TEST: Klipsch Master-/Slave Aktiv-Standboxen-Set R-28PF – Power satt mit 520 Watt Peak-Leistung?

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1.300 EUR für ein Master-/Slave-Lautsprecher-Set, das aus großvolumigen Standlautsprechern und reichlich Verstärkerleistung (260 Watt Dauerleistung) besteht, dazu Bluetooth, USB-DAC, Phono-Anschluss, Pre-Out für die Verbindung mit einem separaten aktiven Subwoofer – das klingt nach einem interessanten Paket. Gebaut wird dieses von Klipsch, der Name: R-28PF.

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Master-Box von hinten

Mit maximal 114 dB Schalldruck (@1m), einem Frequenzgang von 33 Hz bis 20 kHz und einem robusten MDF-Gehäuse, das ordentlich foliert ist, sind die Basis-Daten recht gut. Klipsch verzichtet bewusst auf HDMI-Beschaltung und Decoder für dts und Dolby Digital – mancher Kontrahent verbaut aktuell diese Features in Master-/Slave-Aktivboxen. Wir halten den Klipsch-Ansatz mit USB-DAC und Phono-Eingang im Übrigen für äußerst sinnvoll.

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Ausschnitt aus der Rückseite

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Anschlussbestückung – alles ist vorhanden, auch ein USB-DAC und Digital-Optisch. Umschaltbarer Line/Phono-Cincheingang und Subwoofer-Pre-Out

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Systemkabel-Anschluss der Master-Box, Netzschalter

Klipsch-R-28PF-Slave-Anschluss

Systemkabelanschluss bei der Slave-Box

Klipsch-R-28PF-Fernbedienung

Hübsche Systemfernbedienung

Mittels Systemkabel werden Master- und Slave-Box miteinander verbunden. Eine hübsche, kompakte Systemfernbedienung liegt dem Paket bei. Befehle, die mit der etwas an Apple-Fernbedienungen erinnernden Remote gegeben werden, setzt die Master-Box flott um. Die Verarbeitung ist robust, aber relativ schlicht. Etwas optischen Pfiff  bringt die Kupfer-Oberfläche der Tiefmitteltöner. Die Lautsprecher-Schutzgitter haften magnetisch, wirken aber nicht besonders edel. 

Klang

Check: Was kann der eingebaute USB-DAC? Wir verbinden unser MacBook, auf dem sich der Audirvana Software-Player befindet, mit der Master-Box von Klipsch. Und siehe da, immerhin bis zu 96 kHz/24-Bit sind nativ möglich. Das geht völlig in Ordnung. 

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Geht das was? Bei Klipsch bestimmt. Elektronik in der Übersicht

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Ordentlich aufgebaut, keine Beanstandungen für die Preisklasse

Wir starten mit dem Techno/Trance-Klassiker „Redemption“ von RMB aus den 90er Jahren. typisches Klipsch-Material, dynamisch und im Bassbereich kraftvoll. Und das R-28P Set enttäuscht nicht. Der Bass hat Substanz, Kontur, ist schnell und auch bei hohem Pegel praktisch verzerrungsfrei. Die elektronischen Effekte werden zügig eingearbeitet. Die vokalen Anteile überzeugen durch die sehr gute Loslösung von den Lautsprecher-Gehäusen. Die tonale Auslegung kann bei diesem Track überzeugen. Keine Spur von unnötiger Agressivität, dafür aber Lebendigkeit und Homogenität. Das gesamte Klangbild erscheint in sich schlüssig und wird beherrscht von enormer Souveränität. 260 Watt Dauerleistung und 520 Watt Peak-Leistung sind überzeugende Werte nicht nur auf dem Papier – man spürt es auch in der Praxis. 20 Watt pro Kanal stehen für die Hochtöner und 110 Watt pro Kanal stehen dem mTief-/Mitteltonbereich zur Verfügung. 

Klipsch-R-28PF-Hochtoener-Detail

Hochtöner mit Hornvorsatz

Klipsch-R-28PF-Tiefmitteltoener

Im Bassbereich bewegt sich einiges – dank der großzügigen Bestückung

Wir bleiben dem 90er Jahre Mayday-Style treu und lauschen nun der Westbam-Version des Moby-Klassikers „Feeling So Real“. Das Ausgangsmaterial in CD-Qualität erfüllt gerade so normale Ansprüche. Umso erstaunlicher, was das Klipsch-Ensemble daraus macht. Der präzise Bass trifft genau den richtigen Punkt, die beiden 10,2 cm Basstreiber mit dem für Klipsch typischen IMG-Chassis mit Kupferoberfläche schieben mit enormen Nachdruck voran und lassen wahre Mayday-Gefühle wiederaufleben. Der 2,54 cm Hochtöner mit 90 x 90 Grad Tractix-Hornvorsatz bringt Klarheit, aber keine Schärfe ins Spiel.

