SPECIAL: Acht Lautsprecher-Paare von Klipsch und Jamo – paarweise im Vergleich

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Insgesamt acht Lautsprecher-Paare, vier von Jamo und vier von Klipsch, haben wir jeweils zu Zweiergruppen zusammen gefasst und gegeneinander gehört.  Als Zuspieler dienten Komponenten von Musical Fidelity:

  • M6 CD 24 Bit/192kHz CD-Player
  • M6 DAC Upsampling D/A Converter
  • M8 Pre Fully Balanced Pre-Amplifier
  • 2 Mono-Blöcke M8 700M als Endstufen

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Musical Fidelity-Komponenten

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M6 CD und M6 DAC

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Pre-Amp M8 Pre

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M8 700M Mono-Blöcke

Jamo C-95 und C-103

Wir haben hier eine Standbox der „einfacheren“ Concert-Serie – die C-95 mit schlichterer Gehäuseverarbeitung – im Vergleich mit der C-109, sozusagen dem direkten „Regallautsprecher-Pendant“ des Topmodells C-109 mit aufwändigem Finish. Kann die C-109 ihren Mehrpreis herausspielen?

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Jamo C-103 und C-95 nebeinander

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C-103 in Weiß

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Töner der C-95

Preise: C-95 schwarz, Stück 450 EUR, Paar demnach 900 EUR
C-103, hochglanz schwarz, hochglanz weiß,  Paarpreis 1.500 EUR, in Walnut 1.800 EUR

CD „Cosmic Gate – Rhythm & Drums“. Stücke: „Open The Gate“, Exploration Of Space“, „Fire Fire“:

Schon beim Auftakt mit tiefen Bass-Sequenzen liefert die C-103 eine ordentliche Performance ab und stellt einen guten Tiefgang sicher.  Allerdings wirkt die günstigere C-95 noch satter und offeriert zudem das anscheinend bessere Auflösungsvermögen – das gilt allerdings nicht für die anderen Klangbeispiele, aber das Intro der Cosmic Gate-CD offensichtlich ideal für die C-95. Die C-95 klingt insgesamt etwas feiner, bringt noch mehr Struktur ins akustische Geschehen. Der schlanke Standlautsprecher glänzt auch dann, wenn die Pegel höher werden, und schafft ein sehr gutes Volumen. Die Stimmen werden eine Idee sauberer von den Instrumenten getrennt, dafür ist bei der C-103 die Tonalität im Hochtonbereich noch etwas angenehmer.  Im Kickbassbereich liefert die C-103 eine überragende Leistung ab und übertrifft hier die gute C-95.

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Tiefmitteltöner der C-103

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Lautsprecher-Terminals

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Seitliche Ansicht

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C-95 Oberfläche

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Traversenfuß der C-95

CD „s080s“, Volume 2, Howard Jones, „What Is Love?“

Hier spielt die C-103 im Mitteltonbereich fundierter und ausgewogener. Die C-95 wirkt nicht so vielschichtig, die Mitten sind zurückhaltender. Der Bass gefällt durch Kraft und Volumen, bei beiden Jamo-Boxen.  Dynamisch agieren ebenfalls beide Schallwandler, der Klang ist von Lebendigkeit geprägt. Die Schwächend des Quellmaterials in Form etwas schneidender Höhen kompensiert die C-103 besser.

Felix Mendelssohn Bartholdy, Konzert-Ouvertüre „Die Hebriden“, Opus 26:

Hier beweist die C-103, wie flexibel sie ist: Auch Klassik liegt ihr absolut. Klar, detailreich und mit sehr ausgeprägter räumlicher Tiefe überzeugt sie uns. Die deutlich günstigere C-95 spielt auch recht natürlich und frisch, die Mitten haben bei der C-103 aber mehr Substanz und sind feiner aufgegliedert. Der Hochtonbereich offeriert in beiden Fällen viel Strahlkraft, die bei der C-103 aber homogener und harmonischer in den Hörraum gelangt.

Fazit: Beide Jamo-Boxen sind in Relation zum Preis ausgezeichnet. Mit mehr Räumlichkeit, der größeren Homogenität und der besseren Staffelung macht die edle C-103 deutlich, dass der anspruchsvolle Musikliebhaber hier sehr gut bedient wird. Die C-95 glänzt mit tollem Preis-/Leistungsverhältnis und schlanker Optik.

