TEST: KEF Bluetooth-In-Ear-Kopfhörer Motion One – Porsche-Design trifft erstklassigen Sound

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Es gibt Unmengen an In-Ear-Kopfhörern auf dem deutschen Markt. Von einer Sättigung zu sprechen, wäre demnach sogar noch untertrieben. Und doch gibt es mobile Sound-Begleiter für die Ohren, die es souverän schaffen, sich von der Masse abzuheben. Dazu gehört ohne Zweifel der KEF Motion One mit Bluetooth 4.1 für exakt 249,95 EUR, der in Zusammenarbeit mit Porsche Design entwickelt wurde. Schon der im Test überzeugende Bluetooth-Aktivlautsprecher Gravity One für 379 EUR entsprang dieser offensichtlich fruchtbaren Kooperation des österreichischen Porsche-Designstudios und der Klang-Könner aus dem Vereinigten Königreich. 

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Hochwertige Verarbeitung, aufwändige Technik

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MicroUSB-Slot mit Gummiabdeckung, die aber passgenauer sitzen könnte

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Das Neckband ist komplett aus Silikon, hautfreundlich und haptisch richtig gut. Hier die Bedienelemente

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Das Neckband sitzt komfortabel

Und der Motion One stellt erneut eine gelungene Synthese aus exklusiver Optik und hervorragender Technik sowie Ausstattung dar. Bluetooth mit Qualcomm aptX ist an Bord, überdies ist der noble Neckband-In-Ear-Kopfhörer nach IPX 5 Norm wasserdicht und eignet sich somit auch für Outdoor- und Sport-Aktivitäten. Die Gehäuse der Ohrkapseln sind aus gebürstetem Aluminium und in der aktuell sehr nachgefragten Farbe Titan gehalten. Das wirkt zurückhaltend-nobel und absolut zeitlos. Das gesamte Neckband mit den integrierten Bedienelementen besteht aus Silikon und liegt angenehm auf der Haut. 

Natürlich bedient sich der Motion One, wie schon angesprochen, hochwertiger Technik. Speziell geformte Gehäuse (Acoustic Directional Enclosures – ADE), beste Bauteile, modernste akustische Technologie und eine sorgsame Abstimmung durch erfahrene KEF-Ingenieure sollen dem Motion One im hart umkämpften Marktsegment eine Sonderstellung verschaffen.

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Flaches Transport-Case

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Umfangreiches Zubehör 

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Kleiner Beutel fürs Zubehör

Man kann den Motion One, zum Beispiel im Flugzeug, auch kabelbasiert verwenden. Ein entsprechendes, beidseitig geführtes Kabel befindet sich neben einem Flugzeug-Adapter und Ohrstücken in insgesamt drei Größen im Lieferumfang. Eine hochwertige, flache Transportbox und ein Beutel fürs Zubehör sind ebenfalls in der Packung enthalten. Ein USB-Ladekabel gehört ebenfalls zu den mitgelieferten Accessoires. 

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Treiber mit Neodym-Magneten

Die 8,6 mm Treiber sind mit leistungsstarken Neodym-Magneten versehen. Den Frequenzgang gibt KEF mit 20 Hz bis 20 kHz an. Also kein Hi-Res über 20 kHz? Zumindest im Bluetooth-Einsatz macht es derzeit ohnehin wenig Sinn, vielleicht hätte man für die Verwendung als kabelbasierter Kopfhörer hier noch etwas nachschenken sollen. Wie sich später in den Klangtestreihen zeigt, gibt es am Sound und insbesondere am Auflösungsvermögen des Motion One wenig auszusetzen.

Tadellos ist es um die Laufzeit des eingebauten 140 mAh-Akkus bestellt. Begnügt sich mancher Kontrahent mit fünf bis sechs Stunden Laufzeit, sind es beim Motion One satte 10 Stunden. 

Klang, Bedien- und Tragekomfort, Freisprecheinrichtung

Was kann der Porsche-In-Ear-Bluetooth-Kopfhörer in den Klangtestreihen? Wir führen ihm zunächst aktuelle Club-Musik zu und starten mit „After The Afterparty“ von Charli XCX featuring Lil Yachty im Remix von Alan Walker. Und höre da: Die Sound-Kompetenz der KEF-Entwickler macht auch vor dem Motion One nicht Halt. Ein klarer, gut umrissener Klang mit einer ausgezeichneten Dynamik ist wahrzunehmen. Die Stimme trennt sich überzeugend von den Instrumenten, und der Bass hat, wenn die Kapsel richtig im Ohr sitzt, Substanz und Kraft, ohne aufdringlich zu erscheinen. Das tadellose Auflösungsvermögen ist ebenfalls zu loben, und die unterschiedlichen musikalischen Ebenen differenziert der Motion One auf hohem Niveau auseinander. 

