TEST: ZTE Grand S Flex – 5 Zoll Gerät mit LTE für unter 300 EUR

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Was muss man für einen 5-Zoller mit LTE-Funkverkehr anlegen? Bei einer chinesischen Handy-Manufaktur natürlich unter 300 Euro UVP – Ehrensache!

Gigantische Produktionshallen, günstiger Stundenlohn und die Arbeitsrechte? Nun vorsichtig ausgedrückt sind diese eher suboptimal. Das sind aber die entscheidenden Punkte, warum Unternehmen aus dem Land des Roten Drachens derzeit nahezu konkurrenzlos günstige Smartphones auf den globalen Markt bringen können. ZTE sieht sich dabei sogar in der Rolle eines Wohltäters, da erst solche Produkte dafür sorgen, dass auch in Entwicklungsländern das Internet von immer mehr Menschen aus unteren Einkommensschichten genutzt werden können.  Über diese Argumentation lässt sich freilich leidenschaftlich diskutieren.

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Seitliche Ansicht des ZTE Grand S Flex

Auch im Bereich Design werden die chinesischen Smartphones immer vorzeigbar, wobei dieser Funker recht eindeutig die Optik eines HTC Desire „imitiert“. So wird die Frontseite mit schwarzem Klavierlack vollständig von einem weißen Polycarbonat-Gehäuse mit einem markanten schwarzen Block um die Kameralinse umfasst. Das Cover ist zudem leicht aufgesetzt, sodass eine kleine Kante entsteht.  Dieser Unibody-Stil mit einer Bautiefe von nur 8,5 mm sorgt für einen robusten Auftritt, allerdings ist auch bei diesem Modell der Akkublock fest verbaut. Hinzukommt, dass sich der microSIM-Slot wie beim iPhone nur per Metallstift öffnet und es keinen Zugang für eine microSD-Karte gibt. Mit 145 Gramm liegt es in der mittleren Gewichtsklasse, was aber die insgesamt sehr gute Verarbeitungsqualität unterstreicht. Dass die Front- im Gegensatz zur Rückseite allzu schnell verschmiert, liegt in der Natur der Materialsache.

Für diese Preiseklasse keine Selbstverständlichkeit ist das 5-Zoll-Display, das mit 1.280 x 720 Pixeln hoch aufgelöst ist und durch eine gute Helligkeit und Grundschärfe überzeugt. Nur bei der Weißdarstellung weist es leichte Schwächen auf, und als TFT-Vertreter kann es in punkto Farbbrillanz nicht mit den AMOLED-Touchscreens mithalten. Hier sind preislich dann doch Barrieren gesetzt – und das sollte nicht die einzige sein. Doch dazu später mehr…

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Rückseite des ZTE Smartphones

Die gute Nachricht: Im Bereich Datenschnittstellen wird nahezu das komplette Repertoire abgedeckt, denn neben den inoffiziellen Standards wie Bluetooth oder HSPA sorgt auch LTE mit bis zu 100 Megabit im Download für eine schnelle Bandbreite – nur NFC fehlt an dieser Stelle.

ZTE Grand S Flex Foto

Foto geschossen mit der 8 MP-Kamera

Während für Selfies auf der Frontseite eine 1-Megapixel-Kamera parat steht, setzt eine rückseitige 8-Megapixel-Kamera für Foto- und Videoaufnahmen (720p) Schnappschüsse und Momentaufnahmen hochwertiger in Szene. Im Praxistest zeigt sich aber schnell, dass sich die Alltagstauglichkeit stark auf Schönwetter beschränkt, denn sobald die Lichtverhältnisse widriger sind, saufen die Fotos schnell ab. Im Bereich Detailreichtum und Farbechtheit nimmt es der Knipser zudem auch nicht so genau. Gleiches gilt für die Videoaufnahmen, zumal die Hauptkamera beim Schwenken merklich nachzieht. Kurzum: Bestenfalls ein Durchschnittsknipser.

Auch beim Speicherplatz wurde gespart, wobei rund 12 GB, die zur freien Verfügung stehen, grundsätzlich keine Bauchschmerzen bereiten. Das Problem ist nur: Es gibt keinen microSD-Slot, der für mehr Flexibilität sorgen würde. Wer mehr möchte, muss daher Zeit und Geld in eine Cloud investieren. Dass ZTE dem Nutzer die Cloud quasi oktroyiert ist alles andere als clever und kundenfreundlich.

Ansonsten gibt es wieder eine Reihe von vorinstallierten Apps, wie etwa einen Dateimanager oder das Kingsoft Office-Paket. Einige sinnvolle „Nützlichkeiten“ wie die Taschenlampe müssen hingegen erst bei Google Play heruntergeladen werden.

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User Interface

Gähn! Die mittlerweile fast zwei Jahre alte Version 4.1 Jelly Bean schultert beim Chinesen die komplette Handhabung – und ein Update lässt weiterhin auf sich warten, wenn es überhaupt jemals kommt…. ZTE packt zudem noch ein eigenes User Interface drauf, das sie Mi Favour nennen und optisch ebenfalls ein wenig antiquiert anmutet.

