TEST: JBL Flip 4 – Bluetooth-Speaker vierter Generation mit IPX-Zertifikat

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Zehn Millionen Flip Bluetooth-Lautsprecher hat JBL verkauft. Das ist mehr als beachtlich und zeigt, dass der US-Amerikanische Konzern mit den kompakten und robusten Drahtlos-Lautsprechern vieles richtig gemacht hat. Jetzt steht die vierte Generation in den Läden – und einer davon erfreulicherweise auch bei AREA DVD in der Redaktion. Der Flip 4 soll noch robuster, noch wetterfester sein und zwei Stunden längere Musikwiedergabe bieten als sein Vorgänger. Natürlich bietet auch er eine Freisprechfunktion und JBL Connect+ zur Kopplung mit weiteren JBL Lautsprechermodellen. Der Flip 4 kostet 139 EUR und ist in sechs verschiedenen Farben erhältlich: Schwarz, Weiß, Türkis, Grau, Rot und Blau. Außerdem soll es im Laufe des Jahres noch ein paar zusätzliche Sondereditionen geben.

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Gesamtansicht mit Kordel

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Bedienelemente

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Verarbeitung im Detail

An der Formensprache und Optik hat sich kaum etwas verändert. Nur minimal größer ist der neue Bluetooth Speaker und auch das Material wirkt nur auf den ersten Blick identisch zum Vorgänger. Doch wer etwas genauer auf die technischen Daten schaut, erkennt: Der Flip 4 ist jetzt zertifiziert und nach IPX7-Standard wasserdicht. Vor Wassertropfen oder auch stärkerem Regen muss er also nicht geschützt werden, sogar ein Eintauchen in Wasser übersteht er.

Die Haptik der Materialien gefällt weiterhin und macht einen sehr robusten Eindruck. Die Bedienelemente sitzen an bekannter Stelle im hinteren Bereich und bieten einen soliden Druckpunkt. Mit dem Bluetooth-Button versetzt man den Lautsprecher in den Kopplungsmodus, zudem kann man Lautstärke regeln und die Wiedergabe pausieren. Was nicht immer gelingt, ist die pausierte Wiedergabe mit dem Knopf wieder zu starten. In Verbindung mit einem Computer muss es am PC selbst erfolgen.

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Rückseite

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Anschlüsse

Der beleuchtete Power- und JBL Connect+ Button ist an der Rückseite integriert. Mit JBL Connect+ lassen sich bis zu 100 kompatible Lautsprecher miteinander verbinden – dabei gibt es aber, zumindest momentan, einen recht großen Haken. Der einzige JBL Connect+ fähige Speaker ist der Flip 4. Hinzu kommt, dass JBL Connect+ nicht rückwartskompatibel ist, konventionelle JBL Connect-fähige Geräte können nicht mit JBL Connect+ Komponenten verbunden werden. Direkt daneben schließen sich der Klinkenanschluss und der Micro-USB-Slot an, die hinter einer Abdeckung aus Gummi untergebracht sind. Über den Micro-USB-Eingang wird der Bluetooth-Lautsprecher geladen. Ein entsprechendes Kabel ist im Lieferumfang enthalten, auf ein Netzteil muss man als Kunde aber verzichten. Entweder man ist schon im Besitz eines konventionellen USB-Netzteils oder man muss ich eben separat eines dazu kaufen.

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Passivradiator

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Bedienelemente im Detail

Die Passivradiatoren seitlich sind optisch etwas überarbeitet worden und mit einer Plexiglasabdeckung versehen. Das wirkt unserer Meinung nach etwas schicker als der Vorgänger. Der Akku hält, je nach Pegel, sehr gut durch und ist binnen 3-4 Stunden wieder ausreichend geladen. Bluetooth ist in der Version 4.2 integriert, aptX-Support gibt es nicht. Der Flip 4 kommt auf etwa 515g und findet auch problemlos in einer kleineren Handtasche Platz.

