TEST: Stein-Standlautsprecher Valeria Audio RIA VG 2.1

Valeria Audio RIA VG 2.1 Gruppenbild3

Legendär sind die „Rolling Stones“ – folgt nun die nächste Legende? Die „Floorstanding Stones“ sind nämlich bei uns in der Redaktion zu Besuch. Wer sich nun verwundert die Augen reibt oder uns nicht „für voll“ nimmt, den klären wir gerne auf. Die Firma Valeria Audio aus dem beschaulichen Bergheim meint nämlich, dass Stein nicht nur als Material für robuste Böden im Haus und für Pizzaöfen taugt, sondern sich auch als Gehäusematerial für erstklassige Lautsprecher gut macht. Mehrere feine Exemplare finden sich im Produktportfolio, das größte, die RIA VG1, wiegt stolze 165 kg – Glück hat der, der gute Freunde im örtlichen Fitnessstudio für den Aufstell-Prozess hat. Wir haben uns mit etwas weniger Stein zufrieden gegeben und die neue RIA 2.1 mit immer noch beachtlichen 60 kg Lebendgewicht gewählt. 

Valeria Audio RIA VG 2.1 Verarbeitung2

Stein, wohin das Auge blickt – Unregelmäßigkeiten verantwortet die Natur, nicht der Hersteller – jedes Stück ist ein Unikat

Valeria Audio RIA VG 2.1 Rueckseite Seitlich2

 Rückseite – die RIA VG 2.1 imponiert durch ihr massives Wesen

Valeria Audio RIA VG 2.1 Front Seitlich1

 Chassis in D’Appolito-Anordnung

Es handelt sich bei RIA 2.1 um einen Zweiwege-Bassreflex-Konstruktion, der Hochtöner wird nach dem D’Appolito-Prinzip von den beiden Tiefmitteltönern eingeschlossen. Die Nennimpedanz beträgt 4 Ohm, die Empfindlichkeit wird vom Hersteller mit 89 dB (2,83 V/1m) angegeben. 1050 mm hoch sind die „Edel-Steine“, 195 cm breit und 280 mm tief, durchaus wohnraumkompatible Abmessungen treffen hier also auf exotisches Gehäusematerial. Valeria Audio verweist auf der Website auf die uneingeschränkte Tauglichkeit für den Einsatz an hochwertigen Röhrenverstärkern, auf die seperat eingebaute Frequenzweiche und auf die speziell für den Einsatz in einem Natursteingehäuse überarbeiteten Chassis. 

Valeria Audio RIA VG 2.1 Verarbeitung

Ja, Stein ist gut geeignet für Boxen – wir hören später genau hin

Valeria Audio RIA VG 2.1 Hochtoener2

 Hochtöner

Valeria Audio RIA VG 2.1 Tiefmitteltoener

 Tiefmitteltöner

Valeria Audio RIA VG 2.1 Detail Front

 Typenschild

Valeria Audio RIA VG 2.1 Bassreflexrohr

 Bassreflex-Öffnung auf der Rückseite

Warum ausgerechnet Stein? Diese durchaus berechtigte Frage dürfte sich manch ein Anwender stellen. MDF, Alu, oder, bei billigen Lautsprechern, Kunststoff ist ja als Gehäusematerial hinlänglich bekannt. Die Sound-Experten von Valeria Audio aber erklären nicht ohne Stolz auf ihrer Website, dass sich gerade Stein aufgrund der ausgezeichneten physikalischen Voraussetzungen als Material für den Bau eines Lautsprecher-Gehäuses eignet. Vibrationen oder Ressonanzen, beides zutiefst unerwünscht, treten in den massiven Steingehäusen kaum auf. So werden auch tieffrequente Urgewalten, die oftmals dadurch, dass das LS-Gehäuse angesprochen wird, unschöne Dissonzanzen ins Klangbild bringen, souverän gemeistert. So weit die Theorie, wir überprüfen dies später in der Praxis. 