Klipsch ist und bleibt Klipsch – geht es um maximale Disco- oder Club-sowie Konzert-Atmosphäre, lassen die US-Amerikaner den meisten Konkurrenten keine Chance. Wo andere verzweifelt aufgeben, legen die US-„Hardstyler“ noch locker einiges an Pegel drauf. Optisch groß (106,6 cm hoch, 24,1 cm breit, 39,8 cm tief), stellt das R-28PF Set die moderne Interpretation einer echten Männerbox dar. Die „Cowboys“ enttäuschen Pegel-Jünger keinesfalls, klingen aber gleichzeitig wirklich verbindlich. 

Und wie es erst bei Marushas „It Takes Me Away“ abgeht: Selten, schon gar nicht in dieser Preisliga, haben wir eine solche souveräne Basskraft vernehmen dürfen. Ohne mit der Wimper zu zucken, schießen die beiden Klipsch-Boxen in Pegelregionen hinauf, die auch für die abendliche Party im Keller locker ausreichen. Längere Zeit mit hohem Pegel hören? Kein Thema, Einbrüche hinsichtlich der Dynamik finden sich keine. Die Räumlichkeit ist ebenfalls hervorragend, so kann man auch einen 30 Quadratmeter-Raum problemlos beschallen und findet keine akustische Ärmlichkeit vor. 

Gut, „herumballern“ ist das eine, aber geht es auch kultiviert? Check: Ja, das geht, und zwar prima. Die Diana Krall-Adaption von „Desperado“ in Flac 48 kHz/24-Bit macht richtig Freude. Die Stimme Dianas löst sich sehr gut von den beiden großen Standlautsprechern, und selbst die Einarbeitung des Klaviers ist gut gelungen. Nein, es folgt nicht der „aber“ Satz, nach dem Motto, schon ganz in Ordnung, aber das geht besser. Für ihr Geld überzeugen die zwei „Cowboys“ auch feindynamisch – ohne Wenn und Aber. Auch, wenn dies nicht zur martialischen Optik passen möchte, so ist das R-28PF-Set klanglich absolut vollwertig, und mit 1.300 Set-Preis extrem günstig. Beim nächsten Stück von Dianas „Wallflower“-Album mit Cover-Versionen bekannter Superhits „Don’t Dream It’s Over“ verwöhnen uns die beiden R-28 mit einem räumlich außergewöhnlich dichten Klang, der sowohl hinsichtlich der Tiefe als auch hinsichtlich der Weite kaum einen Wunsch offen lässt. Sauber, klar, fein dosiert – keine Spur von oberflächlichem Sound, wie wir es früher von verschiedenen Klipsch-Lautsprechern her kannten. 

Bei Mark Knopflers „River Towns“ setzt das Klipsch-Set den erfolgreichen Weg nahtlos fort. Natürlich, wer extrem anspruchsvoll ist, wird das ein oder andere Detail vermissen und sich im Bassbereich etwas mehr Zurückhaltung und weniger Wucht wünschen. Aber HiFi-Enthusiasten sind auch in anderen Preisklassen unterwegs. Nein, wir bleiben dabei: Fürs investierte Geld ziehen die Master-/Slave-Boxen auch bei Marks Stück eine große Show ab. Die akustische Gitarre kommt gut heraus, bei der Stimme wäre vielleicht etwas mehr Prägnanz angebracht, dafür ist sie fließend ins tonale Gesamtgefüge eingearbeitet. 

Wie wir aus Chicago wissen, funktioniert zumindest auf krimineller Ebene die Zusammenarbeit zwischen Italien und den USA ganz ausgezeichnet. Aber auch musikalisch sind durchaus achtbare Erfolge möglich. Bei „Diamante“ von Alessi profilieren sich die beiden ausgewachsenen Klipsch-Schallwandler als Emotionsschub-Überbringer. Rund, atmosphärisch dicht und mit einer klaren, aber nicht aggressiven Stimmwiedergabe, kann man ein weiteres Mal sehr zufrieden mit der Performance des US-Gespanns sein. Der Horn-Hochtöner mit Tractrix-Hornvorsatz entfaltet dabei eine wirklich ausgezeichnete Räumlichkeit. 