Wie sieht es mit „Great Spirit“ von Armin van Buuren & Vini Vici featuring Hilight Tribe aus? Der Rhythmus wird hervorragend herausgearbeitet, schnell, lebendig, frisch – die Impulstreue ist für die Preisklasse beispielhaft. Es macht richtig Freude, mit dem Motion One intensiv zu hören, so gut „geht“ der Brite mit dem österreichischen Design. Auch bei diesem Hörbeispiel ist es wieder die überragende Differenzierung der einzelnen musikalischen Ebenen, die den Motion One auszeichnet. Dynamische Wechsel verarbeitet er blitzschnell, schon eben lobten wir die Impulstreue. 

Brooklyn Bounce, Club-Stars der 90er Jahre, sind noch immer im Einsatz, aktuell mit „Like A Runaway“. Zwingt uns der Motion One hier zum Weglaufen oder begeistert er auch bei diesem Track? Keine Sorge, der KEF In-Ear-Bluetooth-Kopfhörer geht den „Weg des Erfolges“ konsequent weiter und zieht ein weiteres Mal alle Register seines Könnens. Klar, hart ertönt der Bass, der genau den richtigen Punkt trifft. Nachschwingen, Wabern? Fremdwörter für den sauber abgestimmten Motion One, der überdies sehr pegelfest ist. Gelassen werden höhere Lautstärken gemeistert. Übertreiben sollte man es, möchte man sein Gehör in gesundem Zustand behalten, natürlich nicht. Dadurch, dass der Motion One so sauber spielt, ist man aber immer motiviert, es zumindest für kürzere Zeit mal etwas lauter angehen zu lassen.

Natürlich kann man dem In-Ear von KEF nicht nur zum „Mobile Clubber“ mutieren, sondern auch andere Musikstile in hoher Qualität genießen. Nun lauschen wir „I Belong To You“ von Eros Ramazzotti und Anastacia. Das wunderschöne Duett bringt der Motion One nicht nur angemessen, sondern exzellent zur Geltung. Straffer Bass, sehr gute Herausmodellierung der Stimmen, es fällt auch bei diesem Titel schwer, Kritikpunkte zu finden. Natürlich geht immer noch mehr – aber im Gegensatz zu manchem Highend-In-Ear-Hörer kostet der KEF eben keine 400, 500 oder 600 EUR, sondern absolut faire 250 EUR. Und wenn man bedenkt, wie locker der bequeme und sehr schicke In-Ear die Konkurrenz der Liga 150 bis 200 EUR in die Tasche steckt, ist der Kaufpreis  mehr als angemessen, auch wenn man die bis auf ein Detail (schlecht sitzender Gummi-Deckel über dem MicroUSB-Slot) überragende Verarbeitungsgüte mit einbezieht. 

„I’m Your Angel“, ein Duett zwischen Céline Dion und R. Kelly, setzt der Motion One ebenfalls in vorzüglicher Güte um. Das gelungene Fokussieren von Stimmen gelingt wenigen In-Ear-Kopfhörern überzeugend. Der KEF beweist hier Klasse und stellt die Stimmen von Celine Dion und R. Kelly frei in den virtuellen Raum. Der Bass hat ein stimmiges Volumen, stört aber nicht durch zu große Dominanz. Gleichzeitig aber ist stets auch genug Kraft für ein gefälliges Fundament vorhanden. Auch bei diesem Stück macht der Motion One alles richtig. 

Gilt das auch für „Love in Portofino“ von Andrea Bocelli? Das melancholische Stück, gleichzeitig doch beschwingt, zeigt eindrucksvoll auf, dass man den Motion One kaum auf dem falschen Fuß erwischen kann. Die im Hintergrund agierenden Streicher kommen tadellos heraus, die Stimme Andreas liegt klar im Fokus, so wie es auch sein sollte. Sogar Ansätze der Anschlagdynamik des Klaviers stellt der Motion One heraus. Hier sei angemerkt: Was die Herausarbeitung des Klaviers angeht, ist noch deutlich mehr möglich. Das Streicher-Soli ist hingegen so gut, dass sich selbst mancher 400 EUR In-Ear nicht durch bessere Performance hervorheben kann. Insgesamt sind wir auch bei diesem Stück überzeugt, dass man für 250 EUR kaum einen besseren In-Ear-Hörer finden kann, zumal der wasser- und schweißresistente Motion One auch noch äußerst flexibel hinsichtlich seiner Einsatzmöglichkeiten ist.  