Höchste handwerkliche Ansprüche stellt Valeria Audio an sich – in der kleinen Manufaktur wird alles von Hand „made in Germany“ mit Ruhe und Sorgfalt zusammen gebaut. Als beste Voraussetzungen für guten Sound? Genau das haben wir überprüft.

Nun steht RIA VG 2.1 vor uns – und die Front wird nicht nur von den Chassis in D’Applito-Anordnung beherrscht, sondern auch von der silbernen „Valeria Audio“-Plakette am Boxensockel. Die Form folgt den Prinzipien eines klassischen Stand-Lautsprechers – das Material, grauer Naturstein, macht hier den Unterschied. Der Schallwandler steht durch sein immenses Gewicht sicher und stabil – salopp gesagt: „Den rennt so schnell keiner um“. Oft signalisiert Masse auch Qualität – genau dies geschieht auch bei der beruhigend solide wirkenden RIA VG 2.1. Zudem ertappt man sich immer wieder dabei, wie man mit den Fingern über die Naturstein-Öberfläche fährt: Die RIA VG 2.1 muss gar nicht in Betrieb sein, schon stellt sich ein Wohlgefühl beim Besitzer ein. Der Paarpreis von 6.900 EUR erscheint weitaus weniger exklusiv als befürchtet, diese Summe ist man für konventionelle Schallwandler, die weniger optischen und haptischen Luxus versprühen, auch gut und gerne los. Also macht die kleine Handmade-Manufaktur nicht durch unverschämt überhöhte Preise auf sich aufmerksam – es sei, denn, unsere „Floorstanding-Stones“ erweisen sich als akustische Flops. Das haben wir im Folgenden genau untersucht. 

Wir haben zunächst zahlreiche HiRes-FLAC-Audiofiles gehört – und wir starten mit „Let It Rain“ von Diana Krall (vom Album „Glad Rag Doll“, 96 kHz). Die RIA VG 2.1 überzeugt hier mit sattem, fundiertem Klang. So wie die Box aussieht, so klingt sie auch: Kraftvoll, massiv, mit nachdrücklichem Bass. Trotzdem ist der tieffrequente Bereich immer präzise abgebildet – Bass ohne Präzision gibt es bei Valeria Audio nicht. Die Struktur, die der Steinlautsprecher gerade in tieffrequente tonale Anteile bringt, ist exzellent. Ferner fällt auf, wie gelungen die Standbox die Stimme von den Chassis löst – und wie charismatisch sie aufbereitet wird. Es mag Lautsprecher dieser Preisklasse geben, die noch mehr Brillanz im Hochtonbereich bereitstellen – aber: Dies wird oft mit einer etwas zu prägnanten Charakteristik bei höherem Pegel bezahlt. Hier geht die RIA VG 2.1 eigene Wege: Es ist eine große Freude, wie souverän, gelassen und problemlos hier über lange Zeit mit beachtlichem Pegel gehört werden kann. 

Wir haben verschiedene Verstärker genutzt: So den Magnat MA1000 (mit Röhrenvorstufe, Test folgt bald), die Vor-/Endverstärker-Kombination X-Preamp und X-A160 von Advance Acoustic und den Pioneer A-70 Vollverstärker – und an jedem Zuspieler bot die RIA VG 2.1 einen vollen, überaus angenehmen Klang. Dies zeigt sich auch bei „Glad Rag Doll“ ebenfalls von Diana Krall und das Titellied zum Album. Dabei können die RIA VG 2.1 nicht nur kraftvoll, sondern durchaus auch sensibel. Allerdings scheint immer durch, dass nachhaltiges Präsentieren von Inhalten den Steinlautsprechern besonders liegt. Beim schwungvollen „I’m A Little Mixed Up“ – hiermit schließen wir unsere „Diana Krall-Testreihen“ – zeigt sich dies sehr gut, hier liefern die Valeria Audio-Schallwandler eine äußerst gefällige, fundierte Vorstellung, die auch dem Charakter der Musik ausgezeichnet gerecht wird. 

