TEST: KEF X300A Wireless – aktive Kompakt-LS mit Streaming-Funktion

Für 999 EUR/Paar gibt es die neuen KEF X300 Wireless-Aktivmonitore. Einfach per Ethernet-Buchse ins Netzwerk eingebunden – und es eröffnen sich vielfältige Streaming-Optionen. AirPlay-Streaming, DLNA-Streaming, Streaming vom Android-Device – dem Anwender stehen viele Wege offen.

Kühlkörper

Komplette Rückseite

Wenden wir uns zunächst der aufwändigen Technik in den kompakten Monitoren zu. Jeder der beiden Lautsprecher verfügt über zwei Class AB-Verstärker, einen für den Tief- und Mitteltonbereich und einen weiteren für den Hochtonbereich. 50 Watt stehen für den Tief-/Mitteltonbereich und 20 Watt für den Hochtonbereich zur Verfügung.

KEF verspricht sich davon eine verzerrungsfreie, lebendige und detailreiche Wiedergabe. Leistungsfähige Ringkerntransformatoren garantieren hohe Stromlieferfähigkeit und verhindern Brummen und elektromagnetische Störungen.

In jeder Box ist ein leistungsfähiger D/A-Konverter untergebracht. Er sorgt für enorme Störungsarmut, indem er die Dekodierung und die Wiedergabe der Musikdateien voneinander trennt. Wireless-Übertragung mit bis zu 96 kHz/24-Bit ist möglich – das ist Top-Niveau, sogar HiRes-Audio-Dateien können auf diese Art und Weise gestreamt werden.

UNI Q-Chassis

Verarbeitung

Als Chassis für präzisen, aus zeitlicher Sicht vorbildlich akkuraten Klang  kommt ein KEF UNI-Q-Treiber zum Einsatz. Dieser verfolgt konsequent das Punktschallquellen-Prinzip – der Hochtöner ist im Zentrum des Mitteltöners untergebracht. Im einzelnen handelt es sich um einen 25 mm Hochtöner mit Alu-Membran und um einen 130 mm Tief-/Mitteltöner mit einer Membran aus Aluminium-Magnesium-Legierung. Den Frequenzgang (- 3 dB) gibt der Hersteller mit 58 Hz bis 28 kHz an. Bei – 6 dB reicht er von 49 Hz  bis 45 kHz. Maximale Lautstärke: respektable 104 dB. Das Innenvolumen der X300A Wireless beträgt 4,7 Liter.  Wahlweise lieferbar sind die Boxen in „Linear White“ oder aber in Metallgrau. Jeder Schallwandler wiegt recht üppige 7,5 kg und misst mit Kühlkörper 280 mm in der Höhe, 180 mm in der Breite und 243 mm in der Tiefe.

Anschlüsse rechter Lautsprecher

Anschlüsse linker Lautsprecher

Netzwerkbuchse

An Anschlüssen finden sich ein 3,5 mm Stereo-Miniklinken-AUX-Eingang, einmal USB 2.0 als Mini-USB Typ B. Natürlich gibt es auch eine Ehternetbuchse.

Bassreflexrohr, das auf Wunsch per Stopfen verschlossen werden kann

KEF an beinahe an alles gedacht: So werden passgenaue Stopfen für die Bassreflexöffnung hinten mitgeliefert, so dass man diese im Falle einer sehr wandnahen Aufstellung verschließen kann.

Die Schallwandler sehen gerade in weißer Ausführung sehr gut aus. Das vordere UNI-Q-Chassis ist ohne sichtbare Verschraubung solide eingepasst, in den silbernen Rahmen rund um die Chassis ist eine sehr kleine LED eingelassen, die Auskunft über den momentanen Betriebszustand (Standby = rot, während der Ersteinrichtung = blau-oranges Blinken, betriebsbereit = blau) gibt. Lautsprechergitter für die aufgeräumte Front sind nicht vorgesehen, sie wird aber auch niemand wirklich vermissen. Alle Gehäuseecken sind sorgfältig gerundet, was dem Design ebenso gut tut wie einem Sinken des potentiellen Verletzungsrisikos. Die funktional gestaltete Rückseite birgt ebenfalls keine unschönen Verarbeitungsmängel.

Einrichtungsassistent unter Win7

Möglichkeiten beim Aufrufen des Einrichtungsassistenten für die Wireless-Einbindung

KEF bietet einen Einrichtungsassistenten für Windows (Windows 7 oder höher) beziehungsweise für Mac (OS X 10.6 oder neuer) an. Wer seine Musikbibliothek über iTunes auf dem PC oder Notebook organisiert hat, benötigt allerdings nichts anderes, da dann das Wireless Streaming einfach per Apple AirPlay vonstatten geht. Nutzt man den Windows 7-Einrichtungsassistenten, so sorgt dieser lediglich dafür, dass der Lautsprecher danach wireless im Heimnetzwerk eingebunden ist. Dabei verbindet man sich zunächst mit einem Drahtlos-Netzwerk, das von den X300A Wireless Lautsprechern aufgebaut wird und gibt dann mithilfe des Einrichtungsassistenten das WLAN-Passwort ein.