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Jamo C-109 und C-97

Wenden wir uns nun den größeren Jamo Concert-Modellen zu.  Auch hier „kämpft“ wieder die optisch schlichtere, sehr deutlich günstigere C-97 Standbox gegen die edle C-109 als Spitzenmodell der Baureihe.

Preise: Jamo C-97 schwarz, Apfel dunkel: Stückpreis 600 EUR, Paarpreis 1.200 EUR, Jamo C-109: Walnut Stückpreis 1.800 EUR, Paarpreis 3.600 EUR, hochglanz weiß und hochglanz schwarz: Stückpreis 1.500, Paarpreis 3.000 EUR

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Töner im Vergleich

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Seitliche Ansicht

CD „The Very Best of 1990 – 1997,  Dr. Alban“,  „It’s my Life“, (Sash! Remix):

Die kleinere, preislich sehr günstige C-97 beweist sich als „Spaßbox“ mit toller Dynamik und druckvollem Bass fürs Geld. Pegelfest ist die C-97 auch noch, für 600 EUR Stückpreis demnach ein hervorragendes Angebot. Die teils etwas schlichte Verarbeitung hinten nimmt man in Anbetracht so guter gesamtdynamischer Fähigkeiten gern in Kauf. Die große C-109 verdeutlicht objektiv betrachtet ihren großen Mehrpreis sehr anschaulich. Mehr Struktur, bessere Feindynamik, mehr Staffelung in der Räumlichkeit – all dies zeichnet die C-109 aus. Sie ist, was kaum verwundert, noch pegelfester, wenn es „ernst wird“ und trennt unterschiedliche akustischen Ebenen gerade bei hohem Pegel deutlicher voneinander.

CD „Within Temptation – The Heart Of Everything“, Track: „What have You done?“ (featuring Keith Caputo):

Hier stechen die dynamischen Qualitäten beider Jamo-Kandidaten hervor. Klar, dass die C-109 die nochmals umfassendere akustische Wirkung bereit hält.  Bei ihr wirkt alles noch souveräner, direkter, mit mehr „Punch“. Die preiswertere C-97 hält für ihren Kaufpreis ausgezeichnet dagegen und  beeindruckt mit viel Lebendigkeit und einer guten räumlichen Ausbreitung. Beide Lautsprecher sind recht frisch ausgelegt und bringen durchaus Schmiss in die Höhen gerade bei größerer Lautstärke. Die C-109 ist mit fundierterter, besser durchstrukturierter Stimmwiedergabe im Vorteil.

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Hochtöner der C-97

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Oberfläche der C-97

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Hochglanz bei der C-109

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Rückseite der C-97

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Tieftöner der C-109

CD „Felix Mendelssohn Bartholdy – Symphonie Nr. 3 a-moll, Opus 56 „Die Schottische“:

Erstaunlicherweise erzielt schon die C-97 gute Leistungen bei dieser schwierig zu handhabenden Symphonie. Musik-Kenner allerdings vermissen etwas Kontur und Detailreichtum bei den Streichern. Die Wiedergabe dieser musikalischen Einzelheiten gelingt der C-109 verständlicherweise besser. Sie agiert graziler, bringt die verschiedenen Instrumente mit mehr Glaubwürdigkeit heraus. Dynamiksprünge managt schon die C-97 sehr gut, die C-109 bringt dynamische Unterschiede noch spontaner, noch dichter zum Ausdruck.

Fazit: Der „Spaßhörer“ mit größerem dynamischen Anspruch, der schlichtweg viel für sein Budget geboten bekommen möchte, fährt mit der C-97 ausgezeichnet. Die C-109 vernachlässigt den Spaß keinesfalls, modelliert aber feiner, spielt harmonischer, gleichzeitig noch impulstreuer auf. Die edlere Optik passt hier zum akustischen Auftritt.

