TEST: Top-Smartphone HTC U12+ mit Dual-Frontkamera und Edge Sense 2.0

Alles andere als günstig: Mit dem U12+ greifen die Taiwaner aktuelle Referenz-Smartphones an. Wer zum erlesenen Käuferkreis gehören möchte muss rund 750 Euro investieren und soll dafür insbesondere mit opulentem Kamera-Luxus belohnt werden. Dieses Jahr gibt es mit dem HTC U12+ im Gegensatz zum letzten Jahr aber nur eine einzelne Variante - HTC konzentriert sich nur noch auf das XXL-Model mit vielen Raffinessen.

Seitenansicht

Das Gehäuse ist der Preisklasse absolut angemessen, denn das Testgerät besteht aus einer lichtdurchlässigen Kombination aus Glasgehäuse und Aluminiumrahmen in der Farbe "Translucent Blue". Wer es auffälliger mag sollte die Variante "Flame Red" wählen, während das konservative "Titanium Black" eher Business-tauglich ist. Ungewöhnlich und cool an der dunkelblauen Version im "Liquid Surface"-Design ist der Durchblick auf das Innere, so kann man bei Tageslicht problemlos den Akku, die Antennen und Leiterbahnen erkennen – stylisch! Einziger Nachteil dieser Metall/Glas-Mixtur ist das hohe Gewicht, denn der Taiwaner bringt stolze 190 Gramm auf die Waage. Auch mit Fingerabdrücken muss man zwangsläufig leben.

Dafür ist aber die Verarbeitungsqualität top, zumal das Gerät nach IP-Standard 68 auch staub- und wasserdicht ist und der Schutz gegen Druckstellen gut gelungen ist. Ebenfalls positiv: Die rückseitige Kamera schließt bündig mit dem Rahmen ab. Apropos Kamera: Beide Kameras sind Dual ausgelegt, doch dazu später mehr. Das Smartphone liegt überdies insgesamt gut in der Hand, was auch an der gerundeten Rückseite und lupenreinen Verarbeitung ohne erkennbare Spaltmaße liegt.

Das Display ist ein alter Bekannter, denn es wurde 1:1 vom U11 Plus übernommen: 6-Zoll groß, LCD-Technologie, hohe 2.880 x 1.440 Pixel Auflösung und natürlich wieder 18:9 Format. Während Kontrast, Schärfe und Farbsättigung auf höchstem Niveau liegen kann die maximale Helligkeit nicht überzeugen. Im direkten Vergleich zu anderen Referenz-Geräten hat HTC hier ein klares Qualitätsproblem, was sich vor allem bei Tageslicht bemerkbar macht.

Rückseite

Sprechen wir direkt über die Kamera(s), denn bereits die Knipser des Vorgängermodells HTC U11 überzeugten. Die Hauptkamera ist mit einer 12-Megapixel-Auflösung, lichtstarker Blende (f/1.7) und optischem Bildstabilisator sowie einer 16-Megapixel-Telekamera mit doppelter Brennweite und lasergestützem Autofokus von den Möglichkeiten her noch breiter aufgestellt. Dazu zählen unter anderem Unschärfe-Effekte (Bokeh) oder ein Portrait-Modus. Selbstverständlich gibt es auch die üblichen „Standards“, wie Panorama, Profi-Modus oder Zeitlupe & -raffer. Eine besondere Spezialität der Kamera ist der HDR Boost 2, der bei Schwachlicht zum Einsatz kommt. Im Praxistest gelang es erstmals im Kellerbereich ohne zusätzlichem LED-Blitz ein gut ausgeleuchtetes Foto einzufangen – beeindruckend! Insgesamt setzt die Kamera qualitativ auf Natürlichkeit, sodass die Farbwiedergabe mitunter etwas blasser wirkt.

Aufgenommen mit dem U12+

Panorama

Aufnahme im Dunkeln

Eine Premiere feiert die 8-Megapixel-Front-Kamera, da sie ebenfalls mit zwei Linsen arbeitet, sodass automatisch effektvolle Bokeh-Schnappschüsse mit „Gesichter-Optimierung“ möglich sind. Im Praxistest gelangen bei guten Lichtverhältnissen Selfie-Aufnahmen in einer beeindruckenden Qualität, zumal die Kamera ein großes Aufnahmefeld aufweist – ideal für Gruppenaufnahmen.

Der UHD/60fps-Camcorder bietet Zeitlupen-Aufnahmen in Full HD mit 240 fps und mit Audio Boost ein absolut solides Klangerlebnis. Es sorgen gleich vier Mikrofone für einen 360° 3D-Sound, was den insgesamt tollen Kamera-Eindruck optimal abrundet.

Da es zwei Versionen mit 64 oder 128 Gigabyte großen internen Speicher gibt und auch microSD unterstützt wird, muss der Nutzer sich über etwaige Kapazitätsprobleme wenig Gedanken machen. Einziger Haken: Es gibt zwar den parallelen SIM-Karten-Einsatz im LTE-Netz, doch dann muss die microSD-Karte draußen bleiben.

