TEST: Elac Aktiv-Monitor AM 200 – klassischer „Aktivist“ mit JET-Hochtöner

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Aktivlautsprecher sind derzeit ein Trend – nicht nur professionelle Anwender und „Prosumer“, sondern auch „Otto Normalverbraucher“ interessieren sich brennend für Lautsprecher mit eingebauten Endstufen. Natürlich ist jeder Wireless Multiroom Lautsprecher auch ein aktiver Lautsprecher, aber um diese Spezies geht es hier nicht. Wir haben den pro Stück 599 EUR kostenden 2-Wege-Bassreflex-Aktiv-Monitor Elac AM 200 zu Gast in der Redaktion und sprechen von einem klassisch ausgelegten Tool. Kein USB-DAC und kein Bluetooth und keine Vorstufen-Sektion – der AM 200 ist auf ein Quellgerät mit Lautstärkeregelung angewiesen. Vom gesamten Produkt-Konzept, so scheint es zunächst, kann man den AM 200 in etwa mit dem Quadral Aurum Altan Aktiv vergleichen, der mit 1.400 EUR pro Stück aber deutlich teurer ist.

Wer genauer hinschaut, sieht auch große konzeptionelle Differenzen. Während der Altan Aktiv normalerweise im Wohn- oder Musikzimmer untergebracht wird, ist der AM 200 als Nahfeld-Monitor einzustufen, der sich auch im semiprofessionellen Musikstudio gut macht. Auch neben dem PC kann der AM 200 gut seine angestammte Position beziehen. Also stellt Elacs AM 200 eher ein Konkurrenzprodukt zum Canton AM 5 dar, der Paarpreis der hessischen Aktivisten liegt mit knapp 700 EUR aber deutlich unter Elac-Niveau.  

Elac bestückt den sehr akkurat verarbeiteten aktiven Lautsprecher im Bicolor-Design (weißes Gehäuse, schwarze Schallwand) mit einem hochwertigen JET 5 Bändchenhochtöner und mit einem 150 mm Aluminium-Sandwich-Tief-/Mitteltöner. Für den Vortrieb im Inneren sorgen Class AB-Endstufen mit insgesamt 80 Watt (Tieftöner und Hochtöner werden jeweils separat angesteuert) für standesgemäßen Vortrieb. 

Elac-Active-Monitor-AM-200-Anschluesse-Bedienelemente

XLR/Cinch als analoge Anschlüsse, zudem koaxialer sowie optischer Digitaleingang bis 192 kHz/24-Bit

Die AM 200 Aktivbox wiegt 7,5 kg pro Stück, sie ist 292 mm hoch, 198 mm breit und 280 mm tief. Der darstellbare Frequenzbereich geht von 38 Hz bis 50 kHz – dank des JET 5 Hochtöners eignet sich Elacs Konstruktion auch sehr gut für die Darstellung von HiRes-Audio-Dateien. Dem im Wege steht allerdings der fehlende USB-DAC. Der eingebaute D/A-Wandler ist hochwertiger Natur und kann bis zu 192 kHz/24-Bit verarbeiten – der koaxiale Digitaleingang und der optische (TOSLINK) Digitaleingang nehmen auch bis zu 192/24 entgegen, wenn man entsprechende Quellen hat. Ansonsten finden sich symmetrische XLR-Anschlüsse von Neutrik, alternativ steht Cinch für den Anschluss z.B. an eine Vorstufe zur Verfügung. 

Ein fünfstufiger Wahlschalter, der auf mehrere Filterstufen gleichzeitig Einfluss nimmt, erlaubt eine präzise Anpassung der AM 200 an die jeweiligen raumakustischen Gegebenheiten. Daher spielt es keine Rolle, ob der Aktivmonitor wandnah, auf dem Sideboard, oder frei aufgestellt wird. Allerdings ist der AM 200, so viel sei hier schon verraten, vom „Herzen her“ ein Nahfeld-Monitor, das heißt, ganz gleich, wie der Schalter auch steht, zu weit weg sollte man sich nicht bewegen, möchte man die hohen klanglichen Fäähigkeiten der Kieler Box genießen. Elac setzt auch auf einen dreistufigen Gain-Steller, um den Aktivmonitor korrekt an die Ausgangsspannung des jeweiligen Quellgerätes anzupassen. Eine automatische On-/Standby-Funktion ist auch an Bord. 

