TEST: Oppo Find X2 - Top-Einstand in der Königsklasse?

Mit dem Find X2 möchte ein neuer Big Player den deutschen Markt bereichern. Das preisintensive Modell will sich mit hochwertigen Komponenten, die sich an Referenz-Modellen der Konkurrenten orientieren, behaupten. Oppo gehört in China zu den großen Taktgebern im Smartphone-Segment. Das 2004 gegründete Unternehmen ist Teil von BBK-Electronic, dessen Schwestermarken OnePlus und Vivo sind. Das Besondere dabei: Die Marken dürfen eigenständig agieren, da sich der Konzern so mehr Vielfältigkeit verspricht. Das Konzept scheint aufzugehen, denn global betrachtet ist Oppo derzeit der 5. erfolgreichste Smartphone-Hersteller – und hat noch viel vor! Wir dürfen uns daher auf eine Marke freuen, die 2020 gekommen ist, um zu bleiben.

Rückseite

Aktuell müssen Käufer rund 1200 Euro für dieses Flaggschiff hinblättern – logischerweise muss dann auch optisch etwas geboten werden. Und ja: Das Oppo Find X2 Pro fällt durch seinen Roségold eingefärbten Rahmen, dem Edge-Display ohne Notch und der Kunstleder-Rückseite auf. Der Hersteller selbst bezeichnet das orangene Material geschickt als „veganes Leder“. Das sieht nicht nur edel aus, es sorgt auch für eine griffige Haptik. Praktischer Nebeneffekt: Es ist so wirksam gegen Erschütterungen geschützt. Schade nur, dass das Linsen-Trio stark hervortritt und dass das Gewicht die 200 Gramm-Marke sprengt. Wer es dezenter mag, sollte zur Version mit kratzfestem Keramik und strukturierter Oberfläche greifen, die auch weniger dick ausfällt.

Auch wenn es optisch nicht danach aussieht, aber der Edel-Funker hat eine IP68-Zertifizierung. Aufgrund des Kunstleder-Rückens sollte man aber dennoch längeren Wasserkontakt vermeiden. Nettes Gimmick: Im Karton liegen auch eine transparente Schutzhülle und eine Displayschutzfolie ist bereits aufgebracht.

Oppo Find X2

Beim Touchscreen wird erneut klar, warum Käufer tiefst in die Tasche greifen müssen, denn die Macher schöpfen hier aus dem Vollen: OLED-Technologie, 6,7 Zoll in der Diagonale (Seitenverhältnis 19,8:9), QHD+-Auflösung (3.168 x 1.440 Pixel) mit 519,72 ppi – das sind absolute Referenzwerte! Weitere luxuriöse Specs: Die Frontkamera ist im Display integriert, der Bildschirm streckt sich über den Rand hinweg (Edge-Effekt) sowie „echte“ 120 Hertz, was selbst das Samsung Galaxy S20 nicht leistet. Clever: Das Display passt die Bildwiederholungsrate den jeweiligen Inhalten automatisch an. Die Qualität ist entsprechend überragend in allen Kategorien: geschmeidige Animationen, intensive Farbwiedergabe, gestochen scharf und selbst die Helligkeit kann überzeugen – derzeit bietet kaum ein anderes Smartphone eine solche Display-Performance.

Triple-Kamera

Natürlich ist auch bei diesem Topmodell eine Triple-Kamera verbaut. Sie bietet eine Weitwinkelkamerra mit 48 Megapixel, einen Ultra-Weitwinkel sowie Telefotolinse. Der Fotograf kann so auch auf kurzer Distanz große Motive einfangen und es gibt einen fünffach verlustfreien Zoomfaktor. Da stets ein Bildstabilisator zum Einsatz kommt, sehen die Ergebnisse zudem nicht so schnell verwackelt aus. Auch der Camcorder-Modus arbeitet mit Tricks, da sich Videos mit 60 FPS auf 120 FPS interpolieren lassen. Videoaufnahmen mit bis zu 4K bei 60 Bildern pro Sekunde sind ohnehin kein Problem.

Aufnahme bei Tageslicht

Sonne und Schatten im Wald

Foto mit Blitz

Die Technik verspricht nicht nur gute Fotos, sie sehen auch tatsächlich wunderbar aus! Insbesondere bei Tagesaufnahmen überzeugen die Schnappschüsse durch eine exzellente Detailtreue und einer satten Farbwiedergabe. Der Trick: Durch die Pixel-Binning-Technologie, bei der vier aufgenommene Bildpixel zu einem zusammengefasst sind, werden auch aus der Hüfte noch gute Ergebnisse erzielt.
Auch bei Dunkelheit lassen sich noch sehr gute Ergebnisse erzielen, wobei der Nachtmodus sehr gute Arbeit leistet. Beim Testbild sorgt diese Option sogar dafür, dass der Eindruck von Tageslicht entsteht. Unter dem Strich eine klare Referenz-Vorstellung! Zahlreiche Optionen und eine gute Frontkamera runden die sehr gute Vorstellung ab. Einziger Haken: vorne fehlt ein Autofokus.

