TEST: Onkyo Smart Speaker P3 – Alexa, wie gut klingst du?

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Auf der IFA 2017 in Berlin hat Onkyo zwei Smart Speaker vorgestellt: Den mit Google Assistant ausgestatteten G3 sowie den mit Alexa-Sprachsteuerung versehenen P3, um den es in diesem Testbericht gehen soll. Klares Ziel ist, den Komfort und praktischen Nutzen des sprachbasierten Steuerungsdienst mit guter Klangqualität zu kombinieren, denn sonst könnte man ja schlichtweg auf den Amazon-eigenen Lautsprecher „Echo“ zurückgreifen. Sprachsteuerung alleine reicht natürlich nicht aus, der Onkyo-Lautsprecher ist auch eine Multiroom-Streaming-Komponente auf der Basis von DTS Play-Fi und ermöglicht in Kombination mit der App den einfachen Zugriff auf zahlreiche Musikstreaming-Services, Internetradio und die Wiedergabe der eigenen Musikbibliothek über das Netzwerk. Darüber hinaus kann er mit anderen kompatiblen Play-Fi Geräten kombiniert werden. Der P3 von Onkyo ist zum Preis von 229 Euro erhältlich.

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Stationäre Bedienelemente

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Rückseite

Im Gegensatz zum Pendant mit Google Assistant, der recht kantig auftritt, zeigt sich der P3 in ovaler Säulenform und wirkt recht schlank und modern. Die Seitenflächen sind rundum mit einem Lautsprechergitter mit schwarzer Stoffbespannung versehen, die an den Übergängen sauber abschließt. Die rückseitige Aussparung beherbergt einen Anschluss für das Netzteil und einen Klinkenein- sowie Ausgang, an den man z.B. konventionelle HiFi-Komponenten anschließen kann. Der USB- und MicroUSB-Anschluss sind für Servicezwecke reserviert. Darüber befindet sich der Power- und Reset-Button sowie eine WiFi-Taste, die für die Installation notwendig ist.

Die eigentlichen Bedienelemente befinden sich aber auf der Oberseite der Komponente. Hier gibt es vier Favoritentasten, Play/Pause, ein Mute-Button sowie Knöpfe für die Lautstärke-Einstellung. Auch das Mikrofon bzw. die drei Mikrofone, sichtbar an den drei kleinen Löchern an der Oberseite, können mit einer dedizierten Taste komplett deaktiviert werden. Die Bedienelemente ähneln Folientasten, sind aber haptisch nicht vergleichbar sondern bieten einen sehr guten Druckpunkt mit solidem Feedback. Der Randbereich, der die ganze Oberseite umfasst, ist ein LED-Ring, der in verschiedenen Farben aufleuchten kann und Auskunft über den Status des Gerätes gibt. Die Unterseite ist komplett mit einer Gummischicht überzogen, was dem Lautsprecher zu sehr solider Standfestigkeit auf glatten Oberflächen verhilft.

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Rückseitige Bedienelemente

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Anschlüsse

Beim P3 handelt es sich um einen stationären Lautsprecher. Ein Akku ist nicht integriert, vor der Installation muss also das Netzteil angeschlossen werden. Die „Quick Start“-Anleitung gibt als nächsten Schritt den Download der Play-Fi App vor, in der man dann ein neues Gerät hinzufügen kann. In den Einstellungen gibt es auch bereits den Unterpunkt „Amazon Alexa“, der speziell für diese Komponenten reserviert ist. Bevor wir mit der App-geführten Installation fortfahren können, müssen wir uns zunächst mit dem automatisch vom P3 generierten WLAN-Netzwerk verbinden. Dabei handelt es sich um ein ungesichertes Netzwerk, dass lediglich zu Installationszwecken bereitgestellt wird. Zurück in der Play-Fi App wird man sofort nach dem gewünschten WLAN-Netzwerk gefragt, mit dem sich der P3 verbinden soll. Danach folgt eine Passwort-Eingabe und der Lautsprecher verbindet sich mit dem Router.

Nach der Wahl eines gewünschten Ortes (Wohnzimmer, Küche, Badezimmer, etc.) oder der Vergabe eines eigenen Namens schlägt die App gegebenenfalls ein Firmware-Update der Geräte vor. Das Update dauert um die fünf Minuten, der Lautsprecher quittiert den Abschluss mit einem akustischen Signal. Vor der Fertigstellung der Einrichtung muss man, sofern man Alexa nutzen möchte, das Gerät mit dem eigenen Amazon-Account verknüpfen. Die von DTS zur Verfügung gestellte Play-Fi App führt diesen Schritt nicht durch, sondern empfiehlt das Herunterladen der „Onkyo Music Control App“. Hier wählt man dann noch die gewünschte Sprache aus und fährt mit der Anmeldung bei Amazon fort, die Erstinstallation ist dann abgeschlossen.