Ansteuerung der X300A über Windows Media Player

Nach einem kurzen Verbindungsvorgang sind die Lautsprecher im Heimnetzwerk integriert. Ein entsprechender Software-Player muss dann in der Lage sein, die KEF-Boxen wireless anzusteuern. Gleichzeitig sollte der Software-Player auch aktuelle Dateiformate wie FLAC in Hi-Res Formaten wiedergeben können, um die Fähigkeiten der X300A ausnutzen zu können. Das Ansteuern der X300A funktioniert innerhalb des Windows Media Players, der allerdings ohne zusätzliche Plug-Ins von Drittanbietern kein FLAC wiedergibt und auch sonst bei Hi-Res-Fans nicht eben beliebt ist.

AirPlay am PC

Wer auf seinen PC iTunes und den Windows Media Player laufen lässt und die KEF mit beiden Quellen drahtlos beliefern möchte, kann sich über ein recht zügiges und problemloses Umschalten von iTunes auf den Windows Media Player und zurück freuen.

Mittels der Digital Media Control (DMC) App (Android) kann man auch auswählen, woher Smartphone oder Tablet die Musikdateien beziehen soll

Laden der Medienbibliothek

Wiedergabe

Schnellzugriff auf Server- und Lautsprecherwechsel

Vom Apple iOS-Device wie iPhone oder iPad kann man ebenfalls einfach die Musik per AirPlay streamen. Etwas komplizierter wird es, wenn das mobile Device unter Android läuft. Dann führt der Weg in den Google Play Store, und die KEF DMC-App wird kostenlos heruntergeladen. Sie ist laut KEF zu Android-Versionen ab 2.3 kompatibel. In unseren Testreihen erwies sich die App (getestet mit Samsung Galaxy S4 mini und Sony Xperia Z1) als noch nicht 100 % ausgereift. Es ist zwar sehr praktisch, dass man nicht nur auf die Musik, die auf dem Smartphone/Tablet gespeichert ist, zugreifen kann, sondern dass das mobile Device gleichzeitig als „Schaltstation“ für das Streaming von anderen Musikquellen im Heimnetzwerk herhält. Aber bis die jeweilige Musik-Bibliothek geladen ist, vergeht schon einiges an Zeit. Und dann wird ein Titel angewählt, und es entsteht bisweilen auch hier eine Verzögerung, bis der Titel wiedergegeben wird. Hier denken wir, dass KEF die aktuellen Probleme rasch durch ein Update der App beheben wird.

Klang

Wir starten diesmal mit Klassik, genauer gesagt mit Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert Köchelverzeichnis 622. Hier hören wir das erste Allegro, und stellen fest: Die X300A sind waschechte HiFi-Boxen, die mit schwungvollem Spiel und tadelloser Feindynamik auf sich aufmerksam machen. Sie eignen sich für den kleineren Wohnraum tadellos – sie strahlen keinesfalls so eng wie ein klassischer Nahfeldmonitor ab, sondern haben eine deutlich abgeschwächte Richtcharakteristik, so dass sie auch dann, wenn man entspannt auf der Couch sitzt, eine tadellose, realistische Räumlichkeit entfalten. Der Klassik-Liebhaber kann gerade im schon angesprochenen kleineren Hörraum zwischen rund 12 und gut 20 Quadratmeter auch durchaus mit höherem Pegel hören, ohne dass das Hörvergnügen durch Verzerrungen oder beginnendes Clipping im Hochtonbereich geschmälert wird. Minimal wird der Hochtonbereich dominanter, wenn der Pegel steigt, minimal büßt die Souveränität des Klangbildes ein – beides aber dürfte lediglich dem erfahrenen, anspruchsvollen Hörer auffallen.

Wir möchten uns nochmal wie im Frühling fühlen und holen aus diesem Grunde Antonio Vivaldis farbenfrohen Auftakt der „Vier Jahreszeiten“ aus dem Winterschlaf. Auch hier freuen wir uns über eine gelungene Darstellung der Orchestereinsätze und auch der Solo-Instrumente: Die Violine ist fein nuanciert, und entfaltet eine tadellose Räumlichkeit. Bedingt durch die relativ kompakten Abmessungen der X300A Wireless sind den Fähigkeiten im Tiefbassbereich physikalische Grenzen gesetzt – in der Praxis aber kann man bei Klassischem mit dem Gebotenen sehr gut leben, es sei denn, man hört jeden Tag Bachs Orgelwerke. Dann sollte man sich über andere Schallwandler ernsthaft Gedanken machen.