Das nächste Klangbeispiel verursacht im übertragenen Sinne „Bauchschmerzen“ bei vielen, selbst teuren Lautsprechern: „Ej Bajel Que No Recela“, ein barockes Stück in der Interpretation der Französin Patricia Petibon (FLAC 96 kHz), ist gerade wegen des vokalen Facettenreichtums und der Gefahr, dass die weit nach oben im Frequenzspektrum strebende Stimme zu aggressive Untertöne hervorbringt, berüchtigt. Die RIA VG 2.1 bleibt aber auch hier ihrem ruhigen, gelassenen Wesen treu. Man kann sich entspannt zurücklehnen und dieses wunderschöne barocke Stück genießen. Sicherlich, es mag noch brillanter, etwas feinnerviger gehen – aber so angenehm, so „easy“ und homogen wie die Valeria Audio-Box spielt dieses Stück kaum ein anderer Schallwandler. 

Genau diese Auslegung stellt der Standlautsprecher auch beim ersten Allegro von Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nr.4, Köchelverzeichnis 218, unter Beweis. In 96 kHz FLAC präsentiert, werden auch zahlreiche feinere Details ans Tageslicht geholt. Mit dem wiederum souveränen, kultivierten Spiel sichert sich die RIA VG 2.1 auch hier wieder Bestnoten. Streicher können auch schrill klingen? Besitzer der Bergheimer Stein-Box können sich dies kaum vorstellen. Sehr gut durchhörbar, dabei höchst angenehm – so kann man auch mit echtem „Orchester-Pegel“ hören, ohne danach Ohrenschmerzen zu haben. Gerade für den, der nach Feierabend einfach Musk genießen möchte, ohne analytisch zu sezieren, eignet sich der Steinlautsprecher vortrefflich. Die sehr gute Herausarbeitung dynamischer Differenzen ist genauso zu loben wie die gleichmäßige Ausbreitung des Klangs im Hörraum. Die hohe Pegelfestigkeit ist in Anbetracht der relativ kompakten Schallwandler durchaus als überraschend zu bezeichnen. 

Wir fahren fort mit einem weiteren 96 kHz/FLAC-File: Nils Landgren hat es sich auf seine Fahnen geschrieben, legendäre ABBA Titel in „funkigem“ Gewand neu aufzulegen. Relaxed, aber doch nachdrücklich, und akustisch sehr interessant – so empfinden wir seine Adaptionen. Und hier sind die RIA VG 2.1 beinahe ideal, um den Charakter des Stücks unverfälscht wiederzugeben: Das kraftvoll-energiegeladene, aber entspannte Wesen von „Money Money Money“ kommt exzellent heraus. Räumlichkeit und Basseinsatz haben uns auf ganzer Linie überzeugt. Mit „Voulez-Vous“ geht es weiter – auch hier wieder die identische Auslegung. Prima kommt die Instrumentierung heraus, facettenreich erfolgt die Darstellung der weiblichen Gesangsstimme. Der Bass ist kräftig, aber kommt stets genau auf den Punkt. Fürs nicht übermäßig große Gehäuse ist der Tiefgang ausgesprochen gut. 

