TEST: Elac WS 1665 Wand-Lautsprecher – flach, schick und extrem klangstark?

elac_ws1665_gruppenbild3

Hervorragender Klang, der kaum sichtbar ist – viele Anwender träumen davon, gerade im schicken Wohnzimmer sind große und damit natürlich bestens sichtbare Boxen oftmals verpönt. Elac schafft nun konsequent Abhilfe mit einem großen Portofolio an ultraflachen On Wall-Lautsprechern. Wer Wert legt auf eine enorme akustische Leistungsfähigkeit, greift gleich zum Topmodell WS 1665 für einen Stückpreis von knapp 1.000 EUR. Elac selber spricht bei diesem Schallwandler selbstbewusst auf der Website von einem „Klangwunder der besonderen Art“ und von einer „audiophile(n) Lösung ohne Platzierungsprobleme“. 

elac_ws1665_jet_hochtoener

JET 5 Bändchenhochtöner

elac_ws1665_jet_hochtoener_ausgebaut

Bändchenhochtöner ausgebaut

elac_ws1665_tiefmitteltoener_einzeln

Tiefmitteltöner, 115 mm, mit Diamantstruktur auf der Membran

elac_ws1665_tiefmitteltoener_ausgebaut2

Kräftiger Magnet

elac_ws1665_tiefmitteltoener_ausgebaut

Solide Konstruktion

Die 650 mm hohe, 220 mm breite, aber nur 98 mm tiefe Box besticht durch ihr schlicht-elegantes Design und die in jedem Detail hochwertige Verarbeitung. Die Chassis sind sauber eingepasst, die seidenmatt lackierte Oberfläche sieht edel und gleichzeitig robust aus. Die Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse passen zum hohen Anspruch. 7,8 kg wiegt die WS 1665, eine 2,5 Wege-Bassreflex-Box, deren Bestückung aus 2 x 115 mm Tiefmitteltönern mit AS-XR-Konus und dem schon jetzt legendären JET 5 Hochtöner, einem der leistungsfähigsten Bändchenhochtöner überhaupt, besteht.

elac_ws1665_ls_terminal

Hochwertige, aber recht kleine Anschlüsse, mit Kabelquerschnitten bis 2,5 mm2 kann man arbeiten

elac_ws1665_rueckseite

Von schräg hinten

elac_ws1665_einzeln_seite

Sehr flach

elac_ws1665_einzeln

Mit hochwertigem weißen Stoffgitter

elac_ws1665_bassreflex

Bassreflex-Öffnung oben

Die Übergangsfrequenzen gibt Elac mit 600 und 3.600 Hz an, der Frequenzbereich reicht von 48 Hz bis 50 kHz. Dank des Einsatzes des JET 5 Bändchenhochtöners kann die WS 1665 demnach auch hochauflösende Audio-Medien problemlos darstellen. Der Wirkungsgrad ist für eine derartige Konstruktion nicht schlecht. 89,5 dB (2,83V/1m) stehen im Datenblatt. Der Lautsprecher kann an Verstärkern mit Impedanzen zwischen 4 und 8 Ohm verwendet werden. Die Nennbelastbarkeit liegt bei 100, die Musikbelastbarkeit bei 130 Watt. Die Nominalimpedanz gibt Elac mit 5 Ohm an, die Minimalimpedanz mit 4,2 Ohm bei 58 Hz. Lieferbar ist der schicke flache Lautsprecher in Seidenmatt weiß oder in schwarzer seidenmatter Variante.

Die zwei mitgelieferten Stoff-Abdeckrahmen werden magnetisch gehalten und wirken sehr hochwertig. Die WS 1665 kann in allen Positionen verwendet werden: Für Front, Center, Surround und Surround Back. An der Decke montiert, könnte man den edlen Lautsprecher auch für die Immersive Sound-Tonformate Dolby Atmos und (zukünftig) dts:X verwenden. Vorn und hinten oben wäre der Lautsprecher auch für Auro-3D geeignet.

