TEST: Denon AVC-X3900H - Frischer Look, neuer DAC und neue Features für unter 1.500 Euro
Klang
Der Denon AVC-X3800H ist uns noch mit seinem detailreichen sowie homogenen, geschlossenen Klangauftritt im Gedächtnis und konnte damals nicht nur aufgrund seiner üppigen Ausstattung, sondern auch insbesondere klanglich punkten. Da sich am grundsätzlichen Aufbau nichts getan hat, die Leistungsfähigkeit identisch geblieben ist und lediglich einzelne Bauteile, allen voran der neue 8-Kanal-DAC, optimiert wurden, sind unsere Erwartungen an das neue Modell entsprechend hoch.
Zum Einsatz kommt unser dediziertes Heimkino mit Canton Reference-Lautsprechern in 7.1.4-Konfiguration. Der AVC-X3900H mit seinen neun Endstufen darf hiervon eine 5.0.4-Variante befeuern und ist damit, was die Endstufen betrifft, voll augelastet. Front- und Surroundlautsprecher sind Standboxen. Als erstes Beispiel starten wir mit Top Gun: Maverick samt Dolby Atmos-Tonspur im O-Ton. Wir übernehmen weitgehend die von Audyssey eingemessenen Parameter unverändert, die Reference EQ-Kurve bleibt aber deaktiviert.
Top Gun: Maverick, Dolby Atmos
Häufig arbeitet bei uns im Kino der Denon AVC-A10H, der hier regelmäßig mit einem ausgeprägt dynamischem Spektakel den Besuchern ein Grinsen ins Gesicht zaubert und eine atmosphärisch enorm dichte, nahtlose 3D-Audiokulisse generiert. Nach den ersten Minuten actionreicher Top Gun-Szenen sind wir begeistert, dass auch der AVC-X3900H diesen Charakter komplett übernimmt und für seine Preisklasse außergewöhnlich nahe dran am Ergebnis des Boliden ist. Feine Strukturen und Konturen, die z.B. trotz komplexer Kulisse noch bei den Fluggeräuschen der F-15 herausgearbeitet werden, handhabt die deutlich günstigere Neuheit etwas stiefmütterlicher. Dennoch ist die Transparenz und Durchhörbarkeit des Klangbilds auf sehr beachtlichem Level und man fühlt sich inmitten einer umhüllenden Klangsphäre, die absolut geschlossen auftritt. Besonders in den tiefsten Regionen kann das größere Modell noch etwas feiner und präziser agieren.
Abseits des direkten Vergleichs aber kann man vom Gerät, welches unter 1.500 Euro erhältlich ist, in dieser Konstellation nur begeistert sein. Souverän, beinahe mühelos schlägt er sich bei hoher Lautstärke und präsentiert ein sehr angenehmes, unanstregendes Klangbild. Da ist es schon beinahe erschreckend, wie klar und direkt harte Effekte trotzdem gelingen können. Die Direktheit gefällt uns im Bereich Action-Spektakel und im Filmbetrieb besonders, die Denon Mehrkanal-Komponenten nehmen hier wenig Rücksicht auf sensible Gemüter. Direkt, provokant, aber nicht aggressiv - diese Mischung passt für uns perfekt bei actionreichen Blockbustern und ist ein Grund, weshalb wir sie in diesem Bereich vergleichbaren Marantz-Modellen vorziehen.
Top Gun: Maverick ist dafür natürlich auch ideal geeignet. Während der hektischen Flugmanöver fühlt man sich durch die sehr exakt im Raum platzierten Effekte mitten im Geschehen und empfindet die Kulisse als ebenso mitreißend wie glaubwürdig. Dabei bleibt die Sprachverständlichkeit hoch und auch der Stimmcharakter der einzelnen Protagonisten ist stets erkennbar. Scharf oder aggressiv wird der Denon AVC-X3900H auch bei hohem Pegel und unter Auslastung aller Kanäle nicht, höchstens eine leichte Spitze bei heftigen Punches im oberen Tieftonbereich kann man ihm im Einzelfall ankreiden, sonst bleibt er durchweg souverän.
Auch in weniger spektakulären, ruhigeren Szenen liefert der Denon AV-Verstärker eine geschlossene Kulisse und nimmt den Zuschauer stets mit. Effekte sind auch in der Surround-Ebene direktional sofort nachvollziehbar. Feine Klickgeräusche, das Aufheulen der Turbinen, Schritte beim Einsteigen in die F-14, die Verwendung der Hebel und Schalter, alles ist fein heraushörbar und wird zu einem harmonischen Ganzen kombiniert. Denon setzt auf einen sehr ähnlichen Klangcharakter wie beim Vorgänger, legt aber in den Bereichen Differenzierbarkeit und Klarheit sogar noch etwas nach und macht damit alles richtig.