Nun bewegen wir uns musikalisch zurück in die 80er Jahre und starten mit „Sometimes“, dem großen Durchbruch für Erasure. Das Quellmaterial ist aus qualitativer Sicht eher durchschnittlich, und daher kann auch der Motion One hier nicht zum akustischen großen Schlag ausholen. Doch Schwäche zeigt er keinesfalls. Bedenken wir, was sonst oft für ein im oberen Mitteltonbereich überzogenes „Gequäke“ zu hören ist, so holt der Engländer ein Maximum aus der Quelle und serviert eine  homogene, nicht zu metallische Gesamtakustik mit einem durchaus wahrnehmbaren Bassbereich. 

Wie hört sich John Parrs „St. Elmo’s Fire“ an? Auch hier erfüllt das Quellmaterial keine enormen Ansprüche. Doch der Motion One bringt auch hier ein recht gefälliges Klangbild zustande, wenngleich, die leichte Überbetonung der oberen Mitten und die minimale Aggressivität im Hochtonbereich nicht völlig weg sind. Aber, und das verdient durchaus Respekt, man kann den Titel recht  laut hören, ohne dass es wirklich störend wird. 

Zur Bluetooth-Übertragung können wir nur lobende Worte finden, denn nicht nur, dass Qualcomm aptX für eine höherwertige Übertragung musikalischer Inhalte selbstverständlich an Bord ist, auch die Stabilität der Übertragung gehört mit zum Besten, was wir bislang in der Redaktion hatten. Auch, wenn das Smartphone auf dem Schreibtisch liegt und man mit dem Motion One im Haus umher wandert, gibt es keine Unterbrechungen, selbst mit Wänden dazwischen werden fast neun Meter Reichweite geschafft. Top, KEF! Das Koppeln mit unserem iPhone 7 Plus ging in Sekunden vonstatten, so muss das bei einem modernen Bluetooth-Device sein.

Zudem überzeugt uns der Bedienkomfort. Links am Nackenbügel sind die Bedienelemente für Stop, Pause, Titelsprung und Lautstärkeregelung untergebracht. Sie sind bequem erreichbar und der Druckpunkt ist hervorragend. Auch wenn man beim Sport schnell den Titel wechseln möchte und vielleicht verschwitzte Hände hat: Kein Problem beim Motion One. Die hochwertige Gummierung ist auch haptisch eine echte Freude. Hinzu kommt, dass die Ohrkapseln enorm komfortabel in den Gehörgängen ruhen und somit insgesamt ein beispielshafter Bedien- und Tragekomfort geboten wird. Vergleichen wir mit den „True Wireless“ Ear-Pods (keine Verbindung mehr zwischen den einzelnen In-Ear-Ohrkapseln für links und rechts, also „echtes“ Wireless), so kann man sagen, dass noch lange nicht jeder Trend irgendeinen praktischen Sinn macht. Gab es auf der CES 2017 noch einen gigantischen Hype um die „True Wireless“ In-Ears, so ist es mittlerweile schon wieder erheblich ruhiger geworden, und bei allem optischen Chic braucht unserer Meinung nach kaum jemand diese Neuerung. 

Der Motion One ist des Weiteren mit einer Freisprecheinrichtung ausgestattet, die das Hands-Free-Telefonieren ermöglicht. Meist sind solche Freisprecheinrichtungen nicht der „Weisheit letzter Schluss“, doch unser KEF In-Ear scheitert auch hier nicht. Sicherlich, die Bewertung „sehr gut“ können wir nicht vergeben. Dazu fehlt es der Stimme des Gesprächspartners etwas an Substanz. Dafür gibt es kaum Rauschen und eine ordentliche Verständlichkeit. Auch der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung beschwert sich nicht, dass er den KEF-Nutzer nicht verstehen würde. Also auch hier eine brauchbare Performance, was verdeutlicht: Schwächen sind dem KEF Motion One fremd. 