Elac-Active-Monitor-AM-200-Front-Seitlich

Die AM 200 Aktivbox sieht sehr gut aus – wenn man Bicolor-Design mag, geht sie sogar als richtige „kompakte Schönheit“ durch

Elac-Active-Monitor-AM-200-Hochtoener

JET 5 Hochtöner

Elac-Active-Monitor-AM-200-Tiefmitteltoener

150 mm Tiefmitteltöner mit Alu-Membran

Elac-Active-Monitor-AM-200-Rueckseite

Rückseite komplett

Wir erwähnten eingangs bereits die sehr gute Verarbeitung. Diese untersuchen wir nun im Detail. Das komplette Boxengehäuse und die Schallwand sind hochwertig matt lackiert. Ob man nun die Bicolor-Farbgebung schätzt oder nicht, das Finish ist makellos. Der JET 5 Hochtöner und der Aluminium-Tief-/Mitteltöner sind ohne sichtbare Schrauben und die Schallwand eingelassen. Das Innenleben des AM 200 Aktivmonitors zeigt hochwertige Baugruppen. 

Elac-Active-Monitor-AM-200-Innenleben1

Elektronik komplett

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Ringkerntransformator für hohe Stromlieferfähigkeit

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Layout im Detail

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Übersichtliche Verkabelung

An Bord ist ein Ringkerntransformator für eine stets hohe Stromlieferfähigkeit. Alles ist auch im Detail gut verarbeitet, so dass wir nun gespannt sind, ob sich der AMM 200 Aktiv-Monitor auch aus klanglicher Sicht gut schlägt. 

Klang

Wir hören uns in Flac verschiedene HiRes-Audio-Dateien an und beginnen mit einigen Stücken aus Diana Kralls „Wallflower“ Album. „I’m Not In Love“ macht hier den Anfang, und ja, ein echter Elac-Lautsprecher: Sofort hören wir die für den JET 5 Hochtöner typische feine Detaillierung und die enorme Brillanz bei gleichzeitig angenehmer Gesamt-Akustik heraus. Das Klavier und die Streicher werden hervorragend präsentiert, und die Stimme Dianas hat die charakteristische rauchige Ausprägung. Wir haben an irgendeiner Stelle vom etwas schlanken Bassbereich, den die AM 200 angeblich haben soll, gelesen – und denken uns unseren Teil. Man muss immer berücksichtigen, dass man keinen vom Gehäusevolumen her großen Lautsprecher vor sich hat, sondern einen kompakten aktiven Monitor. Ist alles korrekt eingestellt, ist es verblüffend, wie satt und gleichzeitig klar der Bass ist. Eine reife Leistung von Elac, von zu schlank oder von mangelndem Durchsetzungsvermögen keine Spur. „In My Life“ wird ebenfalls hochklassig wiedergegeben. Wieder begeistert uns die Einarbeitung des Klaviers, und die sensible Behandlung von Dianas Stimme. So fein, so filigran – absolut hochklassig, was der AM 200 Aktivmonitor hier abliefert. Der Musik-Kenner, der eine kleine aktive Box für sein Musikzimmer sucht, einfach zum Genießen anspruchsvoller Klänge, liegt hier zweifelsohne richtig und muss überdies kein Vermögen investieren. 

Es folgt in 96 kHz/24-Bit „Nessun Dorma“ aus Puccinis „Turandot“, gesungen von Jonas Kaufmann. Der Elac-Monitor zeigt sich „linientreu“ und findet Anerkennung durch die geschliffene Präsentation von Jonas‘ Stimme. Der Chor im Hintergrund wird mit sehr guter Trennschärfe herausgearbeitet. Die präzise und doch schön-sanfte Präsentation der Streicher belegen aufs Neue, dass der JET 5 nicht umsonst einer der besten Hochtöner der Welt ist. Für einen aktiven Monitor dieser Preisklasse und Gehäusegröße ist das räumliche Volumen, das bereitgestellt wird, exzellent. Aus dem ersten Akt der Puccini-Oper „Tosca“ stammt „Recondita armonia“ – sehr seidig, sehr geschmeidig, aber gleichzeitig frisch-dynamisch macht sich der AM 200 ans Werk. Kleine dynamische Differenzen holt er zuverlässig ans Licht, und er agiert untadelig impulstreu. Lauter hören kann man problemlos. Leistung steht ohne Zweifel genug zur Verfügung, und der AM 200 wird weder schrill, noch finden sich Einbrüche bei der Gesamtdynamik. 