Beeindruckend ist auch der interne Speicherplatz von 512 Gigabyte. Das ist allerdings auch notwendig, da es keine Möglichkeit der Speichererweiterung gibt. Ungewöhnlicherweise ist zudem auch kein Dual-Betrieb möglich. Wer nach einem Smartphone mit den schnellsten Datenschnittstellen sucht, wird hier ebenfalls fündig: WLAN ac-Standard, LTE mit bis zu 2.000 Mbps im Download und 300 Mbps im Upload, das ganz aktuelle Bluetooth 5.1, NFC und USB-C 3.1 – viel mehr geht nicht.

ColorOS 7.1

App Drawer

Die beste Nachricht: Oppo ist von keinem Handelsembargo betroffen und bietet daher das volle Google Play-Programm. Vorinstalliert ist sogar das aktuelle Betriebssystem Android 10 Q, das mit Oppos Oberfläche ColorOS 7.1 kombiniert wird. Das User Interface bietet alle obligaten Menüpfade, inklusive einem App Drawer. Die linke Startseite ist allerdings für einen Smart Assistent reserviert, der viele Zugriffe und Routinen vereinfachen soll. Auch ein Schrittzähler ist an Bord. Insgesamt ist die Optik auf edel und schlicht getrimmt, sodass man sich schnell zurechtfindet. Schade aber, dass es kein Widget für einen Kontakt gibt, sodass ein schneller Anruf nur über einen kleinen Umweg möglich ist. Richtig gut sind dafür die umfangreichen Personalisierungsmöglichkeiten. Der User kann selbst die Transparenz der Apps anpassen.

Der Fingerprintscanner ist voll im Display integriert und daher auch gut erreichbar. Er funktioniert zwar flott und zuverlässig, allerdings ist das Einrichten äußerst mühsam. Erst nach zig Anläufen wurde die Fingerkuppe erfolgreich erfasst. Der Finger kommt bei uns zur Entsperrung aber ohnehin kaum zum Einsatz, da die Gesichtserkennung ebenfalls einen prima Job macht. Da allerdings nur auf zweidimensionaler Ebene gescannt wird, ist er nicht sehr sicher.

Seitenansicht

Wenn sich ein Luxus-Funker in dieser Preisklasse bewegt, muss schon der aktuelle Snapdragon 865 her. Der Qualcomm-Prozessor sorgt mit seinen acht Kernen für den nötigen Speed. Mit bis zu 2,84 Gigahertz plus 12 GB Arbeitsspeicher bewegt er sich klar im Referenzbereich. Entsprechend ist auch die Performance im Praxistest: rundum überzeugend und absolut zukunftssicher!

Nicht ganz so rund läuft der Akkutest. Die Kapazität von 4.200 mAh ist zwar üppig, doch die Rufbereitschaft pendelte sich nur bei drei bis vier Tagen ein. Wahrlich kein katastrophaler Wert, doch in diesem Punkt ist die Konkurrenz in der höchsten Preisklasse besser aufgestellt. Immerhin: Beim Dauerstresstest sind rund 9,5 Stunden ein guter Wert. Das Thema Aufladen hat zwei Gesichter: Zwar ist aufgrund der besonderen Beschaffenheit der Rückseite kein induktives Laden möglich, doch dafür leistet das mitgelieferte Netzteil 65 Watt, sodass sich nach nicht einmal einer Stunde das Smartphone wieder mit 100% meldet – ein neuer Rekord!

Ein starken Auftritt hat das Oppo-Phone auch in punkto Sound. Ober- und unterhalb des Displays sind jeweils Speaker installiert, die erfreulicherweise munter und druckvoll aufspielen. Der Klang ist frisch, lebendig und mit einem präzisen Bass unterlegt – sogar Dolby Atmos wird unterstützt! Netter Effekt: Auf Wunsch vibriert das Smartphone zum Klang. Bei Telefonaten gibt es ebenfalls nichts zu bemängeln, denn der Gesprächspartner kommt in beiden Senderichtungen klar und deutlich an.

Rückseite gesamt

Fazit

Oppos Einstand in der Königsklasse ist beeindruckend, denn in fast allen relevanten Kriterien wird echte Spitzenklasse geboten. Nur bei der Rufbereitschaft hinkt der Neuzugang der Konkurrenz noch etwas hinterher. Was allerdings mehr als auffällt sind die Parallelen zum iPhone: kein erweiterbarer Speicherplatz, kein Kopfhöreranschluss und selbst der fast schon obligate Dual-SIM-Betrieb ist nicht möglich. Mit dieser Politik können sicherlich viele leben, dennoch kann man den Sinn durchaus hinterfragen. Bei einem satten UVP von rund 1.200 Euro war das Anliegen der Firma aber ohnehin eher auf dem schwierigen deutschen Markt ein Ausrufezeichen zu setzen. Das ist auf alle Fälle gelungen.

Würdiger Neuzugang in der Königsklasse

24.05.2020

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 24.05.2020

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