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Klipsch R-26F und R-28F

Klipsch: Floorstand-Lautsprecher R-28F (Stück in schwarz: 550 EUR, Paarpreis 1.100 EU) und  R-26F (Stück in schwarz 400 EUR, Paarpreis 800 EUR):

CD „The Very Best Of Gloria Gaynor“, „I will survive“:

Beide Klipsch-Lautsprecher beweisen ein gutes Talent bei der Stimmwiedergabe, die größere R-28F löst die Stimme von Gloria allerdings deutlich besser von den Chassis. Gerade für größere Hörräume oberhalb der 25 Quadratmeter profiliert sich die R-28F: Sie hat einfach mehr räumliche Weite und auch räumliche Dichte. Wo die kleinere R-26F dann beginnt, akustisch „zu verhungern“, da streckt sich die R-28F nochmals und bietet gerade bei gehobenem Pegel eine hervorragende Weitläufigkeit. Wie wir es von Klipsch-Boxen kennen, präsentieren sich beide Lautsprecher in grobdynamisch überragender Verfassung. Hier spielt auch schon die R-26F groß auf, wird aber von  der R-28F übertroffen. Die gute Detaillierung ist ebenfalls beiden Lautsprechern eigen – dass Klipsch-Schallwandler, selbst in diesen günstigen Preisklassen, nur oberflächliche Dynamik bieten, diese Zeiten sind vorbei.  Mit solidem Bass trumpft schon die R-26F auf, die R-28F legt aber noch ein „paar Schippen“ obendrauf und liefert viel Nachdruck sowie Volumen.

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Besonders Kennzeichen beider Lautsprecher: Bassreflexöffnung vorne

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Töner im Vergleich

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Oberfläche

CD „Felix Mendelssohn Bartholdy – Symphonie Nr. 4 A-dur Opus 90 „Die Italienische“

Klipsch und Klassik? Geht gar nicht. So urteilen viele „Fachmänner“. Unser Urteil: Unfug pur. Denn lebendig, dynamisch und mitreißend gibt die R-28F die emotionale Symphonie wieder. Sicher holen teurere Schallwandler mehr Details und Kontur aus dem Inhalt heraus, aber für diesen Kaufpreis liefert die R-28F eine nicht nur solide, sondern absolut überzeugende Leistung ab. Sie klingt auch bei gehobenem Pegel nie angestrengt, sondern stets souverän und lässig, ohne allerdings ins Oberflächliche abzudriften. Die kleinere R-26F hält gut mit und empfiehlt sich als Alternative für kleinere Hörräume. Durch die geringeren Abmessungen und ihr deutlich schlankeres Auftreten dürfte die R-26F auch von der „besseren Hälfte“ eher durchgewunken werden als die doch massiger auftretende R-28F. Und für gerade einmal 400 EUR UVP (Marktpreis liegt darunter) spielt auch die R-26F tadellos auf und zeigt, dass auch klassische Musik ohne Probleme in guter Form dargestellt werden kann.
 
CD „Trance 2012 – The Vocal Session“, CD 1: „Feel it“ – Pulsemaster DJ Team

DAS ist Klipsch-Musik! Hier legt die R-28F ab, als gäbe es kein Morgen mehr. Mit hartem, tief nach unten reichendem Bass werden Pegel erzielt, die dem „Privat-Club“ im Partyraum im Keller eine echte Chance geben. Die Cerametallic-Membranen lenken auch bei großer Beanspruchung noch ohne störende Partialschwingungen aus, der Sound bleibt klar, satt und extrem dynamisch. Die räumliche Wirkung ist für die Preisliga grandios. Die kleinere R-26F kommt hier nicht ganz mit, wirkt nicht so gelassen und kraftvoll-räumlich bei hoher Lautstärke.  Trotzdem erzielt sie noch deutlich höhere Pegel als die meisten Kontrahenten in ihrer Preisklasse. Prima lösen sich schon bei der R-26F Effekte von den Chassis, klar ist, dass die größere R-28F dies noch besser macht.

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Hochtöner der R-28F

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Tiefmitteltöner der R-28F

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Traversenfuß

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Lautsprecher-Terminal an der R-26F

Fazit:

Top-Boxen für kleines Geld – die Klipsch-Modelle R-26F und R-28F sind weitaus mehr als einfach nur eine „rustikale Männerbox“. Sie kommen mit vielen Musikarten sehr gut zurecht und überzeugen durch Dynamik und Pegelfestigkeit – gleichzeitig aber ist die Wiedergabe tonal angenehm und souverän. Besonders die größere R-28F liefert für ihren Kaufpreis eine erstklassige Leistung ab und „watscht“ die etwas teurere Jamo C-97 gleich kräftig mit ab – hier scheitert die Jamo in allen Belangen, sie mag moderner aussehen, erzielt aber nicht die akustische Klasse der Klipsch R-28F.
Klipsch RP-280F (ebony, cherry, Stückpreis jeweils 750 EUR, Paarpreis 1.500 EUR, Klipsch  RP-260F (ebony, cherry, Stückpreis jeweils 600 EUR, Paarpreis 1.200 EUR).