Die Kopplung funktioniert, und das konnten wir schon mit zahlreichen JBL Bluetooth-Lautsprechern testen, sehr gut und ist binnen weniger Sekunden erledigt. Interessant finden wir, dass der Flip 4 nur noch mit zwei Komponenten gleichzeitig gekoppelt werden kann. Beim Vorgänger waren es noch drei Geräte. Eklatant ist dies aber nicht, da finden wir die fehlende Rückwärtskompatibilität zu JBL Connect weniger schön. Akustisch aber landet man wieder einen Volltreffer. Der Flip 4 spielt kräftig und mitreißend auf und realisiert trotz seiner kompakten Abmessungen einen nachdrücklichen Sound mit solider Räumlichkeit. Bei „Kiss me now“ von Batmobile begeistern stark verzerrte Gitarren und eine leicht rauhe, charakteristisch wirkende Stimme. Der Bass wirkt ebenfalls satt und spielt sauber differenziert von der Gitarre. Insgesamt ist die Bühnenstaffelung recht gut und trotz des komplexen Klanggeschehens gehen einzelne Elemente nicht unter. Auch bei „Get Busy or Get Busy Dyin'“ von den The Kings of Nuthin spielt er schwungvoll auf und beweist bei der Piano-Darbietung Können. Die flinke Kombo verlangt dem Flip 4 hohe Geschwindigkeit ab, mit der er keine Probleme zu haben scheint. Die Instrumente wirken gut differenziert, das Gesamtgeschehen harmonisch. Bis zu hohem Pegel bleibt der Kompaktlautsprecher souverän, wird lediglich im Bereich ab 90% obenrum aggressiver. Im Outdoor-Bereich, wo aufgrund des herrschenden Lärmpegels dies schon mal zum Einsatz kommen kann, fällt dies aber deutlich weniger auf als in geschlossenen Räumen.

Dass der Flip 4 auch untenrum viel kann, beweist er schon bei „Grow or Pay“ von D-A-D. Hier werden keine Granatenähnlichen Bass-Tiraden abgefeuert, sondern strukturierte Percussion geboten. Sehr gut gefällt, dass der JBL auch bei hohem Pegel keine Frequenzbereiche zu vernachlässigen scheint. Die Stimme und Gitarre kommt stets klar, während das Schlagzeug im Hintergrund die entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt wird. Insgesamt klingt der Flip 4 etwas authentischer als sein Vorgänger, man verzichtet ein wenig auf extreme Bass-Spektakel und wird dafür natürlicher und harmonischer. Das bedeutet nicht, dass man auf den typischen JBL-Sound verzichtet, keinesfalls. Der Flip 4 bietet für seine Abmessungen einen exzellenten Tieftonbereich, ist aber in den unteren Mitten nicht mehr zu sehr aufgedickt. Dennoch steht der Spaß an der Musik und das Spektakel im Fokus, der Sound ist mitreißend und lebendig.

Wechseln wir zu elektronischer, basslastiger Musik mit „Hollywood“ von Vintage Culture, bietet der Flip 4 sehr satten und voluminösen Klang. Beim Tiefgang kann der kompakte Speaker natürlich nicht extrem viel bieten, mit etwas elektronischer Trickserei und sicherlich begünstigt durch die seitlichen Passivradiatoren haben aber auch Bass-Fanatiker problemlos ihren Spaß. Besonders im hohen Pegelbereich schlägt der Flip 4 nicht durch, sondern liefert trockene und recht präzise Bass-Schläge, die man in dieser Größe nicht unbedingt erwartet. Dadurch, dass der Sound nicht mehr ganz so extrem aufgedickt wird, spielt der Lautsprecher präziser und agiert auch flinker, was dem Kickbass absolut zu Gute kommt. Die übrigen Synthi-Elemente wirken nie zu spitz und auch die Vokalstimme kommt gut zur Geltung. Die atmosphärische Dichte und Räumlichkeit ist ebenfalls, bezogen auf die Kompaktklasse, überdurchschnittlich gut.