Um die puren Klangqualitäten der WS 1665 zu beurteilen, haben wir den Lautsprecher in einem klassischen 2.0 Stereo-Setup in den Testreihen betrieben, auch, um nachzuvollziehen, ob man einen aktiven Subwoofer zwingend benötigt oder ob die beiden 115 mm Tiefmitteltöner für die meisten Anwendungen ausreichen – vor allem im Musikbetrieb. Für den Filmtoneinatz würden wir schon dazu raten, noch einen aktiven Subwoofer zu verwenden. Elac hat hier sehr leistungsfähige Kandidaten im Programm, wie z.B. den SUB 2070.

Klang

Gleich zu Beginn schon fordern wir vollen Einsatz von der WS 1665: Beim Tiesto-Remix des Goldfrapp-Titels „Rocket“ sind hohe Bassqualitäten gefragt. Elac verspricht viel – was hält der Lautsprecher in der Praxis? Antwort: Eine ganze Menge. Mit Punch und überraschender Härte lässt sich die WS 1665 nichts vormachen und enttarnt manche viel größere und voluminösere Standbox als basschwachen Blender. Zusätzlich zum soliden Bass offeriert die WS 1665 auch den für den JET 5 Hochtöner typischen, strahlenden und gleichzeitig angenehm-natürlichen Hochtonbereich. Herausragend werden kleine dynamische Differenzen verarbeitet, sehr geschliffen sind die Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen – sie verlaufen praktisch unmerklich. Das Goldfrapp-Remix des Depeche Mode-Hits „Halo“ wird nachdrücklich und mit tief gehender Bedrohlichkeit wiedergegeben. Der Bassbereich und die Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen sorgen auch hier wieder für Hörfreude. Klar und kraftvoll, so lässt sich die Wiedergabe am besten charakterisieren, mit hervorragender Auflösung.

Jetzt reisen wir zurück ins Jahr 1989, als „Das Omen“ von Mysterious Arts richtig hoch in den Charts kreuzte. Wie kommen die Elac WS 1665 mit dem etwas spitz und blechern abgemischten Quellmaterial zurecht? Schon der Choralgesang im Intro lässt die Talente des flachen Kieler Lautsprechers aufblitzen. Hier geht was – der Klang-Kenner mit modernem Touch braucht keine Standbox, in der drei Katzen bequem leben können, sondern es reicht ein kraftvoll antretender „Flachmann“ wie die WS 1665. Natürlich – wir wollen ehrlich bleiben – hat eine sauber konstruierte, edle Standbox mit ordentlich Volumen deutlich mehr zu bieten im Bassbereich. Gerade, was Volumen und Tiefgang anbetrifft, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es überraschend ist, was die WS 1665 bringt, aber das dies noch lange nicht das „Ende der Fahnenstange“ ist.  Für seine Machart dürfte es derzeit aber ziemlich einzigartig sein, was der Schallwandler an Performance bringt.

Nach vorn geht es auch beim Omen, und die sehr gute Stimmwiedergabe und die hohe Impulstreue sichern hier echtes Hörvergnügen. Grob aus der gleichen Zeit stammt „Last Train To Trancentral“ von „The KLF“ (1991). Hier muss man ordentlich Lautstärke anlegen, da die CD „The White Room“ nicht sonderlich peppig abgemischt ist. Aber schließlich muss ein guter Lautsprecher bzw. eine gute Kette mit allem Quellmaterial ordentlich zurecht kommen. Und die WS 1665 sichert ein recht lebendiges Klangbild mit guter Detaillierung. Nur der Bassbereich ist zwar präzise, aber nicht eben üppig – hier merkt man doch die schlanke Bauweise. Erstaunlicherweise mehr geht bei „3 A.M. Eternal“, wiederum von The KLF. Der Bass hat mehr Punch und mehr Kraft, der spezielle Rhythmus kommt ausgezeichnet heraus – die WS 1665 zeigt, was sie unter erstklassiger Impulstreue versteht. Die Räumlichkeit in Tiefe und Weite ist tadellos ausgeprägt. 