Konkurrenzvergleich

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Teufel Move BT, In-Ear-Bluetooth-Kopfhörer für 120 EUR: Etwas weniger als die Hälfte des Motion One kostet der Teufel Move BT. Was hat er dann hier im Konkurrenzumfeld verloren? Einfache Antwort: Er ist so gut, dass sich für nicht wenige Anwender eine noch höhere Investition nicht lohnt. Der Move BT ist darüber hinaus exzellent verarbeitet und bietet einen tollen Tragekomfort. Es werden genug Ohreinsätze mitgeliefert, so dass jeder einen findet, der optimal passt. Akustisch spielt der Move BT groß auf, gibt sich souverän bei höherem Pegel, realisiert einen straffen Bass und gefällt mit gutem Auflösungsvermögen. Keinen ernsthaften Tadel fängt sich zudem die Freisprecheinrichtung ein. Da muss schon der mehr als doppelt so teure Motion One her, um den Move BT wirksam in die Schranken zu verweisen: Hörbar mehr Auflösung, der Bass hat mehr Struktur, Stimmen werden deutlicher fokussiert. Verarbeitungs- und Materialgüte des Motion One sind beispielhaft, die Technik ist aufwändig. Fazit: Zwei echte Top-Offerten in den jeweiligen Preisklassen. 

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150 EUR laut unverbindlicher Preisempfehlung kostet der Panasonic RP-BTS50, ein dedizierter Sportkopfhörer, der seinen Verwendungszweck optisch sehr klar herausstellt. Bluetooth mit aptX, IPX5-Zertifizierung, Quick Charge-Funktion: Der Panasonic geizt weder mit High-Tech noch mit Nutzwert. Zudem klingt er auch richtig gut und mutiert sozusagen zum „Sport-Geheimtipp“ in der Liga zwischen 150 und 200 EUR. Er erweist sich auch als hartnäckiger Konkurrent für den teureren Motion One, doch der Brite macht schon deutlich, dass er nicht ohne Grund teurer ist: Materialgüte und Finish sind nochmals besser, er löst feiner auf, wirkt edler und bringt mehr Kontur in alle Arten von Bassgefügen. 

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Kabelgebunden und nicht Bluetooth, äußerst edel, sehr aufwändig konstruiert (Hybrid-Treiber) und für Hi-Res-Audio bestens geeignet: All das kennzeichnet den mit 399 EUR nicht eben günstigen AKG N40. Drei Klangfilter, die einfach in di Ohrstücke geschraubt werden, erlauben eine Anpassung an individuelle Hör-Ansprüche: Bass Boost, Reference Sound oder High Boost sind möglich. Eine äußerst sorgfältige Verarbeitung darf man bei dem Kaufpreis überdies erwarten, und der N40 enttäuscht nicht. Klanglich detailliert er fein und bietet eine tolle räumliche Staffelung. Aber, Hand aufs Herz: Der praktischere Begleiter für den Alltag ist der KEF Motion One. Er klingt homogener, kommt mit praktisch jedem musikalischen Material besser zurecht, ist robust und kann sogar für den Sport eingesetzt werden. Die Bluetooth-Verbindung ist so stabil, dass auch eingefleischte Kabel-Fans schwach werden könnten. Kurzum – perfekter Gegenwert für 250 EUR, während der exklusive N40 schon als relativ teuer empfunden wird. 

Fazit

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Viele Stärken, praktisch keine Schwächen: Sieht man vom schlecht passenden Gummi-Verschluss über dem MicroUSB-Slot ab, findet sich beim KEF Motion One kaum Anlass zur Kritik. Er ist hervorragend verarbeitet, bietet eine enorme Materialqualität und erweist sich als nahezu idealer Begleiter für den Alltag. Der detailreiche, dynamische und fundierte Klang bei jedem Quellmaterial hat uns ebenso überzeugt wie die enorm stabile Bluetooth-Verbindung sowie die ausgezeichnete Pegelfestigkeit. Die eingebaute Freisprecheinrichtung kann man ebenfalls bedenkenlos verwenden. Somit bleibt als Bilanz: Der KEF Motion One erscheint teurer, als er wirklich ist, für rund 250 EUR bietet er eine exzellente Leistungsfähigkeit ohne nennenswerte Abstriche. 

Spitzenleistung ohne Kompromisse: Der KEF Motion One überzeugt mit feiner Optik, hohem Gebrauchswert und hervorragendem Klang
preisklassenreferenz
In-Ear Bluetooth-Kopfhörer bis 300 EUR
Test 13. Juni 2017

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 13. Juni 2017

 

 




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