Andrea Bocellis „L’Attesa“ kommt mit sehr dynamischem Anfang ausgezeichnet heraus. Die Stimme des berümten Tenors löst sich überraschend gut von den Chassis und verteilt sich gelungen im Raum. Die Instrumentierung wird gelungen wiedergegeben, der Bass kommt vom Timing her hervorragend heraus. Das einheitliche Klangbild gefällt uns gut, der Rhythmus wird sehr gut herausgearbeitet. Auch hier kann man prima mit deutlich gehobenem Pegel hören – es macht richtig Spaß, die Class AB Endstufen liefern einen satten, ausgewogenen Klang.

Wie sieht es aus bei „Skyfall“ von Adele? Der Beginn, noch ohne Stimmwiedergabe, wirkt räumlich, sensibel und präzise. Als Adele zu singen beginnt, stellt die X300A Wireless ihre Stimme sehr gut in den Mittelpunkt, ohne das Piano und den Rest der Instrumente zu vernachlässigen. Die Wireless-Übertragung funktioniert artefaktefrei – zu kompletten Unterbrechungen kommt es auch nicht, ganz gleich, ob wir mittels Smartphone oder PC zuspielen, und es spielt keine Rolle, ob iTunes oder der Windows Media Player auf dem Rechner läuft. Die Dynamiksprünge innerhalb des Tracks arbeiten die beiden KEF Boxen sehr gut und vor allem ausgesprochen impulstreu heraus. Hier zahlt sich das UNI-Q-Prinzip offensichtlich nachvollziehbar aus.

Wir fahren fort mit dem 2012er Hit „We Are Young“ von Fun. Die lebendige, fundierte Wiedergabe ist hier bereits ab dem Anfang herauszuhören. Als dann ein deutlicher Dynamiksprung kommt, wird der nachdrückliche Bass mit erstaunlicher Substanz zum Ausdruck. Wir hatten heftiges Anschlagen der Membranen erwartet – doch das Schauspiel „Technik am Ende“ findet bei den X300A Wireless nicht statt, es fällt aus. Dafür kommt ersatzweise das Stück „So macht WiFi Spaß“ mit englischem Originalton. Die Stimme von Janelle Monáe wird sehr gut herausgearbeitet und wirkt glaubwürdig, die Weitläufigkeit überrascht.

Nun wollen wir die X300A Wireless doch noch herausfordern und füttern sie mit dem Goldfrapp-Hit „Rocket“ im Remix von Tiesto. Der Anfang ist noch vergleichsweise harmlos, aber nach einer knappen Minute mischt sich ein fieser, weil sehr massiver Bass unter das akustische Geschehen. Hier erkennt die X300A diese neue tiefrequente Struktur und stellt sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr gut dar. Sicherlich – hier geht deutlich mehr, das wollen wir nicht verschweigen, aber für ihre kompakten Abmessungen brilliert die X300A. Dynamik und Räumlichkeit sind auch bei diesem Track überdurchschnittlich ausgeprägt. Wie wenig Verzerrungen und tonale Artefakte produziert werden, ist tatsächlich höchst erstaunlich, und das Versprechen, Wireless-Übertragung mit hoher akustischer Güte zu kombinieren, kann von KEF tatsächlich eingelöst werden.

Fazit

Kompakt und hochwertig, gleichzeitig enorm flexibel – das Konzept der KEF X300A Wireless passt in unsere Zeit. Sie sind nicht nur geeignet, um als enorm hochwertige Schallwandler der Musik-Bibliothek auf dem PC Gehör zu schenken, sondern können auch als Botschafter des lebendigen, kultivierten und räumlichen Klangs in Zusammenarbeit mit Smartphone oder Tablet ihrer Arbeit nachgehen. Voraussetzung ist nur, dass Tablet oder Smartphone im gleichen Netzwerk zu finden ist wie die KWF Wireless-Speaker. Bluetooth als zusätzliches Funktionsmerkmal fehlt – wäre dies noch vorhanden, gäbe es hinsichtlich der Ausstattung gar keine Kritik mehr. Sauber verarbeitet, schick und pegelfest präsentieren sich die X300A Wireless – auch, wenn 999 EUR Paarpreis auf den ersten Blick nicht gerade als klassisches Schnäppchen durchgehen, so ist es doch gut investiertes Geld, weil KEF zeigt, dass sich Wireless-Übertragung und leistungsfähige Gesamt-Akustik nicht ausschließen müssen.

Kompakt und nobel auftretend, mischen die KEF X300A Wireless auch mit ihrem kultivierten, dynamischen Klang die drahtlose Musikwelt auf
Wireless-Speaker Oberklasse
Test 05. November 2013

+ Kultivierter und dynamischer Klang
+ Räumlichkeit und Pegelfestigkeit tadellos
+ Kompakt und elegant
+ Stabile Wireless-Übertragung
+ AirPlay plus DMC-App für Android

– Kein Bluetooth zusätzlich

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 05. November 2013




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