PREVIEW 7.2-Kanal-Netzwerk-Receiver Pioneer VSX-LX302 – Komplettausstattung für knapp 800 EUR

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Auftakt der LX-Modellfamilie bei Pioneer ist das 7.2-Modell VSX-LX302. Da stimmt doch was nicht? Richtig erkannt, denn normalerweise beginnen die „LX“ Mehrkanal-Receiver mit „SC“, dann folgt das „LX“. Also handelt es sich hier um eine „Kreuzung“ von Modellfamilien? Nimmt man es genau, ist es so. Ausstattungsvielfalt der LX-Receiver trifft auf das Grundlayout der preislich volksnahen VSX-Modellfamilie. 799 EUR wechseln für den VSX-LX302, den es in silberner oder schwarzer Variante gibt, den Besitzer. 

Pioneer-VSX-LX302-Innenleben-Gesamt

Innenleben in der Gesamtübersicht

Dafür gibt es, wie schon erwähnt, sieben Endstufen mit jeweils 170 Watt (6 Ohm, 1 kHz, THD 1,0 % ein Kanal ausgesteuert). „Direct Energy“ heißen diese Endstufen im Pioneer-Jargon. Wer aber nun denkt, es wären digitale Endstufen, der muss genau lesen lernen. „Direct Energy HD“ heißen die digitalen Einheiten in den großen SC-LX-Modellen. Im Inneren des VSX-LX302 arbeiten daher herkömmliche analoge Endstufen. Öffnen wir den VSX-LX302, was der normale Anwender besser unterlassen sollte (Garantie-Anspruch verfällt), so sticht das sehr übersichtliche Layout ins Auge. Das Chassis, auch hier merkt man die VSX-Verwandtschaft, ist einfach gehalten, keine zusätzlichen Verstrebungen sind installiert. Der Kühlkörper in normaler, preisklassenüblicher Dimensionierung besteht aus Blech.

Pioneer-VSX-LX302-Innenleben1

Blech-Kühlkörper

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Platinenlayout

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Transformator

Pioneer-VSX-LX302-Innenleben4

Elkos

Ansonsten ist das, was sich im 302 findet, durchaus standesgemäß. Als Digital Core Engine arbeitet ein Quad Core-Prozessor von Cirrus Logic im VSX-LX302. Der AK4458 384 kHz/32-Bit DAC sorgt für eine präzise digital-analoge Wandlung. Natürlich fehlt auch das automatische Lautsprechereinmess- und Room EQ-System MCACC nicht.

Pioneer-VSX-LX302-Mikro

MCACC-Einmessmikrofon

Es ist unter anderem mit Phase Control und Subwoofer EQ ausgestattet. Auch der „Reflex Optimizer“ für eine perfekte Einbindung der Top Firing-Module fehlt nicht. 

Wenden wir uns den Decodern an Bord zu. Folgende Decoder und Features bringt der VSX-LX302 mit:

  • Dolby Atmos®/Dolby Surround
  • DTS:X/DTS Neural:X
  • Dolby® TrueHD/Dolby Digital Plus
  • DTS-HD Master Audio/DTS-HD High Resolution Audio
  • DTS 96/24/DTS-ES/DTS-HD Express
  • DSD Disc (SACD) Playback via HDMI (2.8 MHz/5.1ch, 2ch)

Wie sieht es mit dem multimedialen Ausstattungsmerkmalen aus?

  • Fire Connect Multiroom-Audio
  • Google Chromecast
  • nun auch DTS Play-Fi (nach Update der Firmware)
  • Apple AirPlay
  • Services: Spotify, Tidal, Deezer
  • Tune In Internet Radio
  • Hi-Res-Wiedergabe: bis 192 kHz/24-Bit für die Formate ALAC, AIFF, FLAC und WAV. 2,8 MHz/5,6 MHz DSD-Wiedergabe (nur kabelbasierte Netzwerkverbindung/USB, kein WLAN laut Herstellerdaten)
  • Dualband-WiFi (2,4/5 GHz) und Bluetooth 4.1

Liebhaber klassischer Ausstattungsmerkmale freuen sich vielleicht über den Phono-Eingang und den analogen FM-Radiotuner mit 40 Stationsspeichern. Leider fehlt ein DAB/DAB+ Tuner. 