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Zunächst mit dem WLAN Access Point des Onkyo P3 verbinden

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Das Passwort wird per App an den Smart Lautsprecher übertragen

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Ein Firmware-Update ist verfügbar

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Den P3-Lautsprecher benennen

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Der eigene Amazon-Account muss verknüpft werden

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Onkyo MusicControl

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Auch Tidal und Qobuz ist an Bord

Wichtig ist, dass man die Einrichtung zunächst über den ersten Punkt in den Einstellungen „Richten Sie das Play-Fi Gerät ein“ und nicht direkt im Unterpunkt „Amazon Alexa“, nur dann konnten wir auch mit Alexa kommunizieren. Danach reagiert der Sprachassistent aber flink auf „Alexa“, und das auch aus einigen Metern Entfernung. In welche Richtung der Lautsprecher platziert ist, spielt dabei keine Rolle. Auch Hintergrundgeräusche, wie ein laufender Fernseher oder eine Unterhaltung, stellen den Lautsprecher vor keine Probleme. Alexa reagiert problemlos auf Fragen nach dem Wetter, sonstige Sachfragen, stellt einen Timer ein, erzählt Witze oder gibt Musik von Amazon Prime Music, TuneIn, etc. wieder. Die Steuerung von Spotify z.B. war uns aber nicht möglich. Auf den Befehl „Alexa, gib Metallica auf Spofity wieder“ reagiert sie lediglich mit der Antwort „Spotify wird auf diesem Gerät nicht unterstützt“. Korrekt ist das natürlich nicht ganz, denn der P3 kann problemlos per Spotify Connect angesteuert werden. Befehle wie „Lauter“/“Leiser“ werden aber weiterhin befolgt. Die Steuerung eines Medienservers funktioniert ohne Umwege mit Alexa leider ebenfalls nicht. Etwas komplexere Fragen beantwortet Alexa zudem häufig mit „Ich bin nicht sicher“, hier muss sich das Verhältnis zwischen Sprachassistent und Nutzer erst noch einspielen. In Kombination mit kompatiblen Smart Home-Geräten, wie z.B. Philips Hue-Lampen, lassen sich Steuerungsmöglichkeiten natürlich deutlich erweitern.

Doch wie sieht es nun mit der akustischen Leistungsfähigkeit aus? Gerade hier will der Onkyo ja den Amazon-eigenen Echo Lautsprecher sowie natürlich Alexa-fähige Komponenten anderer Hersteller ausstechen. Wir starten mit „Suzanne“ von Leonard Cohen: Der P3 gefällt mit einer sehr charakteristischen Wiedergabe der unverkennbaren Stimme des gebürtigen Kanadiers und präsentiert eine dichte und weitläufige Bühne. Sehr gut ist auch die Verteilung im Raum, der Standord des Zuhörers spielt eine untergeordnete Rollen, wenn man dafür auch geringfügigen Verlust der Instrumentenstaffelung auf der Bühne in Kauf nehmen muss. Dafür muss man den Lautsprecher nicht jedes Mal umplatzieren, wenn man sich aus der offenen Wohnküche entfernt und auf dem Sofa Platz nimmt. Auch der Maximalpegel hat hier positiven Einfluss, der P3 beschallt durchaus mittelgroße Wohnzimmer souverän. Vibrationen lassen sich dann zwar nicht mehr völlig vermeiden, dennoch bietet der P3 überaus solide Pegelfestigkeit und auch bis in den obersten Bereich keine Verzerrungen. Auch „Hallelujah“ klingt absolut überzeugend, der Chor ist sehr sauber integriert und wird auch passend in den Hintergrund gerückt, während die Vokalstimme im Fokus steht und solide ausdetailliert wirkt. Insgesamt bietet der P3 eine harmonische, ausgewogene Kulisse, die durchaus lebendig und spritzig erscheint.

Ab in die Schweiz! Die sozialkritischen Elektropop-Jünger von Saalschutz polarisieren wie kaum andere und schleudern dem Zuhörer ihren typischen Sprechgesang in Kombination mit experimentellen Synthesizer-Beats entgegen. Der P3 bleibt unbeeindruckt und gefällt mit einer klaren Strukturierung der einzelnen akustischen Elemente, die auch solide in den Raum eingebettet sind. Eine klare Lokalisierung ist natürlich nicht in gleichem Maße eines Stereo-Setups gegeben, muss sich aber im Bereich der Single-Lautsprecher keinesfalls verstecken. Untenrum spielt der Onkyo Smart Speaker kraftvoll auf, weiß aber um seine Grenzen: Dem Lautsprecher unmögliche Frequenzbereiche werden lieber weg gelassen und nicht mit Pegel-Anhebungen in Bereichen darüber suggeriert. Fans von voluminösen und aufgedickten Bässen mag dies nicht so passen, im Sinne einer natürlichen Wiedergabe begrüßen wir dies aber sehr.

