TEST: Motorola One - Android-One-Smartphone mit Update-Garantie in der Mittelklasse

Quo vadis Lenovo? Wir erinnern uns gut an vollmundige Versprechungen auf Messen von Lenovo-Mitarbeitern, den globalen Markt gehörig aufzumischen. Doch die Chinesen haben offenbar die Rechnung ohne Huawei gemacht, denn in einigen Ländern rangieren die Smartphones von Lenovo/Motorola eher auf den hinteren Plätzen. Dabei muss man dem Unternehmen zugutehalten, dass sie die US-Traditionsmarke gerettet und mit den modularen „Mods“-Erweiterungen für frischen Wind in der Szene gesorgt haben. Das Motorola One konzentriert sich aber allein auf die Standards und verspricht Spitzenklasse für einen moderaten Preis.

Schick ist das One durchaus, was vor allem am elegant schlichten Gehäuse mit viel Glas und Lack liegt (schwarz oder weiß). Das Display streckt sich zudem fast komplett über die Frontseite. Wie beim iPhone X verfügt das Gerät aber eine Notch. Diese Einkerbung ist zudem recht breit und ist Herberge der sehr soliden Frontkamera.

Rückseite

Die rückseitigen Kameralinsen ragen kaum über das Gehäuse hinaus. Insgesamt fallen die Maße noch recht handlich aus und das Smartphone findet auch in Jeanshosentaschen noch Platz. Die Haptik ist gut gelungen, weniger schön - aber wohl unumgänglich - ist die Glasschicht als Sammelbecken für Fingerabdrücke. Bereits nach kurzer Zeit schreit das Gehäuse förmlich nach einem Reinigungstuch.

Die Verarbeitungsqualität wirkt hochwertig, eine IP-Zertifizierung gibt es aber nicht. Laut Hersteller ist das Gehäuse aber dank einer Nanobeschichtung durchaus gegen Spritzwasser geschützt. Für noch mehr Schutz sorgt eine transparente Hülle, die zum Lieferumfang gehört.

Der Touchscreen weist ein Maß von 5,9-Zoll im angesagten 19:9-Seitenverhältnis auf. Klingt gut, doch leider ist die Auflösung mit 1.520 x 720 Pixeln (HD+) ungewohnt niedrig und auch die LTPS-Technologie kann mit OLED-Vertretern nicht mithalten. Bei hochauflösenden Inhalten schaltet das Motorola One daher quasi zwangsweise einen Gang herunter. Glücklicherweise geht im Alltag die Schärfe dennoch in Ordnung und auch die maximale Helligkeit ist gut. Dennoch: Diese Auflösung hat auch in dieser Preisklasse eigentlich nichts mehr verloren.

Aufgenommen bei Tageslicht

Foto mit Blitz

Wer die Kamera des Moto X4 kennt, dürfte sich schnell heimisch fühlen, denn der Dual-Knipser beherrscht viele bekannte Funktionen. Rein technisch setzt er sich aus einem 13-Megapixel- und einem 2-Megapixel-Sensor zusammen. Letzterer fungiert nicht nur als Tiefenmesser für den Bokeh-Effekt, sondern kann auch Schnappschüsse schnell in Schwarz/Weiß oder mit einem einzelnen Farbeffekt umwandeln.

Besonders ist auch der Panorama-Modus, da die Fotos um 360 Grad schwenkbar sind – gut also für den Facebook-Einsatz. Witzig ist ferner die „Cinemagramm“-Option, mit der man eine kurze Animation (GIF) erstellen kann. Apropos Animation: Der 4K-Camcorder beherrscht auch Zeitlupe und -raffer sowie YouTube Live – viele Gimmicks also abseits der Standards, wie Portrait-Modus oder Google Lens für das Erkennen von Objekten.

Kamera

Auch qualitativ kann die Kamera durchaus überzeugen, bei Tageslicht sind Fotos mit hoher Tiefenschärfe und natürlicher Farbwiedergabe möglich. Leider saufen die Schnappschüsse aber allzu schnell ab. Zwar kann der Blitz viel Aufhellen, doch leider zu Ungunsten der Schärfe, sprich es entsteht Bildrauschen. Die Front-Kamera weist ebenfalls 8 Megapixel auf und fängt auf kurzer Distanz relativ viel Motiv in einer guten Qualität ein.