Immerhin sorgt es unter anderem dafür, dass man direkt aus dem Sperrbildschirm Zugriff auf insgesamt sechs auswählbare Dienste hat („Mi Easy-Access“). Das ist nicht gerade innovativ, aber durchaus nützlich, wenngleich es eine Umstellung zum üblichen seitlichen Schieben erforderlich macht. Kritik: Eine Sperrung via PIN oder Bewegungsmuster ist nicht möglich.

Ansonsten folgt das Softwarepaket dem üblichen Pfaden mit Startmenüs, Pull-Down-Menü und Widgets. Einzige weitere Besonderheit: Mit “Mi Pop” lassen sich die Android-Schaltflächen als verschiebbares Bedienelement anzeigen, um eine Einhand-Bedienung zu optimieren – Geschmacksache.

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Seitliche Bedienelemente

Beim Prozessor zeigt sich nochmals, wo ZTE den Rotstift ansetzen musste, denn der MSM8930-Snapdragon-Prozessor arbeitet nur mit zwei Kernen, und auch die Taktung mit 1,2 Gigahertz und ein Gigabyte Arbeitsspeicher sind mittlerweile nicht mehr State oft he Art. Da wir uns aber preislich in der Mittelklasse bewegen und diese Architektur bereits bekannte Smartphones wie das Samsung Galaxy Ace 3 in Fahrt brachte, kann man dieser Hardware sicherlich leben. Im normalen Arbeitsalltag ist auch alles soweit Paletti. Da der bewährte Prozessor allerdings ein größeres Display mitorganisieren muss, treten doch hin und wieder „Laggs“ auf, die sich durch kurze Wartezeige offenbaren – nervig sind diese allerdings nicht. Anspruchsvolle Gamer sollten hingegen tiefer in die Tasche greifen, denn bei einigen 3D-Games, wie der Racer Asphalt 8, kann man nicht mehr von einer flüssigen Performance sprechen.

Der fest verbaute Akkublock und bietet eine Kapazität von 2.300 Milliamperestunden. In üblichen Telefonie-Test ohne größeren Multimedia-Einsatz liegt die Rufbereitschaft bei rund vier Tagen. Sobald man jedoch größere Facebook-Sessions hat, sinkt der Nonstop-Einsatz auf nur zwei Tage. Urteil: eine blanke Durchschnittsleistung bei der Ausdauer.

Davon kann man auch bei der Sprachqualität sprechen, denn die Stimmen zischen in der Regel leicht künstlich und Nebengeräusche werden in Senderichtung nur schwach rausgefiltert. Im Praxistest sorgte bereits eine Windböe für eine arge Störung der Kommunikation. Zu diesem Bild passt auch der rückseitig integrierte Mono-Lautsprecher, der recht dumpf und verhalten aufspielt. Als Freisprecher taugt dieser Chinese daher nur bedingt, da er zu leise ist. Immerhin lassen sich über den beigelegten Kopfhörer auch UKW-Radioprogramme empfangen und diese auch über den Lautsprecher wiedergeben und sogar aufzeichnen. An dieser musikalischen Qualität von Top-Smartphones erreicht das Grand S Flex allerdings nicht.

Fazit

Auch ZTE lässt immer mehr die Muskeln spielen. Ein 5-Zoller mit LTE-Funk und Vollausstattung für unter 300 Euro Straßenpreis ist eine reife Leistung. Hinzukommt, dass die Optik nicht zu beliebig ausgefallen ist und die Verarbeitungsqualität höchst professionell. Zusammen mit den ordentlichen Messwerten an sich eine sehr runde Sache. Allerdings weist das ZTE Grand S Flex durch seine „Verschlossenheit“ auch ein klares Manko auf. Mit dem fest verankerten Akkublock kann man sicherlich leben, doch mit den internen rund 12 GB muss der Nutzer es, denn einen Slot für microSD gibt es nicht – da riecht nach baldigen „Verdauungsbeschwerden“, wenn man nicht bereit ist für eine Cloud zu löhnen. Dass die Kamera nicht höchste Qualität aufweist, die Messwerte nur durchschnittlich sind und die CPU unter Volllast mal an ihre Grenzen stößt, ist angesichts des Preises hingegen verzeihbar. Schade jedoch, dass bis auf weiteres kein Software-Update angekündigt wurde. Zukunftssicherheit sieht anders aus.

Preisbrecher mit Speicherplatzproblematik
befriedigend
06.06.2014

+ Gutes Preis/Ausstattungsverhältnis
+ Helles, hochauflösendes 5 Zoll Display
+ LTE

- Keine Speicherkarten-Erweiterung
- Fest verbauter Akkublock
- Keine optimale Performance
- Veraltete Software

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 06.06.2014



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