Dune: Part One, Dolby Atmos mit Channel Expander
Als zweites Beispiel haben wir uns Dune: Part One ausgesucht. Der Denon AVC-X3900H setzt hier die positiven Eigenschaften nahtlos fort und realisiert sofort ein unmittelbar direktes, klares Klangbild mit wirklich exzellenter Dynamik und Atmosphäre. Schon während der ersten Sekunden liefert der Film eine tolle Kombination aus Erzählung und spannendem Klanggeschehen. Die Stimme Zendayas erklingt charaktervoll und ist nahtlos in die mitreißende Kulisse integriert. Dicht und homogen, mit absoluter Geschlossenheit versetzt uns der Denon in Verbindung mit den Canton-Lautsprechern in die Wüstenumgebung von Arrakis.
Hier wird die Höhen-Ebene auch sofort massiv genutzt und trägt zur immersiven Klangkuppel maßgeblich bei. Das liegt allerdings vorwiegend daran, dass Teile des Film-Scores und der musikalischen Effektkomposition sich auch auf den Height-Kanälen abspielt. Gleiches gilt nicht in selbem Maße für gezielte "mechanische" Effekte, die von Objekten ausgehen. Wir haben uns den Film schließlich nicht aus einer Laune heraus ausgesucht. Der erste Teil von Dune, die Villeneuve-Verfilmung, ist für einen überragenden Surround-Track bekannt, nicht aber unbedingt für eine exzellente Nutzung der Heights. Zwar werden diese durchaus genutzt, aber weniger ausgeprägt für direktional fokussierte Effekte. Regen, der von oben herabkommt oder auch die Ornithopter lassen sich teils nicht so leicht ausmachen, obwohl sie eigentlich von oben herab schweben.
Was also tun? Mit dem Denon AVC-X3900H aktivieren wir hier den Dolby Atmos Channel Expander und wollen beobachten, ob dieser hier gegensteuern und auch diesbezüglich unsere Höhenlautsprecher beanspruchen kann. Tatsächlich werden hier Effekte, die auch von oben herab kommen sollen, etwas stärker auf die Höhenkanäle gelegt. Das lässt sich sowohl hören als auch mit dem Kanalpegelmonitor visuell nachvollziehen. Sehr immersiv ist der Titel ohnehin, jetzt kommen auch die Rotorgeräusche eindeutiger von oben und tragen zur Authentizität der Kulisse bei. Dabei geht der Channel Expander, obwohl wir ihn hier in der Einstellung "Hoch" verwendet haben, nicht zu aggressiv, sondern eher subtil vor. Manchem wird das vielleicht sogar noch etwas zu wenig sein. Wir als Anhänger des "nativen" Atmos-Tons aber finden das sehr gut. Das hat auch den Vorteil, dass akustische Elemente, die nicht in die Höhenebene gehören, auch nicht dorthin gelangen. Weitgehend zumindest. Wer genau aufpasst, wird eine leichte Beimischung z.B. von Stimmen auf die Height-Ebene feststellen. Im Gesamtergebnis hat uns das aber kaum bis gar nicht gestört.
Bei Filmtiteln, welche die Höhenebene nur spärlich nutzen, hat der Dolby Atmos Channel Expander zweifellos das Potential, hier etwas nachzuhelfen. Man wird von Film zu Film entscheiden und mit dem Feature etwas ausgiebiger spielen müssen, bevor man das für sich beste Ergebnis gefunden hat. Der erste Eindruck aber überzeugt. Insbesondere, weil wir, zumindest in diesem Fall, mit kaum negativen Nebenwirkungen zu tun hatten.
The Greatest Showman, Dolby Atmos
Bei der Musik-lastigen Hommage an P.T. Barnum mit Hugh Jackman gibt sich der Denon AVC-X3900H keine Blöße. Sofort, schon in den ersten Sekunden, packt er sofort kräftig zu und liefert ein energiereiches Spektakel, dass den Zuschauer sofort mitreißt. Genauso direkt und packend, wie der AV-Verstärker agieren kann, so geht er auch mit Finesse und Feingefühl vor. Piano-Klänge gelingen wohltemperiert, grundsätzlich scharfe Percussion-Elemente werden präzise erfasst und Streicher erhalten den passenden Touch an Wärme. Teurere Modelle arbeiten besonders feindynamische Differenzen der oberen Mitten und im Hochton noch klarer heraus, dennoch ist das Gesamtergebnis im Rahmen der Preisklasse beeindruckend. Im Gegenteil, der AVC-X3900 könnte gar eine Liga höher eingeordnet werden, so souverän und sauber gibt er sich.
