TEST: Klipsch 3-Wege-Standlautsprecher Forte III - Vintage-Optik trifft auf überzeugenden Klang

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Vor kurzem hatten wir die Klipsch Reference RF7 III für einen Paarpreis von 4,400 EUR im Test. Genau fürs Gleiche Geld kann man etwas völlig anderes einkaufen und muss nicht einmal den Hersteller wechseln: Im Vintage-Retro-Style wird der 3-Wege-Hornlautsprecher Forte III angeboten. Gemeinsamkeiten finden sich trotzdem zwischen den Klipsch-Produkten, so die fünf Jahre Garantie und die Tatsache, dass auch der Forte III direkt bei Klipsch in den USA, genauer gesagt in Hope, Arkansas, produziert wird. 

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Farbe "Distressed Oak"

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Lautsprecher-Schutzgitter mit dünner Lammwolle bezogen

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Nicht besonders tief, nicht besonders hoch, aber recht breit

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Natürlich sind die Chassis mit sichtbaren Schrauben angebracht

Optisch sind die pro Stück satte 32,7 kg wiegenden Forte III-Schallwandler sehr klassisch gehalten: So sahen früher Lautsprecher aus. Gerade bei der von uns getesteten Variante in "Distressed Oak" mit hellen Schutzgittern aus Lammwolle kommt dieser "Vintage-Style" sehr schön zum Ausdruck. Auch die Abmessungen zeigen, dass die Forte III keine wie heute oder in den letzten Jahrzehnten übliche Standbox ist. In den 60er und 70er Jahren fand man Schallwandler mit ähnlichen Abmessungen. Die Forte III ist nur 91,4 cm hoch, dafür aber 41,9 cm breit. Die Tiefe: 33 cm, nicht allzu viel. 

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Hochton- und Mitteltonbereich mit Hornvorsatz

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Aktives Basschassis vorn

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Passives Basschassis hinten

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Passiver Bassradiator und Anschlussterminal hinten

Der 8-Ohm-Lautsprecher gibt Frequenzen zwischen 38 Hz und 20 kHz wieder und weist 99 dB (2,83V/1m) Wirkungsgrad auf. 100 Watt Dauerbelastung und 400 Watt kurzzeitige Spitzenbelastbarkeit stehen im Datenblatt. Maximal erzeugt die Forte III 116 dB Schalldruck Als Hochtöner kommt das K-100 TI mit 2,54 cm Titanium-Hochtöner auf einem K-79T-Hornvorsatz zum Einsatz. Die Mitten werden von einem K-70 445 Titanium-Mitteltöner ebenfalls mit Hornvorsatz (K-703-H-Horn) präsentiert. Als gigantisch großer aktiver Basstreiber fungiert der K-281 Basstreiber mit 30,48 cm Membran aus Fiber-Composite-Material, hinzu kommt auf der Rückseite noch ein passiver Basstreiber (KD-15) mit sagenhaften 38,1 cm Membran, ebenfalls aus Fiber-Composite-Material. 

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Verarbeitung im Detail - nicht perfekt, aber robust

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Schön gemachte Bi-Wiring-Terminals

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Sockel unter der Box

Das MDF-Gehäuse mit Echtholz-Furnier gibt es auch noch in den Farbvarianten American Walnut mit schwarzem Gitter, Natural Cherry mit schwarzem Grill sowie in Black Ash mit schwarzem Grill. Unter der Box ist ein Sockel integriert. Die Verarbeitung ist gut, die Forte III wirkt robust, gut gefallen uns die recht hochwertig wirkenden Bi-Wiring-Terminals hinten. 