Noch tiefer geht es zurück in die 80er Jahre – zum Kult-Film „Footloose“ und dessen auf einer SACD abgelegten Soundtrack. Unsere Kette, bestehend aus Denon DBT-3313UD sowie Aurum M8/P8, ist ziemlich üppig dimensioniert, so können wir uns sicher sein, dass ein Optimum aus den beiden WS 1665 geholt wird. Beim Titelsong zum Film von Kenny Loggins sind wir etwas enttäuscht, was aber auch am Quellmaterial liegt, das etwas einschläfernd und fade hinsichtlich der Abmischung ist. Klar und mit guter Detaillierung ist der Klang, aber die Dynamik ist nur durchschnittlich. Wechseln wir zu Bonnie Tylers „Holding Out For A Hero“. Hier geht es deutlich forscher voran. Der treffsichere Bass gefällt uns besonders gut. Schnelle Moves mit dem Schlagzeug werden mit herausragender Impulstreue pariert. Die raue Stimme von Bonnie kommt sehr detailreich heraus.

Der schwungvolle Rhythmus wird von den beiden WS 1665 souverän erfasst. Hier kann man nur erstaunt sein, was die flachen Lautsprecher leisten. Die beiden auf der oberen Seite untergebrachten Bassreflex-Öffnungen produzieren kaum Strömungsgeräusche. Pegelfest sind die beiden Elac-Boxen auch, hier kann man bedenkenlos auch höhere Lautstärken fahren. „Self Control“ (gehört von normaler CD) war der große Hit der leider mittlerweile seit Jahren verstorbenen Laura Brannigan. Und es fällt schwer, als 80er Jahre-Fan die Selbstkontrolle zu behalten, wenn die beiden WS 1665 richtig loslegen: Dann trifft eine sehr gute Gesamtdynamik auf eine charismatische Stimmwiedergabe und eine überraschend weitläufige Räumlichkeit.  Insgesamt, so unsere bisherigen Höreindrücke, kann man die WS 1665 als vollwertigen Lautsprecher nutzen. Soll es bei allem Material richtig „rundgehen“ im Bassbereich, kann man natürlich noch einen aktiven Subwoofer zusätzlich einsetzen. 

Die CD „Andrea“ von Andrea Bocelli stellt die nächste Herausforderung für den Schallwandler aus Schleswig-Holstein dar. Bei „Dell’Amore Non Si Sa“ beweisen sich die Vorteile der hochwertigen Treiberbestückung: Feiner, filigraner Hochtonbereich, nahezu perfekter Übergang in die Mitten – obwohl das bei Bändchen-Hochtönern stets schwierig ist – und ein straffer Bass als Fundament sorgen hier für ein tiefgehendes und lebendiges Klangvergnügen. Auch „L’Attesa“ liegt den WS 1665. Mit der richtigen Temperatur kommt das Klavier heraus, die Streicher sind fließend eingearbeitet. Andreas Stimme löst sich sehr schön vom schlanken Gehäuse. Dritter und letzter Andrea Bocelli-Titel: „Un Nuovo Giorno“ – hier schaffen die beiden WS 1665 gleich von Beginn viel Atmosphäre und sind in der Lage, auch kleine dynamische Unterschiede glaubwürdig herauszuarbeiten. Sicher, ein großer Standlautsprecher hat noch deutlich mehr Kraft und Substanz, aber die Grenzen der Physik kann auch Elac nicht überlisten,  Man muss beurteilen, was anhand der systembedingten Grenzen geht, und hier kann man nur feststellen, dass Elac das vorhandene Potential nahezu perfekt ausschöpft.