Etwas ruhiger geht es bei „Das Ziel ist im Weg“ von Mine zu, dennoch muss der JBL bei den elektronischen Parts der Songwriterin flott und kraftvoll zupacken. Besonders das tiefe Fundament, das zwischenzeitlich auftaucht, modelliert der kompakte Lautsprecher überraschend gut. Aber auch die Stimmcharakteristik können wir positiv bewerten, denn die Stimme steht nicht nur zentral, sondern zeigt auch charakteristische Eigenschaften der gebürtigen Baden-Württembergerin. Die Klick- und Klatschgeräusche werden ebenfalls nicht als Einheitsbrei verkannt, sondern zeigen sich in eigenen Facetten und wirken dem Gesamtbild stimmig zugehörig. Das bleibt auch bei höherer Komplexität erhalten, wie z.B. bei „Katzen“, als die elektronischen Elemente und das Akkordeon in einem Gebilde mit hoher akustischer Dichte zusammen spielen. Die Details werden weiterhin gut herausgearbeitet und es gehen auch keine Elemente komplett unter. Insgesamt eine sehr solide akustische Präsentation verschiedenster Musikrichtungen.

Im Vergleich zum Flip 3 wird hier eine etwas natürlichere Darbietung mit weniger aufgedickten unteren Mitten gezeigt. Wenn natürlich auch die grundlegende akustische Auslegung erfolgreich beibehalten wird. Es soll weiterhin Spaß machen, mit dem JBL Bluetooth-Speaker Musik zu hören – und das tut es. Mitreißend und lebendig spielt der kompakte Lautsprecher auch bei komplexem Geschehen auf und bietet für seine Größe überdurchschnittliche Kräfte. Zudem ist der neue noch robuster und wurde bezüglich des Akkus etwas optimiert. Wer den Flip nicht unbedingt ins Wasser tauchen möchte, kann natürlich beim jetzt günstigeren Flip 3 immer noch zuschlagen. Aber Vorsicht: ein späteres Koppeln mit der vierten Generation ist nicht möglich. Der D Fine von Dockin kommt auch ohne aptX aus und spielt mit 10 Stunden etwas kürzer. Auch die Kopplung ist nur mit einem Gerät möglich, allerdings kann das Smartphone damit geladen werden. Dank größerem Volumen kann er etwas massiver aufspielen und bietet 2 Hochtöner plus 2 Tiefmitteltöner und Passivradiatoren. Optisch tritt er deutlich klassischer auf und passt eher zum gediegenen Klientel. Beim BT Bamster von Teufel verhält es sich ähnlich wie beim Flip 3. Zwar spielt die neue JBL-Generation ein wenig erwachsener auf, die akustische Kultiviertheit eines BT Bamster ist aber nicht gegeben. Dafür verbreitet der Flip 4 etwas mehr Spektakel. Für den Flip 4 spricht natürlich die IPX-Zertifizierung. Der BT Bamster bietet hingegen mehr Metall und unterstützt aptX.

Fazit

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Kompakt, robust und klangstark! Die vierte Generation der JBL Flip Serie wird den stattlichen Verkaufszahlen keinen Einbruch bereiten, auch wenn man ihn nur noch mit zwei Smartphones/Tablets koppeln kann und er der momentan einzige Lautsprecher mit JBL Connect+ Support ist. Die IPX-Zertifizierung garantiert hohen Schutz vor Regen und Spritzwasser, sogar untertauchen darf der Flip 4. Auch die Verarbeitung und Materialqualität ist solide, das Design wirkt jung und frisch. Mit einer Akkulaufzeit von 12 Stunden (bei mittlerem Pegel), dem geringen geringen Gewicht und der hohen Robustheit ist er idealer Begleiter im Outdoor-Bereich. Der Preis ist fair, auch wenn am Netzteil gespart wurde.

Akustisch starker Bluetooth-Lautsprecher mit IPX-Zertifikat und frischer Optik
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03.04.2017

Test & Fotos: Philipp Kind
Datum: 03.04.2017

JBL Flip 4 bei MediaMarkt.de




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