Klang

 

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Zuspieler Musical Fidelity Nu-Vista 600

Wir starten die Klangtestreihen mit Diana Kralls Adaption des Eagles-Klassikers "Desperado" von Dianas "Wallflower"-Album. Kann die Akustik unseren heutigen Ansprüchen genügen, oder ist sie auf dem Stand der 60er Jahre stehen geblieben? Wir müssen feststellen: Gut gemacht, Klipsch, saubere Leistung. Anders als die RF7III, die äußerst dynamisch auftrat, steht bei der Forte III eine ruhigere, gemessenere Spielweise im Fokus. Langeweile kommt trotzdem nie auf, da die Box Details sorgfältig abgreift und relativ plastisch wiedergibt. Auch dank des großen zusätzlichen passiven Basstreibers auf der Rückseite wird ein hervorragendes Volumen bereit gestellt, die Räumlichkeit ist in Tiefe und Weite absolut überzeugend. Volumen, Räumlichkeit und der in sich schlüssige, angenehme Klang, das sind hier die Vorteile. Hinzu kommt, dass wir bislang kaum eine Klipsch-Box gehört haben, die vokale Anteile so gut von den Lautsprecher-Chassis löst. Diana tritt, schließt man die Augen, quasi direkt auf einer gut definierten virtuellen Bühne auf.

Wie sieht es bei Elton Johns Nummer 1-Hit aus den 80er Jahren, "I'm Still Standing", aus? Das Quellmaterial ist nicht das beste, der Mitteltonbereich und auch die Hochtonwiedergabe ist etwas blechern abgemischt. Die Forte III aber holt eine Menge heraus. Recht homogen, räumlich dicht und klar, kann man sehr zufrieden sein. Klar, bei der Pegelfestigkeit kann sie mit der RF7 III nicht mithalten. Gern kann man mit gehobener Zimmerlautstärke hören, auch kurzzeitig mal höher, aber diese "clubtauglichen" Pegel der RF7 III, damit kann die Forte III nicht aufwarten. Bei etwas erhöhter Lautstärke ist der Klang sehr kultiviert, mit stimmigen Übergängen zwischen Höhen und Mitten sowie zwischen den Mitten und dem Bassbereich. Die Stimme von Elton wirkt aufgeräumt und löst sich prima von den Chassis. 

Es folgt der Titel "Drive" von Joe Bonamassa, live in der Royal Albert Hall. Diese Art Musik passt prima zur Klipsch Forte III. Der Klang ist insgesamt nuanciert und charismatisch, die Stimme von Joe ertönt klar definiert und verteilt sich mit passendem Volumen relativ frei auch im Hörraum, der knapp 30 Quadratmeter misst - eine Leistung, die wir so nicht erwartet hätten. Die Räumlichkeit ist sowieso wieder hervorragend, die Forte III gibt der Musik Platz zur Entfaltung und nebenbei ist auch die Trennung der vokalen von den instrumentalen Anteilen gut gelungen. Der Hochtonbereich ist ordentlich und bei weitem nicht so undetailliert und zurückhaltend, wie man es vielleicht annehmen würde, wenn man von einer homogenen, rund spielenden Konstruktion schreibt. Das ganze Klangbild wirkt aufgeräumt, räumlich prima ausbalanciert - Entspannter, relaxter Vintage-Style - aber mit modernen Zutaten: Das zeichnet die Forte III akustisch aus. 

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Bringt Harmonie und Räumlichkeit in den Hörraum: Forte III

Zeit für den nächsten Klassiker, diesmal handelt es sich um "You Win Again" von den BeeGees. Der fundierte sowie kräftige Bass kommt prima heraus, auch Homogenität und Klangkultur sind wieder auf einem beachtlichen Niveau. Die Stimme wird sehr gut fokussiert und trennt sich tadellos von den Instrumenten. Die bislang schon hervorstechenden Eigenschaften Räumlichkeit und Homogenität, treten auch beim BeeGees-Klassiker deutlich hervor und steigern das Hörvergnügen. Die beiden großen Basschasssis, eines aktiv und eines passiv, machen sich wieder positiv bemerkbar. Übrigens: So langsam, wie man vielleicht aufgrund des großen Membrandurchmessers glauben könnte, agiert die Forte III auch bei kleineren tieffrequenten Impulsen nicht. Sie trifft relativ sauber den Punkt, gerade, wenn das Stück vom Rhythmus her nicht zu schnell und fordernd ist. 