Das zeigen uns auch verschiedene rein instrumentale Version von James Bond-Titelsongs, gespielt vom Royal Philharmonic Orchestra und abgelegt auf einer SACD. Bei „Goldfinger“ ziehen die WS 1665 alle Register ihres Könnens und begeistern besonders hinsichtlich der gebotenen Auflösung. Die Blechbläser kommen hervorragend heraus, und kleine Dynamik-Unterschiede werden sofort aufgegriffen und entsprechend umgesetzt. Die Streicher klingen glasklar, ohne aber aggressiv zu werden – im Gegenteil: Sie sind sehr harmonisch ins akustische Gesamtgeschehen eingearbeitet. Auch bei der Adaption von „You Only Live Twice“ schlägt sich das Lautsprecher-Paar aus Kiel ausgezeichnet: Der Hochtonbereich besitzut Glanz und eine tolle Durchhörbarkeit. Der Aufbau des Stückes geht den beiden WS 1665 leicht von der Hand.

Dadurch, dass die Zuspielung enorm hochwertig ist, sind natürlich auch beste Grundvoraussetzungen geschaffen, das darf man bei aller Euphorie nicht vergessen. Doch es verlangt nach viel Können, ein solches akustisches Gesamterlebnis zu ermöglichen, wie dies die beiden schlanken Lautsprecher tun. Feines Abklingen von Instrumenten, eine weitere instrumentale Facette – auch in den hinteren akustischen Ebenen und bei kleinen Details leisten die beiden WS 1665 Großes. Als dritten Titel wählen wir „Live And Let Die“ mit vielen klanglichen Facetten. Hier ergänzt eine E-Gitarre für die fetzigen Einlagen die üblichen Orchesterinstrumente. Es geht hier sehr dynamisch voran, und diese Dynamik setzen die WS 1665 hervorragend um und beeindrucken durch ihr komplettes Spiel. 

Fazit

elac_ws1665_gruppenbild1

Elacs „flache Wundertüte“ entfaltet im Testbetrieb ihre volle Wirkung. Derzeit dürfte es kaum einen anderen, so flachen und flexiblen Lautsprecher geben, der akustisch derartig komplett, kultiviert und geschliffen auftritt. Pegelfest, dynamisch, detailreich aufspielend – es fällt schwer, die WS 1665 Box auf dem falschen Fuß zu erwischen. Bei leicht fade abgemischtem Quellmaterial kann es mal passieren, dass auch das akustische Endergebnis nicht wirklich Tiefgang und Lebendigkeit vermittelt – aber das kann man den WS 1665 eigentlich nicht anlasten. Sie verlangen nach recht kräftig bemessener Verstärkerleistung, dies ist allerdings anzumerken. Mit AV-Receivern oder Stereoverstärkern der Liga bis 500 EUR lässt sich nicht allzu viel anfangen. Also raten wir, an der zuspielenden Kette nicht zu sparen und entsprechend leistungsfähige Komponenten einzusetzen. Wer es füllig im Bassbereich mag und gerne eine extensiven Tiefgang genießt, kombiniert aus dem Elac-Sortiment einfach einen passenden aktiven Subwoofer zu den WS 1665 – im 2.1- oder 5.1 Setup zum Beispiel. Mit brillantem Hochtonbereich und feiner Stimmwiedergabe hinterlassen die WS 1665 auf jeden Fall stets einen hervorragenden Eindruck. 

Flache, aufwändig konstruierte und klanglich erstklassige Box zum angemessenen Preis
preisklassenreferenz
Lautsprecher bis 1.000 EUR/Stück
Test 29. Oktober 2015

+ Überraschend kraftvoller Antritt
+ Pegelfest
+ Dank JET 5 Bändchenhochtöner exzellent bei hohen Frequenzen
+ Sehr fließende Übergänge zwischen allen Frequenzbereichen
+ Solide Verarbeitung
+ Extrem flach
+ Für das Leistungspotential angemessener Kaufpreis

– Wirkungsgrad verlangt nach recht üppiger Verstärkerleistung

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 29. Oktober 2015




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK