TEST: LG V40 ThinQ - Premium-Smartphone für rund 500 Euro?

Die UVP des LG V40 ThinQ lag bei 899 Euro, inzwischen ist das hochwertige Smartphone des südkoreanischen Herstellers für rund 500 Euro erhältlich. Prinzipiell scheint sich LG in den hart umkämpften Preisregionen am wohlsten zu fühlen, mit dem V40 will man beweisen, dass man auch im Premium-Sektor vollends überzeugen kann. Wir klären auf, was das Prestige-Phone wirklich bietet.

LG V40 ThinQ

Optisch überzeugt die Komponente durch dezente Finessen. So besteht die Rückseite aus mattem Glas in den Farbtönen Platingrau („New Platinum Gray“) sowie Türkisblau („New Moroccan Blue“). Durch unterschiedlichen Lichteinfall entstehen schöne Farbverläufe. Auch gut gelungen: Die Triple-Kamera ist zwar groß geraten, schließt aber fast bündig mit dem Gehäuse ab.

Die Vorderseite wird von einem Touchscreen dominiert, der nur durch eine breite Notch unterbrochen wird. Der rund umlaufende Rand ist zudem sehr schmal geraten. Dennoch: Vom einem „Full Front Display“ ist das V40 weit entfernt. Dafür punktet die Komponente bei der Verarbeitungsqualität, das Gehäuse weist auch die IP68-Zertifizierung gegen längeres Untertauchen und Staubschäden auf. Es unterstützt sogar den Militärstandard MIL-STD-810G, sodass es auch nach einem harten Aufprall immer noch funktionstüchtig sein muss. Im Zusammenspiel mit den kaum spürbaren Spaltmaßen ein insgesamt sehr starker Auftritt.

Rückseite

Überzeugend ist auch die Displayqualität: Der 6,4 Zoll große OLED-Touchscreen bietet eine hohe QHD+ Auflösung (3.120 x 1.440 Pixel). Allerdings müsste es korrekt heißen „bis zu“, denn in der Standard-Einstellung arbeitet das Display mit 2.340 x 1.080 Pixel. Der Screen überzeugt in den Bereichen Helligkeit, Kontrast und Schärfe – ganz klar Spitzenklasse! Der Akkuverbrauch ist im QHD+-Modus natürlich höher. Ein Extralob gebührt zudem den Kalibrierungsmöglichkeiten, denn der Nutzer kann die Bilddarstellung je nach Bedarf optimieren.

Star der Ausstattungsliste ist ganz klar die Triple-Kamera, die neben Standardaufnahmen mit 12 Megapixel, auch Weitwinkel- (16 MP) sowie Zoom-Fotos (12 MP) mit zweifacher Vergrößerung schießt. Cool ist dabei die Möglichkeit, die Weitwinkel-Fotos in drei Abstufungen zu knipsen, damit man auch auf kurzer Distanz viel einfangen kann. Das klappt auch erstaunlich gut, wobei dabei leichte qualitative Abstriche unvermeidbar sind.

Kamera

Ebenso faszinierend und eher selten zu finden ist auch der AI-Modus. Er erkennt Motive und passt so die Bild-Optionen an, um das Foto zu verbessern. Schön sind überdies der optische Bildstabilisator sowie der Zweifach-Zoom, der ohne drastischen Qualitätsverlust heran holt – insgesamt also ein tolles Fotopaket.

Und wie schlägt sich dies im Praxis-Alltag? Bei Tagesaufnahmen auf alle Fälle gut, aber in dieser Disziplin leisten andere Referenz-Smartphones einen noch besseren Job. Sobald aber schwaches Licht einsetzt, trumpft der Knipser regelrecht auf, denn es lassen sich auch nachts tolle Motive einfach einfangen, selbst wenn es sich um Landschaftsaufnahmen handelt. Hier kann selbst das iPhone XS Max nicht mithalten.

Foto bei Tageslicht

Aufnahme bei Dämmerung

Die Frontkamera mit 8 Megapixel ist hingegen ein eher unscheinbarer Knipser, der aber immerhin ordentliche Selfies liefert. Deutlich stärker ist da der Camcorder aufgestellt, da er die Möglichkeit bietet, UHD-Aufnahmen mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde oder Zeitlupen mit 240 Bildern pro Sekunde in Full-HD-Auflösung aufzunehmen.

