TEST: Eversolo SE100 - optisch individuell gestaltete passive Kompaktlautsprecher für 499 EUR Paarpreis
Klang
Wir haben uns nicht lumpen lassen und den Premium-Streamingverstärker AVM Evolution AS 3.3 mit den SE100 verbunden - da können die preiswerten Boxen mal zeigen, zu welchen Leistungen sie in Verbindung mit einem echten Könner seines Fachs fähig sind.
Wir starten mit Klangbeispielen, die wir über TIDAL Connect gestreamt haben. Die 2011er Remaster-Version des Queen-Evergreens "Radio Gaga" wird durchaus ansprechend wiedergegeben Zwar steht Freddies Stimme, die ansonsten sauber getroffen wird, minimal im Hintergrund, dafür löst sich der Klang gut von den beiden kompakten Lautsprechern. Die SE100 spielen homogen und schlüssig auf. Bis zu Pegeln, die deutlich über der viel zitierten Zimmerlautstärke liegen, bleibt die Wiedergabe souverän. Erst, wenn man sich dem Maximum der möglichen Belastbarkeit nähert, nimmt das Differenzierungsvermögen ab, die Dynamik wird eingedampft und der Klang bekommt einen leicht blechernen Touch. Doch für den Einsatzzweck, für den die Lautsprecher geschaffen sind, nämlich zum vergleichsweise günstigen Kaufpreis eine lebendige, gefällige Akustik im Wohnzimmer zu ermöglichen, eignen sich die Eversolo-Boxen sehr gut .
Nun wird es klassisch - und komplex. Denn die legendäre Arie "Nessun Dorma" aus Puccinis "Turandot", gesungen von Jonas Kaufmann, stellt durchaus gehobene Anforderungen an die Wiedergabekette. Daher waren wir durchaus skeptisch, wie die SE100 mit diesem Stück zurechtkommen. Also starten wir die Wiedergabe, zunächst mit moderatem Pegel - und was wir hier vernehmen, ist für den schmalen Kaufpreis richtig gut. Jonas' Stimme wird tadellos getroffen, und die Gewichtung der vokalen Komponente im Vergleich zu den instrumentalen Anteilen ist ebenfalls gelungen. Auch die Strukturen der dargestellten akustischen Objekte wirken sauber definiert. Der Chor, der sehr sensibel und feinfühlig in Erscheinung tritt, wird treffend charakterisiert. Insgesamt eine sehr respektable Leistung, die deutlich über dem liegt, was man für knapp 500 EUR erwarten darf. Nur, wer kräftig am Pegelregler dreht, merkt, dass es für sehr hohe Lautstärken dann doch pegelfestere Boxen sein müssen.
Wir setzen fort mit "Till Tomorrow" von Till Brönner & Yello. Der nicht einfach darzustellende Bass wird gut getroffen, und die räumliche Wirkung ist von Beginn an prima. Ausgezeichnet arbeiten die beiden Regallautsprecher Tills Trompete heraus, die Konturen sind einerseits nie zu scharf, andererseits immer so prägnant, dass das Ergebnis nicht unpassend verwaschen wirkt. Homogen und durchstrukturiert, so kennen wir die SE100, und exakt so gehen sie auch hier wieder vor. Die Auflösung über den gesamten darstellbaren Frequenzbereich erweist sich als hoch für die Preisklasse, gerade kleine Elemente im Hochtonbereich werden akkurat erfasst.
"What A Wonderful World" in der Version von Chris Botti und Mark Knopfler gelingt den SE100 besonders überzeugend. Das liegt vor allem an der bei diesem Titel wirklich exzellenten Stimmwiedergabe. Aber auch das Klavier wird hinsichtlich der Temperatur ausgezeichnet getroffen, und der Bassbereich wirkt rund, es lässt sich aber auch an der Präzision nichts aussetzen. Im weiteren Verlauf des Titels ertönt dann auch eine E-Gitarre, die sich harmonisch ins akustische Gesamtgeschehen eingliedert, zugleich aber tadellose Konturen aufweist.
Machen wir weiter mit "Zombie" von den Cranberries. Hier beweisen uns die beiden kompakten Eversolo-Lautsprecher, dass das, was der Hersteller über die dynamischen Qualitäten aussagt, durchaus der Wahrheit entspricht: Bei diesem kraftvollen Track schieben die beiden Boxen mit einem Nachdruck an, der uns unerwartet trifft. Das breite vokale Spektrum der leider mit nur 46 Jahren im Jahre 2018 verstorbenen Cranberries-Sängerin Dolores O'Riordan kommt ausdrucksvoll heraus, von sanften Tönen bis zu absolutem "Volldampf" bleiben die SE100 erfolgreich am Ball. Sie realieren darüber hinaus auch bei diesem Stück wieder eine realistisch auftretende Räumlichkeit, die in Weite und Tiefe gut definiert ist.
Wir beenden unsere Session mit Fritz Kalkbrenners "Calling You" - und wieder erweisen sich die beiden SE100 als dynamische Vertreter ihrer Art, die aber trotzdem angenehm klingen und es auch bei diesem Track schaffen, die grundlegenden akustischen Elemente hinsichtlich ihrer Ebenen gekonnt auseinander zu differenzieren. Der Bassbereich ist straff sowie kraftvoll und wird auch bei gehobenem Pegel nicht unpräzise, sondern bleibt kontrolliert und tadellos durchhörbar.
Konkurrenzvergleich