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Komplette Rückseite

Die komplette Anschlussbestückung und Videofunktionen in der Übersicht:

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HDMI-Beschaltung

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RS-232C, IR In/Out, Trigger

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Ethernetbuchse, USB, 2 optische Digitaleingänge, 1 koaxialer Digitaleingang, Komponentenvideo-Eingang

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Zone 2, doppelter Subwoofer Pre-Out

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Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse, selbstredend für alle Kanäle

  • HDMI-Terminals mit HDCP 2.2-Unterstützung, 4K/60p/4:4:4/24-Bit, 4K/24p/4:4:4 36-Bit, 4K/60p/4:2:0 36-Bit, HDR10, BT.2020, Dolby Vision. Interessanterweise keine Angabe zu HLG, das andere Hersteller von AV-Receivern unterstützen. HDMI-Sektion ist 3D ready, Deep Colour (36-Bit) wird unterstützt, ebenso x.v.Colour.
  • Upscaling von 1080p auf 4K. Wie schon länger üblich, integriert Pioneer, wie auch Onkyo, nur noch ein Upscaling von 1.080p auf 4K. In der Vergangenheit war dieses aus qualitativer Sicht stets überzeugend. 
  • 6 HDMI-Eingänge hinten, 1 HDMI Eingang vorne, 2 HDMI-Ausgänge hinten
  • 1 USB Eingang vorne, ein USB-Eingang hinten
  • Vorne: MCACC Mikrofonanschluss, Mini-Stereo 3,5 mm Audiobuchse, Kopfhörerausgang 6,25 mm
  • Hinten: Ethernet-Buchse
  • 2 optische Digitaleingänge und 1 koaxialer Digitaleingang
  • Komponentenvideoeingang
  • 2 x FBAS-Video (CBL/SAT, Stream Box), Cinch
  • Audio-Stereo-Cinch: CD, Stream Box, CBL/SAT, BD/DVD (zuweisbar)
  • Phono (MM)
  • 2 Pre-Outs für aktive Subwoofer
  • Zone 2/Pre-Line Out
  • IR 1 In/1 Out
  • 12 V Trigger 2 Out/RS232C
  • FM/AM Antenna

Der VSX-LX302 wiegt 10 kg und ist 435 mm breit, 173 mm hoch und 370,5 mm tief. Er ist recht gut verarbeitet und sieht elegant aus, auch in der von uns unter die Lupe genommenen silberfarbenen Variante. Allerdings ist die Gerätefrontblende aus Kunststoff, der zwar relativ hochwertig aussieht, aber trotzdem nicht an die Anmutung eines echten Alu-Panels herankommt.

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Quellwahl-Drehregler

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Lautstärke-Drehregler

Pioneer-VSX-LX302-Display

Einzeiliges Display

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Bedienelemente an der Front

Pioneer-VSX-LX302-Fernbedienung

Fernbedienung 

Der Quellwahlregler ist gerastert, der etwas schwergängige und leicht eiernde Lautstärkedrehregler nicht. Unter dem VSX-LX302 finden sich solide Gerätestandfüße. Von einfacher, aber übersichtlicher Natur ist die mitgelieferte Fernbedienung im bekannten Layout.

Der VSX-LX302 bringt noch verschiedene DSP-Programme mit: Classical, Unplugged, Entertainment Show, Drama, Advanced Game, Action, Rock/Pop, Sports, Extended Stereo,
Extended Mono, sowie Front Stage Surround Advance. Für zweikanaliges datenkomprimiertes Material steht noch der „Advanced Surround Retriever“ bereit. 

Möchte man die Multimedia-Vielfalt des Pioneer nutzen, so braucht man nicht einmal das On Screen Display. Das Smartphone mit der Pioneer Remote App (wichtig: Genau diese und keine andere Pioneer-App für den VSX-LX302 verwende) reicht aus, um den Mehrkanal-Receiver inklusive aller Multimedia-Funktionen zu steuern. Auch der Zugriff auf Dienste, die von Chromecast unterstützt werden, ist praktischerweise direkt aus der Pioneer App möglich. Die Google-App, die von Google selbst noch bereit steht, heißt übrigens Google Home. Hier einige Screenshots: 

App1

Einstellungen

App7

Alle wichtigen Funktionen lassen sich über die App bequem steuern

App10

Ist ein Fragezeichen hinter der Funktion, kann man dieses anklicken und erhält Informationen über den Nutzen

App9

Kanalpegel

App8

Integrierter EQ in der Flat-Ausgangseinstellung.  Man kann eigene Einstellungen speichern und anschließend wieder laden, werden sie benötigt

App2

Eingangswahl

App3

Über das Menü „Net“ abrufbare Dienste und Funktionen

App4

Chromecast-Apps, so wie man sie in Erstkonfiguration vorfindet

App5

Chromecast-Wiedergabe (Deezer)

App6

Spotify Connect-Wiedergabe

Mit üppiger Multimedia-Ausstattung, guter Anschlussbestückung und ordentlicher Verarbeitung setzt sich der VSX-LX302 bislang sehr überzeugend in Szene.