"The King" Elvis Presley betritt mit "Can't Help Falling In Love" die virtuelle Bühne in unserem Hörraum. Manchem Lautsprecher-Liebhaber wird es bei der Forte III ähnlich gehen, denn wer einen "Traditional Floorstand Loudspeaker" sucht, könnte sich durchaus in die Klipsch-Konstruktion verlieben, zumal der Klang nicht auf dem Stand der 60er oder 70er Jahre stehen geblieben ist, sondern eine moderne Interpretation klassischer Tugenden darstellt, was auch dem Elvis-Song hörbar gut tut. Angenehm voller Klang, runde Stimmwiedergabe, tolle räumliche Tiefe - die Forte III umschmeichelt das Auditorium mit einer angenehmen Wiedergabe, das aber gleichzeitig auch feinere vokale und instrumentale Konturen ausgezeichnet herausarbeitet. 

Setzen wir uns jetzt mit einem ganz anderes gearteten Stück auseinander: "Celebrate Youth" von Rick Springfield aus dem 80er Jahren. Geht es bei diesem Song kraftvoll und nachdrücklich voran? Der Bass hat Substanz und Kontrolle, und bis zu deutlich gehobenem Pegel trennen sich vokale und instrumentale Anteile tadellos voneinander. Der nachdrückliche Rhythmus wird von der Klipsch Forte III sehr gut zur Geltung gebraucht, auch im größeren Hörraum zwischen gut 20 und knapp 30 Quadratmeter. Das passive Bassradiator und das aktive Basschassis arbeiten auch hier wieder hervorragend zusammen und stellen ein sehr ansprechendes Gesamtvolumen sicher. 

Es geht also auch massiv-nachdrücklich - das macht uns Mut und daher trauen wir uns, "Self Esteem" von The Offspring laufen zu lassen. Diese kräftige Kost bringt die Forte III nicht wirklich aus der Ruhe. Kontrolle, Punch, Kraft - alle diese Eigenschaften der Forte III sorgen auch hier für viel Freude beim Hören. Klar, die schnellste Box der Welt ist die US-Amerikanerin nicht, aber Hand aufs Herz: Wer diese Box verstanden hat, den interessiert das nicht, da die Forte III mit genug anderen Vorzügen aufwarten kann. Die gewollte Aggressivität im Stück wird natürlich nicht zu 100 Prozent gebracht, aber dafür kann man sehr entspannt relativ laut hören, ohne, dass der Klang zu schrill oder überspitzt wiedergegeben wird. Die Forte III wirkt stets solide und robust, ihr Charakter wird auch bei Self Esteem stets deutlich.

Fazit

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Die Klipsch Forte III ist sicherlich auf den ersten Blick nicht besonders preiswert, aber sie ist ihr Geld wert. Der Kunde erhält für rund 4.400 EUR Paarpreis eine rundherum überzeugend auftretende Box im Vintage-Retro-Style, der man diese Rolle auch voll und ganz abnimmt. Nichts wirkt unecht oder aufgesetzt - Klipsch hat tatsächlich eine lange Tradition, und daher passt die Forte III sehr gut zum Image der robusten, problemlosen "Männer-Box", die aber durch ihren Style-Faktor - Retro ist "in" - sicherlich auch einige Damen ansprechen dürfte. Klanglich, das ist das Schöne, passt sie hervorragend in unsere heutige, hektische Zeit - denn sie schafft eine harmonische, kraftvolle, authentische Oase des Hörens, perfekt, um einmal komplett abzuschalten. Hinter der antiken Fassade verbirgt sich ein Lautsprecher, der sich mit modern auftretenden Kontrahenten problemlos messen kann. Sie kommt mit vielen Musikrichtungen zurecht und wirkt beinahe nie überfordert. "Made In The USA", und fünf Jahre Garantie - das schafft Vertrauen und zeigt, dass auch Klipsch von seinen eigenen Produkten überzeugt ist. Kein "Mee Too", sondern ein Produkt, das ehrlich wirkt und Charme versprüht: Die Forte III hat sich ein überragendes Testergebnis redlich verdient. 

Die Forte III ist ein authentischer Charakterdarsteller mit handfesten Qualitäten
ueberragend
Standlautsprecher bis 5.000 EUR Paarpreis
Test 14. Mai 2018

Test: Carsten Rampacher
Datum: 14. Mai 2018

 

 

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