Im Vergleich mit anderen uns bekannten JBL-Kopfhörern klingt der Synchros S500 im Hochtonbereich etwas aggressiver und dominanter, ohne es aber zu übertreiben. Gerade für Punkrock und Heavy Metal, aber auch für Trance und Hip-Hop eignet er sich enorm gut. Hier ist besonders die batteriebetriebene „Pure Bass“ Technologie zu nennen, die die herausgehörten, besonders kraftvollen, aber gleichzeitig präzisen Bässe ermöglicht.

Aber, und das ist eine Überraschung, auch bei klassischer Musik schlägt er sich nicht nur wacker, sondern spielt nuancenreich und authentisch auf. Also ein echter Universalist, und der stolze Besitzer kann sich über das gelungene Zusammenwirken der zahlreichen JBL-Technologien freuen.

Für den Synchros S500 spricht auch der sehr gute Tragekomfort. Das äußerst solide Stück Technik liegt angenehm am Kopf an und lässt sich sehr gut anpassen. Die Ohrpolster sind nicht zu schweißtreibend, das hochwertige Leder, das hier zum Einsatz kommt, macht sich offenbar bezahlt. Auch nach mehreren Stunden Tragen ist der Hörer nicht unkomfortabel. Praktisch ist überdies, dass das Anschlusskabel nur an einer Seite fixiert ist. Das ist für den mobilen Einsatz ein echter Vorteil. Zudem ist das Anschlusskabel abnehmbar, so ist es dann auch ein Leichtes, das Kabel zu tauschen.

Im Konkurrenzvergleich treten verschiedene Hörer gegen den Synchros S500 an. Zu nennen wäre der hervorragende On-Ear-Hörer mit aktivem Noise Cancelling PSB M4U2, der zwar mit rund 450 EUR kostspielig ist, aber dafür auch erstklassig arbeitet. Er geht sehr nachdrücklich an seine Aufgaben heran und ist ebenso wie der JBL nicht die allererste Wahl für sensiblere Naturen. Das Noise Cancelling ist sehr effektiv und verursacht ebenso wie JBLs Pure Bass Technik (die aber eine andere Aufgabe hat – nämlich die Bassgüte zu verbessern, hat nichts mit Noise Cancelling zu tun) nur geringes Rauschen – das der Anwender aber wahrnimmt, in beiden Fällen. Vergleichen wir nun direkt, so ist festzustellen, dass das Preis-/Leistungsverhältnis für den JBL Synchros spricht. Wer oft fliegt oder sich in Gegenden mit massiven Hintergrundgeräuschen aufhält, kann den teureren PSB nehmen, der überdies ausgezeichnet verarbeitet ist und noch eine Idee räumlicher darstellt. Bedenkt man aber, dass der Synchros rund 150 EUR günstiger und sogar noch minimal edler verarbeitet ist, kann man sagen, dass der Synchros starke Argumente für sich hat.

Der AKG Q 701 ist – damals – teurer gewesen (knapp 500 EUR) und detailliert besonders gut. Er ist feinsinnig und neutral ausgelegt und spricht den sensiblen Anwender an, der auf jede Nuance achtet und auf höchsten Facettenreichtum Wert legt. Unserer Meinung fällt es schwer, beide Headphones miteinander zu vergleichen, weil der Q 701 ein Heimkopfhörer ist und sich aufgrund der Impedanz nicht für den mobilen Einsatz eignet. Wir haben den Vergleich trotzdem gewagt, um zu zeigen, was es für unterschiedliche klangliche Konzepte gibt: Hier den kraftvoll und solide aufspielenden Synchros und dort der Meister des Feinen von AKG.

Mit 199 EUR deutlich günstiger ist der Philips Fidelio M1. Er ist für sein Geld exzellent verarbeitet und ist komfortabel zu tragen. Allerdings ist sein Klangbild deutlich schlanker und weniger von intensiver Räumlichkeit geprägt. Dafür differenziert er Stimmen und Instrumente für seine Preisliga ausgezeichnet auseinander und schafft im Bassbereich zwar kein besonders hohes Volumen, aber eine beachtliche Präzision.

Fazit

Der Hightech-Kopfhörer von JBL kann durch die Bank punkten: Herausragend verarbeitet, mit bester Materialqualität, immensem technischen Aufwand (Pure Bass), hohem Tragekomfort und mitreißendem Klang. Schwächen kann man beim Synchros S500 lange suchen – und wird vielleicht beim mit knapp 300 EUR recht hohen Preis landen. Doch dieser relativiert sich, wenn man sieht, was an Geld für manch anderen, klanglich durchaus vergleichbaren Kopfhörer zu berappen ist. Also schneidet der Synchros selbst beim Preis-/Leistungsverhältnis gut ab, was letzten Endes zu einem mustergültigen Testergebnis führt.

Hightech-Kopfhörer mit mitreißendem Klang und exzellenter Verarbeitung
Kopfhörer bis 300 EUR
Test 06. Dezember 2013

+ Enorm kräftiger und gleichzeitig präziser Bass
+ Grob- und Feindynamik hervorragend
+ Räumlichkeit glaubwürdig
+ Hoher Tragekomfort
+ Exzellente Material- und Fertigungsqualität

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich




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