Klang

Erste Klangtests fanden mit Material von Deezer und Spotify statt. Dank Chromecast Built-In ist es sehr einfach, alle zu Chromecast kompatiblen Dienste zu nutzen. „Mama“ von Jonas Blue klingt ausdrucksstark und frisch. Was die Auflösung angeht, ist es hervorragend, was der VSX-LX302 im Stereo-Modus aus dem Spotify-Material holt. Die Stimme klar, der Bass straff – alles wirkt sorgfältig komponiert. Viel Dynamik und Kraft auch bei „Summer Air“ der Italo Brothers. Wir drehen mal richtig auf – das pariert der VSX-LX302 mit großer Freude. Pegelfest, das lehrt uns die Geschichte, waren Pioneers Mehrkanal-Receiver schon immer. Und der VSX-LX302 macht hier keine Ausnahme, sondern marschiert mit Nachdruck nach vorn.

Der Sommer-Hit „Thunder“ von Imagine Dragons hat Fundament und eine sehr intensive Wirkung, gerade bei hohen Pegeln. Der Pioneer kann im Stereobetrieb zwei sehr hochwertige Standboxen, in unserem Falle die Nubert nuLine 284, mit enormer Energie zu hervorragenden Leistungen anspornen. Der Bass weicht auch bei großer Hörlautstärke nicht auf, sondern trifft nach wie vor genau den Punkt. Auffällig ist bei jedem Hörbeispiel, wie gut der VSX.-LX302 auflöst. Das haben wir auch bei anderen Modellen der Konkurrenz schon herausgehört, was das Auflösungsvermögen angeht, hat sich 2017, so wie es bislang aussieht, wirklich etwas getan. 

Auflösung ist das Stichwort – wie sieht es denn bei Hi-Res-Audio-Material im FLAC-Format aus? „Alone Again“ in der Adaption von Diana Krall in 48 kHz/24-Bit Stereo wird sehr facettenreich wiedergegeben. Klar und fein agiert der 302 – fein, und das bei einem Pioneer. Ja, sehr wohl, das geht. Der VSX-LX302 benimmt sich gleichermaßen direkt wie geschliffen – sehr deutlich machen dies die sorgsam integrierten Streicher.

In 96 kHz/24-Bit liegt die legendäre Arie „Nessun Dorma“ gesungen von Jonas Kaufmann, aus Puccinis „Turandot“ vor. Komplexes Material, doch der VSX-LX302 behält den klanglichen Überblick. Schon bei moderaten Lautstärken findet er den richtigen Weg: Mit sehr schönem, nicht vordergründigen Volumen, solider Tiefenstaffelung und gelungener Trennung von vokalen und instrumentalen Anteilen bringt sich der VSX-LX302 gegenüber der Konkurrenz in Stellung. Die Streicher überzeugen auch bei diesem Beispiel auf ganzer Linie – stark ist sie, die 600 bis 800 EUR Liga 2017, das hat schon der Denon AVR-X2400H gezeigt.

Wechseln wir noch kurz zu einem 192 kHz/24-Bit-Stück: „Basil“ von Mark Knopfler. Lebendig, sensibel, exakt erfolgt das Intro. Die Stimme löst sich ausgesprochen gut von den Lautsprechern und erweist sich tonal als ausgewogen. Die Gitarre mit dem Zupfen der Saiten kommt authentisch zur Geltung. Dass es sich um besonders gute Hi-Res-Dateien handelt, verdeutlicht der VSX-LX302 tatsächlich. Natürkich nicht komplett, das kann man von einem 800 EUR-Mehrkanal-Receiver nicht verlangen, aber doch in wichtigen Ansätzen. Der VSX-LX302 erwärmt sich spürbar, selbst dann, wenn er frei steht und sich nicht in einem Rack oder Regal befindet. Hier haben wir einen Nachteil der verbauten analogen Endstufen. Innerhalb des Verstärkungsprozesses entsteht viel mehr Verlustwärme als bei digitalen Endstufen. Aber in diesen Preisregionen kosten die enorm aufwändigen und leistungsstarken Direct Energy HD Endstufen schlichtweg zu viel Geld.

Erstes Fazit

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Der VSX-LX302 entpuppt sich als kraftvoll, aber gleichzeitig feinfühlig aufspielender Mehrkanal-Receiver, dessen Trumpf das erstaunliche Auflösungsvermögen ist. Gut verarbeitet und reichhaltig ausgestattet, macht das Preview schon Appetit auf mehr. Toll sind die flexiblen Multimedia-Eigenschaften, merkwürdig ist, dass der Pioneer laut Werksangaben derzeit kein HLG als HDR-Norm unterstützt. 

Preview: Carsten Rampacher
Bilder: Sven Wunderlich
Datum: 14. August 2017




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