Wir wollen die Lager aber nicht zu sehr trennen und kehren mit Paul Kalkbrenners Interpretation von Leonard Cohen’s „You Want it Darker“ zurück zum massentauglichen Musikgenuss. Der basslastige Track wird vom P3 räumlich und mit dichter Atmosphäre wiedergegeben. Auch der harte Kickbass wirkt, bezogen auf das Gehäusevolumen des P3, nachdrücklich und voluminös. Bass-Fanatiker erwarten hier vielleicht etwas mehr Punch, werden aber von einer sehr sauberen Stimmwiedergabe und Integration der verzerrten Synthesizer-Klänge verwöhnt. Noch einmal können wir hervor heben, wie akkurat und sauber die Gesamtkulisse unabhängig der Position des Zuhörers wirkt, nur wenn man in den rückseitigen Bereich des Lautsprechers gerät ist eine leichte Veränderung, die sich in etwas geringer ausgeprägter Brillanz ab den oberen Mitten niederschlägt, zu rechnen.

Wir kehren ab von den synthetischen Klängen und machen es uns mit dem „Killers“ Album von Iron Maiden bequem. Auch das harte Metal-Gehämmer präsentiert der P3 dank flinker Reaktionsgeschwindigkeit und einer guten Differenzierung der Instrumente mit hohem Anspruch. Trotz des komplexen Geschehens wird die Stimme des Frontmannes sauber und klar wiedergegeben, auch bei den Drums lassen sich die einzelnen Percussion-Werkzeuge ausgezeichnet erkennen. Die Bassdrum wirkt kräftig, aber nicht überzogen und zu dick. Die verzerrten Gitarrenklänge kommen klar heraus und sind neben der Stimme zentrales Element von Wrathchild. Ein solches Differenzierungsvermögen hätten wir von der kompakten Komponente gar nicht erwartet, gerade bei derart schnellen und komplexen Stücken gehen Breitbänder oft ein und lassen das Geschehen zu einem Geschrammel verschmelzen. Der P3 strukturiert und differenziert aber sehr gut, selbst bei hohem Pegel.

Den fetten Gitarren- und Bass-Sound treiben die Truckfighters mit „Desert Cruiser“ natürlich auf die Spitze. Hier muss der Onkyo-Lautsprecher schon alles aufbieten, um beim Maximalpegel beinahe gar nicht zu verzerren. Satt und voll klingt die räumliche Darstellung des Onkyo Smart Lautsprechers, flink wird bei den schnell aufeinander folgenden Bass-Schlägen agiert und auch die Stimme des schwedischen Trios gelingt mit hoher Authentizität. Nach etwa zweieinhalb Minuten wird das Geschehen etwas differenzierter, der P3 liefert hier eine saubere Durchzeichnung der Soundkulisse, vermittelt den treibenden Klang der Stoner-Rock-Band aber exzellent. Der P3 wirkt stets so, als würden ihm auch die anspruchsvollsten Stücke leicht fallen und gefällt mit Souveränität und Leichtfüßigkeit. Insgesamt eine ausgezeichnete Präsentation eines Single-Lautsprechers mit kompakten Abmessungen, weitgehend unabhängig des Genres.

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Der Smart Lautsprecher P3 von Onkyo mit Alexa-Support ist ein flexibler Single-Speaker mit einem für seine Größe und den aufgerufenen Preis ausgezeichnetem akustischen Leistungsvermögen. Dank der Basis auf DTS Play-Fi lässt sich der Lautsprecher hervorragend mit Komponenten aus eigenem Hause oder aber auch anderer Hersteller kombinieren. Auch Kategorie-übergreifend, z.B. in Verbindung mit einem Pioneer AV-Receiver, gelingt das Zusammenspiel. Alexa nimmt die Sprachbefehle auf Zuruf auch bei einigen Metern Entfernung problemlos wahr, etwas schwieriger wird die Kombination aus Distanz und hohem Lautstärkepegel. Der Sprachdienst versteht uns gut, kann aber nicht alle Möglichkeiten des P3-Lautsprechers voll nutzen, so verweigert der Dienst z.B. die Wiedergabe von Spotify oder kann beim Internetradio TuneIn nicht nach spezifischen Genres suchen. Das muss allerdings auf die Kappe des Assistenten und nicht zu Lasten des P3 gehen. Die Verarbeitung des Lautsprechers ist absolut solide und auch die stationären Bedienelemente gefallen mit guter Haptik. Die Onkyo MusicControl App auf DTS Play-Fi Basis funktioniert ohne Hindernisse, auch die Einrichtung stellt keine Probleme dar.

Preislich attraktiver Smart Lautsprecher auf Play-Fi Basis mit sehr guten akustischen Eigenschaften
ueberragend
22.01.2018

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich (Screenshots: Philipp Kind)
Datum: 22.01.2018

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