Konkurrenzvergleich

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  • Teufel Ultima 40 Aktiv: Derzeit für konkurrenzlose 666 EUR (Stand 15. November 2017) zu haben (Normalpreis 799,99 EUR), kann man bei diesem Master-/Slave-Standboxenpaar bedenkenlos zuschlagen., HDMI 1.4a Beschaltung, dts/Dolby Digital-Decoder, alles ist an Bord, natürlich auch Bluetooth. Leider fehlt ein USB-DAC. Aus klanglicher Sicht spielen die teureren Klipsch in einer anderen Liga. Mehr Druck, mehr Pegelfestigkeit, mehr Räumlichkeit und mehr Homogenität sind hier herauszuhören. In ihren jeweiligen Preisklassen stellen Ultima 40 Aktiv und R-28PF jeweils sehr gute Lösungen dar. 

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  • Canton C-500 Aktiv Master/Slave-Set: Wie auch die Klipsch-Boxen sind die C-500 für 1.200 EUR Set-Preis sofort als klassische Lautsprecher zu erkennen. Sie klingen rund und lebendig, die größeren Klipsch-Gegner legen aber bei Tiefgang und Pegelfestigkeit noch eine Schippe drauf. Die Ausstattung unterscheidet sich. Die Canton Boxen kommen mit HDMI-Beschaltung (ohne HDCP 2.2) und Decodern für Dolby Digital/dts sowie dts TruSurround als virtuellem Surroundaufpolierer. Dafür fehlt ein USB-DAC. Bluetooth ist bei Canton und Klipsch an Bord, nur Klipsch bietet einen Phonoeingang. 

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  • Nubert nuPro 700: Extrem aufwändige DSP-Technik, jede Box mit Endstufen versehen und als „Master“ zu verwenden, großartige Reserven bei den eingebauten Endstufen, die jeweils für verschiedene Frequenzbereiche zuständig sind: Die nuPro A-700, von der Größe her mit dem Klipsch-Set vergleichbar, kommt pro Stück auf 1.265 EUR und liegt somit über den großen Klipsch-Boxen. Der USB-DAC der nuPro A-700 verarbeitet nur bis 48 kHz/16-Bit, das ist ein kleiner Nachteil, Bluetooth gibt es nur optional. Gegen zusätzliches Geld kann man dafür die A-700 mit Wireless-Funksignalübertragung ausrüsten.  In der Aktivboxen-Oberklasse ist kein Kraut gegen die A-700 gewachsen, erstaunlich ist aber, wie nahe die günstigen Klipsch dran sind, trotz einfacherer Technik. Fazit: Nubert nuPro A-700 als technischer Gipfel, Klipsch R-28PF, die sogar noch einen Phonoeingang aufweisen, als Preis-/Leistungs-Champions. 
Fazit

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Klipsch macht hier einfach alles richtig. Die Ausstattung mit Bluetooth, Phono-Eingang und bis 96 kHz/24-Bit geeignetem USB-DAC ist sehr sinnvoll – wir sehen wir mehr Sinn als in einer HDMI-Bestückung und Ausstattung mit Dolby Digital/dts-Decodern, wie er bei einigen anderen Produkten zu finden ist (dafür wird dort dann auf einen USB-DAC verzichtet) – und der Klang ist das Beste, was man in der Master-/Slave-Liga bis 1.500 EUR einkaufen kann. Das R-28PF-System brilliert bei Trance, Techno und auch bei anspruchsvollerer Musik ohne Wenn und Aber. Pegelfest, dynamisch, kultiviert, kraftvoll, detailreich – wer ein erstklassiges Paar Master-/Slave-Aktivboxen erwerben möchte und mit den großen Abmessungen klarkommt, erwirbt mit dem R-28PF-Set genau das richtige System, auch für deutlich gehobene Ansprüche. 

Voller Erfolg: Das Klipsch R-28PF Set begeistert durch Kraft, Dynamik, Pegelfestigkeit und sogar durch tadelloses Feingefühl
preisklassenreferenz
Master-/Slave-Boxen-Sets bis 1.500 EUR
Test 22. November 2017

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 22. November 2017




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