Wenden wir  uns aktueller Club-Musik in CD-Qualität zu. Hier haben wir uns das 2014er Remix des Klassikers „Get Ready For This“ von 2 Unlimited (Remix by Steve Aoki) angehört – und die RIA VG 2.1 zeigt uns, dass sie keinesfalls nur für „seriöse“ Musik geeignet ist. Auch, wenn es vehement im Club-Style vorwärts geht, ist sie sofort impulstreu zur Stelle: Mit weitläufiger Effektwiedergabe und hartem, untadelig präzisen Kickbass. Wir „remixen“ weiter – mit der 2014er Version von „It’s My Life“ von Dr. Alban (Bodybangers-Remix). Sauber integrierte vokale Anteile, massiver, exakt auf den Punkt kommender Bass, tolle Raumwirkung  – wahrhaftige akustische Spitzenqualität ist unabhängig vom Quellmaterial. Die RIA VG 2.1 tun sich als echte Universalisten in unseren Testreihen hervor und zeigen sich jedem Musikstil gegenüber aufgeschlossen – auch „Living On A Prayer“ von Bon Jovi? Ja, auch hier bleibt der Schallwandler souverän und bietet den bereits gewohnten lebendigen Bassbereich. Die Stimme Jon Bon Jovis löst sich erneut gut von den Boxen, die E-Gitarre klingt fetzig, ohne zu schrill zu werden.

Insgesamt ein toller, faszinierender Lautsprecher – der angeschlossene Verstärker sollte aber verständlicherweise schon etwas Leistung mitbringen. Dies sollten insbesondere die Anwender beachten, die einen Röhrenverstärker an der RIA VG 2.1 betreiben wollen: Das geht zwar aufgrund des kultivierten Wesens des Steinlautsprechers problemlos, die erzielbaren Pegel könnten aber nicht ganz so hoch wie erwartet ausfallen, weil der Wirkungsgrad eher in Richtung Durchschnitt tendiert. Wie sehen nun die Vor- und Nachteile eines Steinlautsprechers im Vergleich zu konventionellen Alu/MDF-Boxen aus?

Als Vorteil können wir im Falle des RIA VG 2.1 Standlautsprechers eine enorm souveräne Basswiedergabe ausmachen. Resonanzen, Dröhngeräusche etc. gibt es auch bei hoher Belastung keine. Die insgesamt sehr angenehme Tonalität ist ebenfalls ein nicht zu unterschätzender Vorzug. Als Nachteil für den sehr „Höhen-bewussten“ Hörer könnte man anführen, dass im Hochtonbereich noch mehr Brillanz möglich ist. Bilanzierend erfreut uns der Valeria Audio-Lautsprecher mit einer ungemein praxistauglichen und harmonischen, durch die Bank gelungenen Auslegung. Keine zickige „High End Diva“, sondern ein „Typ für alle Fälle“ kommt hier aus Bergheim. Die klangliche Auslegung der RIA 2.1 würde vielen anderen Boxen bestens zu Gesicht stehen. 

Fazit

Valeria Audio RIA VG 2.1 Front1

Valeria Audio hat im wahrsten Wortsinne „den Stein ins Rollen“ gebracht: Die RIA VG 2.1 ist exklusiv, handgefertigt, enorm klangstark und dafür nicht zu teuer. Wir hätten dem Kleinserien-Lautsprecher aus Bergheim nicht eine so überzeugende Performance zugetraut. Mit massiver Materialqualität und toller Optik sowie Haptik überzeugt der Lautsprecher schon, wenn er gar nicht in Betrieb ist. Wenn es dann losgeht und eine akustische Quelle gehört wird, begeistern Tiefgang, Nachdruck, Räumlichkeit und Dynamik ohne Einschränkung. Ganz gleich, welcher Musikstil – mit der Valeria Audio RIA VG 2.1 ist man nie falsch aufgestellt. Souverän, impulstreu und pegelfest wird jede Hürde gelassen gemeistert. 

Gleichermaßen exklusiver wie faszinierend souverän klingender Stein-Lautsprecher, der in Deutschland handgefertigt wird
referenz
Standlautsprecher Luxusklasse
Test 31. Januar 2014

+ Extrem massives, Wertigkeit ausstrahlendes Gehäuse
+ Wohnraumkompatible Abmessungen
+ Sehr gute Pegelfestigkeit
+ Extrem souveräner, kultivierter Klang
+ Toller Tiefgang und nachdrücklicher Bass
+ Für die gebotene Exklusivität absolut angemessener Preis

– Wirkungsgrad nur durchschnittlich

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 31. Januar 2014




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