TEST: Klipsch Standlautsprecher RF7 MK3 - optimale Verbindung aus Dynamik, Nachdruck und Klangkultur?

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Wir testen heute die Klipsch RF7 III, demnach die dritte Generation dieser großen Standbox aus der Reference-Serie. Der Stückpreis liegt bei 2.200 EUR, und das Lautsprechergehäuse kommt nicht irgendwo in China, sondern von Klipsch aus den USA, genauer gesagt aus Hope, Arkansas. Dort wird die RF7 III auch zusammengebaut. Wählbare Farben sind Black Ash oder Cherry – es handelt sich um ein Echtholz-Furnier.

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Echtholz-Furnier

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Schöne Maserung - so sieht nur echtes Holz aus

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Ordentliche Detailverarbeitung

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Sichtbare Schrauben rund um die Chassis

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Sockel

Klipsch hatte schon immer dieses „Männer&Cowboy“-Image: Eine Box muss groß sein, eine Box muss aus Holz sein und eine Box muss ordentlich Druck machen. Die RF7 III hat einen neuen 2,54 cm Titanium-Hochtöner mit einem Tractrix 90 Grad x 90 Grad Hornvorsatz. Sensationelle 100 dB (bei 2,83V/1m) Wirkungsgrad sind auch zu einem beträchtlichen Teil darauf zurückzuführen. Die neue RF7 soll nicht nur viel Dynamik und tieffrequente Energie offerieren, sondern im Gegensatz zu den beiden Generationen davor auch kultiviert und geschliffen auftreten und mehr Details wiedergeben soll. Ob dies aus akustischer Sicht der RF7 III gelingen wird, überprüfen wir später in den Klangtestreihen. Wird also aus der „treibenden Kraft“ ein sehr gefällig aufspielender Universalist? Eine reizvolle Frage.

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Neue "Dual Rear Firing Tractrix Ports"

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Neuer Hochtöner mit Hornvorsatz

Der 8 Ohm-Lautsprecher bietet 250 Watt Dauerbelastbarkeit und sagenhafte 1.000 Watt kurzzeitige Peak-Belastbarkeit sprechen eine deutliche Sprache. Bei +/- 3dB geht der darstellbare Frequenzbereich von 32 Hz bis 25 kHz. Natürlich gibt es auf der Rückseite Bi-Wiring-Terminals, die aber relativ einfach gehalten sind von der Machart her. Die Rückseite der RF7 III zeigt noch eine Neuerung, nämlich zwei speziell geformte, viereckige Bassreflex-Öffnungen. Bei Klipsch heißt das „Dual Rear Firing Tractrix Ports“. Man sollte mindestens 30 cm Abstand zur Wand des Hörraums einklakulieren.

Die RF7 III ist satte 124,5 cm hoch, 35,2 cm breit und 45,4 cm tief. Das Gewicht liegt bei 44,1 kg pro Box – da bekommt man für 2.200 EUR Stückpreis auch viel Lautsprecher geliefert. Natürlich, typisch für Klipsch, geht es im Mittelton-/Bassbereich ab, gleich zwei 25,4 cm Treiber mit Cerametallic-Membran in Kupferfarbe sind montiert. Diese Cerametallic-Membranen geben verschiedenen Klipsch-Lautsprecherserien schon seit Jahren eine unverwechselbare Optik.

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Zwei große Treiber für Mittelton- und Bassbereich

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Mit Cerametallic-Membran

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Anschlussterminals

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Im Detail

Apropos Optik: Was uns sehr gut gefällt, ist das Echtholzfurnier, das sauber aufgebracht wurde und von der Maserung her alle Merkmale von echtem Holz in sich trägt. In der Farbe Cherry wirkt das Ganze zwar sehr konservativ, aber es passt zur RF7 III und aller Wahrscheinlichkeit nach auch zu dem, was die potentiellen Käufer gern möchten. Von einem Unibody-Gehäuse – Schallwand und restliches Gehäuse sind aus einem Stück gefertigt – hält man bei Klipsch nichts, nach wie vor gibt es eine in schwarzem Kunststoff gehaltene, separate, aber mit sehr geringem und gleichbleibendem Spaltmaß angebrachte Schallwand. Zum klassischen Touch passt auch, dass die beiden Cerametallic-Treiber mit sichtbaren Schrauben präzise sitzend in der Schallwand versenkt wurden. Beim Hornvorsatz oben sieht man keine Schrauben, auch hier ist die Passung sehr gut. Haptisch angenehm ist die leichte Gummierung des Horn-Einsatzes rund um den Hochtöner. Die RF7 III ruht auf einem Sockel, der für soliden Stand sorgt. Nicht überzeugt haben uns die recht labil und einfach wirkenden magnetisch haftenden Schutzgitter.

Klang

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Zuspielung: Vollverstärker Nu-Vista 600 von Musical Fidelity, Kostenpunkt rund 6.000 EUR und sehr lebendig aufspielend

Wer steht der Klipsch RF7 III akustisch zur Seite? Als Vollverstärker setzen wir den Musical Fidelity Nu-Vista 600 ein, der satte 220 Watt an 8 Ohm an Leistung mitbringt. Zudem ist die Stromlieferfähigkeit krass: Rund 120 Ampere (Peak-to-Peak) sind beeindruckend. Den schönen, sehr angenehmen Klang verantworten die "Nuvistor-Röhren", das sind Hochleistungs-Trioden-Röhren, die besonders langlebig und zuverlässig sind. 

Beginnen wir mit den Klangtestreihen. Das erste Stück ist der Klassiker „Living On A Prayer“ von Bon Jovi. Hier ist deutliche Aggressivität in der vokalen Präsenz enthalten. Und diese gibt auch die dritte RF7 trotz angeblich „milderer“ Charakteristik unverfälscht wieder, was uns in diesem Fall aber auch gut gefällt.  Das Charismatische in Jon Bon Jovis Stimme kommt ordentlich heraus, und besser als bei den beiden älteren Generationen. Die Präzision bei den vokalen Konturen ist bei der neuen RF7 spürbar verbessert worden. Weiterer Vorteil: Der Hochtonbereich erscheint räumlicher, luftiger und kommt überdies „besser auf den Punkt“.  Nicht nur bei der Stimme, auch bei der instrumentalen Wiedergabe sind Verbesserungen hörbar. Der Übergang der Höhen zu den Mitten ist sauber, hier können wir keine störenden Klanglöcher feststellen. Der Bass ist äußerst straff, der leichte „Wummer-Faktor“ ist nicht mehr hörbar. Mehr Kontur und mehr Punch – ein voller Erfolg.

Nun hören wir „I’m still standing“ von Elton John. Wohlbemerkt, das Quellmaterial, das wie die anderen Stücke von Tidal kommt, ist nicht perfekt. Leicht blecherne Mitten, der Bass nicht enorm exakt – kennt man ja.  Beachtlich ist, was die RF7 daraus macht Die Stimme wird klar von den Instrumenten getrennt, und die vokalen Elemente klingen nur leicht blechern. Das heißt, die „störenden Einflüsse“ werden recht gut glattgebügelt. Das mag nun den eingefleischten HiFi-Fan nicht so sehr beeindrucken, denn das klassische HiFi-Ideal ist ja eine 1:1 Wiedergabe der Quelle ohne Einflussnahme der Wiedergabekette. Aber wir sind überzeugt von der RF7, auch bei hohen Pegeln wird die Wiedergabe nicht zu schrill, und der Bass bleibt erstaunlich straff und souverän. Auch Räume, die größer als 30 Quadratmeter sind, werden vom Bassbereich der RF7 noch locker „mit Leben gefüllt“. Das kennen wir von Klipsch! Basswucht, Basskraft, Pegelfestigkeit, all die klassischen Klipsch-Tugenden, die diese Marke legendär gemacht haben, beherrscht auch die RF7 III hervorragend. Sie mischt das aber auch mit einer erstaunlichen akustischen Kultur.

Es folgt die Diana Krall Adaption von „Desperado“, ursprünglich von den Eagles. Abgelegt auf dem Wallflower-Album, auf dem Diana verschiedene legendäre Stücke sehr schön, wie wir in der Redaktion befinden, gecovert hat. Sehr schön lautet auch das Stichwort für die RF7 III, die hier den deutlichsten Formanstieg gegenüber den Vorgängern zeigt. Das liegt natürlich auch daran, dass dieser Titel in einer wirklich guten Qualität vorliegt. Zugegeben, das 80er Jahre Material zuvor war auch nicht ganz so geeignet, um wirklich Nuancehn herauszufinden. Hier geht das, und die Anschlagdynamik vom Piano, welche die ersten beiden Serien der RF7 nicht besonders überzeugend herausgearbeitet hatten, nun plötzlich gut und authentisch hörbar gemacht wurde. Ein sehr großer Schritt für Klipsch nach vorn. Das gilt auch für die verbesserte Wiedergabe des Hochtöners insgesamt. Mehr Details, mehr Räumlichkeit, mehr atmosphärische Dichte sind zu verzeichnen. Und der Bass? Wie wir es von Klipsch kennen, wir wiederholen uns, ist wieder ausgezeichnet: Mehr Struktur, mehr Ausdruckskraft, mehr Kultur. Wir können es jedes Mal wiederholen: Mehr Struktur & mehr Kultur, das zeichnet die RF7 in ihrer dritten Auflage aus.

Das nächste Stück, das von der RF7 III wiedergegeben wird, ist „Time To Say Goodbye“ von Andrea Bocelli & Sarah Brightman. Nein, die RF7 III sagt noch nicht “Goodbye”, hier folgen noch weitere Sound-Checks. Der Song, der damals bei der Verabschiedung des legendären deutschen Boxers Henry Maske Berühmtheit erlangte, wird von der RF7 III überraschend fein nuanciert erfasst. Auch bei hohem Pegel bleibt die Stimmwiedergabe bei Sarah brillant und lebendig. DSicher, es mag Boxen mit Bändchenhochtöner geben, z.B. von Quadral Aurum oder Elac, die nochmals luftiger, filigraner klingen – aber das, was die RF7 III leistet, macht sich auch im starken Konkurrenzumfeld wirklich gut. Das beweist auch die fundierte,  feine Präsentation der Stimme Andreas. War die Klipsch früher eher ein „Krawallmacher“, tritt sie nun viel sensibler, kultivierter auf. Vor allem: Es gibt kaum einen anderen Lautsprecher, selbst in noch höheren Preisklassen, der bei hohem Pegel noch so gut anzuhören ist. Die früher oft gescholtene „Horn-Aggressivität“ ist beinahe völlig verschwunden. Die Klipsch spielt klar, direkt und authentisch auf. Das ganze wird wieder mit einem „fetten“ Bass kombiniert, der Volumen, Kraft und auch Struktur hat. Substanz, Tiefgang, sauberer Anschluss an die Mitten – der Bassbereich punktet ohne Einschränkung.

Aus Giacomo Puccinis „Turandot“ hören wir uns nun die legendäre Arie „Nessun Dorma“, gesungen von Star-Tenor Jonas Kaufmann, an – immer wieder gern zum Testen genommen, stellt sich nun die Frage: Geht das auch mit Klipsch? Früher hätten wir das eher verneint. Doch bei der RF7 III wandelt sich alles zum Guten. Mehr Kultur, mehr Details – das, was wir auch in den anderen Beispielen schon herausgehört haben, findet hier die Fortsetzung. Das Ganze wird überdies mit einer Kraft von Kaufmanns Stimme kombiniert, die wirklich bemerkenswert ist und einen authentischen Live-Charakter schafft. Man denkt tatsächlich, dass der Tenor direkt im Zimmer auf einer klar definierten virtuellen Bühne auftritt. Somit ist von der leicht synthetisch-monotonen Stimmwiedergabe früherer Klipsch-Generationen praktisch nichts mehr übrig. Das Ansinnen von Klipsch, für 2.200 EUR Stückpreis einen Universalisten anzubieten, scheint hier wirklich tadellos gelungen zu sein. Auch der Chorgesang kommt mit sauberer Kontur und hoher Glaubwürdigkeit heraus. Lebendig, frisch und mit ordentlicher Detailliert, kann man hier kaum Kritik üben.

Wir wechseln den Musik-Stil und spielen nun „Body“ von Loud Luxury, einen House-Track mit sehr kräftigem Bass, ab. Das ist mal ein Hammer – die RF7 III brilliert ohne Einschränkung, so gut haben wir dieses Stück bisher kaum gehört: Der Bass trifft genau den richtigen Punkt, zugleich ist er extrem hart. Kein Nachschwingen, kein Wummern – extrem gut. Die elektronischen Effekte werden weit in den Hörraum geschossen, und man kann souverän auch mit sehr hohem Pegel hören.

Der Michael Jackson-Klassiker „Thriller“ im „Midnight Hour“ Remix von Star-DJ Steve Aoki: Das macht, wie wir schon erwartet haben, mächtig Laune mit der RF7 III. Der Bass schießt Salven auch in den großen Hörraum, das Thema Bassdruck spürt man hier auch körperlich. Man sollte allerdings mindestens 30 cm Wandabstand für maximale Präzision im Bassbereich einhalten.  Club-Feeling zu Hause – das bietet die RF7 III ohne Zweifel. Eine saubere, differenzierte Wiedergabe, und dank des exzellenten Wirkungsgrades der RF7 III muss man kein „Verstärker-Monster“ betreiben. Wir raten trotzdem zu einem hochwertigen Stereoverstärker ab 1.000 EUR, oder man greift zu einer Vor-/Endstufen-Kombination.

Vergleichen wir die pro Stück 2.200 EÙR kostende RF7 III mit der Vorgänger-Box RF7 II, die zum Schluss zu einem Paarpreis von knapp 2.000 EUR verkauft wurde. Ist die RF7 III einen so hohen Aufpreis Wert? Mit 4.400 EUR Paarpreis spielt sie in einer ganz anderen Liga. Lohnt sich das? Zunächst müssen wir ergänzen, dass die RF7 II anfänglich auch rund 3.500 EUR als Paar gekostet hat. Demnach reduziert sich der Mehrpreis, vergleichen wir die Anfangspreise, auf rund 700 EUR. Ebenso müssen wir darauf hinweisen, dass die dritte Auflage der RF7 akustisch sehr deutlich besser geworden ist.  Die Boxen sehen sich zwar optisch sehr ähnlich, aber das Wesen der dritten Variante ist völlig anders.  Die RF7 III ist ein echter Universalist, der auch Klassik und Jazz richtig gut wiedergibt. Sie kann nicht nur laut und massiv, sondern auch fein und differenziert. Die erhält auch bei hohen Pegeln noch beinahe alle Strukturen des jeweiligen Musikstücks. Sie arbeitet filigrane Details überzeugend heraus, schafft mehr Räumlichkeit und mehr Atmosphäre. Kurzum, die RF7 III ist ein akustisch kompletter, erwachsener und kultivierter Standlautsprecher.

Fazit

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Klipsch ist mit der dritten Generation der RF7 eine rundherum hervorragende Box gelungen, und man sollte sich nicht von der Optik in klassischer „Cowboy-Manier“ täuschen lassen. Denn hinter dieser robusten Fassade verbirgt sich ein Lautsprecher, der mit vielen Musikrichtungen hervorragend umgehen kann.

Klangkultur wird nicht weiter kleingeschrieben bei den US-Amerikanern, sondern rückt in den Fokus. Ob es die Trennung von Stimmen und Instrumenten ist, die Brillanz im Hochtonbereich oder die Klarheit des gesamten Klangbilds: Überall bedeutet das, was die RF7 III leistet, einen kleinen Quantensprung. Die klassischen Klipsch-Tugenden wie herausragende Pegelfestigkeit und überragender Wirkungsgrad, Wucht im Bassbereich: Das ist alles nicht verloren gegangen, sondern wurde sogar noch verbessert.

Noch mehr Punch, noch mehr Druck, noch mehr Pegelfestigkeit: Die RF7 III holt auf Wunsch den Club ins heimische Wohnzimmer.  2.200 EUR pro Stück, Echtholzfurnier, made in USA – die Box ist ihren Kaufpreis Wert, auch wenn sie sich auf den ersten Blick nicht so stark von günstigeren Klipsch-Modellen unterscheidet, so ist die Hochwertigkeit doch überall spürbar. Für 2.200 EUR macht man hier einen rundherum guten Fang, erhält noch 5 Jahre Garantie dazu – der neue „Superstar“ aus den USA.

"Born in the USA": Die Klipsch RF7 III ist aber nicht nur eine kraftvoll aufspielende, pegelfeste Box, sondern zugleich ein erstklassiger Universalist
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Standlautsprecher bis 5.000 EUR Paarpreis
Test 07. Mai 2018

Test: Carsten Rampacher
Datum: 07.  Mai 2018

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