Das gilt auch hier wieder auch für hohe Lautstärke. Mit ausgezeichneter Pegelfestigkeit bietet er eine authentische Surroundkulisse mit klarer Struktur. Diesmal greifen wir nicht auf den Klassiker "Never Enough" von Loren Allred zurück, sondern springen zu rund 85 Minuten Spielzeit. Hier spielt eine männliche Stimme die Hauptrolle und auch hier wird souverän abgeliefert. Geht es dynamisch und lebendig zu, profitiert der Denon Mehrkanal-Verstärker sofort und lässt seinem direkten, energetischem Charakter freien Lauf. Die vielen verschiedenen Chorstimmen, die Klatsch- und Stampfeffekte der zahlreichen Artisten setzt der AVC-X3900H unmittelbar um und verschmilzt alles zu einem intensiven, emotionalen Klangerlebnis. Vereinzelt spielt er etwas zu satt im Tiefton. Aber auch nicht wirklich übertrieben, so dass das insgesamt stimmige Gesamtergebnis nicht eklatant negativ beeinflusst wird. Bärenstark bleibt er auch bei hoher Lautstärke und lässt sich von Anstrengung nichts anmerken.
Musikbeispiele via TIDAL Connect, Stereo
Per TIDAL Connect spielen wir dem Denon AVC-X3900H noch einige Titel zu und hören uns die Stereo-Wiedergabe des AV-Verstärkers an. Audiophile HiFi-Fans werden die feindynamischen Unzulänglichkeiten und die nicht ganz so luftige Räumlichkeit der Mehrkanal-Komponente feststellen, dennoch liefert das Denon-Modell für seine Kategorie und Preisklasse ein wirklich sehr gutes Ergebnis ab. Selbst bei anspruchsvollen Titeln wie "Agnes Obel - Riverside" gelingt ein glaubhaftes Klavier mit feiner Temperatur und eine Stimmwiedergabe, die sich mehr als sehen lassen kann. Klare, aber nicht scharfe Gitarrenklänge gibt es bei Ain't No Sunshine von Eva Cassidy. Auch hier begeistert der Denon mit einer tollen Stimme, die nur ab und an etwas einbüßt, weil sie nicht ganz in Einheit mit den übrigen Bühneninstrumenten steht.
Klarheit und Transparenz sind aber definitiv hervorstechende Eigenschaften und so können die Denon Sound-Ingenieure die Integration des neuen DACs zweifellos als Erfolg verbuchen. Auch bei komplexen Geschehem werden feinere Details, wie z.B. Klopfen auf der Gitarre, leichtes Hauchen in der Stimme, berücksichtigt und gehen nicht einfach so im akustischen Geschehen unter. Bei "Ratchets" von HEEDEGARD zeigt sich der AV-Verstärker wieder von seiner schnellen Seite und setzt harte Punches blitzschnell und präzise um. Ganz leicht aufgedickt wirken die tiefsten Klänge, trotzdem bleibt er weitgehend sauber und hinkt nicht nach. Die Synthi-Effekte schleudert er uns regelrecht entgegen und wird den bisherigen Eindrücken gerecht, dass er hier ohne Gnade und direkt agiert. Glücklicherweise zeigt der Denon aber auch im Stereo-Betrieb, dass er zwar impulstreu und unmittelbar Effekte umsetzt, gleichzeitig aber ein harmonisches Gesamtbild und eine sehr angenehme Kulisse liefert. Identisch zum Action-Spektakel im Filmbetrieb lädt dies, selbst bei harten Electro-Tracks, zu längeren Hör-Sessions ein.
