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DVB-T2: Erste Infos zum HDTV-Senderangebot der ARD

DVB-T FMT Nuernberg

DVB-T2 ist bereits seit mehreren Monaten ein großes Thema und viele Sender haben bereits ihre Pläne für das neue HDTV-Angebot via Antenne bekannt gegeben. Bei der ARD hält man sich hingegen noch mit konkreten Informationen zurück und möchte bislang keine Informationen zum genauen Senderangebot und der Auflösung herausgeben. Hinter den Kulissen gibt es aber bereits Vorbereitungen, aus denen sich konkrete Informationen ergeben. Bereits seit einiger Zeit ist offiziell bekannt, dass die ARD zwei Multiplexe (Frequenzen) für DVB-T2 nutzen wird, von denen einer für die bundesweiten Hauptprogramme und der zweite für die dritten Regionalprogramme zum Einsatz kommen soll. Der Bayerische Rundfunk hat jetzt in einer öffentlichen Ausschreibung zum Aufbau eines neuen DVB Multiplexcenters zur Generierung von zwei DVB-T2 Transportströmen am Standort Ismaning bereits die Programme genannt, die voraussichtlich über die DVB-T2-Frequenzen verbreitet werden sollen:

ARD Multiplex

  • Das Erste
  • Phoenix
  • Arte
  • Eins Extra
  • Tagesschau 24

BFS Multiplex

  • BFS Süd
  • BFS Nord
  • ARD alpha
  • HR
  • SWR
  • MDR

Demnach plant die ARD die Verbreitung von fünf bis sechs Programmen pro DVB-T2-Kanal. Ein kleiner Fehler scheint sich in den Ausschreibungstext eingeschlichen zu haben, denn „Eins Extra“ ist der frühere Name von „Tagesschau 24“. Wahrscheinlich dürfte stattdessen „Eins Festival“ gemeint sein, da „Eins Plus“ dem neuen Online-Jugendkanal zum Opfer fallen wird.

Leider sieht es aber auf Basis dieser Informationen auch so aus, als ob zumindest in Bayern nicht sämtliche Dritte Programme via DVB-T2 verbreitet werden sondern nur die aus den angrenzenden Bundesländern. Mit „ARD Alpha“ (zuvor BR Alpha) gibt es in Bayern im Unterschied zu anderen Bundesländern neben dem lokalen „Dritten Programm“ auch noch einen weiteren Kanal des BR, der bislang auch nur in SD-Auflösung angeboten wird. Ob der BR wirklich für die sich eigentlich nur durch die Regionalprogramme unterscheidenden Varianten BFS Nord und BFS Süd in seinem Multiplex zwei volle Programmplätze verwenden wird oder diese nur während der regionalen Sendungen geteilt werden, geht aus der Ausschreibung nicht hervor.

Der BR scheint sich auch schon konkret auf ein DVB-T2-Angebot mit sechs Programmen vorzubereiten: Genau eine solche Konfiguration mit sechs Programmen wird derzeit nämlich bereits im Münchener DVB-T2-Pilotprojekt auf Kanal 43 getestet. Dabei werden sowohl das Programm der ARD als auch 2 x das Dritte Programm des BR mit der Nord/Süd-Variante in 1080p verbreitet – neben einem weiteren IRT-Testprogramm in 1080p sowie arte HD und SWR HD in 720p. Während das ZDF, RTL und ProSieben bereits eine Ausstrahlung in 1080p für DVB-T2 auch offiziell bestätigt haben, gibt es dazu von der ARD bislang noch keine konkrete Aussage.

In anderen Bundesländern wird die Zusammenstellung des DVB-T2-Multiplex für die regionalen Programme unterschiedlich ausfallen und dort ist dann durchaus auch ein größeres Angebot an Dritten Programmen vorstellbar. So gibt es z.B. bereits bei DVB-T-Bundesländer wie Schleswig-Holstein oder Berlin, wo auch die Regionalprogramme des BR und NDR empfangbar sind obwohl diese nicht aus angrenzenden Bundesländern kommen.

Es wäre bedauerlich, wenn bei DVB-T2 die Chance vertan wird, das komplette Senderangebot der ARD, welches bereits via Satellit bundesweit empfangbar ist, zumindest in HDTV mit niedrigerer Auflösung zu verbreiten, was gerade für Haushalte, die von ihrem Kabelnetzbetreiber nur ein eingeschränktes Sender-Angebot der Öffentlich-Rechtlichen erhalten, DVB-T2 zu einer Alternative zum teuren Kabel-TV machen könnte.  Beim privaten Senderangebot von Media Broadcast werden voraussichtlich sieben Programme pro TV-Kanal verbreitet. Das gelingt durch die Verwendung anderer Parameter bei der DVB-T2-Übertragung, die zugunsten einer höheren Gesamtdatenrate des kompletten Multiplex die Sender-Reichweite etwas reduziert.

Die Einführungsphase von DVB-T2 soll offiziell im 2. Quartal 2016 beginnen und bereits in vielen Regionen voraussichtlich sechs HDTV-Programme mit HEVC-Kompression umfassen. Im vollen Programmumfang soll die DVB-T2 HD-Plattform im Frühjahr 2017 starten und der Sendernetzumbau mitsamt DVB-T-Abschaltung bis 2019 vollendet werden.

Das TV-Angebot der Öffentlich-Rechtlichen Sender wird auch via DVB-T2 zukünftig unverschlüsselt ausgestrahlt werden. Die Privatsender werden hingegen überwiegend verschlüsselt und nur gegen Bezahlung empfangbar sein.

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