Das volle Programm gibt es dafür bei den Datenschnittstellen. Geboten wird unter anderem Gigabit-LTE (bis zu 1,2 Gbit/s), ac-WLAN sowie Bluetooth 5.0 – es geht also sehr flott zu.

Screenshot

Screenshot 2

Eine HTC-Spezialität ist "Edge Sense", bei dem ein haptisches Feedback beim Drücken des unteren Displayrahmens Aktionen auslöst. So kann der Nutzer beispielsweise flink die Kamera aufrufen und mit einem weiteren Druck ein Foto knipsen – praktisch! Edge Sense wurde gegenüber dem U11 allerdings nochmals verbessert: So lassen sich via Doppeltipp beliebte Apps aufrufen. Um diese vielfältige Bedienung allerdings zu verinnerlichen muss der User kräftig üben, um das Timing und Druckempfindlichkeit zu beherrschen. Dafür steht aber ein Tutorial bereit.

Ungewohnt sind auch die seitlichen Tasten fürs An/Aus-Schalten und zur Lautstärke-Regulierung, denn die sind zwar präzise und vibrieren bei Benutzung, doch dafür haben sie keinen Tastenhub, was anfangs etwas befremdlich ist.

Das trifft nicht auf den rückseitigen Fingerprintscanner zu. Der ist unterhalb der Kamera sinnvoll platziert und arbeitet sehr präzise und außergewöhnlich schnell. Das gleiche lässt sich auch über die Gesichtserkennung sagen: Bereits nach einem kurzen Blick ist das Smartphone freigeschaltet – stark!

Beim Betriebssystem kommen bewährte Zutaten zusammen. Android 8.0 Oreo arbeitet unter der neuesten Benutzeroberfläche HTC Sense und ein Update auf Android-P sowie mindestens zwei Jahre lang Sicherheits- und Haupt-Updates werden zudem in Aussicht gestellt. Dank langjähriger Erfahrung mit dem Tandem agiert der Nutzer stets flott und hat Zugriff auf diese nützliche Short Cuts und Untermenüs.

HTC U12+

Bei der Performance sprechen die nackten Zahlen bereits Bände: Verbaut ist der aktuelle Snapdragon-845-Prozessor mit einer achtfachen 2.800 MHz Taktung und geradezu pompösen 6 Gigabyte Arbeitsspeicher. Es überrascht daher auch nicht, dass dem Taiwaner nicht so schnell etwas aus dem Takt bringt. Egal, ob Multitasking oder 3D-Games, das U12+ ist ein echtes Leistungsmonster und daher auch perspektivisch gut aufgestellt.

Der fest verbaute 3.000-mAh-Akkublock hört sich sehr vielversprechend an. Doch leider trügt die Zahl hier, denn in mehreren Testzyklen wurde keine Rufbereitschaft von zumindest drei Tagen erreicht. Auch der Nonstop-Einsatz von ca. 7,5 Stunden sind in der Spitzenklasse nicht mehr ganz zeitgemäß. Trotz flottem USB-3-Typ-C-Port dauert eine volle Aufladung überdiese rund 3,5 Stunden.

Kleiner weiterer Schwachpunkt: eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse fehlt. Dafür gibt es aber USB-C-kompatible Ohrstecker mit gutem Klang, aktiver Geräuschunterdrückung und einer Gehörgang-Vermessung per Ultraschall.

Sehr gut finden wir, dass Lautsprecher jeweils am Geräteende verbaut wurden, denn so ist die Stereobasis breit, was beim Zocken im Querformat ein großer Vorteil ist. Klanglich gibt es zwar Lautsprecher mit einer luftigeren und präziseren Abbildung, aber dafür können die Speaker auch gut höhere Dezibels vertragen ohne stark zu verzerren.

Die Sprachkommunikation ist weder hervorstechend schlecht noch übermäßig gut, sodass Telefonate keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Fazit

Das U12+ hat viele Zutaten, die ein Referenz-Smartphone aufweisen sollte: Eine bärenstarke Performance, XXL-Ausstattung und eine hochwertige Kamera-Bestückung. Mit der Dual-Selfie-Kamera und dem Edge Sense Bedienungskonzept punktet der Taiwaner zudem mit echten Alleinstellungsmerkmalen gegenüber der hochkarätigen Konkurrenz. Dennoch hält sich die Euphorie etwas in Grenzen, denn der Funker schwächelt stark bei der Akkuleistung und der Displayhelligkeit. Das ist zwar grundsätzlich kein Beinbruch, doch wenn man 700 Euro plus X für ein Smartphone ausgibt, dann erwartet der Käufer logischerweise das volle Paket. Im Vergleich zu direkten Mittbewerbern hat das U12+ somit einen recht schweren Stand, außer man möchte die wohl aktuell beste Selfie-Kamera sein Eigen nennen.

Exzellentes Smartphone mit einigen vermeidbaren Mängeln

15.09.2018

+ Zwei gute Dual-Kameras
+ Starke Performance
+ Sehr gute Ausstattung & cleveres Bedienungskonzept

- Hoher Preis
- Display zu dunkel
- Mäßige Rufbereitschaft

Test: Ulf Schneider
Datum: 15.09.2018

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