Wharfedale Diamond 12.2i: Der akustisch stark auftretende Wharfedale-Regallautsprecher erweist sich als pegelfester im Vergleich zu den SE100. Sonst aber sind die SE100 ein durchaus unangenehmer Konkurrent. Beide Boxen spielen dynamisch und sehr lebendig auf und sind sehr gut verarbeitet. Während die Höhen bei den Diamond 12.2i noch mehr Struktur aufweisen, kontern die SE100 mit einer enorm dichten Räumlichkeit gerade im Nahfeld.

Canton GLE 20 S2: Mit einem Paarpreis von 638 EUR ist Cantons ebenfalls noch recht frischer GLE 20 S2 Regallautsprecher knapp 140 EUR teurer als der SE100 (jeweils auf den Paarpreis bezogen). Und das spürt man klanglich schon, denn der GLE 20 S2 bringt noch etwas mehr Kontur in seine gesamte Darstellung und wirkt bei hohem Pegel gelassener - es ist erstaunlich schwer, die kompakten Hessen aus der Komfortzone zu locken. Aber, das muss man auch ehrlich sagen, die preiswerteren Eversolo-Lautsprecher kämpfen keinesfalls "auf verlorenen Posten", sondern sind gerade bei Räumlichkeit, Homogenität und Klarheit erstaunlich nahe dran.

KEF Q1 Meta: Preislich nur geringfügig mehr als unsere Testkandidaten kosten die KEF Q1 Meta (548 EUR Paarpreis). Ja, wir machen es dem Paar Eversolo SE100 nicht leicht, wir holen gezielt die unangenehmsten Konkurrenten heraus. Aber auch die Q1 Meta kann sich nicht entscheidend von den SE100 absetzen, was beweist, wie sauber und durchdacht die Newcomer konstruiert wurden. Sie kommen zwar in Bezug aufs Timing nicht an die kleinen Briten mit Uni-Q-Koaxialtreiber heran und sind nicht ganz so pegelfreudig, klingen aber ebenfalls homogen, und die Räumlichkeit der SE100 schneidet auch im Vergleich mit den Q1 Meta richtig gut ab. Hier lassen sich die Eversolo-Boxen nichts vormachen.
Fazit

Mit den SE100 feiert Eversolo einen mehr als ein nur guten Einstand im Marktsegment passiver Kompaktlautsprecher. Optisch geht man bewusst eigene Wege und erweckt Aufmerksamkeit durchs quadratische Gehäusedesign: Höhe und Breite sind exakt gleich. Dadurch, dass die Tiefe relativ gering ausfällt und dass das Bassreflexrohr nach vorne gerichtet ist, lassen sich die Lautsprecher problemlos auch in einem Regal unterbringen. Die individuell gestalteten Schallwandler sind darüber hinaus kompatibel zu den Kallax-Regalen von IKEA. Die Verarbeitung ist rountiert und fehlerfrei, die Materialqualität liegt für die die Preisklasse hoch. Aus klanglicher Sicht kann man Eversolos Akustikingenieuren ebenfalls ein glückliches Händchen bescheinigen. Die SE100 klingen klar, bieten ein über den gesamten darstellbaren Frequenzbereich tadelloses Auflösungsvermögen und eine homogene Gesamtauslegung. Auch der Bassbereich überzeugt und kombiniert ein gutes Volumen mit tadellosem Nachdruck und einer erstaunlichen Präzision. Gut, aber nicht exzellent ist einzig und allein die Pegelfestigkeit, die unserer Meinung nach noch etwas augeprägter ausfallen dürfte.
Mit den attaktiven, akustisch sauber abgestimmten SE100 gelingt Eversolo der überzeugende Einstieg ins Lautsprecherbusiness

Passive Regallautsprecher untere Mittelklasse
Test 02. April 2026
Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 02. April 2026
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Tags: EverSolo • Lautsprecher