Bei den Datenschnittstellen offenbaren sich preisliche Kompromisse, denn der Funker bietet weder Bluetooth 5.0 noch WLAN ac und die LTE-Geschwindigkeit endet bei 300 MBit/s. Immerhin ermöglicht der NFC-Chip dafür sogar bargeldloses Zahlen. Einen kleineb Luxus bietet obendrein die Dual-SIM-Variante, da sogar ein Parallelbetrieb mit eingesteckter microSD-Karte möglich ist. Auch 64 GB interner Speicherplatz ist in dieser Preisklasse solide.

Screenshot Motorola One

Gutes Timing: Während der Testphase gab es ein Update auf Android 9.0. Das ist gute Politik, denn Käufer des Motorola-Handys dürfen sich ohnehin über regelmäßige Software-Updates freuen, als zertifiziertes Android One-Gerät sind Sicherheitspatches und zwei größere System-Updates drei Jahre lang garantiert!

Die Benutzeroberfläche ist daher auch entsprechend puristisch, da nahezu keine Veränderungen an Android vorgenommen wurde. Das ist auch nicht notwendig, denn auch so bietet das User Interface viele Möglichkeiten und alle relevanten Short Cuts. Der linke Startbildschirm ist somit logischerweise allein Google-Diensten vorbehalten, in Form von konfigurierbaren Infos. Hier gefällt vor allem die gute Übersicht.

Als Sicherheits-Feature bietet das Motorola einen rückseitigen Fingerprintscanner, der gut erreichbar ist und seinen Dienst zuverlässig verrichtet. Eine Gesichtserkennung gibt es zwar nicht, doch dafür lässt sich das Smartphone auch per Stimme entsperren. Wenn man entsprechend laut „Okay Google“ sagt, funktioniert das sogar bei Nebengeräuschen.

Seitliche Ansicht

Als kleine Finesse hat Motorola noch die Gestensteuerung „Moto Action“ draufgepackt. Mit einer Hand lässt so unter anderem die Kamera oder Taschenlampe aktivieren.

Zumindest beim Prozessor wird keine Spitzenleistung geboten, denn der Qualcomm-Chipsatz Snapdragon 625 ist eher ein alter Bekannter, da er bereits vor zwei Jahren das erste Mal zum Einsatz kam. Aufgrund der hohen Taktfrequenz von 2,0 GHz, der Unterstützung durch die Adreno 506 GPU und 4 GB RAM fällt das aber im täglichen Einsatz nicht so sehr auf. Nur bei anspruchsvollem Multitasking und einigen 3D-Games wirkt das Arbeitstempo nicht perfekt. Fortnite-Zocker sollten sich daher anderweitig umschauen.

Eine Spitzenleistung liefert dafür der festverbaute 3.000 mAh-Akkublock ab. Bei moderater Nutzung schafft der Chinese locker sechs Tage am Stück und selbst bei erhöhter Frequenz immer noch rund vier Tage. Auch die etwa 10,5 Stunden im Dauerbetrieb sind immer noch ein guter Wert. Da auch eine USB-C-Schnellladefunktion unterstützt wird, liefert der Stromspender eine blitzblanke Vorstellung ab. Knapp 1,5 Stunden für eine komplette Befüllung sind hervorragend

Akustisch ist hingegen wie so oft Durchschnittskost im Angebot. Nebengeräusche werden zwar gut herausgefiltert, doch dafür klingen Stimmen nicht sonderlich natürlich sondern gedämpft. Die maximale Lautstärke ist ausreichend.

Das Smartphone weist zwar zwei Lautsprecher im unteren Rahmen auf, doch im Einsatz ist jedoch nur der rechte – warum auch immer. Zugutehalten muss man dem Mono-Speaker, dass er auch bei hoher Lautstärke nicht zu übermäßigen Verzerrungen neigt, doch insgesamt ist das Klangfeld schmal und das Bassfundament dürftig – hier wurde klar gespart.

Motorola One

Nicht schlecht Lenovo! Den Schwerpunkt auf eine gute Akkuleistung und Kameraqualität zu legen ist gerade in der Mittelklasse eine gute Strategie. Dass dann an anderer Stelle gespart werden musste, scheint unumgänglich. Die nicht mehr taufrische CPU lässt sich dabei noch verzeihen. Die fast schon antiquierte Display-Auflösung ist hingegen ein Faktor, der einige Multimedia-Fans abschrecken dürfte, auch wenn das im Alltag nicht sonderlich auffällt. Da der Preis und das Design aber attraktiv sind, könnte sich dieser verkappte Chinese auf dem hart umkämpften Smartphone-Parkett durchaus durchsetzen.

Solides Mittelklasse-Modell mit guter Akkuleistung, aber Schwächen beim Display

29.01.2019

Test: Ulf Schneider
Datum: 29.01.2019

 

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