Klassisch geht es weiter, mit dem 1. Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert in D-Dur, Köchelverzeichnis 218. Wie harmonisch, aber gleichzeitig spritzig der Elac-Monitor das sehr melodiöse Allegro akustisch abbildet, verdient großen Applaus. Vor allem hat uns überzeugt, wie authentisch dynamisch Unterschiede herausgestellt werden. Die Violinen-Soli leben von der ausgezeichneten Durchzeichnung und der in sich schlüssigen klanglichen Auslegung, nicht zu aggressiv oder zu metallisch. Rund, homogen, klar – diese Attribute kennzeichnen das gesamte Wesen des AM 200, der sich somit überragend auch für anspruchsvolles Quellmaterial eignet. 

Nun folgt „Basil“ in 192 kHz/24-Bit, der Track stammt aus Mark Knopflers „Tracker“ Album. Es war schon zu erwarten – der AM 200 kommt exzellent mit diesem melancholischen Stück zurecht und modelliert die akustische Gitarre sowie Marks Stimme sehr plastisch heraus. Grandios, wie gut sich die Stimme vom kleinen Lautsprechergehäuse löst. Hier kann man wahrhaftig die Augen schließen und mit Genuss zuhören. Der kräftige, immer sauber ausbalancierte Bassbereich vervollständigt unsere Eindrücke. Auch „Beryl“, der nächste Song, füllt den Hörraum mit akkurat aufbereitetem, feinem und lebendigen Sound. Der Rhythmus wird mit enormer Treffsicherheit herausgearbeitet, und die Trennung der Stimme Marks von den Instrumenten wirkt über alle Maßen glaubwürdig. 

„Diamante“ von Sandra und Tony Alessi wird von uns immer wieder gern genommen in den HiRes-Flac-Testsequenzen. In 96 kHz/24-Bit Stereo liegt dieses Stück vor. Und das tief im Song verankerte italienische Flair bringt das Elac-Aktivboxenpaar hervorragend zur Geltung. Auch bei gehobenem Pegel bleibt die AM 200 souverän und bringt auch kleine akustische Einzelheiten sehr gut zur Geltung. Die räumliche Staffelung gelingt ohne Fehl und Tadel, der Zuhörer hat den Eindruck, ins musikalische Geschehen richtig eintauchen zu können. Der frei aufspielende Hochtonbereich mit sehr guter Brillanz kennzeichnet den Elac JET 5 Hochtöner auch bei diesem Test-Beispiel. 

Und wie sieht es bei bassstarken Trance-Stücken wie „Remember Me“ von AIDA in 44,1 kHz/16-Bit, also in CD-Qualität aus? Verblüffend ist auch hier wieder die dichte räumliche Wirkung, und auch der Bass liefert eine starke Leistung ab. Die AM 200 schiebt dank aufwändiger Endstufen- und Chassis-Technik richtiggehend an und sorgt auch bei solchem Quellmaterial für ein entsprechend intensives Hörerlebnis. Nach dieser famosen Leistung geht es  mit dem Trance-Track „Icarus“ von Flutlicht weiter. Die bewusst leicht aggressiven vokalen Elemente kommen gut heraus. Der Bassbereich verwischt jede Zweifel: Die AM 200 ist ein absolutes Multitalent, das durch die Bank für enorme Hörfreude sorgt. Der Lautsprecher schiebt mit einem Nachdruck an, den man gerade bei den für den Track typischen knallharten Kickbässen nie erwartet hätte. Gratulation an Elac – eine exzellente akustische Performance ohne Einschränkungen. 