Auch das restliche Komfortpaket lässt kaum Wünsche offen. Der interne Speicherplatz beläuft sich auf 128 GB, von denen rund 104 GB zur freien Verfügung steht. Ein microSD-Einsatz ist auch an Bord, aber nur wenn man auf die parallele SIM-Kartennutzung verzichtet. WLAN-ac, Bluetooth 5.0, eine LTE Geschwindigkeit von bis zu 1.200 MBit/s und sogar eine Klinkenbuchse ist an Bord. Einziger kleiner Kritikpunkt: Es wird zwar USB Typ-C-unterstützt, doch es liegt nur ein USB-2.0-Kabel dabei, sodass man nicht die höchste Ladegeschwindigkeit erzielen kann.

Das LG V40 kommt mit Android 8.1

Es ist doch enttäuschend, dass in dieser Preisklasse nur Android 8.1 vorinstalliert ist, denn wenn ein Smartphone einen 900 Euro UVP aufweist, sollte das aktuelle Betriebssystem eigentlich Pflicht sein. Im Zusammenspiel mit dem hauseigenen User Interface gelingt die Handhabung aber dennoch gut, auch wenn ein paar Finessen fehlen. Inzwischen gibt es ein Update auf Pie.

Um das Gerät zu Entsperren gibt es gleich drei Möglichkeiten: Fingerkuppe, Stimme und die Gesichtserkennung. Letzteres funktioniert flott und wenn man möchte auch ohne jeglichen Zwischenschritt. Die Sache hat aber einen Haken. Da es nur eine Gesichtsfeldabtastung ist, ist ein Missbrauch möglich. Auch das Entsperren mit geschlossenen Augen ist beispielsweise kein Problem. Zudem funktioniert die Gesichtsentsperrung nicht, wenn es zu düster ist. Sicherer ist da der Fingerprintscanner, der gut erreichbar ist und ebenfalls schnell und sicher funktioniert.

Der Menüaufbau ist ansonsten ziemlich „nackt“, da es weder eine linke Google-Startseite noch einen App Drawer gibt. Alle Extra-Anwendungen werden daher einfach auf den rechten Startseiten gesammelt, was die Sache etwas umständlicher macht.

Seitliche Ansicht

So viel Ausstattung braucht natürlich auch viel Leistung. Der Snapdragon-845-Prozessor mit einer Prozessor-Taktung von 2.800 MHz und 6 GB Arbeitsspeicher ist zwar nicht der allerneueste, aber auf alle Fälle absolut ausreichend, um das komplette Tagesgeschäft reibungslos zu managen. Während der Testphase traten jedenfalls keinerlei Probleme auf.

Das lässt sich leider nicht über die Akkuleistung sagen. 3.300 Milliamperestunden sind zwar beileibe nicht schlecht, doch im Praxistest war stets nach drei Tagen Rufbereitschaft Schluss – das ist Anno 2019 einfach zu wenig. Auch der Dauerstresstest verlief eher enttäuschend, denn bereits nach 8,5 Stunden Dauerbetrieb ist Sense. Die 10 Stunden-Hürde sollte ein Funker in dieser Preisklasse eigentlich erreichen. Immerhin: Dank USB-C und einer Schnellladetechnik, ist der Akkublock nach rund 2 Stunden und 15 Minuten wieder zu 100% einsatzbereit – allerdings lädt auch in diesem Bereich die Konkurrenz schneller. Übrigens: Kabelloses Laden ist zwar möglich, dafür braucht man allerdings eine Qi-konforme Ladestation.

Wie so viele Smartphone bringt das V40 nur einen Mono-Speaker im Rahmen unterhalb des Display mit. Der ist aber erfreulich pegelfest und bleibt auch bei hoher Lautstärke noch in der Spur. Das Klangfeld ist zudem luftig und lebendig.  Telefonate gehen ebenfalls reibungslos über die Bühne: Weitestgehend frei von Nebengeräuschen und die stimmliche Präsenz ist gut.

Fazit

LG V40 ThinQ

Das LG V40 ThinQ zeigt, dass sich warten lohnt, denn für einen sehr fairen Preis bekommt der Käufer einen Alleskönner, der bei geringem externen Lichteinfall fast allen anderen Smartphones-Kameras die Show stiehlt. User dürfen sich zudem über ein rundes Gesamtpaket freuen, das nur wenige Schwächen offenbart. Einziger wirklich Malus: Die Akkulaufzeit ist zu schwach, denn nur drei Tage Rufbereitschaft sind heutzutage einfach zu wenig. Summa summarum ist aus dem ehemaligen Luxus-Smartphone nun ein Preistipp in der Premium-Klasse geworden.

Für einen Online-Preis von rund 500 Euro ein sehr solides Allround-Smartphone mit ausgezeichneter Kamera

18.10.2019

+ Gute Performance
+ Tolles Display
+ Starke Fotos bei Schwachlicht

- Mäßige Rufbereitschaft
- Auslieferung mit Android 8.1
- Keine optimale Ladezeit

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 18.10.2019

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