Fazit

Mit dem AVC-X3900H gelingt Denon eine konsequente und in vielen Details sinnvoll verfeinerte Weiterentwicklung seines beliebten 9-Kanal-AV-Verstärkers. Auf dem Papier mögen viele Eckdaten zunächst vertraut wirken, in der Praxis aber zeigt sich schnell, dass Denon an den richtigen Stellen nachgeschärft hat. Der neue 32-Bit-8-Kanal-DAC sorgt hörbar für mehr Transparenz und Klarheit, ohne den typischen dynamischen und lebendigen Denon-Charakter aufzugeben. Gerade im Heimkino spielt der AVC-X3900H seine Stärken eindrucksvoll aus: mit direkter, packender Dynamik, präziser Effektplatzierung und einer geschlossenen, immersiven 3D-Klangkulisse.
Positiv fällt auf, wie souverän der AV-Verstärker auch bei hohen Pegeln agiert. Selbst anspruchsvolle Titel mit dichter Effektkulisse meistert der Denon mit bemerkenswerter Kontrolle und Differenzierung. Dabei zeigt sich auch wieder der typische Denon Klangcharakter, der trotz der klaren und direkten Auslegung nie unangenehm oder anstrengend wird. Der neue Dolby Atmos Channel Expander erweist sich zudem als sinnvolle Ergänzung für Atmos-Mischungen mit zurückhaltender Height-Nutzung und erweitert die räumliche Darstellung angenehm subtil statt künstlich überzeichnet.
Auch abseits des Klangs präsentiert sich der AVC-X3900H modernisiert. Die kommende Wireless-Surround-Funktion mit Denon Home Lautsprechern dürfte viele Anwender ansprechen, die ein unkomplizierteres Heimkino-Setup im Wohnzimmer realisieren möchten. Viele werden auch die Möglichkeit, Spatial Audio via AirPlay 2 wiedergeben zu können, mit Spannung erwarten. Schade, dass das Update zum Launch noch nicht bereit war und zum jetzigen Zeitpunkt können wir auch noch keinen zeitlichen Rahmen nennen, wann die Features nachgeliefert werden. Das neue Web User Interface samt HDMI-Diagnostics sowie die verbesserte Fernbedienung mit Hintergrundbeleuchtung sind ebenfalls absolut sinnvolle Optimierungen mit hoher Praxisrelevanz.
Die optimierte HDMI-Hardware wird vor allem Gamer freuen. 1440p-Support und AMD FreeSync sind dabei. Die volle Bandbreite von 48 Gbps gibt es allerdings leider noch nicht und mancher Zock-affine Nutzer wird vielleicht auch Unterstützung für 144Hz vermissen.
Der Denon AVC-X3900H bietet ein enormes Ausstattungspaket. Audyssey MultEQ XT32 liefert bei der Einmessung solide Ergebnisse, bringt im akustisch optimierten Heimkino aber eher Nachteile als Vorteile. Hier lässt sich mit dem Dirac Live Komplettpaket mehr herausholen. Dafür muss man allerdings einen nicht unerheblichen Aufpreis in Form der Lizenz on top ausgeben. Der Einrichtungsassistent bleibt auf Top-Niveau, das Menü agiert weiterhin zügig und zuverlässig und mit dem problemlos erreichbaren Web Interface kommt hier noch eine weitere Möglichkeit, zusätzlich zur App, zur Steuerung hinzu.
Kleine Kritikpunkte wie die aus Kunststoff gefertigte Front oder einzelne Features, die erst per Firmware-Update nachgereicht werden, ändern wenig am insgesamt sehr starken Gesamtbild und sind in dieser Preisklasse auch zu erwarten. Im Gegenteil freuen wir uns, dass der AVC-X3900H mit einer UVP von 1.499 Euro beim Preis-/Leistungsverhältnis ganz klar weit oben mitspielt. Wer sich erinnert: Der Denon AVC-X3800H kam im Oktober 2022 mit einer UVP von 1.699 Euro auf den Markt.
Unter dem Strich liefert Denon mit dem AVC-X3900H einen hervorragend ausgestatteten AV-Verstärker ab, der klanglich, funktional und konzeptionell zu den überzeugendsten Geräten seiner Klasse zählt. Wer ein modernes, leistungsstarkes und zugleich erstaunlich audiophiles Heimkino-Zentrum im Preisbereich um 1.500 Euro sucht, findet hier derzeit eines der spannendsten Gesamtpakete am Markt.
9.4-Kanal-AV-Verstärker mit exzellenten akustischen Eigenschaften, klarem Denon-Charakter sowie modernen Features und einer starken Ausstattung zum fairen Preis

14.05.2026
Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Screenshots: Philipp Kind
Datum: 14.05.2026
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Tags: AV-Receiver • AV-Verstärker • Denon • Mehrkanal-Verstärker