Beim 80er Jahre Track „In Private“ von Dusty Springfield (12 Inch-Version) übertrifft sich die AM 200 mit sattem, klarem Bass einmal mehr selbst und beeindruckt dadurch, dass auch bei hohem Pegel keinerlei Strukturen verloren gehen. Der Song in WAV 44,1 kHz/16-Bit macht sehr viel Spaß, die hervorragend herausgearbeitete Stimme Dustys und gleichzeitig der vehemente Bass-Einsatz bringen Freude beim Hören. Der Rhythmus wird absolut impulstreu wiedergegeben, und die räumliche Tiefenwirkung ist immens. 

Konkurrenzvergleich

Canton AM5 Gruppenbild1

  • Günstiger, sauber verarbeitet, akustisch tadellos: Für rund 700 EUR Paarpreis ist der Canton Aktiv-Monitor AM 5 eine preiswerte Alternative. USB-DAC und komplette Vorverstärkersektion fehlen auch hier. 

Nubert nuPro A-300 Gruppenbild2

  • Nubert nuPro A-300: Ja, die Schwaben wieder. Als geizig verschrien, aber auch als geniale Konstrukteure weltweit geschätzt. Da macht Nubert keine Ausnahme – wobei Geiz erfreulicherweise nur beim Kaufpreis waltete. Die große Aktivbox nuPro A-300 kommt auf lediglich 525 EUR Stückpreis und somit auf 1.050 EUR Paarpreis und ist komplett ohne Vorverstärker zu nutzen. Auch ein USB-DAC ist an Bord. Dass hier eine optimale Leistung fürs Geld geboten wird, zeigt die extreme klangliche Stärke: Neutral, und abnormal pegelfest, weist die sehr gut verarbeitete aktive Schwäbin die Konkurrenz in die Schranken. Das gelingt der AM 200 im Hochtonbereich – gegen die JET 5 Hochtöner ist Nuberts Kalotte bei Brillanz und Feinauflösung knapp im Hintertreffen. 

Aurum Altan Aktiv Gruppenbild4

  • Quadral Aurum Altan Aktiv: Es dürfte kaum einen noch bezahlbaren aktiven Regallautsprecher geben, der so geschliffen, so emotional und so brillant klingt wie der Altan Aktiv. Mit 1.400 EUR/Stück ist er zwar alles andere als ein Schnäppchen, dafür erfüllt er souverän auch höchste Ansprüche. Detailverliebt auf der einen Seite, gnadenlos zuschlagend auf der anderen – der leistungsstarke Hannoveraner Lautsprecher vereint auch scheinbare Widersprüche. Er ist exzellent verarbeitet und besticht durch überragende Materialqualität. Für den Betrieb wird wie beim AM 200 Aktivmonitor eine Vorstufe benötigt, da keine Lautstärkeregelung vorhanden ist. Vergleichen wir mit der Konkurrenz von Elac, fällt aber auf, dass für den kleineren Hörraum auch der preisgünstigere AM 200 eine äußerst verlockende Alternative ist – das aufwändige Endstufenlayout ist ähnlich wie beim Altan Aktiv, und der JET 5 Hochtöner bietet die identische Auflösung wie das Bändchen-Pendant beim Altan Aktiv. 
Fazit

Elac-Active-Monitor-AM-200-Gruppenbild2

Grandios, der Wahnsinn – was der Aktiv-Monitor AM 200 leistet, verdient höchsten Respekt. pegelfest, dynamisch, mit sattem Bass, und herausragendem Detaillierungsvermögen gesegnet, wird ein Niveau geboten, das der Preisklasse mehr als nur würdig ist. Vielmehr wird mit dem Kieler Angebot auch der anspruchsvolle Musikliebhaber angesprochen, der gern Klassik oder Jazz hört. Gleichzeitig aber kann die AM 200 auch „Druck im Club“ machen und holt sich viele Lorbeeren für die exzellente Kickbasswiedergabe ab. Gut, leider gibt es keinen USB-DAC, aber das ist der einzige Makel. Verarbeitung, Materialqualität und die sonstige Anschlussbestückung lassen kaum Wünsche offen. 

Elacs Sound-Ass: Ob Klassik, Jazz oder Trance, der AM 200 Monitor beeindruckt stets mit exzellenter Performance
preisklassenreferenz
Aktivmonitore bis 1.000 EUR/Stück
Test 29. März 2017

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 29. März 2017




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