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Links: RP-280F; Rechts: RP-260F

Klipsch: Floorstand-Lautsprecher RP-280F (Stück in schwarz: 750 EUR, Paarpreis 1.500 EUR) und RP-260F (Stück in schwarz: 600 EUR, Paarpreis 1200 EUR).

CD „Cosmic Gate – Rhythm & Drums“, Track „Fire Wire – DJ Scot Remix“

Das Klipsch-Feuerwerk geht hier in die nächste Runde. Gerade die RP-280F schießt alle Arten von Bass-Salven mit enorm hohem Nachdruck in den Hörraum und übertrifft die günstigere R-28F nochmals. Noch pegelfester, noch nachdrücklicher und gleichzeiti präziser – unglaublich, welche Reserven in der RP-280F stecken. Klar und mit weitläufiger Wirkung kommen alle elektronischen Effekte heraus. Die RP-260F befindet sich trotz nicht zu üppiger Abmessungen beinahe auf dem Level der großen R-28F aus unserem ersten Klipsch-Vergleich. Was hier geht, ist für eine Standbox mit noch absolut vertretbaren Abmessungen wirklich überragend. Klar, dass die RP-280F noch dynamischer und pegelfester ist, aber schon die Reserven der aufs Paar und die UVPs umgerechnet 300 EUR günstigeren RP-260F wird kaum jemand im Alltag ausreizen.

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RP-260F und RP-280F einzeln nebeneinander

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Tiefmitteltöner der RP-280F

CD „The very Best of Gloria Gaynor“, Track „Never can say Goodbye“:

Relaxed, mit klarer Stimmdarstellung und erneut exzellenter Dynamik – die RP-280F macht richtig Freude und ist auch hinsichtlich der gebotenen Auflösung auf beachtlichem Level. Die kleinere RP-260F entfaltet, gerade bei hohen Lautstärken spürbar, nicht ganz so viel intensive Raumwirkung. Der Klang löst sich auch nicht ganz so gut  von den Chassis. Das ist allerdings „Meckern auf hohem Niveau“ – denn schon die RP-260F erzielt tadellose Ergebnisse und spielt entspannt, aber niemals fade auf. Beide Klipsch-Boxen präsentieren sich als tonal gut ausbalanciert, der enorm hohe Wirkungsgrad ist zu loben. Aggressiv oder zu dominant im Hochtonbereich – wie früher – tritt keiner der beiden Klipsch-Standlautsprecher auf.

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Oberfläche in schwarz bei der RP-280F

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Standfuß RP-260F

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Standfuß RP-280F

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Oberfläche der RP-260F

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Lautsprecher-Terminals

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Bassreflexöffnung

CD „Felix Mendelssohn Bartholdy – Symphonie Nr. 4 A-dur Opus 90 „Die Italienische“

Klipsch und Klassik – bei der teureren Baureihe funktioniert diese Paarung noch besser.  Mit angenehm vollem Klang, guten Übergängen zwischen den einzelnen Frequenzbereichen und einer sehr guten (RP-280F) beziehungsweise guten (RP-260F) räumlichen Staffelung wird selbst der Hörer mit gewissem Anspruch und einer größeren Hörerfahrung angenehm von den Fähigkeiten beider Klipsch-Lautsprecher überrascht sein. Feindynamik ist bei beiden in ordentlichem Umfang vorhanden, in Kombination mit der besser dosierten und deutlicher ausgeprägten Räumlichkeit kommt diese bei der RP-280F noch besser heraus.

Fazit: Und wieder gibt es jede Menge Lautsprecher fürs Geld – Pegel-Fanatiker, die zudem einen auch bei enormem Pegel ausgewogenen Klang schätzen, greifen zur RP-280F. Die kleinere RP-260F ist für Hörräume bis rund 30 Quadratmeter eine beinahe ebenso gute Wahl. Dynamisch und nachdrücklich geht es auch bei ihr voran. Die Klipsch-Boxen sind bei unterschiedlichen Musikstilen immer in ihrem Element, auch vor einer gelungenen Wiedergabe von klassischer Musik „schrecken“ sie nicht zurück.

 

Special: Carsten Rampacher, Philipp Kind
Datum: 12.07.2016




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